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Die Herausforderer: Sieben Schweizer B2B-Startups, die 2026 etablierte Märkte angreifen

terralayr, Unique, DeepJudge, Corintis, neustark, Teylor, Sun-Ways – und die zwei Exits an Check Point und Amazon, die den Massstab setzen. Wer sie sind, wer sie finanziert und wen sie angreifen.

Von Redaktion Leitgrad

Publiziert am 31. August 2026

Die Herausforderer – Swiss Startup Watch

2,9 Milliarden Franken flossen 2025 in Schweizer Startups, so viel wie seit dem Rekordjahr 2022 nicht mehr. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 1,25 Milliarden, 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum – und trotzdem ein Rekord bei Hardware. Wer in diesen Zahlen die Firmen sucht, die etablierten Schweizer B2B-Märkten tatsächlich gefährlich werden, findet sieben Namen. Zwei davon wurden dieses Jahr bereits gekauft.

Das Wichtigste in Kürze

Sieben Schweizer B2B-Startups, die 2026 Banken, Kanzleien, Netzbetreibern, Logistikern und Chipherstellern Marktanteile abnehmen: terralayr, Unique, DeepJudge, Corintis, neustark, Teylor und Sun-Ways. Dazu die zwei Exits, die den Massstab setzen – Lakera an Check Point und RIVR an Amazon – und was der Swiss Venture Capital Report über die Richtung des Kapitals sagt.

Schweizer Karte mit den Standorten der sieben Herausforderer: Unique, DeepJudge und Teylor in Zürich, terralayr in Zug, neustark in Bern, Corintis in Lausanne, Sun-Ways in Ecublens

Der Markt: weniger Biotech, mehr Hardware

Der Swiss Venture Capital Report 2026 von startupticker und SECA zählt für 2025 354 Finanzierungsrunden mit 2,9 Milliarden Franken, ein Plus von 23,9 Prozent. Series-A-Runden erreichten mit 1,12 Milliarden einen Rekord (plus 73 Prozent); Software und KI zogen rund 150 Prozent mehr Kapital an als 2024. Zürich lag bei Runden und Kapital vorn, Waadt auf Platz zwei, Basel-Stadt mit 572 Millionen – zu 95 Prozent Biotech – auf drei.

Das erste Halbjahr 2026 dreht das Bild: 1,25 Milliarden in 123 Runden, Waadt neu auf Platz eins mit über 330 Millionen, Zürich mit dem schwächsten Halbjahr seit 2018, Hardware mit 324 Millionen auf Rekordniveau. 21 Exits, darunter LimmaTech an Eli Lilly für 613 Millionen und RIVR an Amazon. Die grösste Runde ging an ein Unternehmen, das die wenigsten kennen.

Die sieben Herausforderer

1. terralayr, Zug – der Batteriehändler gegen die Netzbetreiber

Philipp Man und Ludwig Wurlitzer entwickeln, besitzen und betreiben Grossbatterien, vor allem in Deutschland, und verkaufen «Flexibilität als Service»: Über die Plattform LAYR können Energiehändler Batteriekapazität für 15 Minuten oder 15 Jahre buchen, ohne eine Batterie zu kaufen. Im Januar 2026 sammelte terralayr 192 Millionen Euro Eigenkapital ein, angeführt von Eurazeo – mit 178,3 Millionen Franken die grösste Schweizer Runde des Halbjahres. Dazu kam ein Kredit von rund 72 Millionen Dollar für das deutsche Portfolio. Bereits 2024 hielt das Unternehmen Entwicklungsvereinbarungen über mehr als 5 Gigawatt.

2. Unique, Zürich – KI-Agenten für Privatbanken

Das 2021 gegründete Unternehmen um CEO Manuel Grenacher baut Agenten für Research, Compliance, KYC und Due Diligence in Banken und Vermögensverwaltungen. Im Februar 2025 kamen 30 Millionen Dollar in einer Series A von DN Capital und CommerzVentures dazu, insgesamt 53 Millionen. Die Kundenliste ist der Schweizer Finanzplatz: Pictet (seit 2023 live und zugleich Investor), UBP, Graubündner Kantonalbank, SIX. Unique greift nicht die Banken an – sondern die Berater und Softwarehäuser, die ihnen bisher Research und Compliance verkauft haben.

3. DeepJudge, Zürich – die Wissensplattform der Grosskanzleien

Paulina Grnarova, Kevin Roth und Yannic Kilcher, drei ETH-Doktoranden, bauen seit 2021 eine KI-Suche über das gesamte Wissen einer Anwaltskanzlei. Am 4. November 2025 schloss DeepJudge eine Series A über 41,2 Millionen Dollar ab, angeführt von Felicis, mit Coatue, bei einer Bewertung von 300 Millionen Dollar. Das Umsatzwachstum beziffert die Firma mit über 500 Prozent im Jahr. Kunden: Freshfields, Holland & Knight, Gunderson Dettmer – und in der Schweiz Homburger, Lenz & Staehelin und CMS. Wer die Recherche der Kanzleien automatisiert, verändert deren Stundenmodell.

4. Corintis, Lausanne – Wasser im Chip

Remco van Erp und Sam Harrison gründeten Corintis 2021 aus der EPFL heraus. Ihre Idee: Mikrofluidik-Kühlung direkt im Chip statt Lüfter und Kühlkörper daneben. Im September 2025 folgte eine Series A über 24 Millionen Dollar von BlueYard Capital, insgesamt 33,4 Millionen. Über 10’000 Kühlsysteme hat Corintis produziert, mit Microsoft wurde eine dreifach bessere Kühlung demonstriert, Intel-CEO Lip-Bu Tan sitzt im Verwaltungsrat. Platz eins beim TOP 100 Swiss Startup Award 2025. Die Herausforderung gilt der gesamten Kühlindustrie der Rechenzentren.

5. neustark, Bern – CO2 im Recyclingbeton

Der ETH-Spin-off von Valentin Gutknecht und Johannes Tiefenthaler (2019) bindet CO2 dauerhaft in Abbruchbeton und verkauft die Speicherung als zertifizierte CO2-Entfernung. Im Juni 2024 investierten Decarbonization Partners (BlackRock/Temasek), Siemens Financial Services und Holcim 69 Millionen Dollar. Im September 2025 ging der 40. Standort in Betrieb, Abnehmer sind Microsoft, UBS und die SWISS. Das Ziel: eine Million Tonnen pro Jahr bis 2030. neustark fordert nicht die Betonindustrie heraus, sondern macht sie zum Partner – und konkurrenziert damit die teureren Direct-Air-Capture-Anbieter.

6. Teylor, Zürich – KMU-Kredite ohne Bank

Patrick Stäuble baut seit 2018 eine digitale Kredit- und Factoring-Plattform für KMU: direkt in Deutschland, in Europa über Lizenzen an mehr als zwölf Banken. Teylor hat creditshelf, CapeTec und das Factoring-Geschäft der grenke AG übernommen und sich im Oktober 2025 eine Kreditfazilität von 150 Millionen Euro von Fasanara Capital gesichert, nach 275 Millionen von Barclays und M&G 2023. Über drei Milliarden Euro Kreditvolumen wurden bis Mitte 2023 vermittelt. Teylor greift das an, was Schweizer Kantonalbanken für ihr Kerngeschäft halten – den KMU-Kredit.

7. Sun-Ways, Ecublens VD – Solarstrom zwischen den Schienen

Joseph Scuderis Unternehmen legt abnehmbare Solarmodule zwischen Bahnschienen. Der Pilot in Buttes NE, seit April 2025 auf einer Strecke der transN in Betrieb, hat mit 48 Modulen und 18 Kilowatt nach einem Jahr über 19 Megawattstunden geliefert, während über 11’000 Züge darüberfuhren. Vereinbarungen gibt es mit der SNCF und dem italienischen Bahnbetreiber, Gespräche in Südkorea, Spanien und Portugal. Der Marktstart ist für 2028 geplant. Von den sieben Firmen ist Sun-Ways die kleinste – und die mit dem grössten Flächenpotenzial.

Die zwei Exits, die den Massstab setzen

Lakera → Check Point. Die 2021 gegründete Zürcher Firma von David Haber, Mateo Rojas-Carulla und Matthias Kraft schützt KI-Anwendungen vor Manipulation; ihr Spiel «Gandalf» hatte über 500’000 Nutzer. Im September 2025 übernahm Check Point das Unternehmen – Medien berichten von rund 300 Millionen Dollar, offiziell bestätigt ist die Summe nicht. Zürich wird Check Points globales Zentrum für KI-Sicherheit.

RIVR → Amazon. Der ETH-Spin-off von Marko Bjelonic, 2023 als Swiss-Mile gegründet, baut Lieferroboter, die Treppen steigen. Nach einer Seed-Runde von 22 Millionen Dollar (Bezos Expeditions, HongShan) und Pilotprojekten mit Just Eat Takeaway übernahm Amazon das Unternehmen im März 2026, der Preis blieb ungenannt. Zwei Erkenntnisse: Schweizer Deeptech wird gekauft, bevor es skaliert – und die Käufer sitzen in den USA.

Was die Liste zeigt

Vier der sieben Firmen kommen von der ETH oder der EPFL. Der eigentliche Startup-Inkubator des Landes sind die Hochschulen, nicht die Kantone.

Auffällig ist auch, wen die Herausforderer angreifen: nicht die Schweizer Konzerne, sondern deren Dienstleister. Unique nimmt den Banken die Research-Anbieter, DeepJudge den Kanzleien die Recherche-Stunden, Teylor den Kantonalbanken den KMU-Kredit, terralayr den Netzbetreibern das Flexibilitätsgeschäft.

Und der Exit kommt früh. Lakera nach vier Jahren, RIVR nach drei. Wer als etabliertes Unternehmen einen dieser Herausforderer im Blick hat, sollte sich fragen, ob er ihn kaufen will, bevor es ein US-Konzern tut. Immerhin gibt es auch Kapital, das ausdrücklich das Gegenteil will: AlpineAI erhielt im April 2026 eine zweistellige Millionen-Seed-Runde von Swiss KMU Partners für ein in der Schweiz gehostetes «SwissGPT».

Wer auf dieser Liste fehlt: Unternehmen vorschlagen. Wir prüfen jeden Vorschlag.

Quellen (abgerufen im August 2026)

  1. startupticker/SECA, Swiss Venture Capital Report 2026; Venturelab, CHF 2.9 billion for Swiss startups in 2025; CMS, Zusammenfassung; startupticker, Halbjahr 2026
  2. startupticker, terralayr secures 192 million
  3. TechCrunch, Unique raises $30M
  4. startupticker, DeepJudge closes $41.2M Series A
  5. startupticker, Corintis $24M
  6. neustark, Medienmitteilungen; Business Wire, neustark raises $69M
  7. startupticker, Teylor secures €150M
  8. startupticker, Sun-Ways; The Register, Ein Jahr Betrieb
  9. startupticker, Check Point to acquire Lakera; Venturelab, Berichteter Kaufpreis
  10. startupticker, Amazon acquires RIVR; TechCrunch, Amazon acquires RIVR
  11. startupticker, AlpineAI Seed-Runde

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