Start einer Atlas V mit Satelliten für Amazon Leo, damals Project Kuiper, in Cape Canaveral.Foto: U.S. Space Force photo by Gwendolyn Kurzen / Wikimedia Commons, Public domain
Amazon baut 27 Satelliten pro Woche. Die Raketenspitze kommt aus Emmen
Amazon hat den tausendsten Satelliten gebaut und will Amazon Leo dieses Jahr starten. Im Orbit sind erst 396. Für die Schweiz ist der Dienst nicht angekündigt, doch die Spitzen der Ariane 6 baut Beyond Gravity in Emmen.

Start einer Atlas V mit Satelliten für Amazon Leo, damals Project Kuiper, in Cape Canaveral.Foto: U.S. Space Force photo by Gwendolyn Kurzen / Wikimedia Commons, Public domain
Kurz gesagt: Amazon hat den tausendsten Satelliten für sein Internet aus dem All gebaut und will den Dienst Amazon Leo noch dieses Jahr kommerziell starten. Im Orbit sind erst 396 Satelliten, bei Starlink sind es über 11 000. Für die Schweiz ist Amazon Leo nicht angekündigt. Ein Schweizer Stück fliegt trotzdem mit: Beyond Gravity baut in Emmen die Spitzen der Ariane 6, die Amazon für 18 Starts gebucht hat. Für KMU wird Satelliteninternet vor allem als zweite, unabhängige Leitung interessant.
Die ersten 27 Satelliten brauchten sechs Monate. Heute baut Amazon 27 pro Woche. Das sagte Programmchef Rajeev Badyal diese Woche der Fachseite Ars Technica, wie The Next Web zusammenfasst. Im Werk in Kirkland bei Seattle ist der tausendste Satellit fertig. Bis zum ersten kommerziellen Angebot seien es nur noch Wochen.
Kurz bevor stand er schon öfter. Im April sprach Amazon-Chef Andy Jassy von Mitte 2026, im Sommer vom dritten Quartal, dann von «diesem Jahr». Das Problem liegt nicht in der Fabrik, sondern auf der Startrampe.
Wie weit ist Amazon Leo?
Im Orbit kreisen 396 Satelliten, seit Juli kein einziger mehr dazu. Die Vulcan-Rakete der United Launch Alliance ist seit einer Panne im Februar gesperrt. Ihr Rückflug soll frühestens Ende Oktober mit Amazon-Satelliten an Bord stattfinden. Geplant sind in der ersten Ausbaustufe 3232 Satelliten.
Die US-Aufsichtsbehörde FCC hatte verlangt, dass bis Ende Juli 2026 die Hälfte davon fliegt. Amazon schaffte knapp ein Viertel davon und bat um zwei Jahre Aufschub. Die FCC lehnte ab, liess die Lizenz aber nicht verfallen. Satelliten, die nach der Frist starten, verlieren vorübergehend ihren Vorrang bei den Frequenzen, so die Verfügung vom 5. Juni. Zum Vergleich: Starlink betreibt über 11 000 Satelliten und meldet über 12 Millionen Kunden. Wie schnell SpaceX nachlegt, zeigt der Orbitalflug von Starship.
Amazon setzt auf Firmenkunden. Die Antennen heissen Nano, Pro und Ultra, die grösste soll bis 1 Gbit/s empfangen und 400 Mbit/s senden, laut Amazon. Partner sind etwa JetBlue, Delta, Vodafone und Apple. Preise für Kunden hat Amazon bisher nicht veröffentlicht.

Was hat die Schweiz damit zu tun?
Die Spitze. Wenn eine Ariane 6 mit Amazon-Satelliten abhebt, sitzen sie unter einer 20 Meter hohen Nutzlastverkleidung aus Kohlefaser. Sie kommt aus Emmen im Kanton Luzern. Beyond Gravity, die frühere RUAG Space, lieferte die lange Version für den ersten Flug im Februar mit 32 Leo-Satelliten, wie die Firma mitteilt. Im Juni trug sie 36 Satelliten, so viele wie nie.
Amazon hat 18 Ariane-Starts gebucht, drei sind geflogen. Dazu baut Beyond Gravity im schwedischen Linköping die Gestelle, die die Satelliten im All aussetzen. Für Amazon war das 2022 laut Beyond Gravity der grösste Einzelauftrag der Firmengeschichte. Die Spitzen der Vulcan entstehen in Decatur im US-Bundesstaat Alabama. Beyond Gravity gehört über RUAG International dem Bund und beschäftigt rund 1900 Menschen.
Kommt Amazon Leo in die Schweiz?
Offen. Amazon nennt keine Startländer. In Europa hat Amazon Lizenzen in Grossbritannien und Frankreich, in Deutschland will Vodafone Mobilfunkmasten über Leo anbinden. Einen Schweizer Partner gibt es bisher nicht. Wer Funkfrequenzen nutzt, braucht in der Schweiz in der Regel eine Konzession des BAKOM. Satellitenterminals stehen nicht auf der Liste der frei nutzbaren Anwendungen.
Starlink ist schon da. Ein Abo kostet in der Schweiz je nach Tempo 35 bis 70 Franken im Monat, schreibt Moneyland. 2022 waren es noch 94 Franken plus Antenne. In Leuk VS darf SpaceX 40 Antennen für eine Bodenstation bauen, die Gemeinde hat die Einsprachen abgewiesen, berichtet SRF. Und Starlink sucht hierzulande Gastgeber, die Internet weitergeben. Ein zweiter Anbieter dürfte die Preise weiter drücken.
Was bringt Satelliteninternet einem KMU?
Als Erstanschluss wenig, wo Glasfaser liegt. Rund die Hälfte der Gebäude hat Glasfaser bis ins Haus. Der Bundesrat will mit bis zu 730 Millionen Franken jene rund zehn Prozent der Haushalte und Geschäfte erschliessen, die sonst ohne schnelles Festnetz blieben, wie der Bundesrat mitteilt. Bis dahin hilft der Satellit: Berghotels, Alpbetriebe und SAC-Hütten nutzen ihn schon heute.
Spannender ist die zweite Leitung. Fällt die Glasfaser aus, stehen Kasse, Lager und Produktion still. Ein Satellitenanschluss läuft über einen anderen Weg und fällt nicht mit der Leitung im Quartier aus. Vodafone nutzt Amazon Leo genau so, als Reserve für Mobilfunkmasten. Bei SpaceX geht es derweil um mehr: Der Konzern kauft in den USA Frequenzen für ein eigenes Handynetz.
Häufige Fragen
Was ist Amazon Leo?
Das Satelliteninternet von Amazon, bis November 2025 «Project Kuiper» genannt. Es soll mit über 3000 Satelliten in tiefer Umlaufbahn Internet für Haushalte, Firmen, Flugzeuge und Mobilfunknetze liefern.
Wie viel kostet Starlink in der Schweiz?
Je nach Tempo 35, 50 oder 70 Franken im Monat für Privatkunden, Business-Abos ab 38 Franken. Die Antenne kann man kaufen oder mieten. Die Preise ändern oft, massgebend ist die Website von Starlink.
Wann startet Amazon Leo kommerziell?
Amazon spricht von «diesem Jahr». Ein Datum und die ersten Länder sind nicht bekannt. Firmenkunden testen den Dienst seit November 2025.
Quellen
- The Next Web (nach Ars Technica), 8. Oktober 2026 thenextweb.com
- FCC, Order DA 26-553, 5. Juni 2026 fcc.gov
- Amazon, Leo Ultra und Pro, November 2025 aboutamazon.com
- Beyond Gravity, Medienmitteilungen zu Ariane 6, Februar und Juni 2026 beyondgravity.com · beyondgravity.com
- Arianespace, Start LE-01, 12. Februar 2026 ariane.group
- Moneyland, Starlink in der Schweiz, 14. Juli 2026; SRF zu Leuk VS moneyland.ch · srf.ch
- Bundesrat, Botschaft Gigabit-Förderung, 9. September 2026 admin.ch
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