Drahtrollen im Werk Emmenbrücke der damaligen Von Moos Stahl, heute Swiss Steel (Archivbild). Foto: Hans-Peter Bärtschi, SIK-ISEA / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Swiss Steel verliert 311 Millionen Euro. Von 13 000 Stellen ist die Hälfte übrig
Der Luzerner Stahlkonzern schreibt 2025 einen Verlust von 311 Millionen Euro und baut in Deutschland weiter ab. Gewinn erst ab 2028.

Drahtrollen im Werk Emmenbrücke der damaligen Von Moos Stahl, heute Swiss Steel (Archivbild). Foto: Hans-Peter Bärtschi, SIK-ISEA / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Kurz gesagt: Swiss Steel hat 2025 einen Verlust von 311 Millionen Euro geschrieben, nach 197 Millionen im Jahr davor. Der Luzerner Stahlkonzern beschäftigt noch rund 6500 Menschen, früher waren es 13 000. Weitere Stellen fallen in Deutschland weg, Gewinn erwartet die Firma erst ab 2028. Weil Swiss Steel seit Juni 2025 nicht mehr kotiert ist, wurden die Zahlen erst durch ein Interview bekannt.
Die Zahl stand in keiner Börsenmitteilung. Swiss Steel-Chef Frank Koch nannte sie am Wochenende in einem Interview mit der SonntagsZeitung, berichtet Nau: 311 Millionen Euro Verlust im Jahr 2025. Im Vorjahr waren es 197,2 Millionen, meldete damals Swissinfo.
Warum erfährt man das erst jetzt?
Weil Swiss Steel die Börse verlassen hat. Der letzte Handelstag an der SIX war der 5. Juni 2025, hält die Firma selbst fest. Seither gilt keine Pflicht mehr, Zahlen sofort zu veröffentlichen. Wer bei einem Konzern dieser Grösse wissen will, wie es steht, ist auf Interviews angewiesen.

Die Grafik zeigt den Schwund. Swiss Steel ist von rund 13 000 auf 6500 Beschäftigte geschrumpft, berichtet SRF. Verkauft wurden unter anderem die Geschäfte in Portugal, Argentinien, Kolumbien und den Emiraten sowie der frühere Hauptsitz in Düsseldorf.
Auch der Umsatz hat sich fast halbiert. 2025 waren es 2,24 Milliarden Euro, 2022 noch rund 4 Milliarden. Das Eigenkapital ist auf 25 Millionen Euro gesunken, schreibt 20 Minuten. Geplant ist eine weitere Sanierung: Gläubiger sollen auf Teile ihrer Kredite verzichten, Hauptaktionär Martin Haefner muss Kapital nachschiessen.
Koch kündigt weiteren Abbau an deutschen Standorten an, ohne Zahlen. Operativ profitabel will Swiss Steel ab 2028 sein.
Was heisst das für Emmenbrücke?
Das Werk der Tochter Steeltec in Emmenbrücke beschäftigt rund 600 Menschen. Der Luzerner Kantonsrat hat im Juni mit 82 zu 13 Stimmen eine Entlastung bei den Netzgebühren bewilligt, berichtete Cash. Der Kanton trägt 8,5 Millionen Franken, der Bund soll gleich viel beisteuern. Die Bedingungen: Standortgarantie und keine Dividende.
Gleichzeitig wird der Export schwieriger. Seit dem 1. Juli darf die Schweiz rund ein Drittel weniger Stahl zollfrei in die EU liefern, über dem Kontingent fallen 50 Prozent Zoll an, meldete die Südostschweiz. Für ein Werk, das vor allem in die EU liefert, ist das ein Kostenblock.
Swiss Steel ist nicht der einzige Industriebetrieb unter Druck. Wie Zimmer Biomet in Winterthur abbaut, steht in diesem Beitrag. Warum die grosse Verlagerung wegen der US-Zölle trotzdem ausblieb, zeigt unsere Auswertung. Alle Fälle sammelt das Dossier Schweizer Firmen und Geopolitik.
Häufige Fragen
Wem gehört Swiss Steel?
Hauptaktionär ist der Unternehmer Martin Haefner. Er hielt Anfang 2025 über seine Gesellschaft Gravelpoint rund 66 Prozent und gab im selben Jahr einen Zusatzkredit von 150 Millionen Euro.
Ist Swiss Steel noch an der Börse?
Nein. Die Aktie wurde am 5. Juni 2025 letztmals an der SIX gehandelt und danach dekotiert. Zahlen werden seither nicht mehr als Börsenmitteilung publiziert.
Was bedeutet das EU-Stahlkontingent für die Schweiz?
Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Schweizer Werke rund ein Drittel weniger Stahl zollfrei in die EU liefern. Was darüber liegt, trägt 50 Prozent Zoll.
Quellen
- SRF, Swiss Steel baut in Deutschland Stellen ab, 4. Oktober 2026 srf.ch
- Nau und 20 Minuten, 4. Oktober 2026 nau.ch · 20min.ch
- Swissinfo, Jahreszahlen 2024, 19. März 2025 swissinfo.ch
- Swiss Steel, letzter Handelstag, 5. März 2025 swisssteel-group.com
- Cash, Finanzhilfe des Kantonsrats, 23. Juni 2026; Südostschweiz, EU-Stahlkontingente, 30. Juni 2026 cash.ch · suedostschweiz.ch
Mehr zu diesen Themen
- 3. Oktober 2026Vontobel, Cembra, Burckhardt: Zürich verliert im Wochentakt
- 30. September 2026Dossier Schweizer Firmen und Geopolitik: Russland, USA, EU und China
- 28. September 2026Rolex gehört einer Stiftung. Sie investiert eine halbe Milliarde im Jahr
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Teilen
Weiterlesen
Das Morgen-Briefing
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren



