Die Roboter kommen aus Zürich: Sieben Schweizer Startups, die diesen Sommer über 450 Millionen holten
SoftBank zahlte 200 Millionen für Bagger, die selbst fahren. Dazu Roboter fürs Rechenzentrum, ein Raketentriebwerk aus dem ETH-Studentenverein und ein Labor, das Roboter betreiben: die Herausforderer des Sommers 2026.

Am 17. August überwies SoftBank 200 Millionen Dollar an eine Firma mit 80 Mitarbeitenden in Zürich, die Bagger das Fahren beibringt. Es war eine der grössten Serie-A-Runden, die Europa je gesehen hat, und sie machte Gravis Robotics zum fünften Unicorn der ETH. Der Sommer 2026 hat noch mehr geliefert: Roboter für Rechenzentren, ein Raketentriebwerk aus Zürich, ein automatisiertes Labor am Genfersee. Sieben Firmen, die man jetzt kennen sollte.
Das Wichtigste in Kürze
Zwischen Ende Juli und Anfang September holten Schweizer Startups über 450 Millionen Dollar in sieben Runden: Gravis Robotics (200 Mio.), Vaderis Therapeutics (152 Mio.), Adaptyv (40 Mio.), Ahead Health (10 Mio.), xorlab (5 Mio. Euro), Exclaim Robotics (4,95 Mio.) und Jaipur Robotics (4,3 Mio. Euro). Dazu Stellar Alpina, das seit Mai an Detonationstriebwerken baut. Vier der acht Firmen bauen Roboter oder Maschinen, die selbst entscheiden. Die Schweiz finanziert gerade nicht Software, sondern Hardware mit Software drin.

Der Markt: Der Sommer der Roboter
Das erste Halbjahr 2026 brachte Schweizer Startups 1,25 Milliarden Franken in 123 Runden, 15 Prozent weniger als im Vorjahr, aber einen Rekord bei Hardware. Der Sommer hat die Richtung bestätigt: Von den sieben grössten Runden seit Ende Juli gingen drei an Robotik-Firmen, eine an ein Labor, das Roboter betreibt. Das Kapital kommt von dort, wo es gross ist: SoftBank aus Tokio, Highland Europe aus London, Founderful und Playfair für die frühen Phasen.
Die sieben Herausforderer des Sommers
1. Gravis Robotics, Zürich – der Bagger, der selbst fährt
Ryan Luke Johns, Dominic Jud und ETH-Professor Marco Hutter gründeten Gravis 2022 aus dem Robotic Systems Lab. Ihr System rüstet bestehende Bagger und Lader von Caterpillar, John Deere, Volvo, Hitachi und JCB mit Sensoren und KI nach: Es kartiert die Baustelle in 3D, liest Motorlast und Hydraulikdruck und gräbt, planiert und lädt dann selbst. «Sie drücken Play, die Maschine fährt zum Start und erledigt den ganzen Auftrag ohne Eingriff», sagt Johns. Kunden sind Holcim, Taylor Woodrow, HD Hyundai und Flannery Plant Hire. Im November 2025 gab es 23 Millionen von IQ Capital, im August 2026 200 Millionen von SoftBank zu einer Bewertung von einer Milliarde Dollar. Rund 80 Mitarbeitende, Einsätze in Europa, den USA, Lateinamerika und Asien. Johns’ Ziel ist nicht der leere Führerstand: «Es geht darum, dass ein Fahrer mehrere hochproduktive Maschinen steuert.»
2. Vaderis Therapeutics, Basel – 152 Millionen für seltene Gefässkrankheiten
Die zweitgrösste Runde des Sommers ging an ein Biotech, das Therapien für seltene Gefässerkrankungen entwickelt. 152 Millionen Dollar am 11. August, aus Basel, wo das Geld für Biotech traditionell sitzt. Vaderis ist das Gegenstück zu Gravis: keine Roboter, keine Bilder, aber ein Markt, in dem eine einzige Zulassung Milliarden wert ist.
3. Adaptyv, Lausanne – das Labor, das Roboter betreiben
Adaptyv im Biopôle bei Lausanne baut ein automatisiertes Nasslabor, das von KI entworfene Proteine testet, schneller und billiger als jedes Forschungslabor. Über 100 Kunden, Laborkapazität in einem Jahr verfünffacht. Am 26. August kamen 40 Millionen Dollar in einer Serie A, angeführt von Highland Europe; Y Combinator, Ace Ventures und ByFounders verdoppelten. Das Team soll von 25 auf 60 wachsen, ein Labor in London folgt im vierten Quartal. Das erklärte Ziel: eine «biologische Gigafactory».
4. Ahead Health, Zürich – Digital Health nach Deutschland
Zehn Millionen Dollar am 29. Juli, angeführt von 3VC aus Wien. Ahead Health baut eine digitale Gesundheitsplattform und expandiert damit nach Deutschland und in die Niederlande, zwei Märkte, in denen die elektronische Patientenakte funktioniert.
5. xorlab, Zürich – E-Mail-Sicherheit ohne Amerika
Fünf Millionen Euro am 1. September, Lead Spicehaus Partners. xorlab nennt sich «Europas souveräne E-Mail-Sicherheitsplattform» und verkauft an Banken, kritische Infrastrukturen und Behörden. Das Verkaufsargument ist dasselbe, das AlpineAI mit SwissGPT nutzt: Daten, die in Europa bleiben. 57 Prozent der Schweizer KMU sorgen sich um die Abhängigkeit von US-IT.
6. Exclaim Robotics, Zürich – der Roboter im Rechenzentrum
Helen Oleynikova forschte an der ETH und arbeitete bei Google, Microsoft und Nvidia. Am 4. August kam ihr Startup mit 4,95 Millionen Dollar von Founderful und Playfair aus dem Verborgenen. Exclaim baut mobile Roboter, die in KI-Rechenzentren Optiken reinigen, Kupferkabel neu verbinden und Laufwerke einsetzen. Der Grund ist Strom: Neue KI-Rechenzentren laufen mit 800 Volt Gleichspannung, und Routinewartung wird damit für Menschen zum Sicherheitsrisiko. Die physische Schicht der KI-Infrastruktur ist die letzte, die noch nicht automatisiert ist.
7. Jaipur Robotics, Tessin – KI-Augen für die Kehrichtverbrennung
4,3 Millionen Euro Seed-Kapital am 7. September für eine Software, die mit Kameras und KI Abfallströme in Kehrichtverbrennungs- und Industrieanlagen überwacht. Der Standort Tessin ist selten in dieser Liste; der Markt, Anlagen, die niemand sieht und alle brauchen, ist typisch Schweiz.
Dazu: Stellar Alpina, Zürich – ein Raketentriebwerk aus dem Studentenverein
Simi Y. Wespi, Victor Elliesen, Rick Röthlisberger und Patrick Egli kommen von ARIS, der studentischen Raumfahrtinitiative der ETH. Ihre Firma ist seit Mai 2026 eingetragen, hat 3,5 Millionen Franken von Founderful und LP&E erhalten und im September Venture Kick durchlaufen. Sie baut Triebwerke mit rotierender Detonation: kleiner, schneller, effizienter als herkömmliche Systeme, für das Umparken von Satelliten in höhere Umlaufbahnen und den Raum zwischen Erde und Mond. Der ETH-Raumfahrtdirektor Thomas Zurbuchen, früher Forschungschef der NASA, steht dahinter. Von den acht Firmen ist Stellar Alpina die jüngste und die mit dem weitesten Weg.
Was die Liste zeigt
Vier der acht Firmen kommen von der ETH oder der EPFL. Gravis stammt aus dem Robotic Systems Lab von Marco Hutter, demselben Labor, aus dem ANYbotics und RIVR kamen; RIVR ging im März an Amazon. Die Hochschulen sind nicht nur der Inkubator des Landes, sie sind inzwischen auch sein Exportgut. SoftBank investierte nicht in die Schweiz. Es investierte in ein Zürcher Labor.
Die zweite Beobachtung ist unangenehm für alle, die Software für den Weg zum schnellen Geld halten: Die grossen Runden gehen an Firmen, die Metall bewegen. Gravis, Exclaim, Stellar Alpina, Adaptyv, alle bauen Maschinen, die in der physischen Welt arbeiten. Das ist teuer, langsam und schwer zu kopieren. Genau deshalb zahlt SoftBank dafür.
Und die dritte: Der Exit kommt bald. RIVR ging nach drei Jahren an Amazon, Lakera nach vier an Check Point. Gravis ist vier Jahre alt und eine Milliarde wert. Wer im Baugeschäft, in der Energie oder in der Industrie eine dieser Firmen im Blick hat, sollte sich fragen, ob er Kunde oder Käufer sein will.
Wer fehlt?
NovaGo Therapeutics mit 30 Millionen für die Behandlung von Rückenmarksverletzungen, KOVE medical, DataHow, Synhelion mit der Demo-Anlage in Nordrhein-Westfalen, und die Venture-Kick-Gewinner SCAIT, PANDA Therapeutics und Foldcast: Der Sommer war länger als ein Artikel. Wer auf dieser Liste fehlt: Unternehmen vorschlagen. Wir prüfen jeden Vorschlag.
Quellen (abgerufen am 8. September 2026)
- ETH Zürich, 200 million for autonomous excavators (August 2026); EU-Startups, Gravis Robotics becomes Europe’s latest unicorn; Bloomberg, SoftBank invests $200 million
- startupticker, Finanzierungsmeldungen Juli–September 2026 (Vaderis, Ahead Health, xorlab, Jaipur Robotics, NovaGo, KOVE)
- startupticker, Adaptyv raises $40M (26. August 2026)
- Data Center Dynamics, Former Microsoft researcher launches data center robotics startup (4. August 2026)
- startupticker, Stellar Alpina raises CHF 3.5M (Mai 2026); Tech.eu, Venture Kick (4. September 2026)
- startupticker, 1,25 Milliarden für Schweizer Startups im ersten Halbjahr 2026
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