Musk holt 3 Milliarden für Tunnel. Cargo sous terrain liegt auf Eis.
The Boring Company ist nach der Runde vom 10. September 23 Milliarden Dollar wert. Die Schweiz hatte den Gütertunnel früher geplant, mit eigenem Bundesgesetz und den Aktionären, die hier die Paletten bewegen. Seit einem Jahr sind die Arbeiten am Sachplan ausgesetzt. Der Unterschied ist nicht die Idee, es ist das Kapital.

The Boring Company hat gestern 3 Milliarden Dollar eingesammelt und ist jetzt 23 Milliarden wert. Die Schweiz hatte den Tunnel für Güter früher geplant, mit eigenem Bundesgesetz. Seit einem Jahr liegt Cargo sous terrain auf Eis. Der Unterschied ist nicht die Idee. Es ist das Geld.
Das Wichtigste in Kürze
Musks Tunnelfirma nahm am 10. September 3 Milliarden Dollar auf, angeführt von den Vereinigten Arabischen Emiraten. Cargo sous terrain, 500 Kilometer Gütertunnel von Genf bis St. Gallen, hatte ein eigenes Bundesgesetz (SR 749.1, in Kraft seit 1. August 2022) und rund 100 Millionen Franken Investorenzusagen für die Planungsphase. Am 8. September 2025 richtete sich die Betreibergesellschaft neu aus und baute Stellen ab; zwei Wochen später setzten Bund, drei Kantone und die Stadt Zürich die Arbeiten am Sachplan aus. Sistiert, nicht beerdigt.

Was Musk verkauft
Die Runde von gestern führen die Vereinigten Arabischen Emirate an, dazu Sequoia, Andreessen Horowitz, Temasek, Valor und Baron Capital. 3 Milliarden Dollar, Bewertung 23 Milliarden. 2022 waren es noch 5,7 Milliarden. Die Emirate haben sich zu mehr als 150 Kilometern Tunnel verpflichtet, den Anfang macht der Dubai Loop: 6,4 Kilometer, vier Stationen, Baustart Ende 2026. In Las Vegas hat der Loop mehr als 4 Millionen Passagiere befördert, die Firma bohrt dort ihren 14. Tunnel, den 25. insgesamt.
Man muss dazusagen: Von rund einem Dutzend angekündigter Projekte seit 2017 fährt nur Las Vegas. Chicago, Washington–Baltimore, Los Angeles, Fort Lauderdale wurden begraben oder stehen still. Musk verkauft keinen fertigen Tunnel. Er verkauft die Erwartung, dass er bohren kann. Und ein Staatsfonds kauft sie.
Was die Schweiz geplant hatte
Cargo sous terrain war grösser gedacht. 500 Kilometer Tunnel von Genf bis St. Gallen, unbemannte Fahrzeuge, die rund um die Uhr Paletten zwischen Logistikhubs bewegen, geschätzte Kosten rund 30 Milliarden Franken. Die erste Etappe sollte vom Flughafen Zürich über Urdorf, Spreitenbach und Suhr nach Härkingen führen: rund 70 Kilometer, elf Hubs, gut 3 Milliarden Franken. Das Versprechen: bis zu 40 Prozent weniger Lastwagen auf den Nationalstrassen.
Hinter dem Projekt standen keine Träumer, sondern die Firmen, die in der Schweiz die Paletten bewegen: Coop, Migros, die Post, Swisscom, die Mobiliar, dazu Zürcher Kantonalbank, BLKB, Helvetia, Vaudoise. Für die Planungsphase bis 2026, budgetiert auf rund 100 Millionen Franken, lagen die Zusagen der Investoren vor. Das Parlament schrieb am 17. Dezember 2021 ein eigenes Gesetz, das Bundesgesetz über den unterirdischen Gütertransport, in Kraft seit dem 1. August 2022. Der Bund zahlte nichts und wollte nie zahlen; das Projekt war von Anfang an rein privat finanziert, so verlangt es das Gesetz.
Wo es riss
Am 8. September 2025 zog die Cargo sous terrain AG die Reissleine: Sie passe «den Fokus und die Organisation» an die Bedingungen an, mehr als zehn Stellen fielen weg, die Firma konzentriert sich seither auf City-Logistik. Am 22. September 2025 setzten das Uvek, die Kantone Zürich, Aargau und Solothurn sowie die Stadt Zürich die Arbeiten am Sachplan aus. Begründung: Verschiedene Grundvoraussetzungen des Gesetzes seien derzeit nicht erfüllt, allen voran die vollständig private Finanzierung, was eine externe Untersuchung bestätigt habe. Dazu offene Fragen zu Grundwasser, Hub-Verkehr und Ausbruchmaterial. Seither: Stillstand. Formal beerdigt ist das Projekt nicht.
Warum das in der Schweiz nicht funktioniert
Der Unterschied liegt nicht in der Technik. Tunnelbau kann die Schweiz besser als jedes Land. Der Unterschied liegt im Kapital. Musk holt 3 Milliarden Dollar in einer Runde, von einem Staat, der bohrt, weil er bohren will. Cargo sous terrain suchte 3 Milliarden Franken bei Pensionskassen und Versicherungen, die eine Rendite von 4 bis 5 Prozent hören wollten, bevor ein Meter gebohrt ist. Die Vaudoise hatte genau diese Zahl genannt. Die Aargauische Kantonalbank stieg gar nicht erst ein. Ein Schweizer Investor kauft keine Erwartung. Er kauft einen Cashflow. Für ein 30-Milliarden-Projekt, das erst nach Fertigstellung Geld verdient, gibt es diesen Investor in der Schweiz nicht.
Der Befund
Die Schweiz baut das Gesetz. Die USA bauen das Kapital. Cargo sous terrain hatte alles, was ein Projekt in der Schweiz braucht: Aktionäre aus dem Detailhandel, ein Bundesgesetz, einen Sachplan. Es fehlte das, was Musk gestern an einem Tag eingesammelt hat. Solange das so bleibt, fahren Schweizer Paletten oben.
Quellen (abgerufen am 11. September 2026)
- Electrek, Boring Company raises $3B at $23B valuation, led by UAE (10. September 2026); Tech Startups, Venture Capital & Startup Funding Roundup (10. September 2026)
- Bundesamt für Verkehr, Sachplan Verkehr, Teil Unterirdischer Gütertransport (Bundesgesetz über den unterirdischen Gütertransport vom 17. Dezember 2021, SR 749.1, in Kraft seit 1. August 2022)
- Uvek, Für den Sachplan unterirdischer Gütertransport sind weitere Klärungen nötig (22. September 2025); SRF, Schweiz legt Cargo sous terrain vorübergehend auf Eis
- AWP via cash, Neuausrichtung von Cargo sous terrain führt zu Stellenabbau (8. September 2025); Les Routiers Suisses, Cargo sous terrain baut Stellen ab
- Aargauer Zeitung, Cargo sous terrain: 100 Millionen schon zugesichert (Planungsphase bis 2026, Investorenzusagen)
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