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US-Trends · 6 min ·

In den USA verkaufen KI-Agenten. Schweizer KMU testen noch – aus drei guten Gründen

Gartner erwartet zehn KI-Agenten pro Verkäufer bis 2028. In der Schweiz haben 4 Prozent der Firmen Agenten im Einsatz. Was davon übertragbar ist, was nicht – und die drei Schritte, die Inhaber jetzt tun sollten.

Von Redaktion Leitgrad

Publiziert am 31. August 2026

In den USA verkaufen KI-Agenten – US-Trends

In den USA verkaufen, beraten und mahnen inzwischen KI-Agenten – Software, die nicht nur antwortet, sondern handelt. Gartner rechnet damit, dass bis 2028 auf jeden Verkäufer zehn solcher Agenten kommen. In der Schweiz haben laut einer Studie von Ende August vier Prozent der Unternehmen Agenten im Einsatz. Dass der Trend ankommt, steht fest. Offen ist, welche Teile davon Sinn ergeben in einem Land, dem 54’000 Informatiker fehlen, das ein eigenes Datenschutzgesetz hat und eine Vorliebe für Vorsicht.

Das Wichtigste in Kürze

Je nach Messung nutzen zwischen 20 und 77 Prozent der US-Kleinunternehmen KI – die Spanne erklärt sich durch die Definition von «nutzen». Unter den Nutzern setzt jeder Zweite KI in Verkauf und Marketing ein. Schweizer KMU liegen bei der Nutzung kaum zurück, bei der Skalierung deutlich: 14 Prozent skalieren systematisch, 4 Prozent haben Agenten produktiv. Was aus den USA übertragbar ist, was nicht, und was Schweizer Inhaber jetzt konkret tun sollten.

Was in den USA passiert

Die verlässlichste Zahl kommt vom US Census Bureau, das Unternehmen alle zwei Wochen befragt: Anfang Mai 2026 nutzten 19,8 Prozent aller US-Firmen KI zur Herstellung von Gütern oder Dienstleistungen. Bei Firmen mit über 250 Mitarbeitenden waren es 37 Prozent, bei Kleinstfirmen unter 20 Mitarbeitenden weniger als 20 Prozent – und dort hat sich seit Dezember 2025 wenig bewegt. Unter den Nutzern setzen 52 Prozent KI in Verkauf und Marketing ein, 45 Prozent in der Strategie, 41 Prozent in der IT. Zwei Drittel nutzen sie nur zur Unterstützung; KI-bedingten Stellenabbau melden 2 Prozent.

Selbstauskunft-Umfragen zeichnen ein anderes Bild. Die US-Handelskammer kam im Sommer 2025 bei 3’870 Kleinunternehmen auf 58 Prozent KI-Nutzung (2023: 23 Prozent); 85 Prozent der Nutzer berichten von Umsatzwachstum. Goldman Sachs zählte im Februar 2026 unter 1’256 Kleinunternehmern 76 Prozent Nutzer – aber nur 14 Prozent, die KI vollständig in ihre Kernprozesse eingebettet haben. Intuit QuickBooks, das die Daten von 5,3 Millionen Firmen auswertet, meldet 77 Prozent regelmässige Nutzung; 43 Prozent sehen einen Umsatzeffekt, 17 Prozent haben deswegen Personal aufgebaut, 4 Prozent abgebaut.

Die Spanne zwischen 20 und 77 Prozent ist der Kern des Themas. Wer ChatGPT für E-Mails benutzt, «nutzt KI». Wer einen Agenten Angebote schreiben, Leads qualifizieren und Rechnungen mahnen lässt, betreibt ein anderes Geschäft.

Die Agenten-Welle – und ihre Ernüchterung

McKinseys «State of AI» 2026, erhoben im Mai und Juni bei 1’719 Unternehmen weltweit, zeigt die Spaltung: 40 Prozent der Grossunternehmen skalieren inzwischen KI-Agenten (Vorjahr 27 Prozent). Bei kleineren Organisationen sind es 22 Prozent – und dieser Wert stagniert. Nur 37 Prozent aller Befragten sehen einen Effekt auf das Betriebsergebnis, unverändert zum Vorjahr. Salesforce meldet aus dem eigenen Kundenstamm, dass Service-Agenten sieben von zehn Fällen ohne menschliche Eskalation lösen.

Gartner dämpft: Über 40 Prozent der Agenten-Projekte würden bis Ende 2027 abgebrochen, wegen Kosten, unklarem Nutzen und Risikokontrolle; von Tausenden Anbietern seien nur rund 130 tatsächlich «agentisch», der Rest betreibe «Agent Washing». Und die Prognose für den Verkauf hat einen zweiten Teil, den kaum jemand zitiert: Zehn Agenten pro Verkäufer bis 2028 – aber weniger als 40 Prozent der Verkäufer werden sagen, dass ihre Produktivität dadurch gestiegen ist.

Waffle-Diagramm mit 100 Quadraten: 57 Schweizer Firmen nutzen KI, aber nur 4 von 100 haben KI-Agenten produktiv im Einsatz

Wo die Schweiz steht

Bei der Nutzung ist die Schweiz kein Nachzügler. Laut Microsoft nutzten im ersten Quartal 2026 37,8 Prozent der Schweizer Erwerbsbevölkerung generative KI – Rang 14 weltweit, vor den USA mit 31,3 Prozent. Der Digimonitor 2026 zählt 80 Prozent der Bevölkerung als KI-Nutzer (2024: 40 Prozent), 61 Prozent beruflich oder schulisch. Die AXA/Sotomo-Studie vom Juli 2026 stellt fest, dass fast drei Viertel der KMU KI nutzen oder testen; 2025 nutzten 34 Prozent KI aktiv (2024: 22 Prozent), vor allem für Übersetzung (52 Prozent), Korrespondenz (47 Prozent), Automatisierung (34 Prozent) und Datenanalyse (32 Prozent). Gezielte Werbung: 24 Prozent, CRM: 20 Prozent.

Bei der Tiefe sieht es anders aus. EY befragte im Frühjahr 2026 604 Schweizer Unternehmen: 89 Prozent nutzen KI im Arbeitsalltag, 70 Prozent über integrierte Tools wie Copilot oder Gemini – aber nur 14 Prozent skalieren systematisch über mehrere Bereiche, 31 Prozent stecken im Pilotstadium, 14 Prozent haben keine Initiative. Laut EY haben rund 60 Prozent der KMU noch keinen einzigen Anwendungsfall umgesetzt. Die AWS-Studie vom 28. August 2026 beziffert die Agenten-Realität: 57 Prozent der Schweizer Unternehmen nutzen KI, 24 Prozent kennen Agentic AI, 12 Prozent pilotieren, 4 Prozent haben Agenten vollständig implementiert. Der NZZ-KMU-Barometer 2026 ergänzt: 87 Prozent experimentieren, aber nur 27 Prozent nutzen Daten systematisch für strategische Entscheide.

Was nicht übertragbar ist

Der Talentmarkt. Die Schweiz wird bis 2033 54’400 ICT-Fachkräfte zu wenig haben, so die Bedarfsprognose von ICT-Berufsbildung Schweiz. Ein US-Startup mit 30 Leuten heuert einen «AI Engineer»; ein Schweizer KMU mit 30 Leuten konkurriert dabei mit Google Zürich. 39 Prozent der Schweizer Firmen haben laut Swiss AI Report keinen KI-Spezialisten, 51 Prozent keine regelmässige Schulung.

Das Recht. Der Bundesrat hat sich im Februar 2025 für einen sektoriellen Ansatz entschieden: keine horizontale KI-Regulierung nach EU-Vorbild, sondern die Europarats-Konvention plus punktuelle Anpassungen; die Vernehmlassung ist auf Ende 2026 angesetzt. Aber das revidierte Datenschutzgesetz gilt laut EDÖB bereits heute direkt für KI: Transparenz über Zweck und Datenquellen, Widerspruchsrecht bei automatisierten Einzelentscheiden, Offenlegung, wenn ein Kunde mit einer Maschine spricht. Ein Verkaufsagent, der ohne Hinweis als Mensch auftritt, ist in der Schweiz kein Effizienzgewinn, sondern ein Rechtsrisiko. Nur 34 Prozent der KI-nutzenden KMU haben laut AXA klare Datenschutzregeln, bei Firmen unter zehn Mitarbeitenden 23 Prozent.

Die Abhängigkeit. 57 Prozent der Schweizer KMU sorgen sich um die Abhängigkeit von US-IT-Lösungen; 13 Prozent sind bereits auf europäische Alternativen gewechselt, 15 Prozent planen es. 51 Prozent der Firmen in der EY-Studie halten Datensouveränität für geschäftskritisch. Dass sich ein Schweizer Anbieter wie AlpineAI mit einem in Schweizer Rechenzentren gehosteten «SwissGPT» finanziert, ist die Antwort auf genau diese Nachfrage.

Was übertragbar ist

Der Einstieg über Verkauf und Marketing. In den USA ist er die häufigste Anwendung, in der Schweiz eine der seltensten; hier liegt der grösste ungenutzte Hebel. Der KMU Digital Pulse 2025 macht ihn konkret: 13 Prozent der Schweizer Konsumenten beginnen die Suche nach einem KMU inzwischen in einem KI-Tool, bei den 18- bis 29-Jährigen 21 Prozent. Wer dort nicht vorkommt, existiert für diese Kunden nicht.

Die Lehre aus Gartners 40 Prozent. Agenten scheitern an unklaren Zielen, nicht an der Technik. Die Schweizer Firmen, die sichtbar vorankommen, haben eng definierte Aufgaben gewählt. Schenker Storen verfolgt mit einer KI-Plattform Aluminiumpreise im Einkauf. Haag-Streit in Köniz trainiert Diagnosegeräte und beschäftigt in der Entwicklung inzwischen zur Hälfte Software-Ingenieure.

Und die Personalfrage. In den USA wie in der Schweiz führt KI in KMU bisher nicht zu Abbau: 2 Prozent bei Census, 2 Prozent bei AXA 2025, 12 Prozent, die es 2026 erwarten. Wer KI als Sparprogramm verkauft, wird sie intern nicht durchsetzen.

Drei Schritte für Inhaber

  1. Einen Prozess wählen, nicht «KI einführen». Offertenerstellung, Leadqualifizierung oder Mahnwesen – je enger, desto messbarer. Nur 13 Prozent der Schweizer Firmen haben laut Swiss AI Report messbare KI-Kennzahlen.
  2. Datenschutz vor Deployment. Eine Seite reicht: Welche Daten gehen in welches System, wo steht der Server, wann wird der Kunde informiert. Der EDÖB hat die Anforderungen 2023 publiziert.
  3. Sichtbarkeit in KI-Antworten prüfen. Fragen Sie ChatGPT, Gemini und Perplexity, wen sie in Ihrer Branche empfehlen. Wenn Sie fehlen, ist das die erste Marketingaufgabe 2026 – vor jedem Agenten.

Quellen (abgerufen im August 2026)

  1. US Census Bureau, AI Use by Businesses (Mai 2026) und Working Paper CES-WP-26-25
  2. US Chamber of Commerce via IPWatchdog; Goldman Sachs, 10,000 Small Businesses Survey (2026); Intuit QuickBooks, AI Impact Report 2026
  3. McKinsey, The State of AI 2026; Salesforce, Agentic Enterprise Index
  4. Gartner, Agentic AI projects canceled by 2027; AI agents will outnumber sellers 10 to 1 (Juli 2026)
  5. Microsoft, Global AI Diffusion Q1 2026; IGEM/WEMF Digimonitor 2026 via Netzwoche
  6. AXA/Sotomo, KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 und 2026 via SRF
  7. EY Schweiz, KI-Studie 2026; Bilanz, KI in Schweizer KMU; AWS/Strand Partners via Swiss IT Magazine; NZZ-KMU-Barometer via Netzwoche; CorpIn, Swiss AI Report 2025
  8. ICT-Berufsbildung Schweiz/BSS via Netzwoche
  9. BAKOM, Künstliche Intelligenz; EDÖB, DSG und KI
  10. HSLU/localsearch KMU Digital Pulse 2025 via Netzwoche; SRF, Haag-Streit; startupticker, AlpineAI

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