Harvey ist 52-mal so viel wert wie DeepJudge – und braucht es
Die US-Legal-KI Harvey hat am 9. September 550 Millionen Dollar aufgenommen und ist damit 15,5 Milliarden Dollar wert. Das Zürcher ETH-Spin-off DeepJudge kommt auf rund 300 Millionen – und ist seit Mai 2026 offizieller Partner von Harvey. Wer wen braucht, misst die Bewertung nicht.

Am Mittwoch hat die amerikanische Legal-KI Harvey 550 Millionen Dollar eingesammelt und ist damit 15,5 Milliarden Dollar wert. Das Zürcher ETH-Spin-off DeepJudge kommt auf rund 300 Millionen. Trotzdem baut Harvey auf DeepJudge auf. Gestern Abend wurde die Zürcher Firma zweitbestes Startup der Schweiz.
Das Wichtigste in Kürze
Harvey hat am 9. September 550 Millionen Dollar aufgenommen, Bewertung 15,5 Milliarden – nach 8 Milliarden im Dezember 2025 und 11 im März. DeepJudge, 2021 in Zürich gegründet, wurde nach der Series A vom November 2025 mit rund 300 Millionen bewertet. Faktor 52. Seit Mai 2026 sind die beiden Partner: Harvey liefert das Modell, DeepJudge das Gedächtnis der Kanzlei. Am 10. September belegte DeepJudge im Top100 Swiss Startup Award den zweiten Platz.

Die Runde
Am Mittwoch hat Harvey 550 Millionen Dollar eingesammelt, angeführt von Diffusion und Lightspeed. Die Bewertung: 15,5 Milliarden Dollar. Im Dezember 2025 waren es 8 Milliarden, im März 11. In neun Monaten hat sich der Wert der Firma fast verdoppelt. Insgesamt hat Harvey nun mehr als 1,55 Milliarden Dollar Kapital aufgenommen und kürzlich mit «Harvey Tenet» ein eigenes Sprachmodell für juristische Arbeit vorgestellt. Die Kanzlei Slaughter and May, Mitglied des Londoner Magic Circle, hat Harvey weltweit eingeführt.
Die Zürcher
DeepJudge wurde 2021 in Zürich gegründet. Die drei Gründer, Paulina Grnarova (CEO), Kevin Roth (COO) und Yannic Kilcher (CTO), kommen von der ETH und haben bei Google an Sprachmodellen gearbeitet, lange bevor das Wort ChatGPT existierte. Das Produkt ist keine KI, die Verträge schreibt. Es ist das Gedächtnis der Kanzlei: DeepJudge durchsucht alle bisherigen Mandate, Memos und verhandelten Positionen einer Kanzlei und macht dieses Wissen für Juristinnen und KI-Systeme nutzbar. 2024 kamen 10,7 Millionen Dollar Seed-Kapital, im November 2025 folgten gut 41 Millionen in der Series A, angeführt von Felicis und Coatue. Bewertung: rund 300 Millionen Dollar.
Die Partnerschaft
Am 21. Mai 2026 gaben Harvey und DeepJudge ihre Zusammenarbeit bekannt. Harvey-Chef Winston Weinberg brachte den Grund auf einen Satz: «DeepJudge kennt Ihre Kanzlei durch jedes vergangene Mandat, jedes Memo und jede verhandelte Position.» Harvey hat das Modell. DeepJudge hat das Wissen. Ohne das Wissen antwortet das Modell wie ein kluger Berufseinsteiger: korrekt, aber ohne Erinnerung daran, wie diese Kanzlei den letzten Aktionärsbindungsvertrag verhandelt hat. Die US-Kanzlei Holland & Knight nutzt beides zusammen.
Die Zahl, die zählt
15,5 Milliarden gegen 0,3 Milliarden: Das ist Faktor 52. Wer nur auf die Bewertung schaut, sieht einen Riesen und einen Zwerg. Wer auf die Abhängigkeit schaut, sieht etwas anderes. Der Wert von Harvey liegt in dem, was die Kanzleien der KI anvertrauen. Diese Daten liegen bei DeepJudge. Bewertung misst, was Investoren erwarten. Sie misst nicht, wer wen braucht.
Warum das in der Schweiz zählt
Gestern Abend hat DeepJudge im Top100 Swiss Startup Award den zweiten Platz belegt, hinter Corintis aus Lausanne und vor PAVE Space. Für Schweizer Kanzleien und Rechtsabteilungen ist die Zürcher Firma mehr als ein Preisträger. Das Berufsgeheimnis nach Artikel 321 des Strafgesetzbuchs, das Datenschutzgesetz und die Erwartung der Klientel, dass Mandatsakten in der Schweiz bleiben, machen die Frage «Wo liegt das Wissen?» zur Geschäftsfrage. Eine Zürcher Firma, deren Produkt genau diese Frage beantwortet, sitzt in dieser Branche am richtigen Ort.
Der Befund
Die Schweiz baut selten den Riesen. Sie baut das, ohne das der Riese nicht funktioniert. Beim Fleisch waren es die Familien, beim Roboter die Hände, bei der Legal-KI ist es das Gedächtnis. Harvey ist 52-mal so viel wert wie DeepJudge. Und braucht es.
Wer in einer Schweizer Kanzlei oder Rechtsabteilung mit Legal-KI arbeitet und Erfahrungen teilen will: Unternehmen vorschlagen. Wir prüfen jeden Vorschlag.
Quellen (abgerufen am 11. September 2026)
- TechCrunch, Harvey hits $15.5B valuation, months after reaching $11B (9. September 2026)
- Global Legal Post, Harvey announces partnership with Swiss legal AI intelligence platform DeepJudge (21. Mai 2026)
- Venturelab, Series A für DeepJudges KI-Wissensplattform für Kanzleien (November 2025)
- Startupticker, Corintis, DeepJudge and PAVE Space make up the podium of the Top100 Swiss Startup Award (10. September 2026)
Teilen
Weiterlesen
Neu auf Leitgrad
Harvey ist 52-mal so viel wert wie DeepJudge – und braucht es
Die US-Legal-KI Harvey hat am 9. September 550 Millionen Dollar aufgenommen und ist damit 15,5 Milliarden Dollar wert. Das Zürcher ETH-Spin-off DeepJudge kommt auf rund 300 Millionen – und ist seit Mai 2026 offizieller Partner von Harvey. Wer wen braucht, misst die Bewertung nicht.
Zimmer Biomet streicht in Winterthur 4 von 5 Stellen
Der US-Konzern will 580 von 730 Stellen in Winterthur streichen. Übrig bleiben 150. Der Standort war einmal Centerpulse, die Medizinsparte von Sulzer, die Zimmer 2003 für rund 4,5 Milliarden Franken kaufte – und der grösste europäische Standort des Konzerns.
Machtkarte Rechenzentren: 259 von 260 Megawatt gehören dem Ausland
Sechs Betreiber publizieren Kapazitätszahlen für ihre Schweizer Rechenzentren: zusammen 260,7 Megawatt, davon 259 in ausländischem Eigentum. Seit dem Verkauf von Green an australische Pensionskassen im Herbst 2025 ist der letzte grosse Schweizer Anbieter weg. Gleichzeitig verbrauchen die Anlagen 2,08 Terawattstunden Strom im Jahr – 77 Prozent dessen, was die Stadt Zürich braucht.


