Illustration: Leitgrad
Die GAV-Löhne steigen 2026 um 0,5 Prozent. Warum das Plus kaum im Portemonnaie ankommt.
Die Effektivlöhne in den grossen Gesamtarbeitsverträgen steigen 2026 um 0,5 Prozent, die Mindestlöhne um 0,8 Prozent. Bei 0,6 Prozent Teuerungsprognose dürften die Reallöhne nicht ansteigen. Die Spanne nach Branchen und was sie für die Lohnrunde 2027 bedeutet.

Illustration: Leitgrad
Kurz gesagt: Die Sozialpartner der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge haben die Effektivlöhne für 2026 um durchschnittlich 0,5 Prozent erhöht, die Mindestlöhne um 0,8 Prozent. Das zeigt die Erhebung des Bundesamts für Statistik. Bei einer Teuerungsprognose von 0,6 Prozent dürften die Reallöhne im GAV-Bereich 2026 nicht ansteigen. Am stärksten erhöhen Verkehr und Lagerei, am wenigsten das Baugewerbe.
Das Lohnplus wird kleiner. Für 2026 haben die Sozialpartner der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge (GAV) die Effektivlöhne um durchschnittlich 0,5 Prozent angehoben, meldet das Bundesamt für Statistik (BFS). 0,3 Prozent davon werden individuell verteilt, 0,2 Prozent gehen kollektiv an alle. Erfasst sind GAV mit mindestens 1500 unterstellten Personen, zusammen knapp 700 000 Beschäftigte.
Es ist das kleinste Plus seit 2021. Damals stiegen die Effektivlöhne um 0,4 Prozent, danach um 0,8 Prozent (2022), 2,5 Prozent (2023), 2,1 Prozent (2024) und 1,2 Prozent (2025). Mit Blick auf die Teuerungsprognose von 0,6 Prozent hält das BFS fest, dass die Reallöhne im GAV-Bereich dieses Jahr nicht ansteigen dürften.

Verkehr vorne, Bau hinten
Zwischen den Branchen liegen die Abschlüsse weit auseinander. Im Dienstleistungssektor stiegen die Effektivlöhne um 0,8 Prozent, in Industrie und Bau um 0,2 Prozent. Vorne liegen Verkehr und Lagerei mit 1,2 Prozent sowie die Finanz- und Versicherungsbranche mit 1 Prozent. Gesundheit und Soziales, Erziehung und Unterricht sowie die freiberuflichen und technischen Dienstleistungen kommen auf 0,8 Prozent, der Handel auf 0,6 Prozent. Das verarbeitende Gewerbe erhöhte um 0,3 Prozent, das Baugewerbe um 0,2 Prozent.

Auch die Art der Erhöhung unterscheidet sich. In Industrie und Bau wurde das Plus zu 83 Prozent kollektiv verteilt, bei den Dienstleistungen zu 64 Prozent individuell.
Mindestlöhne steigen stärker
Die Mindestlöhne in den GAV stiegen um durchschnittlich 0,8 Prozent, nach 1 Prozent im Vorjahr und 2 Prozent im Jahr 2024. Sie gelten für gut 1,85 Millionen Menschen. Am kräftigsten legten sie für kaufmännische Angestellte und das Verkaufspersonal zu, um 2,3 Prozent. Im Baugewerbe waren es 0,5 Prozent, im Gastgewerbe 0,2 Prozent. Ob ein GAV den kantonalen Mindestlohn künftig unterbieten darf, entscheidet das Volk. Die Hintergründe lesen Sie in unserem Beitrag vom 10. Oktober.
Was das für KMU heisst
Für die Lohnrunde 2027 liefern die Zahlen einen nüchternen Rahmen. Der Durchschnitt hilft dabei wenig, die Bandbreite zwischen 0,2 und 1,2 Prozent umso mehr.
Zum Mitnehmen: drei Punkte für die Lohnrunde 2027
- Mit der eigenen Branche vergleichen: Massgebend sind der eigene GAV und die Abschlüsse der Branche, nicht der Schnitt über alle Verträge.
- Einstufungen prüfen: Wer einem GAV untersteht, gleicht Lohnbänder und Einstufungen mit den neuen Mindestlöhnen ab, bevor die Budgets für 2027 stehen.
- Stelleninserate aktuell halten: Wer Lohnangaben ausschreibt, rechnet mit den Werten von 2026. Weil das Lohnplus etwa im Rahmen der Teuerung liegt, zählen im Werben um Fachkräfte auch Weiterbildung und flexible Arbeitszeiten.
Häufige Fragen
Um wie viel steigen die GAV-Löhne 2026?
Die Effektivlöhne steigen im Schnitt um 0,5 Prozent, davon 0,3 Prozent individuell und 0,2 Prozent kollektiv. Die Mindestlöhne steigen um 0,8 Prozent.
Steigen die Reallöhne 2026?
Im GAV-Bereich dürften die Reallöhne 2026 nicht ansteigen, schreibt das BFS. Die Teuerungsprognose liegt bei 0,6 Prozent.
Welche Branchen erhöhen am stärksten?
Bei den Effektivlöhnen Verkehr und Lagerei mit 1,2 Prozent und die Finanz- und Versicherungsbranche mit 1 Prozent. Am wenigsten erhöht das Baugewerbe mit 0,2 Prozent.
Quellen
- Der Bundesrat und Bundesamt für Statistik, «Effektiv- und Mindestlöhne sind 2026 um durchschnittlich 0,5% bzw. 0,8% gestiegen», 26. Oktober 2026 admin.ch
- Bundesamt für Statistik, Erhebung der gesamtarbeitsvertraglichen Lohnabschlüsse 2026 bfs.admin.ch
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