China baut Humanoide in Serie. Zürich baut ihre Hände.
XPeng eröffnet die Fabrik, Unitree ist 66 Milliarden wert, 97 Prozent der Humanoiden kommen aus China. Die schwierigste Komponente, die Hand, baut ein ETH-Spin-off mit 25 Leuten. Wer in Zürich, Sachseln und im Jura am Roboterboom verdient.

Am Dienstag hat der chinesische Autobauer XPeng in Guangzhou eine Fabrik eröffnet, in der humanoide Roboter vom Band laufen, gebaut zu 80 Prozent von Maschinen. Am selben Tag verkaufte ein Zürcher Startup mit 25 Angestellten weiter das Teil, an dem die Chinesen noch scheitern: eine Hand. Die Arbeitsteilung ist nicht geplant, aber sie ist inzwischen deutlich. China baut den Körper. Zürich baut die Hände, die Gelenke und das Gehirn.
Das Wichtigste in Kürze
Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit 19’100 humanoide Roboter ausgeliefert, 97 Prozent davon von chinesischen Herstellern. Unitree ist seit August an der Börse und 66 Milliarden Dollar wert, sein Durchschnittspreis pro Roboter fiel in zwei Jahren von 85’000 auf 25’000 Dollar. Die schwierigste Komponente bleibt die Hand: 15 bis 20 Prozent der Kosten, und keine hat bisher menschliche Geschicklichkeit erreicht. Genau dort sitzen die Schweizer: mimic robotics (Hände), Flexion (Steuerung, 50 Millionen von DST und Nvidia), maxon und Sonceboz (Gelenke), Hexagon (der grösste europäische Humanoiden-Auftrag, angekündigt aus Zürich).

Der Markt: 18’000 Roboter im letzten Jahr, 50’000 in diesem
Die Zahlen, die aus China kommen, verdoppeln sich schneller, als die Analysten ihre Prognosen anpassen. IDC zählte für 2025 rund 18’000 ausgelieferte Humanoide weltweit, fünfmal mehr als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2026 waren es laut Smart Analytics Global bereits 19’100, angeführt von AgiBot mit 8’400 und Unitree mit 5’900 Stück. Morgan Stanley hob im Juni seine Prognose für China auf 50’000 Roboter im Jahr 2026 an, im Januar hatte die Bank noch 28’000 erwartet. UBTech liefert seinen Walker S2 seit November an BYD, Geely, Foxconn und das VW-Werk in Qingdao, mit Aufträgen über 800 Millionen Yuan. AgiBot hat im März den zehntausendsten Roboter ausgeliefert.
Unitree, 2016 in Hangzhou gegründet, ging am 19. August an die Börse in Shanghai, bewertet mit neun Milliarden Dollar; am ersten Handelstag stieg der Kurs um 460 Prozent. Die Firma verkaufte 2025 rund 5’500 Humanoide, bei 60 Prozent Bruttomarge, und ihr Durchschnittspreis fiel von 593’400 Yuan im Jahr 2023 auf 167’600. Das ist der Preisverfall, den China schon bei Solarmodulen und Elektroautos vorgeführt hat, nur schneller. XPeng, das seit Dienstag produziert, nennt weder Preis noch Stückzahl; die Auslieferung beginnt 2027. Tesla dagegen hat die Fertigung von Optimus im Sommer auf einer umgebauten Model-S-Linie in Fremont begonnen, «ziemlich langsam», wie Elon Musk sagt, nachdem er im Januar zugegeben hatte, dass noch kein Roboter nützliche Arbeit leiste. Im BMW-Werk Spartanburg arbeitet seit Juni ein einzelner Figure 03 in der Logistik. Ein Roboter. In China sind es Tausende.
Das Problem: die Hand
Ein Humanoide hat zwei Hände, und sie kosten zusammen 15 bis 20 Prozent des Roboters. XPengs Iron hat 76 Freiheitsgrade, 21 davon in jeder Hand. Die Hand von Sharpa aus Shanghai hat 22 und kostet 50’000 Dollar, die von LinkerBot 920 Dollar. Was keine von ihnen hat, ist der Tastsinn. Rodney Brooks, Gründer von iRobot und einer der erfahrensten Robotiker der Welt, hat im September 2025 aufgeschrieben, warum: Die menschliche Hand hat rund 17’000 Berührungsrezeptoren, und «keine menschenähnliche Roboterhand hat bisher viel an Geschicklichkeit gezeigt, in irgendeinem allgemeinen Sinn». Videos von Menschen, aus denen die Modelle lernen, enthalten die Information nicht, die eine Hand braucht. Brooks rechnet mit über zehn Jahren bis zum ersten profitablen Einsatz.
Im Februar sassen die Fachleute dazu im Innovationspark Biel zusammen, am International Humanoid Forum mit 200 Teilnehmern aus zwanzig Ländern. Der Befund der Technischen Rundschau danach: «Die humanoiden Roboter haben ein Körperproblem.» Fehlende Sicherheitszertifizierung für Zweibeiner, teure, wenig haltbare Sensoren, und keine KI-Modelle, die mit Tastdaten umgehen können. Das ist der Markt, in dem die Schweizer verkaufen.
Die Zürcher Antwort
mimic robotics: die Hand
Stefan Weirich, Elvis Nava, Stephan-Daniel Gravert und Benedek Forrai haben mimic 2024 aus dem Soft Robotics Lab von Robert Katzschmann an der ETH gegründet. Im Mai 2024 gab es 2,5 Millionen Dollar von Founderful, im November 2025 sechzehn Millionen, angeführt von Elaia aus Paris, mit Speedinvest und dem Scout-Fonds von Sequoia. Am 16. Juli 2026 hat die Firma ihr Produkt vorgestellt: die Hand M1, fünfzehn angetriebene Freiheitsgrade in 21 Gelenken, sehnengetrieben, mit Tastsensoren in den Fingerspitzen, die Gewichte von 50 Gramm spüren und 25 Kilo tragen, entwickelt und gebaut in der Schweiz. Dazu ein Exoskelett, mit dem Menschen der Hand ihre Bewegungen beibringen. Das Team zählt 25 Leute, die Kunden sind Autohersteller und Logistiker, deren Namen die Firma nicht nennt.
Entscheidend ist, was mimic nicht baut: einen Roboter. «Humanoide sind aufregend, aber es gibt nicht viele industrielle Szenarien, in denen der Ganzkörper einen Mehrwert bringt», sagt die Firma. Ihre Hand kommt an bestehende Industriearme. Das ist eine Wette gegen den Trend aus China, und sie hat einen Vorteil: Wer die Hand hat, verkauft an alle, die Körper bauen.
Flexion: das Gehirn
Nikita Rudin und David Höller haben bei Nvidia die Simulationswerkzeuge mitentwickelt, mit denen heute die meisten Roboter trainiert werden, und im Januar 2025 in Zürich Flexion gegründet, mit Marco Hutter von der ETH als Berater. Im November kamen 50 Millionen Dollar von DST Global, mit Nvidias Beteiligungsarm NVentures, redalpine und Prosus. Flexion verkauft die Software, die einen Humanoiden steuert, pro Roboter lizenziert, unabhängig vom Hersteller; die Demonstrationen laufen auf Unitree-Robotern. Nvidia investiert also in Zürich in das Gehirn, während sein eigener Referenz-Humanoide seit Juni die Hände von Sharpa aus Shanghai trägt.
maxon und Sonceboz: die Gelenke
Die leisen Gewinner sitzen in Sachseln und im Berner Jura. maxon hat an der Hannover Messe im April integrierte Gelenke für Humanoide gezeigt, Motor, Getriebe, Encoder und Elektronik in einem Gehäuse, in zwei Grössen für Knie und Hüften beziehungsweise Ellbogen und Handgelenke. Sonceboz hat einen Aktuator vorgestellt, der 100 Newtonmeter bei 1,6 Kilo liefert, «entwickelt für die Gelenke humanoider Roboter». Beide nennen keine Kunden. Das müssen sie nicht: Wer 50’000 Roboter im Jahr baut, braucht eine Million Gelenke.
Hexagon: der Auftrag
Der grösste europäische Humanoiden-Auftrag wurde aus Zürich angekündigt, weder aus Peking noch aus Detroit. Hexagon Robotics, die Roboter-Sparte des schwedischen Messtechnik-Konzerns mit Sitz in der Stadt, hat am 22. April mit Schaeffler den Einsatz von mindestens tausend Humanoiden des Typs AEON bis 2032 vereinbart, für das Be- und Entladen von Maschinen und die Teileprüfung. BMW testet den AEON ebenfalls. Und Neura Robotics aus Metzingen hat im Dezember in Zürich-Seefeld 1’800 Quadratmeter für die Entwicklung seines Humanoiden bezogen: «Der Tech-Hub Zürich mit seiner aussergewöhnlichen Talentbasis ist der ideale Ort», sagte Chef David Reger.
Was die Liste zeigt
Die Schweiz hat 294 Industrieroboter pro 10’000 Beschäftigte, Deutschland 449, China 166. Das Land mit der niedrigsten Dichte baut die Humanoiden in Serie, und die beiden Länder mit den hohen Dichten liefern die Teile. Das ist das Geschäftsmodell, mit dem die Schweizer Industrie seit hundert Jahren verdient: das Teil bauen, ohne das die Maschine nicht funktioniert. ANYbotics hat über 200 Inspektionsroboter verkauft und 150 Millionen eingesammelt, RIVR ging im März an Amazon. Der Rest von Hutters Labor, Gravis eingeschlossen, baut Maschinen, die selbst entscheiden. Wer eine Schweizer Fabrik führt und in den nächsten fünf Jahren einen Humanoiden im Betrieb sehen will, wird ihn wahrscheinlich aus China kaufen. Die Hand darin könnte aus Zürich kommen.
Wer eine Schweizer Firma kennt, die Teile für Humanoide liefert und auf dieser Liste fehlt: Unternehmen vorschlagen. Wir prüfen jeden Vorschlag.
Quellen (abgerufen am 9. September 2026)
- XPeng, XPENG IRON Humanoid Robot Now Walks Off the Production Line (8. September 2026); CnEVPost, XPeng opens IRON production line; TLDR Tech, 8. September 2026
- Rest of World, Unitree’s Shanghai IPO (2026); Fortune, Unitree shares surge 460 % on debut (19. August 2026); Smart Analytics Global, Global humanoid shipments H1 2026; CGTN/IDC, IDC: humanoid shipments 2025; SCMP, Morgan Stanley raises forecast to 50,000 (24. Juni 2026)
- UBTech, Walker S2 begins mass production (November 2025); The Robot Report, AgiBot rolls out 10,000th robot; Electrek, Tesla Optimus production in Fremont; BMW Group, Figure 03 in Spartanburg (25. Juni 2026)
- Rodney Brooks, Why Today’s Humanoids Won’t Learn Dexterity (September 2025); Technische Rundschau, Die humanoiden Roboter haben ein Körperproblem (Februar 2026); Engineering.com, Sharpa hands added to Nvidia humanoid design; TechBuzz China, Robot hands in China (Kostenanteil 15–20 Prozent)
- mimic robotics, Solving dexterity (16. Juli 2026); startupticker, mimic banks 16 million (November 2025); ETH AI Center, mimic seed round
- The Robot Report, Flexion raises $50M (November 2025); Flexion, About
- maxon, Hannover Messe 2026; Swiss Robotics Association, Sonceboz actuator for humanoids (September 2025)
- Hexagon, Hexagon and Schaeffler deploy AEON humanoids (22. April 2026); Neura Robotics, Expansion in die Schweiz (Dezember 2025); IFR, Robot density 2024 (April 2026); startupticker, Amazon acquires RIVR (März 2026); ANYbotics raises additional $20M
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