Illustration: Leitgrad. Quellen: Lumafield (8.5.2025, 10.9.2026), PlasticsToday (3.5.2022). Symbolbild, kein bestimmtes Gerät.

USA · 7 min ·

Röntgenblick im Abo. Ein US-Startup holt den Industrie-CT aus dem Speziallabor

Industrielle Computertomographen kosten schnell sechsstellig und stehen meist in Speziallabors. Lumafield vermietet sie, inzwischen bis an die Fertigungslinie und für ganze Batteriepakete. Was heisst das für Schweizer Zulieferer, die ins Innere ihrer Teile schauen müssen?

Illustration: Ein offener industrieller Computertomograph in einer Werkhalle. Links die Röntgenröhre, ein goldener Strahlenkegel fällt durch ein Gussgehäuse auf dem Drehteller auf den Detektor rechts. Daneben ein Monitor mit dem Schnittbild des Gehäuses, ein feiner Riss in der Wand ist rot markiert und beschriftet. An der offenen Tür hängt ein goldenes Schild mit der Aufschrift «pro Jahr, statt Kauf».

Illustration: Leitgrad. Quellen: Lumafield (8.5.2025, 10.9.2026), PlasticsToday (3.5.2022). Symbolbild, kein bestimmtes Gerät.

Kurz gesagt: Das US-Unternehmen Lumafield baut industrielle Computertomographen und bietet sie im Abonnement an. Nach Neptune für die Entwicklung und Triton für die Fertigung, laut Hersteller ab fünf Sekunden pro Teil, kam am 10. September 2026 Saturn für grosse, dichte Teile wie Batteriepakete und Gussteile dazu. Die jüngste Eigenkapitalrunde war eine Series C über 75 Mio. Dollar im März 2025, im November 2025 folgte eine Kreditlinie der Silicon Valley Bank über 50 Mio. Dollar. Aktuelle Preise veröffentlicht Lumafield nicht; 2022 kostete das Abo 36 000 Dollar pro Jahr, ein herkömmliches System laut der Firma 500 000 Dollar und mehr. In der Schweiz gibt es Röntgenprüfung als Gerät, mit Forschungspartnern und als Dienstleistung, von Comet in Flamatt über die Empa bis Zeiss in Feldbach.

Jedes Entwicklungsteam habe ein Regal voller Teile, die es nicht mehr selbst zu scannen versuche, weil sie in kein Gerät passten. «Saturn ist unsere Antwort auf dieses Regal», sagt Andreas Bastian, Technikchef von Lumafield (Lumafield, Übersetzung Leitgrad).

Saturn ist ein Röntgen-Computertomograph. Er durchleuchtet Getriebegehäuse, Motorblöcke und Batteriepakete, ohne sie aufzuschneiden. Er zeigt Poren, Wandstärken und fehlerhafte Schweissnähte im Innern. Und er passt durch eine gewöhnliche Doppeltür (Medienmitteilung Lumafield).

Neu ist das Verfahren nicht. Neu ist das Preisschild. Saturn gibt es gegen eine tiefe Anfangszahlung im Abonnement.

Röntgen ohne Speziallabor

Industrielle CT war lange teuer und stand in Speziallabors. Ein herkömmliches System koste 500 000 Dollar und mehr in der Anschaffung, dazu 25 000 bis 50 000 Dollar Unterhalt pro Jahr, sagte Andrew Parrett von Lumafield 2022 der Fachzeitschrift PlasticsToday (PlasticsToday). Zeiss, selbst Hersteller solcher Anlagen, nennt eine Spanne von 100 000 bis über 1 Mio. Dollar, je nach Modell (Zeiss).

Die 2019 gegründete Firma setzte dagegen ein Jahresabo. Das erste Gerät, Neptune, gab es 2022 für 36 000 Dollar pro Jahr, mit Analysesoftware in der Cloud und beliebig vielen Scans (PlasticsToday). Es läuft an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose, in den USA mit 120 Volt (Lumafield). Laut Firma setzen 85 Prozent der Kunden zum ersten Mal überhaupt CT ein, der wiederkehrende Umsatz habe sich zwei Jahre in Folge verdreifacht (Lumafield).

Geldscheine als Piktogramme, ein Schein steht für 4000 Dollar. Oben 125 dunkle Scheine für 500 000 Dollar Anschaffung eines herkömmlichen Industrie-CT, unten fünf Reihen mit je 9 roten Scheinen für 36 000 Dollar Jahresabo von Lumafield, zusammen 180 000 Dollar nach fünf Jahren. Angaben von Lumafield, Stand 2022
Grafik: Leitgrad. Quelle: PlasticsToday (3.5.2022), Angaben von Lumafield; Unterhalt beim Kauf (25 000 bis 50 000 Dollar pro Jahr) nicht eingezeichnet, Leistungsumfang der Geräte verschieden, Fünfjahressumme eigene Rechnung

Was das Abo heute kostet, steht nirgends. Lumafield verweist auf das Verkaufsteam. Die Analysefirma Contrary Research nannte 2024 ein Standardpaket «ab 75 000 Dollar», ohne Zeitraum. Den Preis von Triton handle Lumafield mit jeder Firma einzeln aus (Contrary Research).

Vom Prüflabor an die Fertigungslinie

Im Mai 2025 kam Triton. Das Gerät ist für die Fertigung gebaut, prüft Teile an oder neben der Linie und entscheidet über gut oder schlecht. Ein vollständiger Scan dauert laut Hersteller ab fünf Sekunden pro Teil (Lumafield).

Saturn ergänzt die Reihe nach oben. Das Gerät arbeitet mit 225 Kilovolt, nimmt Teile bis 580 Millimeter Durchmesser und 1100 Millimeter Höhe auf und durchdringt bis 100 Millimeter Aluminium oder Magnesium und bis 25 Millimeter Stahl. Bedienen soll es nach einem Tag Schulung auch, wer keine CT-Ausbildung hat (Medienmitteilung Lumafield).

Vermieten kostet Kapital. Im März 2025 sammelte Lumafield in einer Series C 75 Mio. Dollar unter der Führung von IVP (Lumafield). Im November 2025 folgte eine Kreditlinie der Silicon Valley Bank über 50 Mio. Dollar. Mit ihr will die Firma mehr Scanner bei Kunden aufstellen (SVB).

Der Markt dahinter ist die Rechnung für Fehler. In einer Umfrage von Lumafield schätzen über 40 Prozent der nordamerikanischen Hersteller, dass Qualitätskosten mehr als 5 Prozent ihres Umsatzes verschlingen (Medienmitteilung Lumafield).

Flamatt schaut längst ins Innere

Die Schweiz ist in diesem Geschäft zu Hause. Comet aus Flamatt FR baut Röntgenquellen und unter der Marke Comet Yxlon ganze Prüfsysteme und Computertomographen, unter anderem für Giessereien, Autoindustrie und Elektromobilität. Yxlon sitzt in Hamburg und gehört seit 2007/2008 zu Comet (Comet Yxlon).

Im ersten Halbjahr 2026 setzte Comet 239,8 Mio. Franken um, 5,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Division X-Ray Modules wuchs um 10,6 Prozent auf 53,5 Mio. Franken, getragen unter anderem von Investitionen im Batteriemarkt. Die Systemdivision hielt den Umsatz bei 48,7 Mio. Franken, die Bestellungen für ihr Röntgensystem CA20 haben sich mehr als verdoppelt. Rund 700 der über 1800 Mitarbeitenden arbeiten in der Schweiz (Comet).

Wer kein eigenes Gerät will, findet Partner. Die Empa betreibt ein Zentrum für Röntgenanalytik mit Hochenergiequellen bis 6 Megaelektronvolt, die bis 300 Millimeter Stahl durchdringen (Empa). Ihr grosser Tomograph nahm schon 2012 Teile bis zwei Tonnen auf, neun Zehntel der Arbeit seien industriell, sagte der damalige Laborleiter Alexander Flisch (Empa). Seit 2021 ist die Empa Mitglied von ANAXAM in Villigen (admin.ch). Das Technologietransferzentrum bietet Firmen Analysen mit Neutronen und Synchrotronstrahlung am Paul Scherrer Institut an, darunter Defekt- und Porositätsanalysen in 3D (ANAXAM). Zeiss prüft in Feldbach ZH Bauteile im Auftrag mit dem Computertomographen (Zeiss Schweiz).

Stehen mehr Röntgengeräte in Fabriken, kann auch der Markt für Röntgenquellen wachsen, wie sie in Flamatt entstehen. Für Zulieferer aus Medtech, Präzisionsmechanik, Uhren, Guss und Batterien wird der Blick ins Bauteil zur Finanzierungsfrage. Kaufen, mieten oder scannen lassen.

Zum Mitnehmen: Kaufen, mieten oder scannen lassen? Fünf Fragen vor dem Entscheid

  1. Wie oft wird geprüft? Einzelne Fehleranalysen oder Erstmusterprüfungen lassen sich als Auftrag vergeben, etwa bei Zeiss in Feldbach, für anspruchsvolle Materialfragen bei Empa oder ANAXAM. Laufende Serienprüfung an der Linie spricht für ein eigenes Gerät, gekauft oder gemietet.
  2. Passt das Teil ins Gerät? Grösse und Dichte entscheiden. Ein Gerät mit 225 kV durchdringt nach Angaben von Lumafield bis 100 mm Leichtmetall oder 25 mm Stahl. Für dickere Stahlteile braucht es höhere Energien; die Empa arbeitet mit Quellen bis 6 MeV.
  3. Kosten über die ganze Laufzeit rechnen: Beim Kauf Anschaffung plus Unterhalt (Lumafield nannte 2022 für herkömmliche Systeme 25 000 bis 50 000 Dollar pro Jahr), beim Abo die Jahresgebühr mal Laufzeit. Schriftlich klären, was enthalten ist: Wartung, Software, Anzahl Scans, Ersatzgerät, Kündigungsfrist.
  4. Wo liegen die Daten? Manche Systeme, etwa jene von Lumafield, werten in der Cloud aus. Wer Konstruktionsgeheimnisse, Medizinal- oder Rüstungsteile scannt, klärt den Speicherort vorab und fragt, ob eine Installation vor Ort möglich ist.
  5. Bewilligung einplanen: Für den Umgang mit ionisierender Strahlung braucht es in der Schweiz eine Bewilligung des BAG, zu beantragen über das Radiation Portal Switzerland. Die Aufsicht in Industrie und Gewerbe hat die Suva. Verlangt sind eine sachverständige Person für Strahlenschutz mit anerkannter Ausbildung und geschultes Personal.

Häufige Fragen

Was kostet ein industrieller CT-Scanner?

Zeiss nennt 100 000 bis über 1 Mio. Dollar, je nach Modell und Ausstattung. Lumafield bezifferte 2022 ein herkömmliches System auf 500 000 Dollar und mehr plus 25 000 bis 50 000 Dollar Unterhalt pro Jahr und bot sein eigenes Gerät damals für 36 000 Dollar pro Jahr an. Aktuelle Abopreise gibt Lumafield nur auf Anfrage bekannt.

Wo kann man in der Schweiz ein Bauteil per CT prüfen lassen?

Zeiss bietet in Feldbach ZH Bauteilprüfung mit dem Computertomographen als Dienstleistung an. Die Empa betreibt ein Zentrum für Röntgenanalytik, ANAXAM in Villigen vermittelt Analysen mit Neutronen und Synchrotronstrahlung am Paul Scherrer Institut. Geräte für die eigene Prüfung liefert unter anderem Comet aus Flamatt mit der Marke Comet Yxlon.

Braucht man in der Schweiz eine Bewilligung für ein Röntgenprüfgerät?

Ja. Wer mit ionisierender Strahlung arbeitet, braucht eine Bewilligung des Bundesamts für Gesundheit. In Industrie und Gewerbe beaufsichtigt die Suva den Strahlenschutz, der Betrieb braucht eine sachverständige Person mit anerkannter Ausbildung.

Quellen

  1. Lumafield, «Introducing Saturn: Large-Format CT for the Parts You Couldn’t Scan Before», 10. September 2026 lumafield.com
  2. Lumafield via GlobeNewswire, Medienmitteilung «Lumafield Unveils Saturn Large-Format Industrial X-ray CT Scanner», 10. September 2026 manufacturingdigital.com
  3. Lumafield, «Lumafield Launches Triton: High-Throughput Industrial CT Now Available for Production at Scale», 8. Mai 2025 lumafield.com
  4. Lumafield, «Lumafield Announces $75 Million Series C Funding and Bill Cronin as Head of Revenue», 13. März 2025 lumafield.com
  5. Silicon Valley Bank, «Lumafield Secures $50 Million Growth Capital Facility from Silicon Valley Bank», 20. November 2025 stocktitan.net
  6. Lumafield, Produktseite Neptune, abgerufen am 20. Oktober 2026 lumafield.com
  7. PlasticsToday, Rick Lingle, «Do-Your-Own CT Scanning for Engineers», 3. Mai 2022 plasticstoday.com
  8. Contrary Research, Unternehmensbericht Lumafield, aktualisiert am 2. November 2024 contrary.com
  9. Zeiss, «Industrial CT Scanner Cost: What to Expect for Your Investment», 8. März 2025 zeiss.com
  10. Comet Holding AG, Medienmitteilung zum Halbjahresergebnis 2026, 31. Juli 2026 boerse-online.de · eqs.com (PDF)
  11. Comet Yxlon, Unternehmensseite, abgerufen am 20. Oktober 2026 comet.tech
  12. Empa, Center for X-ray Analytics, High-energy X-ray Imaging, abgerufen am 20. Oktober 2026 empa.ch
  13. Empa, Nicole Döbeli, «20 years of industrial computer tomography at Empa», 4. Januar 2012 empa.ch
  14. Empa via admin.ch, Medienmitteilung «Accurate analysis of 3D-printed components», 23. November 2021 admin.ch
  15. ANAXAM, Website, abgerufen am 20. Oktober 2026 anaxam.ch
  16. Zeiss Schweiz, Übersicht Messdienstleistungen, Quality Excellence Center Feldbach zeiss.ch (PDF)
  17. Bundesamt für Gesundheit, Informationen zum Strahlenschutz für Industrie und Gewerbe, abgerufen am 20. Oktober 2026 bag.admin.ch
  18. Suva, Ionisierende Strahlung, abgerufen am 20. Oktober 2026 suva.ch

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