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Der Partner wird Aktionär: Hirslanden steigt bei einem Zürcher Startup mit 30 Leuten ein

Hirslanden wird Aktionärin der Zürcher JIVITA AG, die mit 30 Leuten Komplementärmedizin ans Spitalbett bringt. Was es für ein Zulieferer-KMU bedeutet, wenn ein Kunde oder Partner Miteigentümer wird, und was man vorher regeln sollte.

Illustration: An einem Tisch stehen ein kleiner weisser Stuhl und ein grosser goldener Stuhl. Dazu der Satz: Der Partner sitzt jetzt mit am Tisch.

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Kurz gesagt: Die Privatklinikgruppe Hirslanden wird Aktionärin der Zürcher JIVITA AG. Das Startup mit 30 Leuten bringt Komplementärmedizin ans Spitalbett, mit Wickeln, Auflagen, Massagen und Aromatherapie, und arbeitet schon heute auf den Stationen von zwei Hirslanden-Kliniken in Zürich. Wie gross die Beteiligung ist, sagen die Firmen nicht. Für jedes KMU ist der Fall lehrreich: Wenn ein wichtiger Partner oder Kunde Aktionär wird, gewinnt man Sicherheit und Zugang, muss aber früh regeln, was der neue Miteigentümer sieht und mitentscheidet.

Ein Patient liegt nach einer Operation auf der Station. Neben Infusion und Schmerzmittel bekommt er einen warmen Wickel und eine Atemtherapie. Gebracht hat sie nicht die Spitalpflege, sondern ein externes Team. Die Firma hinter diesem Team gehört seit dieser Woche zum Teil der Spitalgruppe, in deren Kliniken es arbeitet.

Hirslanden ist bei JIVITA eingestiegen, wie am 27. Oktober bekannt wurde. Marco Gugolz, Direktor der Klinik Hirslanden in Zürich und COO der Region Nordostschweiz, zieht als Vertreter der Gruppe in den Verwaltungsrat. «Mit unserer Beteiligung möchten wir die Entwicklung von JIVITA unterstützen», sagt er laut der Mitteilung.

JIVITA AG in der Mitte, verbunden mit den Aktionärinnen EGK Gesundheitskasse (bleibt, im Verwaltungsrat Astrit Bajrami) und Hirslanden (neu, im Verwaltungsrat Marco Gugolz). Gründerin Isabelle Bietenholz-Lieger bleibt VR-Präsidentin.
Das neue Aktionariat, Höhe der Beteiligungen nicht bekannt. Quelle: startupticker.ch, 27.10.2026. Grafik: Leitgrad

Was JIVITA macht

JIVITA wurde 2019 in Zürich gegründet und beschäftigt 30 Leute. Die Firma bringt Komplementärmedizin in die stationäre Behandlung. Ärztinnen und Ärzte von JIVITA machen auf Basis der Diagnose der behandelnden Ärzte eine integrative Abklärung. Danach behandeln Therapeutinnen und Therapeuten die Patienten mit Massagen, Atem- und Aromatherapie, Einreibungen, Wickeln und Auflagen.

Heute arbeitet JIVITA auf den Stationen der Klinik Hirslanden und der Hirslanden Klinik Im Park in Zürich. Andere Einsatzorte nennt die Mitteilung nicht. Gründerin Isabelle Bietenholz-Lieger bleibt Präsidentin des Verwaltungsrats.

Drei Schritte: Diagnose durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, integrative Abklärung durch Ärzte von JIVITA, Therapie mit Massagen, Atem- und Aromatherapie, Einreibungen, Wickeln und Auflagen.
So arbeitet JIVITA auf der Station. Quelle: startupticker.ch, 27.10.2026. Grafik: Leitgrad

Zwei Aktionäre aus dem Gesundheitswesen

Hirslanden ist nicht der erste grosse Partner. Schon vorher war die EGK Gesundheitskasse Aktionärin, und sie bleibt an Bord. Im Verwaltungsrat übernimmt Astrit Bajrami das Mandat der EGK von Reto Flury. Damit sitzen bei einem Startup mit 30 Leuten nun eine Krankenkasse und eine Spitalgruppe im Aktionariat.

Die Grössenverhältnisse sind deutlich. Hirslanden betreibt laut eigenen Angaben 16 Kliniken in 9 Kantonen, beschäftigt über 11 000 Mitarbeitende und behandelt jährlich rund 115 000 Patientinnen und Patienten stationär und über 700 000 ambulant.

30 Punkte für die 30 Mitarbeitenden von JIVITA neben 1100 Punkten für die über 11 000 Mitarbeitenden von Hirslanden, ein Punkt pro 10 Mitarbeitende.
Das Grössenverhältnis. Quellen: startupticker.ch; Hirslanden. Grafik: Leitgrad

Wenn ein Partner Aktionär wird

Das Muster kennt fast jedes KMU. Ein grosser Kunde oder Partner ist zufrieden und will die Zusammenarbeit absichern. Eine Beteiligung ist der stärkste Weg dazu. Für das kleine Unternehmen bringt das Vorteile: Kapital, mehr Sicherheit für die Zusammenarbeit, Zugang zu Entscheidern und ein Signal an den Markt.

Es hat aber auch Kosten. Der neue Aktionär sitzt nun im Verwaltungsrat und sieht Zahlen, Preise und Pläne. Andere potenzielle Kunden, im Fall von JIVITA andere Spitäler, könnten zögern, wenn ein Konkurrent mitentscheidet. Und die Abhängigkeit vom grossen Partner wird nicht kleiner, sondern formeller.

JIVITA will offenbar nicht bei einem Spital bleiben. «Unser Ziel ist es, die integrative Medizin gemeinsam mit unterschiedlichen Institutionen weiterzuentwickeln», sagt Gründerin Bietenholz-Lieger laut der Mitteilung. Genau das wird die Probe für das neue Aktionariat.

Was ein KMU gewinnt, wenn ein Kunde oder Partner Aktionär wird: Kapital, abgesicherte Zusammenarbeit, Zugang zu Entscheidern, Signal an den Markt. Was es kosten kann: Einblick in Zahlen und Preise, Zögern anderer Kunden, formelle Abhängigkeit, weniger Spielraum beim Verkauf.
Einordnung Leitgrad. Grafik: Leitgrad

Was man vor dem Einstieg regelt

Wer einen Kunden oder Partner als Aktionär aufnimmt, sollte vorher fünf Punkte klären, idealerweise mit einer Fachperson für Gesellschaftsrecht.

  1. Anteil und Stimmrecht begrenzen. Eine Minderheit gibt Sicherheit, ohne die Kontrolle abzugeben.
  2. Informationsrechte regeln. Was der Vertreter im Verwaltungsrat erfährt, darf nicht in die Einkaufsabteilung wandern, vor allem nicht Preise anderer Kunden.
  3. Keine Exklusivität. Der Aktionärsbindungsvertrag sollte ausdrücklich erlauben, auch Konkurrenten des Aktionärs zu beliefern.
  4. Liefervertrag und Beteiligung trennen. Preise und Leistungen gehören in den Kundenvertrag, nicht ins Aktionariat.
  5. Den Ausstieg vorher festlegen. Vorkaufsrechte und Regeln für einen späteren Verkauf schützen beide Seiten.
Fünf Regeln, bevor ein Kunde oder Partner einsteigt: Anteil begrenzen, Informationen trennen, keine Exklusivität, Verträge trennen, Ausstieg regeln.
Checkliste Leitgrad, keine Rechtsberatung. Grafik: Leitgrad

Zum Mitnehmen

  1. Hirslanden steigt bei JIVITA ein. Die Höhe der Beteiligung ist nicht bekannt, Marco Gugolz zieht in den Verwaltungsrat.
  2. Komplementärmedizin am Spitalbett. 30 Leute bringen Wickel, Auflagen, Massagen und Aromatherapie auf die Stationen zweier Zürcher Kliniken.
  3. Zwei grosse Aktionäre. Neben Hirslanden bleibt die EGK Gesundheitskasse an Bord.
  4. Der Partner als Miteigentümer. Das bringt Sicherheit und Zugang, aber auch Einblick und mehr Abhängigkeit.
  5. Vorher regeln. Anteil, Informationsrechte, Exklusivität, Verträge und Ausstieg gehören vor die Unterschrift.

Häufige Fragen

Was ist JIVITA?

Ein 2019 gegründetes Zürcher Unternehmen mit 30 Mitarbeitenden. Es bietet in Spitälern ergänzende Behandlungen der Komplementärmedizin an, etwa Massagen, Atem- und Aromatherapie, Einreibungen, Wickel und Auflagen, abgestimmt auf die Diagnose der behandelnden Ärzte.

Wie gross ist die Beteiligung von Hirslanden?

Das haben die Firmen nicht bekannt gegeben. Bekannt ist, dass Hirslanden mit Marco Gugolz einen Sitz im Verwaltungsrat erhält und die EGK Gesundheitskasse Aktionärin bleibt.

Ist es gut, wenn ein Kunde oder Partner Aktionär wird?

Es kann Sicherheit, Kapital und Zugang bringen. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit, und andere Kunden könnten zögern. Entscheidend ist, Anteil, Informationsrechte, Exklusivität und Ausstieg vor dem Einstieg zu regeln.

Quellen

  1. startupticker.ch, «Hirslanden beteiligt sich an JIVITA», 27. Oktober 2026 startupticker.ch
  2. Hirslanden, «Über uns», abgerufen am 29. Oktober 2026 hirslanden.ch

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