Illustration: Leitgrad

Ausland, Europa · 5 min ·

Plus 80 Prozent: Frankreich wird auf dem Papier Uhrenmarkt Nummer 2. Der Zoll widerspricht.

Die Uhrenexporte nach Frankreich stiegen von Januar bis September 2026 um 80 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Franken, Spanien, Belgien und die Niederlande brachen ein. Dahinter steckt vor allem eine geänderte Deklaration. Was Exporteure daraus lernen.

Illustration auf dunklem Grund: eine Taschenuhr mit einem goldenen Gepäckanhänger mit dem Buchstaben F. Text: Auf dem Papier Frankreich.

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Kurz gesagt: Laut Aussenhandelsstatistik stiegen die Uhrenexporte nach Frankreich von Januar bis September 2026 um 80 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Franken. Auf dem Papier ist Frankreich damit der zweitwichtigste Absatzmarkt hinter den USA. Gleichzeitig brachen Spanien, Belgien und die Niederlande ein. Der Grund ist laut SRF vor allem eine geänderte Deklaration: Mindestens ein grosser Hersteller gibt auf den Zollpapieren Frankreich an, wo die Ware nur zwischengelagert wird, statt des Landes der Endkunden. Die Zollbehörden sind damit nicht einverstanden und rechnen mit einer Revision der Statistik.

Für Frankreich sieht 2026 aus wie ein Jahrhundertjahr der Schweizer Uhr. Knapp 1,7 Milliarden Franken, so viel wie noch nie, über 700 Millionen mehr als im Vorjahr. Im September allein meldete der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie für Frankreich ein Plus von 128 Prozent.

Nur passt das Bild nicht zu den Nachbarn. Spanien liegt im selben Zeitraum 38 Prozent im Minus, Belgien 34 Prozent, die Niederlande 28 Prozent. «Die Zahlen sind umstritten», schreibt SRF.

Balkengrafik auf Papier: Uhrenexporte Januar bis September 2026 zum Vorjahr. Frankreich plus 80 Prozent, Niederlande minus 28, Belgien minus 34, Spanien minus 38 Prozent. Frankreich über 700 Millionen Franken mehr, auf knapp 1,7 Milliarden.
Frankreich gegen die Nachbarn. Quelle: Aussenhandelsstatistik des Bundes via SRF, 23.10.2026. Grafik: Leitgrad

Was hinter dem Sprung steckt

SRF hat nachgefragt. Mindestens ein grosser Schweizer Uhrenhersteller hat vor einigen Monaten die Deklaration geändert. Auf den Zollpapieren steht seither Frankreich als Bestimmungsland, obwohl die Uhren für Kunden in anderen Ländern bestimmt sind, etwa in Spanien. Frankreich dient nur als Zwischenlager und Drehscheibe. SRF nennt den Hersteller nicht, die Gründe für die Umstellung sind unklar.

In den Meldungen zu den Septemberzahlen war von Verschiebungen der Warenströme wegen der US-Zollpolitik die Rede. In Medien kam die Vermutung auf, Frankreich werde als neue Drehscheibe aufgebaut, um US-Zölle zu umgehen. Das trifft laut SRF so nicht zu: Nach den Antworten auf Anfragen hat keiner der grossen Hersteller ein neues Verteilzentrum in Frankreich aufgebaut.

Schema, Beispiel nach SRF: Die Ware geht von der Schweiz über ein Zwischenlager in Frankreich zum Endkunden in Spanien. Auf dem Zollpapier steht als Bestimmungsland Frankreich. Laut BAZG gehört dorthin das Land, in dem die Ware verwendet oder veredelt wird.
Warenweg und Zollpapier, Beispiel nach SRF, schematisch. Quellen: SRF, 23.10.2026; BAZG, R-25 Aussenhandelsstatistik. Grafik: Leitgrad

Was der Zoll sagt

Die Definition stellt auf die Verwendung ab: Als Bestimmungsland gilt für die Aussenhandelsstatistik das «Land, in dem die Ware ihrem Verwendungszweck zugeführt oder in dem sie veredelt werden soll». So steht es in der Richtlinie R-25 Aussenhandelsstatistik des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). Ein reines Zwischenlager in einem Transitland ist nach Lesart der Zollbehörden nicht das Bestimmungsland, berichtet SRF.

Die Zollbehörden sind laut SRF mit dem Vorgehen nicht einverstanden. Sie gehen davon aus, dass die Statistik erneut revidiert wird. Dann stünde wieder das Land der Endkunden in den Zahlen, und Frankreich fiele in der Rangliste der wichtigsten Märkte deutlich zurück.

Zitatkarte auf Nachtblau: Bestimmungsland. Land, in dem die Ware ihrem Verwendungszweck zugeführt oder in dem sie veredelt werden soll. Lesart der Zollbehörden laut SRF: Ein reines Zwischenlager in einem Transitland ist nicht das Bestimmungsland. Sie rechnen mit einer erneuten Revision der Statistik.
Die Definition des BAZG. Quellen: BAZG, R-25 Aussenhandelsstatistik, Stand 1.10.2026, Ziffer 2.1.4.3; SRF, 23.10.2026. Grafik: Leitgrad

Wie der Markt wirklich läuft

Im Ganzen ist das Bild solider. Die Branche exportierte im September Uhren für 2,23 Milliarden Franken, 11,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Von Januar bis September waren es 19,5 Milliarden Franken, ein Plus von 2,7 Prozent.

Die grossen Ausschläge haben Sondergründe. Die USA legten im September um 86 Prozent zu, vor allem wegen eines günstigen Basiseffekts: Vor einem Jahr waren die Exporte nach der Einführung der US-Zölle eingebrochen. China lag 14,2 Prozent im Minus, Hongkong 3 Prozent im Plus, Japan 12,3 Prozent. Die EU insgesamt wuchs um 15,5 Prozent.

Balkengrafik auf Nachtblau: Uhrenexporte September 2026 zum Vorjahresmonat. Frankreich plus 128 Prozent, USA plus 86, EU gesamt plus 15,5, Japan plus 12,3, Hongkong plus 3, China minus 14,2 Prozent. Total 2,23 Milliarden Franken, plus 11,7 Prozent.
Der Markt im September. USA mit günstigem Basiseffekt. Quelle: Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH via AWP, cash.ch, 20.10.2026. Grafik: Leitgrad

Was Exporteure daraus lernen

Die Statistik ist kein Marktsignal ohne Prüfung. Wer Länderzahlen nutzt, um Märkte zu wählen oder Vertriebsleute zu planen, sollte Ausreisser gegen Nachbarländer und Firmenmeldungen prüfen. Ein Plus von 80 Prozent in einem reifen Markt kann auch eine Frage der Buchung sein.

Das Bestimmungsland gehört auf die Deklaration. Wer über ein Lager in der EU liefert, sollte wissen, welches Land auf der Ausfuhranmeldung steht. Massgebend ist laut BAZG das Land, in dem die Ware verwendet oder veredelt wird. Im Zweifel klärt das der Spediteur oder das BAZG.

Logistik und Statistik trennen. Ein Hub in Frankreich kann sinnvoll sein. In der eigenen Planung gehört der Umsatz aber dorthin, wo die Kunden sitzen.

Zum Mitnehmen

  1. Plus 80 Prozent nach Frankreich. Von Januar bis September 2026 knapp 1,7 Milliarden Franken, auf dem Papier Rang zwei hinter den USA.
  2. Vor allem eine Buchungsfrage. Mindestens ein grosser Hersteller deklariert Frankreich statt des Endkundenlands, Spanien, Belgien und die Niederlande sinken entsprechend.
  3. Der Zoll widerspricht. Bestimmungsland ist das Land der Verwendung. Die Behörden rechnen mit einer Revision der Statistik.

Transparenz: Leitgrad setzt in der Redaktion unter anderem Claude von Anthropic ein.

Häufige Fragen

Warum sind die Uhrenexporte nach Frankreich 2026 so stark gestiegen?

Laut SRF vor allem, weil mindestens ein grosser Hersteller Frankreich als Bestimmungsland deklariert, obwohl die Uhren dort nur zwischengelagert werden und für Kunden in anderen Ländern bestimmt sind, etwa in Spanien. Ein neues Verteilzentrum in Frankreich hat laut SRF keiner der grossen Hersteller aufgebaut.

Welches Bestimmungsland gehört auf die Ausfuhranmeldung?

Für die Aussenhandelsstatistik gilt laut BAZG das Land, in dem die Ware ihrem Verwendungszweck zugeführt oder veredelt werden soll. Ein reines Zwischenlager ist nach Lesart der Zollbehörden nicht das Bestimmungsland (laut SRF).

Wie haben sich die Uhrenexporte insgesamt entwickelt?

Im September 2026 exportierte die Branche Uhren für 2,23 Milliarden Franken, 11,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Von Januar bis September waren es 19,5 Milliarden Franken, plus 2,7 Prozent.

Quellen

  1. Manuel Rentsch, SRF News, «Die mysteriösen Uhrenlieferungen nach Frankreich», 23. Oktober 2026 srf.ch
  2. AWP via cash.ch, «Schweizer Uhrenexporte legen im September erneut zu», 20. Oktober 2026 (Zahlen des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie FH) cash.ch
  3. Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit BAZG, Richtlinie R-25 «Aussenhandelsstatistik», Stand 1. Oktober 2026, Ziffer 2.1.4.3 bazg.admin.ch

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