Starship auf der Startrampe in Starbase, Texas, am Abend vor dem fünften Testflug im Oktober 2024. Foto: Steve Jurvetson / Wikimedia Commons, CC BY 2.0, zugeschnitten
Starship erreicht den Orbit. Für die Schweizer Raumfahrt wird der Weg ins All billiger, aber nicht für alle
Starship hat erstmals die Umlaufbahn erreicht. Ein Kilo ins All kostet heute 2720 Dollar statt 54 500. Was das für Beyond Gravity in Emmen, Swissto12 und die übrige Schweizer Raumfahrt bedeutet.

Starship auf der Startrampe in Starbase, Texas, am Abend vor dem fünften Testflug im Oktober 2024. Foto: Steve Jurvetson / Wikimedia Commons, CC BY 2.0, zugeschnitten
In Emmen im Kanton Luzern baut Beyond Gravity die Spitzen von Raketen. Die riesigen Verkleidungen schützen Satelliten beim Start und fallen nach wenigen Minuten ins Meer. Sie fliegen auf der europäischen Ariane 6 und der amerikanischen Vulcan. Die Firma gehört dem Bund. Ihre Muttergesellschaft Ruag International schrieb im letzten Jahr einen Verlust von 119 Millionen Franken, vor allem wegen des Raketengeschäfts.
Am Montag hat SpaceX gezeigt, wie die Konkurrenz dieser Spitzen aussieht. Starship, die grösste Rakete der Geschichte, erreichte auf ihrem 14. Testflug zum ersten Mal die Umlaufbahn und setzte 26 Starlink-Satelliten aus. Rund lief es nicht: Ein Triebwerk des Raumschiffs schaltete beim Aufstieg zu früh ab, SpaceX kürzte den Flug von zehn auf etwa drei Stunden. Die Landung im Pazifik endete laut CNN in einem Feuerball. Für die Branche zählt trotzdem vor allem der erste Teil.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Kilo in eine niedrige Umlaufbahn kostete mit dem Space Shuttle rund 54 500 Dollar, mit der Falcon 9 von SpaceX rund 2720 Dollar. Starship hat am 28. September erstmals die Umlaufbahn erreicht und soll den Preis noch einmal drastisch senken. Ob SpaceX die Rakete an Dritte verkauft, ist offen. Die Schweizer Raumfahrtbranche setzt laut Branchenverband rund eine halbe Milliarde Franken im Jahr um. Für Zulieferer wie Beyond Gravity steigt der Preisdruck, für Satellitenbauer wie Swissto12 sinken die Kosten. Der Nationalrat hat am 24. September das erste Raumfahrtgesetz der Schweiz verabschiedet.
Billigere Starts sind für die Schweizer Raumfahrt zugleich Chance und Bedrohung. Beyond Gravity schreibt das selbst in ihren Jahreszahlen: Sinkende Startkosten und fallende Preise pro Satellit erhöhten den Wettbewerbs- und Margendruck entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Der Umsatz der Muttergesellschaft Ruag International sank 2025 auf 412 Millionen Franken, das Betriebsergebnis lag bei minus 114 Millionen. Belastet haben vor allem hohe Entwicklungskosten im Raketengeschäft.
Ein Kilo ins All kostete 54 500 Dollar. Heute 2720.
Kosten für den Transport von einem Kilogramm in eine niedrige Erdumlaufbahn, in Dollar, inflationsbereinigt. Die Fläche entspricht dem Preis.

Die Grafik zeigt, wie radikal SpaceX den Markt bereits verändert hat. Seit dem Shuttle ist der Preis pro Kilo um rund 95 Prozent gefallen, und zwar mit der Falcon 9, deren erste Stufe landet und wieder fliegt. Starship soll auch die zweite Stufe zurückbringen. Elon Musk verspricht, die Kosten um «Grössenordnungen» zu senken.
Für einen Zulieferer ändert das die Rechnung. Wenn der Start nur noch einen Bruchteil kostet, fällt jede andere Position stärker ins Gewicht, auch die Verkleidung aus Emmen. Starship braucht zudem gar keine separate Spitze. Die Frachtversion hat nicht einmal einen klassischen Laderaum: Sie setzt SpaceX-eigene Satelliten durch einen schmalen Schlitz aus, wie ein Bonbonspender.
Für Satellitenbauer ist es die umgekehrte Geschichte. Je billiger der Start, desto mehr lohnt sich ein Satellit, der kleiner, günstiger und in grösserer Zahl gebaut wird. Genau darauf setzen mehrere Schweizer Firmen. Nur: Ob sie Starship je buchen können, weiss niemand. Für die Rakete gibt es kein Buchungsportal wie für die Falcon 9, und SpaceX will die Falcon auslaufen lassen. Ein Branchenkenner sagte CNN, es gebe für SpaceX «null ökonomischen Grund», die Ersparnis an Kunden weiterzugeben.
Wer in der Schweiz davon lebt
Dutzende Schweizer Firmen arbeiten im Weltraumgeschäft. Laut SRF schätzt die Swiss Space Industries Group ihren Umsatz auf rund eine halbe Milliarde Franken im Jahr, Tendenz stark steigend. APCO Technologies in Aigle baut ultraleichte Strukturen für Satelliten, Maxon in Sachseln Motoren für Marsfahrzeuge. Dass etliche Firmen für SpaceX liefern, sei ein offenes Geheimnis, schreibt SRF. Sagen dürfen sie es meist nicht. Dasselbe Muster der namenlosen Zulieferer kennt die Schweiz aus der Medtech.
Swissto12 aus Renens, ein Spin-off der EPFL, baut kleine Satelliten für die geostationäre Umlaufbahn. Die Firma erhielt im Januar 73 Millionen Euro von ESA-Mitgliedstaaten für ihren HummingSat, der erste Start ist laut EU-Startups für 2027 geplant. ClearSpace, gegründet in der Schweiz, will Weltraumschrott einsammeln und hat seinen Hauptsitz inzwischen in Luxemburg. Warum Schweizer Wachstumsfirmen oft dort hingehen, wo der Markt ist, zeigt unser Text zum Wegzug der Scale-ups.
Nicht jede Geschichte geht gut aus. Astrocast aus Chavannes-près-Renens schickte seine Nanosatelliten mehrmals mit Falcon-9-Raketen ins All. Im März 2026 wurde über die Firma der Konkurs eröffnet.
Bern schreibt das erste Gesetz
Die Politik zieht nach. Am 24. September hat der Nationalrat das erste Schweizer Raumfahrtgesetz mit 191 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen verabschiedet. Wer künftig von der Schweiz aus Satelliten betreibt, braucht eine Bewilligung, eine blosse Selbstdeklaration lehnte der Rat ab. Der Ständerat muss noch entscheiden. An der ESA-Ministerratskonferenz im November 2025 hat die Schweiz 771 Millionen Euro für die kommenden Jahre zugesagt.
Wie viel Geld Schweizer Raumfahrt- und Robotikfirmen zuletzt einsammeln konnten, zeigt unsere Übersicht der Startups dieses Sommers. Für einen Unternehmer ausserhalb der Branche bleibt eine Lehre aus Emmen: Wenn ein neuer Anbieter den Preis eines ganzen Marktes um Grössenordnungen senkt, verschiebt sich der Wert. Wer davon profitieren will, muss wissen, auf welcher Seite der Rechnung er steht.
Methode
Startkosten nach CSIS Aerospace Security, inflationsbereinigt, als Durchschnitt pro Kilogramm bei voller Auslastung. Tatsächliche Preise hängen vom Auftrag ab. Für Starship gibt es keinen belastbaren Preis, frühere Aussagen von Elon Musk nennen wir nicht als Wert. Umsatz der Branche nach Schätzung der Swiss Space Industries Group, zitiert von SRF. Dass Beyond Gravity an SpaceX liefert, ist nicht belegt.
Quellen
- CNN, Liveblog zu Starship Flight 14, 28. September 2026 cnn.com
- RUAG International, Geschäftsjahr 2025, 24. März 2026 ruag.com
- CSIS Aerospace Security, Space Launch to Low Earth Orbit, via Our World in Data csis.org · ourworldindata.org
- SRF, «Schweizer Tech-Firmen profitieren vom Rummel um SpaceX», 13. Juni 2026; SRF zum Raumfahrtgesetz, 24. September 2026 srf.ch · srf.ch
- SBFI zur ESA-Ministerratskonferenz 2025; EU-Startups zu Swissto12, Januar 2026; ClearSpace; Moneyhouse zu Astrocast sbfi.admin.ch · eu-startups.com · clearspace.today · moneyhouse.ch
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