Der Nestlé Hauptsitz in Vevey am Genfersee, vom Mont Pélérin aus gesehen. Foto: Sputniktilt / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten
Der Kreml verwaltet jetzt Nestlés Russland-Geschäft. Rund zwei Dutzend Schweizer Firmen sind noch dort
Ein Dekret von Wladimir Putin stellt zwei Nestlé-Gesellschaften unter Fremdverwaltung. Was Nestlé tut, was Bern tut und welche Schweizer Firmen noch in Russland sind.

Der Nestlé Hauptsitz in Vevey am Genfersee, vom Mont Pélérin aus gesehen. Foto: Sputniktilt / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten
In Timaschewsk, im Süden Russlands, steht eine der grössten Fabriken für löslichen Kaffee, die Nestlé weltweit betreibt. Seit dem 17. September entscheidet dort nicht mehr nur Vevey. An diesem Abend unterschrieb Wladimir Putin ein Dekret. Es stellt die Beteiligungen an zwei russischen Nestlé-Gesellschaften unter vorübergehende Fremdverwaltung, berichtet cash.ch mit der Nachrichtenagentur AWP.
Verwalter ist nicht der Staat selbst, sondern eine Moskauer Firma namens L.E.V. Management. Sie wurde laut dem Exilmedium Meduza erst im Oktober 2024 registriert. Nestlé betreibt in Russland sechs Fabriken und beschäftigt rund 7000 Personen.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Dekret vom 17. September stellt Nestlé Russland und Nestlé Kuban unter Fremdverwaltung. Nestlé prüft seine rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten und klammert die Folgen aus der Jahresprognose aus. Russland steht laut Schätzungen für gut 1 Prozent des Konzernumsatzes. Das Seco ist besorgt und unterstützt Nestlé auf diplomatischem Weg. Nach Zählung der Universität Yale sind noch rund zwei Dutzend Schweizer Firmen aktiv in Russland.
Betroffen sind laut dem Branchendienst Just Food Nestlé Russland und Nestlé Kuban. Beide gehören über zwei Gesellschaften in der Schweiz und in Deutschland ganz dem Konzern. Einen Monat vor dem Dekret hatte die russische Firma KM Logistics beim Kreml beantragt, fünf Nestlé-Töchter unter Verwaltung zu stellen. Die Begründung: Nestlé baue in Russland keine Kapazität aus und exportiere nicht.
Nestlé hält sich bedeckt. Man prüfe die Lage und die Optionen und werde alle nötigen Schritte ergreifen, um die eigenen Rechte zu schützen, teilte der Konzern mit. Am 28. September legte er seine Prognose für 2026 vor. Die möglichen Folgen der Zwangsverwaltung sind darin nicht eingerechnet, meldet Moneycab.
Wie solche Fälle bisher ausgingen
Nestlé ist nicht der erste Fall. Im Juli 2023 stellte Putin die russischen Geschäfte von Danone und Carlsberg unter Staatsverwaltung. Danone verkaufte später und verbuchte einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro, so die Agentur Interfax. Carlsberg gab die Brauerei Baltika für 34 Milliarden Rubel ab.
Es gibt einen Gegenfall. Der italienische Heizungsbauer Ariston erhielt seine Tochter im März 2025 zurück, nachdem der Kreml das Dekret aufgehoben hatte. Wie es für Nestlé ausgeht, ist offen. Die Tochter Nestlé Russland erklärte, sie arbeite normal weiter und erfülle ihre Pflichten vollständig.
Was Bern tut
Das Staatssekretariat für Wirtschaft zeigte sich besorgt. Seco und Aussendepartement stünden seit einigen Wochen in engem Kontakt mit Nestlé und unterstützten den Konzern auf diplomatischem Weg, zitiert cash.ch. In Bern gehen die Forderungen auseinander. FDP-Nationalrat Simon Michel will eine Protestnote. SP-Nationalrat Fabian Molina verlangt, den russischen Botschafter einzubestellen, berichtet 20 Minuten.
Wie viel Geld in dieser Frage steckt, zeigt ein anderer Befund. In der Schweiz sind 8,5 Milliarden Franken russische Vermögen gesperrt. Was damit geschehen soll, haben wir im Beitrag zur Neutralitätsinitiative beschrieben.
Wer noch in Russland ist
Nach Zählung der Universität Yale sind noch rund zwei Dutzend Schweizer Unternehmen aktiv vor Ort, berichtet SRF. Ems, Liebherr und Zepter arbeiten weiter wie vor dem Krieg. Nestlé, Barry Callebaut, Novartis, Roche und Alcon führen ihr Kerngeschäft weiter, ohne auszubauen. Bucher, Sika und Kühne + Nagel haben stark reduziert. ABB, Holcim und Zurich sind ganz gegangen.
Viele Firmen steckten in einem Dilemma, sagt der Osteuropa-Experte Ulrich Schmid von der Universität St. Gallen. Sie müssten sich rechtfertigen und wollten zugleich ihre russischen Angestellten nicht auf die Strasse stellen.
Wer bleibt, wer ging und wer die Kontrolle verlor: Diese Karte bauen wir im Dossier Schweizer Firmen und Geopolitik laufend aus. Dort liegt auch unsere Analyse, wie Schweizer Industriefirmen auf die US-Zölle reagieren.
Quellen
- cash.ch / AWP, 18. September 2026 Dekret · Reaktionen
- Meduza, 18. September 2026; Just Food, 17. August und 18. September 2026 meduza.io · just-food.com · Antrag KM Logistics
- Moneycab, 28. September 2026 moneycab.com
- SRF, Der Fall Nestlé, 25. September 2026; 20 Minuten, 18. September 2026 srf.ch · 20min.ch
- Interfax zu Danone, 25. März 2024; Grocery Gazette zu Carlsberg, 3. Dezember 2024; NV zu Ariston, 27. März 2025 Danone · Carlsberg · Ariston
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