Das Kernkraftwerk Gösgen im Kanton Solothurn. Foto: Arkelin / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Briefing · 3 min ·

Die USA wollen einen Reaktor auf dem Mond. Die Schweiz streitet noch über neue AKW

Die NASA will bis 2030 einen Reaktor am Mondsüdpol. In der Schweiz reichen AKW-Gegner heute das Referendum gegen das Ende des Neubauverbots ein.

Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen

Das Kernkraftwerk Gösgen im Kanton Solothurn. Foto: Arkelin / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Kurz gesagt: Die USA wollen bis Dezember 2030 einen Kernreaktor nahe dem Südpol des Mondes startbereit haben, China und Russland planen einen eigenen. In der Schweiz geht es um die Erde: Das Parlament hat im Juni das Neubauverbot für Kernkraftwerke gekippt. Heute reichen die Gegner das Referendum mit über 125 000 Unterschriften ein. Das Volk entscheidet frühestens im Februar 2027.

Auf dem Mond gibt es zwei Wochen lang keine Sonne. Wer dort eine Station betreiben will, braucht Strom, der nicht vom Licht abhängt. Darum wetteifern die Grossmächte jetzt um den ersten Reaktor auf dem Mond, berichtet die New York Times.

Wer baut den ersten Reaktor auf dem Mond?

Die NASA hat Ende August einen Entwurf für die Ausschreibung veröffentlicht. Gesucht ist ein Reaktor mit mindestens 20 Kilowatt, der nahe dem Südpol fünf Jahre ohne Wartung läuft, berichtet New Space Economy. Startbereit sein soll er bis Dezember 2030. Ursprünglich hatte die NASA 100 Kilowatt angepeilt.

China und Russland arbeiten an einem eigenen Projekt. Russlands Raumfahrtchef kündigte 2024 an, man wolle um 2033 bis 2035 gemeinsam einen Reaktor auf dem Mond installieren, berichtete Space.com. Am Südpol liegt Wassereis. Wer dort zuerst Strom hat, sichert sich den besten Platz.

Wie steht es um neue Kernkraftwerke in der Schweiz?

Die Schweiz streitet noch über die Erde. Im Juni hat das Parlament das Kernenergiegesetz geändert und das Neubauverbot aufgehoben. In der Schlussabstimmung sagte der Nationalrat 106 zu 88 Ja, der Ständerat 28 zu 14, meldete Nau. Es ist der Gegenvorschlag zur Initiative «Blackout stoppen».

Die Gegner haben über 125 000 Unterschriften für ein Referendum gesammelt, nötig sind 50 000. Einreichen wollen sie heute Nachmittag bei der Bundeskanzlei, kündigte Greenpeace an. Abgestimmt wird frühestens im Februar 2027, schreibt Blick.

Schweizer Kernkraftwerk Stand
Beznau 2 Abschaltung 2032 (Axpo)
Beznau 1 Abschaltung 2033 (Axpo)
Gösgen 60 Betriebsjahre 2039, nach zehn Monaten Stillstand seit März 2026 wieder am Netz
Leibstadt 60 Betriebsjahre 2044

Kernkraft lieferte 2025 noch 27,2 Prozent des Schweizer Stroms, meldete das Bundesamt für Energie. Der Wert war tiefer als üblich, weil Gösgen fast zehn Monate stillstand. Beznau geht 2032 und 2033 vom Netz, hat Axpo entschieden. Gösgen und Leibstadt könnten technisch 80 Jahre laufen, hält der Bundesrat fest.

Was hat die Schweiz mit Reaktoren im All zu tun?

Mehr als man denkt. Das Paul Scherrer Institut forscht mit der ETH und der Lausanner Firma Almatech an nuklearen Antrieben für die Raumfahrt, beschreibt das PSI. Die Schweiz hat der Europäischen Weltraumorganisation im November 2025 771 Millionen Euro zugesagt, meldete das SBFI. Und das Westschweizer Raumfahrtunternehmen Swissto12 holte im Juli 61 Millionen Euro für kleine Satelliten.

Unsere Einschätzung: Die Raumfahrt treibt die Entwicklung kleiner, wartungsfreier Reaktoren voran. Davon profitiert auch die Debatte auf der Erde. Wie die Schweiz bei Strompreisen und Netz dasteht, sammelt unser Dossier Energie und Rechenzentren. Was der Erfolg von Starship für Schweizer Zulieferer heisst, steht in diesem Beitrag. Und warum die Industrie trotz sinkender Preise 2027 nicht aufatmen kann, zeigt unsere Strompreis-Meldung.

Häufige Fragen

Darf die Schweiz wieder neue Kernkraftwerke bauen?

Das Parlament hat das Neubauverbot im Juni 2026 aufgehoben. Die Gegner haben über 125 000 Unterschriften für ein Referendum gesammelt und reichen sie am 6. Oktober 2026 ein. Das letzte Wort hat das Volk, frühestens im Februar 2027.

Wann gehen die Schweizer Kernkraftwerke vom Netz?

Beznau 2 im Jahr 2032, Beznau 1 im Jahr 2033. Gösgen und Leibstadt haben keine festen Enddaten. Der Bundesrat hält einen Betrieb bis 80 Jahre für möglich.

Wann soll der erste Reaktor auf dem Mond stehen?

Die NASA will bis Dezember 2030 einen Reaktor mit mindestens 20 Kilowatt startbereit haben. China und Russland planen einen gemeinsamen Reaktor bis Mitte der 2030er-Jahre.

Quellen

  1. New York Times via Business Standard, 4. Oktober 2026; New Space Economy, 1. September 2026; Space.com, 12. März 2024 NYT · NSE · Space.com
  2. Nau, Schlussabstimmungen, 19. Juni 2026; Greenpeace, 19. September 2026; Blick, 21. September 2026 nau.ch · greenpeace.ch · blick.ch
  3. BFE, Elektrizitätsstatistik 2025, 18. Juni 2026; Bundesrat, Langzeitbetrieb, 13. Mai 2026; Axpo, 4. Dezember 2024 BFE · Bundesrat · Axpo
  4. PSI, nukleare Raumfahrtantriebe; SBFI, ESA-Ministerrat, 27. November 2025 psi.ch · sbfi.admin.ch

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