Karl Deisseroth, Medizin-Nobelpreisträger 2026. Foto: Christopher Michel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Medizin-Nobelpreis für Licht im Gehirn. Basel hat die Methode ins Auge gebracht
Deisseroth, Hegemann und Nagel erhalten den Medizin-Nobelpreis 2026 für die Optogenetik. Das IOB Basel half, die Methode erstmals an einem blinden Menschen zu erproben.

Karl Deisseroth, Medizin-Nobelpreisträger 2026. Foto: Christopher Michel / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Aktualisiert am 7. Oktober 2026Kurz gesagt: Der Medizin-Nobelpreis 2026 geht an Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel für die Optogenetik. Die Methode schaltet Nervenzellen mit Licht ein und aus, nachdem man ihnen ein Eiweiss aus einer Grünalge eingebaut hat. Für die Schweiz ist der Preis mehr als eine Nachricht aus Stockholm: Das Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel (IOB) hat mitgeholfen, die Methode zum ersten Mal an einem blinden Menschen zu erproben.
Eine einzellige Grünalge schwimmt zum Licht. Sie tut das mit einem Eiweiss, das auf Licht reagiert und dabei Strom durch die Zellwand lässt. Aus dieser Beobachtung ist ein Werkzeug geworden, mit dem Forscher heute einzelne Nervenzellen im lebenden Gehirn steuern. Am 5. Oktober hat das Nobelkomitee in Stockholm die drei Männer geehrt, die es gebaut haben, berichtet STAT.
Wer bekommt den Medizin-Nobelpreis 2026, und wofür?
Der Preis geht an Karl Deisseroth von der Stanford University, Peter Hegemann von der Humboldt-Universität Berlin und Georg Nagel von der Universität Würzburg. Sie teilen sich 12 Millionen Kronen, rund eine Million Franken. Hegemann und Nagel entdeckten in der Alge Chlamydomonas das Eiweiss Channelrhodopsin. Deisseroth baute es ab 2005 in Nervenzellen ein, zuerst in der Petrischale, dann im Gehirn lebender Mäuse.
Seither lässt sich eine einzelne Zellgruppe mit einem Lichtblitz ein- und ausschalten. Deisseroth sagt, man schalte Zellen «mit Millisekunden-Präzision», so schnell, wie das Gehirn selbst arbeitet. Fast jedes Labor der Hirnforschung nutzt die Methode heute, um herauszufinden, welche Zellen Angst, Sucht oder Bewegung steuern.
Was hat Basel mit der Optogenetik zu tun?
Basel hat sie ins Auge gebracht. Das IOB wurde im Dezember 2017 von der Universität Basel, dem Universitätsspital Basel und Novartis gegründet, mit Geld des Kantons Basel-Stadt. Sein Gründungsdirektor Botond Roska arbeitet seit über zwanzig Jahren mit dem Pariser Augenarzt José-Alain Sahel daran, blinde Netzhäute wieder lichtempfindlich zu machen.
2021 berichteten beide in Nature Medicine über einen 58-jährigen Mann mit Retinitis pigmentosa, einer erblichen Netzhauterkrankung. Ihm wurde ein Gen für ein Licht-Eiweiss ins Auge gespritzt. Mit einer Brille, die Bilder in bernsteinfarbenes Licht übersetzt, sah er wieder Umrisse, meldete das IOB.

Die Grafik zeigt die Tests: In 92 Prozent der Versuche fand und berührte der Mann einen Notizblock auf dem Tisch, beschreibt Ophthalmology Times. Die Zahl der Becher vor ihm nannte er in 63 Prozent der Fälle richtig. Ohne Brille sah er fast nichts. Geheilt ist er nicht, aber er sieht wieder etwas. Dieses Jahr erhielten Roska und Sahel dafür den Champalimaud-Preis, mit einer Million Euro der höchstdotierte Preis der Augenforschung, meldet Retinal Physician.
Was heisst der Preis für den Standort Schweiz?
Unsere Einschätzung: Er zeigt, wie Forschung in der Schweiz zu Wert wird. Die Grundlage kam aus Berlin, Würzburg und Stanford. Die erste Anwendung am Menschen kam auch aus Basel, weil dort Labor, Spital und Pharmakonzern unter einem Dach sitzen. Dieses Modell aus Hochschule, Klinik und Industrie ist der Vorteil, den ein kleines Land hat. Wer in Medtech, Biotech oder als Zulieferer arbeitet, sollte die Namen Roska und IOB kennen.
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Häufige Fragen
Was ist Optogenetik?
Optogenetik ist eine Methode, mit der man Nervenzellen durch Licht steuert. Forscher bauen den Zellen ein lichtempfindliches Eiweiss aus Algen ein. Ein Lichtpuls öffnet dann einen Kanal in der Zellwand, und die Zelle feuert.
Wer hat den Medizin-Nobelpreis 2026 gewonnen?
Karl Deisseroth (Stanford), Peter Hegemann (Humboldt-Universität Berlin) und Georg Nagel (Universität Würzburg), bekannt gegeben am 5. Oktober 2026 in Stockholm.
Wird Optogenetik schon bei Menschen eingesetzt?
In Studien, ja. 2021 sah ein blinder Patient nach einer optogenetischen Gentherapie mit einer Spezialbrille wieder Umrisse. Beteiligt waren das IOB Basel, das Institut de la Vision in Paris und GenSight Biologics. Eine zugelassene Therapie gibt es noch nicht.
Was ist das IOB in Basel?
Das Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel erforscht Augenkrankheiten und neue Therapien. Gegründet wurde es 2017 von Universität Basel, Universitätsspital Basel und Novartis, unterstützt vom Kanton Basel-Stadt.
Quellen
- STAT, 2026 Nobel Prize in Medicine awarded for optogenetics, 5. Oktober 2026 statnews.com
- Sahel, Roska et al., Partial recovery of visual function in a blind patient after optogenetic therapy, Nature Medicine, Mai 2021; Mitteilung IOB iob.ch · ophthalmologytimes.com
- IOB, Our story, abgerufen 6. Oktober 2026 iob.ch
- Retinal Physician, Sahel and Roska share $1 million vision prize, 2026 retinalphysician.com
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