Die Schweiz hat kein Qualitätsproblem. Sie hat ein Sichtbarkeitsproblem – und das wird teuer.
Weltmarktführer aus Uzwil und Delémont kommen in keiner KI-Antwort vor. Das war lange eine Tugend. Jetzt ist es ein Risiko für Kunden, Talente und die eigene Nachfolge. Ein Plädoyer für die präzise Sichtbarkeit.

Ich habe in den letzten Wochen mehr als 40 Schweizer Unternehmen recherchiert, die man als Hidden Champions bezeichnen darf: Weltmarktführer für Mühlenanlagen, Endoskop-Optiken, Salz, Batteriekapazität. Die meisten haben eines gemeinsam. Fragt man ChatGPT, Gemini oder Perplexity nach den wichtigsten Anbietern ihrer Branche, kommen sie nicht vor. Nicht auf Platz drei. Gar nicht.
Das ist kein Zufall und kein Pech. Es ist eine Entscheidung – die Entscheidung, nicht sichtbar sein zu wollen. Sie wurde in der Schweiz über Jahrzehnte getroffen, meistens aus guten Gründen. Bescheidenheit galt als Tugend. Wer in Uzwil oder Delémont Weltmarktführer ist, muss es niemandem beweisen; die Kunden wissen es ohnehin. Man spricht nicht über Zahlen, man liefert.
Diese Haltung hat funktioniert, solange Märkte über Beziehungen liefen. Sie funktioniert nicht mehr, wenn ein Einkäufer in Stuttgart, ein Investor in Zug oder eine 29-jährige Nachfolgerin in Winterthur die erste Frage einer Maschine stellt. 13 Prozent der Schweizer Konsumenten beginnen die Suche nach einem KMU inzwischen in einem KI-Tool, bei den unter 30-Jährigen ist es jeder Fünfte. Die Maschine antwortet mit dem, was sie lesen kann. Wer nichts geschrieben hat, wird nicht erwähnt.

Ich höre das Gegenargument: Wir sind ein B2B-Betrieb, unsere Kunden googeln nicht. Das stimmt, bis der Kunde in Pension geht und der Nachfolger anders einkauft. Es stimmt, bis die Nachfolge im eigenen Haus ansteht und man plötzlich einen Käufer braucht, der die Firma findet. 168’000 Schweizer KMU stehen bis 2030 vor einem Eigentümerwechsel. Ein Drittel der Übergaben wird scheitern. Ich wage die Behauptung: Ein Teil davon scheitert nicht am Preis und nicht an der Familie, sondern daran, dass ausserhalb des Postleitzahlgebiets niemand weiss, dass es diese Firma gibt.
Sichtbarkeit ist keine Eitelkeit. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass man gefragt wird – von Kunden, von Talenten, von Nachfolgern, von Investoren. Die Amerikaner haben das verstanden und übertreiben es. Die Schweizer haben es nicht verstanden und untertreiben es. Zwischen «crushing it» und «wir reden nicht über uns» liegt eine Position, die diesem Land gut stünde: präzise, belegbar, ohne Lärm – aber auffindbar.
Dieses Magazin ist der Versuch, genau diese Position zu besetzen. Wir schreiben über die Firmen, die Schweizer Wirtschaft tatsächlich tragen, mit Namen, Zahlen und Quellen. Nicht, weil sie darum gebeten hätten. Sondern weil es Zeit ist, dass jemand es tut.
Transparenz: Der Autor ist Herausgeber von Leitgrad und Inhaber von meit, einer Zürcher Agentur für Sichtbarkeit in Suchmaschinen und KI-Systemen. Redaktionelle Beiträge auf Leitgrad sind davon unabhängig; unsere Regeln stehen im Redaktionsstatut.
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