Illustration: Leitgrad. Quelle: Raiffeisen, Studie Raumfahrtindustrie Schweiz, März 2026.

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Wie wird ein Schweizer KMU Zulieferer der Raumfahrt?

Die Schweizer Raumfahrt ist eine Branche der Werkstätten. Wer hinein will, braucht weder Rakete noch Milliarden, sondern den richtigen Draht nach Bern und zur ESA. Firmen, Förderung und eine Checkliste im Überblick.

Illustration: links ein Hangar mit Satellit und zehn blauen Figuren, rechts zwei Werkstätten mit Schweizer Fahnen und zwanzig roten Figuren, jede Figur steht für 100 Personen

Illustration: Leitgrad. Quelle: Raiffeisen, Studie Raumfahrtindustrie Schweiz, März 2026.

Kurz gesagt: Schweizer KMU kommen in die Raumfahrt meist über die Europäische Weltraumorganisation ESA. Die Schweiz zeichnete im November 2025 Beiträge von 771 Mio. Euro, und die ESA vergibt Aufträge an die Mitgliedsländer gemessen an deren Beitragsanteil. Erste Anlaufstelle ist das Swiss Space Office im SBFI. Ausschreibungen laufen über die ESA-Plattform EMITS, oft im Team mit einem grossen Hauptauftragnehmer. Startups erhalten über ESA BIC Switzerland bis 200’000 Euro ohne Anteilsabgabe. Die Branche zählt rund 130 Firmen mit etwa 1’000 Fachleuten, dazu rund 2’000 Beschäftigte bei Zulieferern, und setzt rund 500 Mio. Franken im Jahr um.

Raumfahrt klingt nach Raketen und Milliarden. In der Schweiz klingt sie eher nach Präzisionsbetrieb. Hier entstehen Motoren, Strukturen, Antennen, Messtechnik und Software, die in Satelliten und Raketen anderer stecken. Auf jede Fachkraft in einer Raumfahrtfirma kommen rund zwei Beschäftigte bei Zulieferern, zeigt eine Studie von Raiffeisen. Die Swiss Space Industries Group schätzt den Branchenumsatz auf rund 500 Mio. Franken im Jahr, berichtete SRF im Juni 2026, mit stark steigender Tendenz.

Neue Kunden gibt es genug. Das kalifornische Startup Varda etwa hat 28 Starts für 2027 bis 2029 gebucht, um Medikamente im All zu kristallisieren (mehr dazu im Leitgrad-Artikel). Die Frage für ein KMU lautet also nicht, ob es Nachfrage gibt. Sondern, wie man an sie herankommt.

Welche Schweizer Firmen in der Raumfahrt mitmachen

Die Liste ist eine Auswahl mit je einer belegten Angabe. Sie zeigt, wie breit die Schweizer Beiträge sind: vom Raketenteil bis zur Laborprobe.

Firma Ort Was sie liefert Belegte Angabe
Beyond Gravity Emmen LU Nutzlastverkleidungen für Ariane-Raketen, Satellitentechnik über 250 erfolgreiche Flüge im Ariane-Programm (Beyond Gravity)
APCO Technologies Aigle VD ultraleichte Satellitenstrukturen genannt als Schweizer Zulieferer (SRF)
Maxon Sachseln OW Elektromotoren Motoren unter anderem für den Mars-Rover Perseverance (SRF)
Swissto12 Renens VD Antennen, kleine geostationäre Satelliten Finanzierungsrunde über 70 Mio. Dollar, Juli 2026 (Swissto12)
Kistler Winterthur ZH Messtechnik für Vibrations-, Thermalvakuum- und Triebwerkstests eigenes Angebot für die Raumfahrt (Kistler)
Prometheus Life Technologies Dübendorf ZH menschliche Organoide aus der Schwerelosigkeit zwei ISS-Missionen (Innovationspark Zürich)
Exo-Labs Zürich Analysen zu Schnee, Wald und Landnutzung aus Satellitendaten Beispiel für Datendienste (Raiffeisen)
BIOTESC, Hochschule Luzern Hergiswil NW Betreuung biologischer Experimente auf der ISS offizielles ESA-Nutzerzentrum (HSLU)

Die Schweiz ist in der Raumfahrt eine Nische, die für Qualität geschätzt wird, hält Raiffeisen fest. Einen guten Ruf hat sie vor allem bei Zeitmessung, Bordelektronik und hochwertigen Komponenten. Mit dem Aufstieg privater Raketenfirmen wächst die Kundschaft: Viele Schweizer Firmen liefern auch an SpaceX, dürfen darüber aber nicht sprechen, schreibt SRF.

Wie Aufträge in die Schweiz zurückfliessen

Die Schweiz ist Gründungsmitglied der ESA. Das Geld, das sie dort einzahlt, fliesst über Aufträge an Industrie und Forschung in die Mitgliedsländer zurück. Das Prinzip heisst geografischer Rückfluss. Seit dem Ministerrat von 1997 vergleicht die ESA den Anteil eines Landes an den gewichteten Auftragswerten mit seinem Anteil an den Beiträgen, erklärt die ESA. Rechtsgrundlage ist Artikel VII der ESA-Konvention. Gemessen wird über mehrere Jahre, nicht Auftrag für Auftrag.

Wie viel zurückfliessen kann, hängt also davon ab, was der Bund zeichnet. An der Ministerratskonferenz in Bremen im November 2025 waren es 771 Mio. Euro für die kommenden Jahre, von total 22,1 Mrd. Euro aller Mitgliedsländer, meldete das SBFI. Darunter sind Programme wie HummingSat für kleine Telekommunikationssatelliten, die Mission Ramses zur Asteroidenabwehr und das von der Schweiz angestossene ALPSTAR.

Rakete mit vier nummerierten Stufen: Netzwerk, Swiss Space Office, Ausschreibung und, rot hervorgehoben, Konsortium mit einem Hauptauftragnehmer, darüber die Spitze für den ESA-Auftrag, seitlich ein Booster für das Startup-Programm ESA BIC
Grafik: Leitgrad. Quellen: ESA, SBFI, Swissmem, ESA BIC Switzerland.

Die ESA will KMU gezielt beteiligen. Manche Ausschreibungen sind ihnen vorbehalten, das steht in jeder Ausschreibung auf der Plattform EMITS. Grosse Anbieter werden ermutigt, KMU ins Team zu holen, und deren Einbezug zählt bei der Bewertung. Viele Ausschreibungen enthalten Vorgaben, welche Arbeiten an Unterauftragnehmer gehen. Für ein KMU ist das oft die eigentliche Tür.

Daneben finanziert der Bund eigene Instrumente, beschreibt das SBFI: ESA-Technologieprogramme, die Technologien bis zum Reifegrad 5 von 6 bringen, das Programm PRODEX für wissenschaftliche Instrumente, die in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Industrie entstehen, und nationale Aktivitäten für Hochschulen und Forschungsinstitute.

Der zweite Einstieg führt über die Life Sciences

Nicht jeder Weg ins All führt über Metall und Elektronik. Wer in Biotech, Medizintechnik oder Pharma zu Hause ist, findet in Dübendorf eine eigene Andockstelle. Im Biolabor des UZH Space Hub können Startups befristet angewandte Forschung betreiben, auch Hangar und Werkstätten lassen sich nach Bedarf nutzen, sagte Direktor Oliver Ullrich im Gespräch mit UZH News.

Auf demselben Gelände plant Starlab, ein Gemeinschaftsunternehmen um Airbus, ein Kontrollzentrum für Experimente mit Schwerpunkt Biotech, Biomedizin und Pharma. Die Station soll ab 2029 in Betrieb gehen, meldete die UZH. Für Experimente auf der ISS ist zudem BIOTESC in Hergiswil das Schweizer ESA-Nutzerzentrum. Wer Proben, Sensoren oder Laborgeräte für die Schwerelosigkeit baut, hat damit Ansprechpartner im eigenen Land.

Zum Mitnehmen: Checkliste für den Einstieg als Zulieferer

  1. Rolle klären. Hardware für Raketen und Satelliten (Upstream) ist kapitalintensiv und hat hohe Hürden. Dienste mit Satellitendaten (Downstream) haben tiefere Eintrittshürden (Raiffeisen).
  2. Ins Netzwerk. Die Swissmem-Fachgruppe Raumfahrt (Swiss Space Industries Group) bietet Erfahrungsaustausch, Kontakte zum Swiss Space Office, zu Hochschulen und zur ESA und macht Lösungen ihrer Mitglieder bei der ESA sichtbar (Swissmem).
  3. Swiss Space Office kontaktieren. Es ist das Kompetenzzentrum des Bundes für Weltraumfragen, Adresse space@sbfi.admin.ch (SBFI).
  4. EMITS beobachten. Ausschreibungen und Preisanfragen der ESA erscheinen dort, samt Kennzeichnung für KMU. Unterauftragsvorgaben genau lesen (ESA).
  5. Partner suchen. Ein Hauptauftragnehmer, der KMU einbinden muss oder will, ist der häufigste Weg in ein ESA-Projekt (ESA).
  6. Für Startups: ESA BIC Switzerland gibt bis 200’000 Euro ohne Anteilsabgabe und bis 80 Stunden technische Unterstützung, Bewerbung über Venturelab (esabic.ch). Seit 2016 nahmen 76 Startups teil (Raiffeisen).

Wo die Grenzen liegen

Der Rückfluss gilt für das Land, nicht für die einzelne Firma. Grundsätzlich gilt freier Wettbewerb unter den Anbietern, schreibt die ESA. Wer zeichnet, schafft Chancen, aber keine Garantie.

Der Staat bleibt der wichtigste Geldgeber. «Finanziert wird New Space in der Schweiz nach wie vor hauptsächlich vom Staat», schreibt Raiffeisen. Von 2016 bis 2024 flossen knapp 1,6 Mrd. Franken öffentliche und 600 Mio. Franken private Mittel in die Branche. Wer auf Raumfahrt setzt, plant deshalb im Takt öffentlicher Programme und Budgets.

Diese Übersicht hat den Stand vom 20. Oktober 2026. Programme, Beträge und Kontakte können sich ändern, verbindlich sind die Angaben von ESA und SBFI.

Häufige Fragen

Wie viele Raumfahrtfirmen gibt es in der Schweiz?

Rund 130, mit etwa 1’000 Fachleuten und weiteren rund 2’000 Beschäftigten bei Zulieferern, zeigt eine Studie von Raiffeisen aus dem Jahr 2026. Der Umsatz liegt laut Swiss Space Industries Group bei rund 500 Mio. Franken pro Jahr.

Was ist der geografische Rückfluss der ESA?

Die ESA vergleicht den Anteil eines Mitgliedslandes an ihren Aufträgen mit seinem Anteil an den Beiträgen und strebt über mehrere Jahre ein ausgeglichenes Verhältnis an. Zeichnet die Schweiz mehr, können mehr Aufträge an Schweizer Firmen gehen.

Wie bewirbt man sich bei ESA BIC Switzerland?

Über die Bewerbungsseite von Venturelab, die auf esabic.ch verlinkt ist. Das Programm richtet sich an Startups mit Bezug zur Raumfahrt und gibt bis 200’000 Euro ohne Anteilsabgabe.

Quellen

  1. Raiffeisen, Studie Raumfahrtindustrie Schweiz, 3. März 2026 raiffeisen.ch
  2. SRF, Der Weltraum als Geschäftsfeld, 13. Juni 2026 srf.ch
  3. ESA, Industrial policy and geographical distribution, abgerufen 15. Oktober 2026 esa.int
  4. SBFI, ESA-Ministerratskonferenz in Bremen, 27. November 2025; SBFI, Raumfahrt; SBFI, Raumfahrt-Projektfinanzierungen Ministerrat · Raumfahrt · Finanzierungen
  5. Swissmem, Raumfahrt (Swiss Space Industries Group) swissmem.ch
  6. ESA BIC Switzerland, Programm und Bewerbung esabic.ch
  7. Firmenangaben: Beyond Gravity, Swissto12 (Series C, 16. Juli 2026), Kistler, Innovationspark Zürich (Prometheus Life Technologies), Hochschule Luzern (BIOTESC) Beyond Gravity · Swissto12 · Kistler · Prometheus · HSLU
  8. Reuters via WSAU, Varda raises $250 million, 30. September 2026 wsau.com

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