Microsoft-Chef Satya Nadella. Foto: Brian Smale and Microsoft / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Karriere, US-Trends · 4 min ·

Die USA stoppen Green Cards für Microsoft. Die Schweizer Kontingente waren zuletzt halb leer

Washington nimmt von Microsoft, Adobe und sechs IT-Dienstleistern keine Anträge für den ersten Schritt zur Green Card mehr an. Die Schweiz hält 8500 Bewilligungen für Fachkräfte aus Drittstaaten bereit, Ende September 2025 war erst gut die Hälfte vergeben. Das Nadelöhr liegt woanders.

Microsoft-Chef Satya Nadella

Microsoft-Chef Satya Nadella. Foto: Brian Smale and Microsoft / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Kurz gesagt: Das US-Arbeitsministerium nimmt seit dem 8. Oktober 2026 von Microsoft, Adobe und sechs IT-Dienstleistern keine Anträge mehr für den ersten Schritt zur Green Card an und friert laufende Verfahren ein. Die Schweiz hält 2026 für Fachkräfte aus Drittstaaten 8500 Bewilligungen bereit. Ende September 2025 war davon erst gut die Hälfte vergeben. Das Nadelöhr sind nicht die Kontingente, sondern die Bedingungen davor.

Am Donnerstag, 8. Oktober, sperrte Washington die Green-Card-Anträge von Microsoft. Wenige Stunden später verlieh Präsident Trump dem Microsoft-Chef Satya Nadella im Weissen Haus die National Medal of Technology and Innovation, die höchste Technologie-Auszeichnung der USA.

Vizepräsident JD Vance und Arbeitsminister Keith Sonderling gaben die Massnahme bekannt, berichtet Axios. Das Arbeitsministerium nimmt von acht Firmen keine neuen Anträge für die sogenannte PERM-Zertifizierung mehr an und bearbeitet laufende nicht weiter: Microsoft, Adobe, Tata Consultancy Services, Infosys, Wipro, HCL, Cognizant und Capgemini. PERM ist meist der erste Schritt zur Green Card, der dauerhaften Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung.

Vance warf Microsoft vor, amerikanische Angestellte zu entlassen und durch Ausländer zu ersetzen. Microsoft habe von 6300 H-1B-Visa und fast 3000 Green Cards profitiert. Microsoft hielt dagegen: Von rund 6000 H-1B-Anträgen im letzten Geschäftsjahr seien 80 Prozent für bestehende Mitarbeitende gewesen. Schon im September 2025 hatte Trump für neue H-1B-Visa eine Gebühr von 100 000 Dollar eingeführt.

Wen trifft der Stopp?

Ingenieure und Spezialisten, die bei diesen Firmen arbeiten und in den USA bleiben wollen. Ihr Weg zur Green Card ist vorerst blockiert. Wer ein befristetes Visum hat und nicht weiterkommt, sucht sich früher oder später ein anderes Land. Genau dort beginnt die Frage für die Schweiz.

Hat die Schweiz Platz?

Auf dem Papier ja. Der Bundesrat hat die Kontingente für 2026 unverändert gelassen: 8500 Bewilligungen für Erwerbstätige aus Drittstaaten, davon 4500 Aufenthaltsbewilligungen B und 4000 Kurzaufenthaltsbewilligungen L. Dazu kommen 3500 für Dienstleister aus der EU und der EFTA und 3500 für Erwerbstätige aus Grossbritannien.

Ausgeschöpft wurden sie zuletzt bei weitem nicht. Ende 2024 waren 74 Prozent der Drittstaaten-Kontingente vergeben. Ende September 2025 waren es erst 52 Prozent, zeigt eine Auswertung der Anwaltskanzlei Vischer. Bei den Bewilligungen für Grossbritannien waren es 17 Prozent.

Grafik: 8500 Bewilligungen für Fachkräfte aus Drittstaaten, Ende 2024 waren 74 Prozent vergeben, Ende September 2025 52 Prozent
Quellen: Bundesrat; Vischer. Grafik: Leitgrad

Warum bleiben so viele Bewilligungen liegen?

Weil das Kontingent nur die letzte Hürde ist. Vorher prüft der Kanton vier Dinge, wie das Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich erklärt:

  1. Gesamtwirtschaftliches Interesse (Art. 18 AIG): Die Anstellung muss der Schweizer Wirtschaft nützen.
  2. Inländervorrang (Art. 21 AIG): Die Firma muss belegen, dass sie in der Schweiz und in der EU niemanden gefunden hat, mit Inseraten beim RAV und auf EURES und einer Liste der Bewerbungen.
  3. Lohn und Arbeitsbedingungen (Art. 22 AIG): orts- und branchenüblich.
  4. Qualifikation (Art. 23 AIG): Führungskräfte, Spezialisten oder andere qualifizierte Arbeitskräfte.

Wer diese Hürden nimmt, bekommt die Bewilligung in der Regel auch. Die Kontingente seien kein wesentliches Hindernis gewesen, weil mehr Bewilligungen verfügbar waren als Gesuche eingingen, schreibt Vischer. Eine Ausnahme gibt es beim Inländervorrang: Er gilt nicht, wenn ein internationaler Konzern eigene Mitarbeitende in seine Schweizer Niederlassung versetzt.

Unsere Einschätzung: Der Stopp in Washington öffnet ein Fenster, aber nur für Firmen, die es nutzen können. Konzerne mit Schweizer Niederlassung können blockierte Spezialisten intern versetzen. Ein KMU oder ein ETH-Spin-off muss den Inländervorrang belegen, und das dauert. Wer gezielt rekrutieren will, sollte das Gesuch vorbereiten, bevor der Kandidat zusagt, nicht danach. Ein Argument hat die Schweiz dabei auf ihrer Seite: Zürich ist laut Oxford Economics die zehntbeste Stadt der Welt. Die Kehrseite kennen alle, die Kader suchen: knapper Wohnraum und hohe Fixkosten.

Häufige Fragen

Was ist eine PERM-Zertifizierung?

Ein Verfahren des US-Arbeitsministeriums, in dem der Arbeitgeber belegt, dass er für eine Stelle keinen geeigneten Amerikaner findet. Sie ist meist der erste Schritt zu einer arbeitgeberbasierten Green Card.

Wie viele Bewilligungen für Drittstaatsangehörige gibt es 2026 in der Schweiz?

8500, davon 4500 Aufenthaltsbewilligungen B und 4000 Kurzaufenthaltsbewilligungen L. Dazu kommen je 3500 für Dienstleister aus der EU und EFTA und für Erwerbstätige aus Grossbritannien.

Kann ein Schweizer KMU eine Fachkraft aus den USA oder Indien anstellen?

Ja, wenn die Stelle der Wirtschaft nützt, in der Schweiz und der EU niemand Geeignetes zu finden war, Lohn und Bedingungen üblich sind und die Person als Spezialistin oder Führungskraft gilt. Das Gesuch stellt der Arbeitgeber beim kantonalen Amt, im Kanton Zürich zum Beispiel über das Portal e-Workpermits.

Quellen

  1. Axios Seattle, Vance targets Microsoft over H-1B visas, 8. Oktober 2026 axios.com
  2. Bundesrat, Kontingente für Drittstaatsangehörige 2026 unverändert, 19. November 2025 admin.ch
  3. Vischer, Quotas for foreigners in Switzerland in 2026, Dezember 2025 vischer.com
  4. Kanton Zürich, Amt für Wirtschaft, Erläuterungen zur Erwerbstätigkeit von Drittstaatsangehörigen; Kontingente 2026 Erläuterungen · Kontingente
  5. National Law Review, H-1B-Proklamation mit 100 000 Dollar Gebühr, September 2025 natlawreview.com

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