Die Welt kommt auf 10 Prozent Solarstrom. Die Schweiz ist schon bei 17.
Solarstrom liefert dieses Jahr rund 10 Prozent des Stroms der Welt. Die Schweiz erwartet 17 Prozent, im Juli waren es 27. Trotzdem wird weniger gebaut, weil Mittagsstrom kaum etwas wert ist. Was das für KMU mit eigenem Dach heisst.

Kurz gesagt: Solarstrom dürfte dieses Jahr rund 10 Prozent des Stroms der Welt liefern. Die Schweiz ist weiter: Swissolar erwartet für 2026 einen Anteil von rund 17 Prozent am Endverbrauch, im Juli waren es etwa 27 Prozent. Gleichzeitig sind 2025 erstmals weniger Anlagen verkauft worden. Der Grund liegt am Mittag. Wenn alle Dächer gleichzeitig liefern, ist eingespeister Strom wenig wert. Für KMU zählt deshalb nicht die Grösse der Anlage, sondern wie viel Strom sie selbst verbrauchen.
Vor zehn Jahren lieferte die Sonne rund ein Prozent des Stroms der Welt. 2025 waren es laut Ember 8,7 Prozent. Dieses Jahr werden es fast sicher 10 Prozent sein, schreibt die BBC. Dave Jones, Mitgründer des Energie-Thinktanks Ember, nennt Solarpanels inzwischen «offensively cheap», beleidigend billig. Ein Panel kostet laut Jones deutlich unter 100 Dollar.
In den zwölf Monaten bis September 2026 hat Solar weltweit 13 Prozent mehr Strom geliefert als die Kernkraft, zeigt eine Auswertung der BBC mit Ember-Daten. Seit dem Jahr 2000 ist die Solarproduktion rund 2700-mal grösser geworden. Die Kernkraft ist in dieser Zeit etwa gleich geblieben.

Die Schweiz ist schon bei 17 Prozent
In der Schweiz ist der Anteil noch höher. Der Branchenverband Swissolar erwartet in seinem Solarmonitor, dass Solarstrom 2026 rund 17 Prozent des Endverbrauchs deckt. Von April bis Ende August lag der Anteil im Schnitt bei über 23 Prozent, im Juli bei etwa 27 Prozent.
2025 waren es laut Bundesamt für Energie 13,7 Prozent, fast 8 Terawattstunden. Die installierte Leistung stieg auf 9499 Megawatt. Ganz vergleichbar sind die Zahlen nicht: Die Weltzahl misst die Produktion, die Schweizer Zahl den Endverbrauch. An der Reihenfolge ändert das nichts.
Christof Bucher, Leiter des Photovoltaik-Labors der Berner Fachhochschule, rechnet vor, dass die Solaranlagen im Land heute etwa dreimal so viel Leistung haben wie alle Schweizer Kernkraftwerke zusammen. Zeitweise liefern sie mehr Strom, als das ganze Land gerade braucht. Wir haben bereits beschrieben, wie die Schweiz bei Solarzellen Rekorde hält und die Fabriken verloren hat.

Warum trotzdem weniger gebaut wird
2025 wurden in der Schweiz Solaranlagen mit 1280 Megawatt verkauft, 29,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Es war der erste Rückgang seit 2017. Swissolar spricht von einer Konsolidierungsphase und von Verunsicherung über die Energiepolitik des Bundes.
Dahinter steht ein einfacher Mechanismus. Wenn die Sonne scheint, liefern alle Dächer gleichzeitig. Am Mittag im Sommer gibt es Strom im Überfluss, am Abend und im Winter wird er knapp. Das zeigt sich im Preis, den das Bundesamt für Energie für eingespeisten Solarstrom berechnet. Im zweiten Quartal 2025 lag dieser Referenz-Marktpreis bei 2,76 Rappen pro Kilowattstunde, im vierten Quartal bei 9,51 Rappen. Im zweiten Quartal 2026 waren es 3,90 Rappen.
Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt 2027 laut ElCom 26,5 Rappen pro Kilowattstunde. Wer seinen Solarstrom selbst verbraucht, spart also ein Vielfaches dessen, was er beim Einspeisen bekommt.

Was das für KMU mit eigenem Dach heisst
Kleine Anlagen sind abgesichert, grosse kaum. Seit 2026 gilt eine gesetzliche Mindestvergütung für Anlagen unter 150 Kilowatt. Unter 30 Kilowatt sind es 6 Rappen pro Kilowattstunde. Für grössere Anlagen mit Eigenverbrauch sinkt der Wert: bei 60 Kilowatt auf 3 Rappen, bei 150 Kilowatt auf 1,2 Rappen. Ein typisches Gewerbedach mit Eigenverbrauch ist damit kaum noch abgesichert.
Ab 2027 zählt die Stunde. Dann richtet sich die Vergütung nach dem Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung, nicht mehr nach dem Durchschnitt des Quartals. Wer am Mittag einspeist, bekommt den tiefen Mittagspreis. Liegt der Quartalsdurchschnitt unter der Mindestvergütung, zahlt der Netzbetreiber bei Anlagen unter 150 Kilowatt die Differenz nach. Es gilt ein Übergangsjahr.
Der Nachbar wird zum Kunden. Seit Januar 2026 dürfen Produzenten und Verbraucher in einer Gemeinde eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft bilden. Für den Strom, den sie untereinander austauschen, sinkt der Netztarif um 40 Prozent, wenn er auf einer Netzebene bleibt, sonst um 20 Prozent. Für ein KMU mit grossem Dach und einem Nachbarn mit hohem Verbrauch am Mittag kann das die Rechnung verändern.
Speicher sind das Wachstumsfeld. Der Verkauf von Heimspeichern stieg 2025 um über 70 Prozent. Ende 2025 waren in Schweizer Solaranlagen Batterien mit 1,4 Gigawattstunden installiert. Was ein KMU tatsächlich für Strom zahlt, hängt stark vom Netztarif ab. Wir haben das am Beispiel der Industrie gezeigt: Der Strompreis sinkt 2027, doch für die Industrie ist das die falsche Zahl.

Zum Mitnehmen
- Die Schweiz ist vorne. Rund 17 Prozent Solarstrom am Endverbrauch erwartet Swissolar 2026, weltweit sind es rund 10 Prozent der Produktion.
- Einspeisen bringt wenig, selbst verbrauchen viel. Im zweiten Quartal 2025 gab es für eingespeisten Solarstrom im Schnitt 2,76 Rappen, ein Haushalt zahlt 2027 rund das Zehnfache.
- Vor dem Bau rechnen. Wann ein Betrieb Strom braucht, ob ein Speicher oder eine Gemeinschaft mit Nachbarn passt, entscheidet über die Rendite. Ab 2027 kommt die Stunde der Einspeisung dazu.
Häufige Fragen
Wie viel Strom liefert Solar in der Schweiz?
2025 waren es laut Bundesamt für Energie fast 8 Terawattstunden oder 13,7 Prozent des Endverbrauchs. Für 2026 erwartet Swissolar rund 17 Prozent, im Juli 2026 waren es etwa 27 Prozent.
Wie viel bekommt man für eingespeisten Solarstrom?
Ohne andere Vereinbarung gilt der Referenz-Marktpreis des Bundesamts für Energie pro Quartal. Im zweiten Quartal 2025 waren es 2,76 Rappen pro Kilowattstunde, im vierten Quartal 9,51 Rappen. Für Anlagen unter 150 Kilowatt gibt es seit 2026 eine Mindestvergütung, unter 30 Kilowatt sind es 6 Rappen. Manche Netzbetreiber zahlen zusätzlich für Herkunftsnachweise, die EKZ etwa bis zu 3 Rappen.
Was ändert sich ab 2027 bei der Vergütung?
Ab 1. Januar 2027 richtet sich die Vergütung nach dem Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung. Anlagen unter 150 Kilowatt erhalten eine Prämie, wenn der Quartalsdurchschnitt unter der Mindestvergütung liegt. Es gilt eine Übergangsfrist von einem Jahr.
Was ist eine lokale Elektrizitätsgemeinschaft?
In einer LEG verkaufen Produzenten ihren Strom an Verbraucher in derselben Gemeinde und nutzen dafür das öffentliche Netz. Seit 2026 sinkt der Netztarif für diesen Strom um 40 Prozent, wenn er auf einer Netzebene bleibt, sonst um 20 Prozent.
Quellen
- Jocelyn Timperley, BBC Future, «’It’s offensively cheap‘: How solar power is quietly becoming bigger than nuclear», 26. Oktober 2026 BBC via Yahoo News
- Ember, Länderprofil Welt, Stand 27. Mai 2026 ember-energy.org
- Keystone-SDA, «Swissolar rechnet 2026 mit Solarstrom-Anteil von 17 Prozent», Südostschweiz, 22. Oktober 2026 suedostschweiz.ch
- SRF, «Nach Boom: Verkauf von Solaranlagen erstmals rückläufig», 9. Juli 2026, nach Zahlen des Bundesamts für Energie srf.ch
- Christof Bucher, Berner Fachhochschule, «Solarstrom: missverstanden und kaputtgefördert?», 2. September 2026 bfh.ch
- Bundesamt für Energie, «Referenz-Marktpreise gemäss Art. 15 EnFV», 9. März 2026 bfe.admin.ch
- Elektrizitätswerk Uznach, «Referenz-Marktpreis Q2-2026», nach Bundesamt für Energie, 14. Juli 2026 ewu.ch
- ElCom, «Leicht sinkende Strompreise 2027», 8. September 2026 admin.ch
- UVEK, Änderung der Energieverordnung mit Inkrafttreten am 1. Januar 2026, Erläuternder Bericht, 19. Februar 2025 admin.ch
- Solarserver, «Schweiz: Neues Vergütungsmodell für Photovoltaik auf Basis von Marktpreisen ab 2027», 27. Mai 2026 solarserver.de
- EKZ, Tarifblatt LEG 2026, nach Art. 17e StromVG ekz.ch
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