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Rekord bei den Gründungen, Rekord bei den Konkursen: Warum das nicht zusammengehört

55 654 neue Firmen, 12 485 Konkurse gegen Unternehmen. Die Konkurswelle hat ein Datum, und es ist nicht das der Gründungen.

Drei Balken: 55 654 Neueintragungen, 33 987 Löschungen und 21 667 Nettozuwachs im Schweizer Handelsregister 2025

2025 war in der Schweiz ein Jahr der Rekorde, und zwar in beide Richtungen. Noch nie wurden so viele Firmen ins Handelsregister eingetragen. Und noch nie eröffneten die Konkursämter so viele Verfahren gegen Unternehmen. Wer die beiden Zahlen nebeneinanderstellt, erhält eine gute Schlagzeile und eine falsche Schlussfolgerung. Die Konkurswelle hat mit den neuen Firmen wenig zu tun. Sie hat ein Datum: den 1. Januar 2025.

Das Wichtigste in Kürze

Das Institut für Jungunternehmen zählte 2025 55 654 Neueintragungen im Handelsregister, 5,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig wurden 33 987 Firmen gelöscht. Der Bestand wuchs also um 21 667. Das Bundesamt für Statistik meldet für dasselbe Jahr 12 485 Konkurseröffnungen gegen Unternehmen, 61 Prozent mehr als 2024. Den grössten Teil des Sprungs erklärt eine Gesetzesänderung: Seit Anfang 2025 muss der Staat eingetragene Firmen für Steuern und Sozialabgaben auf Konkurs betreiben statt auf Pfändung. Die Welle trifft vor allem alte Firmen, die schon lange nicht mehr zahlten. Die Rechnung «jede vierte Gründung hat ein Konkurs-Gegenstück» geht deshalb nicht auf.

55 654 dazu. 33 987 weg.

Neueintragungen und Löschungen im Schweizer Handelsregister 2025. Unter dem Strich bleiben 21 667 Firmen mehr.

Drei Balken: 55 654 Neueintragungen, 33 987 Löschungen und 21 667 Nettozuwachs im Schweizer Handelsregister 2025
Neueintragungen und Löschungen im Schweizer Handelsregister 2025. Unter dem Strich bleiben 21 667 Firmen mehr.

Der Gründungsrekord

Die Zahl stammt nicht vom Bund. Sie stammt vom Institut für Jungunternehmen in St. Gallen, das gemeinsam mit Creditreform jede Neueintragung im Schweizerischen Handelsamtsblatt auszählt. Das KMU-Portal des Bundes hat sie am 21. Januar übernommen. 55 654 neue Firmen, gut 2 700 mehr als im Vorjahr und über ein Drittel mehr als 2015.

Gewachsen sind vor allem die Kapitalgesellschaften. Neue GmbH legten um 8,3 Prozent zu, neue AG um 9,7 Prozent. Einzelfirmen gingen leicht zurück. Regional reicht die Spanne von Zug mit plus 19 Prozent bis Uri mit minus 13,5 Prozent.

Wie viele dieser Firmen überleben, sagt die Zahl nicht. Das Bundesamt für Statistik zählt nach einer engeren Definition nur echte Neugründungen mit Marktaktivität. Nach seinen Daten übersteht fast jedes fünfte neue Unternehmen das erste Jahr nicht. Nach fünf Jahren ist noch rund die Hälfte aktiv. Das ist der normale Lauf der Dinge, kein Krisenbefund.

Der Konkursrekord und sein Datum

Bis Ende 2024 galt im Schuldbetreibungsrecht eine Ausnahme. Schuldete eine eingetragene Firma dem Staat Steuern, Abgaben oder Sozialversicherungsbeiträge, wurde sie auf Pfändung betrieben, nicht auf Konkurs. Der Staat holte, was zu holen war, und die Firma lebte weiter. Manche lebten so jahrelang, als leere Hülle mit Schulden.

Das Parlament hat diese Ausnahme mit dem Bundesgesetz über die Bekämpfung des missbräuchlichen Konkurses vom 18. März 2022 gestrichen. Seit dem 1. Januar 2025 betreiben Steuerämter und Ausgleichskassen eingetragene Schuldner auf Konkurs, so wie es private Gläubiger schon immer konnten. Das Ziel war, Firmen aus dem Verkehr zu ziehen, die nur noch auf dem Papier existieren.

Das Ergebnis steht in der Statistik. Das Bundesamt für Statistik meldete am 21. Mai 12 485 eröffnete Konkursverfahren gegen Unternehmen, nach 7 743 im Vorjahr. Der Anstieg hänge «grösstenteils» mit der Gesetzesänderung zusammen, schreibt das Amt, lasse sich aber nicht genau beziffern. Creditreform kommt mit eigener Zählweise auf 14 958 Firmenpleiten, darin enthalten 3 043 Auflösungen wegen Mängeln in der Organisation, etwa ohne Revisionsstelle oder Verwaltungsrat. Die «überwiegende Mehrheit» der rund 3 500 zusätzlichen Fälle führt Creditreform auf die neue Regel zurück.

Warum die beiden Zahlen nicht zusammengehören

Die Gleichung «55 654 Gründungen, 14 958 Konkurse, also scheitert jede vierte» hat drei Fehler. Erstens stimmt nicht einmal die Rechnung: 14 958 von 55 654 sind 27 Prozent, mehr als ein Viertel. Zweitens treffen Konkurse den gesamten Bestand von über einer halben Million Firmen, nicht den Jahrgang 2025. Wie viele der Konkursfirmen jung waren, weist keine Statistik aus. Drittens hat 2025 ein Gesetz aufgeräumt, das Jahre an Altlasten auf einmal sichtbar macht.

Die bessere Gegenüberstellung liefert das Handelsregister selbst. Löschungen umfassen alle Abgänge, von der geordneten Liquidation über die Fusion bis zum abgeschlossenen Konkurs. 2025 standen 55 654 Eintragungen 33 987 Löschungen gegenüber. Im Jahr davor waren es knapp 53 000 und 32 618. Der Bestand wächst also, und zwar kräftig.

Für ein KMU hat die neue Regel eine praktische Seite. Wer mit einem Kunden arbeitet, der Steuern und AHV-Beiträge schuldig bleibt, trägt heute ein höheres Risiko, dass dieser Kunde in den Konkurs geht, statt jahrelang weiterzuwursteln. Ein Betreibungsregisterauszug vor einem grösseren Auftrag ist billiger als eine Forderung in der Konkursmasse.

Und China?

Am Wochenende machte eine Zahl aus China die Runde: 7,3 Millionen neue Ein-Personen-Firmen im Jahr 2025, 42 Prozent mehr als im Vorjahr, gegründet von jungen Leuten mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Die Zahl selbst ist belegt. Die «Volkszeitung» meldete im April 7,315 Millionen neue Gesellschaften mit einem einzigen Gesellschafter und berief sich auf die staatliche Marktaufsicht.

Der Rest ist Beigabe. Die Statistik unterscheidet nicht nach Alter, und zu künstlicher Intelligenz enthält sie keine Zahl. Gezählt werden zudem Kapitalgesellschaften mit einem Eigentümer, und der kann auch ein anderes Unternehmen sein. Jede neue hundertprozentige Konzerntochter ist dabei. Mit den Schweizer Neueintragungen lässt sich das nicht vergleichen. Das Handelsregister erfasst die Zahl der Gesellschafter gar nicht.

Methode

Die Grafik zeigt Neueintragungen und Löschungen im Handelsregister nach der Auszählung des Instituts für Jungunternehmen und von Creditreform, weil beide Zahlen aus derselben Quelle und derselben Grundgesamtheit stammen. Konkurse zeigen wir bewusst nicht auf derselben Achse. Für die Konkurse verwenden wir die amtliche Zahl des Bundesamts für Statistik; die Zahl von Creditreform nennen wir mit ihrer abweichenden Abgrenzung. Die BFS-Zahl für 2024 (7 743) ergibt sich aus der publizierten Veränderung von 61,2 Prozent. Die Gesamtzahl 2024 von 17 036 Verfahren ist anders abgegrenzt und nicht vergleichbar. Die Vorjahreszahl der Neueintragungen haben wir aus der publizierten Veränderung abgeleitet.

Was im Themenradar anders stand: Die Aussage «fast jede vierte Gründung hat ein Konkurs-Gegenstück» ist rechnerisch ungenau und methodisch unzulässig. Die 14 958 sind die Zahl von Creditreform, nicht des Bundes. Die chinesische Zahl betrifft alle Altersgruppen und enthält keinen Beleg für den Anteil künstlicher Intelligenz. Die Primärquellen Wall Street Journal, Creditreform-Studie und BFS-Tabelle konnten wir nicht alle im Original einsehen; die Zahlen stützen sich dort auf amtliche Mitteilungen und Agenturberichte.

Quellen

  1. KMU-Portal des Bundes, «Neuer Rekord bei Unternehmensgründungen im Jahr 2025», 21. Januar 2026, nach IFJ Institut für Jungunternehmen und Creditreform kmu.admin.ch
  2. Bundesamt für Statistik, Betreibungs- und Konkursstatistik 2025, Medienmitteilung vom 21. Mai 2026 admin.ch
  3. Creditreform, «15’000 Firmenpleiten, neuer Rekord bei Firmengründungen», 31. Dezember 2025; SRF und SDA, 31. Dezember 2025 creditreform.ch
  4. Bundesrat, Inkraftsetzung des Bundesgesetzes über die Bekämpfung des missbräuchlichen Konkurses, 25. Oktober 2023; BAZG zu den Änderungen im SchKG admin.ch · bazg.admin.ch
  5. Bundesamt für Statistik, Unternehmensdemografie, 1. Dezember 2025 bag.admin.ch · kmu.admin.ch
  6. Renmin Ribao, 21. April 2026, nach Angaben der chinesischen Marktaufsicht SAMR; Wall Street Journal, 20. September 2026 chinanews.com.cn · wsj.com

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