Die Scheibe einer geöffneten Festplatte.Foto: Anton 17 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Lizenz)

Challenger · 3 min ·

Ein US-Konzern kauft die Dübendorfer Spurensucher. Die Kunden bleiben hier

Der US-Anbieter Lineal übernimmt die Forentec AG aus Dübendorf, Spezialistin für digitale Beweissicherung. Der Kauf fällt in Wochen mit grossen Datenlecks. Wann KMU einen Angriff melden müssen und drei Fragen vor dem Ernstfall.

Die Scheibe einer geöffneten Festplatte

Die Scheibe einer geöffneten Festplatte.Foto: Anton 17 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Lizenz)

Kurz gesagt: Der US-Anbieter Lineal aus Kansas City, Missouri, übernimmt die Forentec AG aus Dübendorf. Forentec sichert seit 2015 digitale Beweise: Forensik nach Cyberangriffen, eDiscovery für Gerichtsverfahren, OSINT. Die Firma hat 28 Vollzeitstellen, Gründer Lionel Bloch bleibt an Bord, der Preis ist nicht bekannt. Der Kauf fällt in Wochen mit grossen Datenlecks bei Ricardo und beim Softwarelieferanten der Pensionskasse Publica. Für KMU stellt sich vor allem eine Frage: Wer sichert nach einem Angriff die Spuren?

Wenn bei einer Schweizer Firma die Bildschirme schwarz werden, beginnt für Leute wie jene von Forentec die Arbeit. Sie sichern Festplatten, rekonstruieren, wer wann wo eingedrungen ist, und bereiten die Spuren so auf, dass sie vor Gericht halten. Elf Jahre lang tat das eine Schweizer Firma. Jetzt gehört sie Amerikanern.

Wer kauft Forentec?

Lineal, ein Anbieter von Technik und Dienstleistungen für Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen. Die Firma wurde 2009 gegründet und hat rund 290 Vollzeitstellen, schreibt finews. Forentec ist nach ProFile Discovery im August 2025 die zweite Übernahme. Mit Forentec gewinne Lineal etwas, das «viel wichtiger ist als ein neuer Punkt auf der Landkarte», sagt Lineal-Chef Major Baisden in der Mitteilung zum Kauf.

Forentec wurde 2015 von Lionel Bloch gegründet, der die Firma weiter führt. Zu den Kunden zählen Kanzleien, Unternehmen, Finanzinstitute, Versicherer und Behörden, meldet Startupticker. Den Preis nennen beide Seiten nicht. Dass Kapital aus dem Ausland Schweizer Know-how kauft und die Arbeit hier bleibt, ist ein bekanntes Muster, wie unsere Analyse zu den ETH-Spin-offs zeigt.

Grafik: Zwischen 1. April und 31. Dezember 2025, also in 275 Tagen, gingen beim Bundesamt für Cybersicherheit 222 Pflichtmeldungen zu Cyberangriffen ein
Quelle: cash.ch (Blick). Grafik: Leitgrad

Warum ist digitale Beweissicherung gefragt?

Weil die Angriffe näher rücken. Bei Ricardo flossen Namen, Adressen und Telefonnummern von rund 890 000 Konten ab, die Firma meldete den Fall dem Datenschützer. Ende September traf es PK Softech, den Softwarelieferanten der Bundespensionskasse Publica und weiterer Pensionskassen, die Bundesanwaltschaft ermittelt, berichtet die Netzwoche. Wie schnell Ricardo informiert hat, beschreibt unser Beitrag zum Datenleck.

Dazu kommen neue Pflichten. Seit dem 1. April 2025 müssen Betreiber kritischer Infrastrukturen einen Cyberangriff innert 24 Stunden dem Bundesamt für Cybersicherheit melden. 2025 gingen 222 solche Meldungen ein. Wer vorsätzlich nicht meldet, riskiert eine Busse bis 100 000 Franken. Für alle Firmen gilt das Datenschutzgesetz: Ist bei einem Datenleck voraussichtlich ein hohes Risiko für die Betroffenen absehbar, muss die Firma den Datenschützer «so rasch als möglich» informieren (Art. 24 DSG).

Was heisst das für KMU?

Wer einen Angriff erst bemerkt, wenn er passiert ist, hat wenig Zeit. Spuren verschwinden, wenn Systeme neu aufgesetzt werden, und Protokolle werden überschrieben. Wie verwundbar Schweizer KMU sind, zeigt unsere Auswertung zur Cyberlage. Gute Forensik beginnt deshalb vor dem Angriff.

Zum Mitnehmen: Drei Fragen vor dem Ernstfall

  • Wen rufen wir an? Ein Vertrag mit einem Forensik-Dienst vor dem Angriff spart im Ernstfall Stunden.
  • Wo liegen unsere Protokolle, und wie lange bleiben sie erhalten? Ohne Logs gibt es keine Spuren.
  • Wer meldet was, an wen, bis wann? Datenschützer, Bundesamt für Cybersicherheit, Versicherung, Kunden.

Häufige Fragen

Muss ein KMU einen Cyberangriff melden?

Dem Bundesamt für Cybersicherheit nur, wenn es eine kritische Infrastruktur betreibt, dann innert 24 Stunden. Werden Personendaten mit voraussichtlich hohem Risiko für die Betroffenen verletzt, muss jede Firma den Datenschützer informieren.

Was ist digitale Forensik?

Die Sicherung und Auswertung digitaler Spuren, etwa auf Festplatten, Servern oder Handys, so dass sie als Beweis vor Gericht verwendbar sind.

Was ist eDiscovery?

Das Sammeln, Sichten und Herausgeben elektronischer Dokumente für ein Gerichts- oder Behördenverfahren, typisch bei Verfahren in den USA.

Quellen

  1. Lineal, Mitteilung, 14. Oktober 2026; Startupticker, 15. Oktober 2026; finews, 14. Oktober 2026 startupticker.ch · finews.com
  2. Netzwoche, 8. und 9. Oktober 2026 netzwoche.ch · netzwoche.ch
  3. Informationssicherheitsgesetz Art. 74a ff.; cash.ch (Blick), 21. Februar 2026 cash.ch
  4. Datenschutzgesetz Art. 24 fedlex.admin.ch

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