Illustration: Leitgrad
Die Migros wird eine. Irminger geht, wenn die Mitglieder abstimmen.
Die Migros bestätigt den Umbau: Zehn Regionalgenossenschaften und der MGB sollen eine Gruppengenossenschaft werden. Mario Irminger und Peter Diethelm treten Mitte 2027 ab. Eine Stellenzahl nennt die Migros nicht, Kündigungen schliesst sie bis Mitte 2028 aus.

Illustration: Leitgrad
Kurz gesagt: Die Migros will ihre zehn Regionalgenossenschaften und den Migros-Genossenschafts-Bund zu einer einzigen Gruppengenossenschaft zusammenführen. Das hat die Führung am Montag in Bern bestätigt, die Verwaltungen aller elf Genossenschaften haben einstimmig zugestimmt. Migros-Chef Mario Irminger und Supermarkt-Chef Peter Diethelm geben ihre Ämter Mitte 2027 ab, wenn die rund 2,3 Millionen Mitglieder abstimmen. Eine Stellenzahl nennt die Migros nicht. Sie verspricht aber, in den Regionalgenossenschaften bis mindestens Mitte 2028 niemandem aus organisatorischen Gründen zu kündigen.
Am Sonntag war es noch ein Bericht der SonntagsZeitung, am Montag um 10.45 Uhr wurde es offiziell. «Heute ist ein historischer Tag», sagte Migros-Präsidentin Ursula Nold vor den Medien im Bahnhof Bern. Die Struktur, die Gottlieb Duttweiler in den 1940er Jahren bewusst dezentral angelegt hatte, soll verschwinden. Am Wochenende hatten wir über die Pläne hier berichtet. Jetzt liegen die Eckpunkte auf dem Tisch, und eine Nachricht, mit der kaum jemand gerechnet hatte: Die beiden Männer, die den Umbau angestossen haben, werden ihn nicht zu Ende führen.
Was die Migros beschlossen hat
Aus elf Genossenschaften wird eine. Die Gruppengenossenschaft steht künftig über sieben Geschäftseinheiten, die eigenständig weiterarbeiten: Migros Supermarkt, Migros Industrie, Denner, Migrol und Migrolino, Digitec Galaxus, Migros Bank und Medbase. Das Supermarktgeschäft wird schweizweit aus einer Hand geführt.
Die regionalen Führungsstrukturen werden weitgehend ersetzt, durch sechs Regionalräte. Sie bringen die Anliegen der Regionen ein und wählen die Delegierten der nationalen Delegiertenversammlung. Die regionale Verankerung und die genossenschaftliche Mitbestimmung blieben erhalten, betont die Migros. Für Kundinnen und Kunden soll sich wenig ändern: Filialen, Personal und Sortiment bleiben, das Label «Aus der Region. Für die Region.» auch. «Wir haben eine Migros geschaffen, ohne ihre Tradition zu zerstören», sagte Irminger.


Zwei Chefs geben ab, wenn abgestimmt wird
Mario Irminger, Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bunds, und Peter Diethelm, Chef der Migros Supermarkt AG, legen ihre Ämter zum Zeitpunkt der Urabstimmung Mitte 2027 nieder. Beide sind dann 62. Laut Migros tragen sie die neue Struktur «mit voller Überzeugung» mit. Die Nachfolger sollen den Aufbau der neuen Organisation von Anfang an führen, die Suche hat begonnen. Diethelm begleitet den Umbau bis Ende 2028 als Berater.
Irminger kam 2010 als Finanzchef zu Denner, führte den Discounter zwölf Jahre und übernahm im Mai 2023 die Migros-Spitze. Seither hat er die grösste Restrukturierung der Firmengeschichte geleitet: Melectronics, SportX, Micasa, Hotelplan und Mibelle wurden verkauft, rund 1500 von etwa 100 000 Stellen fielen weg. Diethelm ist seit 1995 bei der Migros und führt die Supermarkt AG seit ihrem Start im Januar 2024.
Was mit den Stellen passiert
Hier bleibt die Migros vage. Sie nennt weder ein Sparziel noch die Zahl der betroffenen Stellen. Die SonntagsZeitung hatte von rund 3000 Stellen und 300 bis 400 Millionen Franken Einsparungen pro Jahr geschrieben. Bestätigt hat die Migros das am Montag nicht, dementiert auch nicht.
Klar ist, wen es trifft: vor allem Verwaltung und Führung. In den Regionalgenossenschaften und der Supermarkt AG arbeiten rund 40 000 Menschen, die meisten in den Filialen. «Für die meisten Mitarbeitenden wird sich gar nichts verändern», sagte Nold. Organisatorisch bedingte Kündigungen in den Regionalgenossenschaften schliesst die Migros bis mindestens Mitte 2028 aus. Wer betroffen ist, soll möglichst eine Stelle in der Gruppe bekommen.

Die Hürde bleibt hoch
Beschlossen ist der Umbau damit noch nicht. Mitte 2027 stimmen die Mitglieder ab, und in jeder der zehn Regionalgenossenschaften braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Wie schwer das ist, zeigte der Juni 2022: Beim Alkoholverkauf erreichte keine einzige Genossenschaft zwei Drittel Ja. Auch ein Anlauf in den 1990er Jahren, zwölf Genossenschaften auf drei zu reduzieren, scheiterte.
Diesmal startet die Migros mit einem anderen Rückenwind: Die Verwaltungen aller zehn Regionen stehen hinter dem Plan. «Wir sind überzeugt, dass wir die Leistungsfähigkeit stärken und Doppelspurigkeit abbauen können», sagte Felix Meyer von der Migros Luzern. Coop hat den gleichen Schritt 2001 gemacht.

Was das für Lieferanten und Partner heisst
Für Firmen, die mit der Migros arbeiten, ist die Richtung jetzt offiziell: weniger Ebenen, mehr Zentrale. Wenn das Supermarktgeschäft schweizweit aus einer Hand geführt wird, dürften Zuständigkeiten, Konditionen und Ansprechpersonen im regionalen Einkauf neu verteilt werden. Der Zeitplan gibt Luft: Bis zur Abstimmung bleibt die heutige Struktur bestehen, der Aufbau zieht sich über mehrere Jahre.
Zum Mitnehmen
- Die Richtung ist entschieden, der Weg noch nicht. Die Führung will die Fusion, die Mitglieder entscheiden Mitte 2027. Bis dahin gelten die heutigen Verträge und Kontakte.
- Regionale Abhängigkeiten jetzt erfassen. Wer an eine Regionalgenossenschaft liefert, sollte festhalten, welche Konditionen und Ansprechpartner an der regionalen Struktur hängen, und die Beziehung zur Supermarkt AG ausbauen.
- Auf Kaderleute achten. Der Abbau trifft vor allem Verwaltung und Führung. Wer Fachleute aus Einkauf, Logistik oder Finanzen sucht, findet dort in den nächsten Jahren erfahrene Leute.
Häufige Fragen
Was ändert sich mit der Migros-Gruppengenossenschaft?
Die zehn Regionalgenossenschaften und der Migros-Genossenschafts-Bund sollen zu einer Genossenschaft verschmelzen. Darunter arbeiten sieben Geschäftseinheiten eigenständig weiter, sechs Regionalräte vertreten die Regionen. Das Supermarktgeschäft wird schweizweit zentral geführt.
Wie viele Stellen baut die Migros ab?
Die Migros nennt keine Zahl. Die SonntagsZeitung berichtete von rund 3000 Stellen, vor allem in der Verwaltung. Bis mindestens Mitte 2028 schliesst die Migros in den Regionalgenossenschaften organisatorisch bedingte Kündigungen aus.
Warum tritt Mario Irminger zurück?
Irminger und Supermarkt-Chef Peter Diethelm geben ihre Ämter zur Urabstimmung Mitte 2027 ab, beide sind dann 62. Ihre Nachfolger sollen die neue Struktur von Beginn an aufbauen. Die Suche läuft.
Wann stimmen die Migros-Mitglieder ab?
Mitte 2027. In jeder der zehn Regionalgenossenschaften braucht es eine Zweidrittelmehrheit.
Quellen
- SRF, «Migros-Führung will Genossenschaftsfusion», 26. Oktober 2026 srf.ch
- Moneycab (AWP/SDA), «Migros-Führung will Genossenschaftsfusion, Irminger und Diethelm treten ab», 26. Oktober 2026 moneycab.com
- 20 Minuten, «Nun ist es fix: Die Migros plant einen Megaumbau», 26. Oktober 2026 20min.ch
- 20 Minuten, «Mario Irminger und Peter Diethelm treten 2027 ab», 26. Oktober 2026 20min.ch
- Bilanz, «Migros plant historische Fusion», 26. Oktober 2026 bilanz.ch
- Tages-Anzeiger / SonntagsZeitung, «Jetzt kommt der grosse Migros-Umbau», 25. Oktober 2026 tagesanzeiger.ch
- Moneycab, «Die Migros bleibt alkoholfrei», 16. Juni 2022 moneycab.com
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