Goldhasen vor dem Hauptsitz von Lindt & Sprüngli in Kilchberg ZH. Foto: Ank Kumar / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten

Briefing · 2 min ·

Lindt senkt die Prognose zum zweiten Mal. Bei 37 Grad kauft niemand Schokolade

Statt 4 bis 6 rechnet Lindt & Sprüngli 2026 nur noch mit 0 bis 2 Prozent Wachstum. Nach drei Jahren Preiserhöhungen plant der Konzern ab Januar Preissenkungen.

Goldhasen vor dem Hauptsitz von Lindt & Sprüngli in Kilchberg

Goldhasen vor dem Hauptsitz von Lindt & Sprüngli in Kilchberg ZH. Foto: Ank Kumar / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten

«Niemand hatte Lust, bei 37 Grad in ein Geschäft speziell für Schokolade zu gehen.» So erklärte Lindt-Chef Adalbert Lechner gegenüber SRF, warum sein Konzern das Umsatzziel für 2026 erneut senkt. Statt 4 bis 6 Prozent rechnet Lindt & Sprüngli nur noch mit einem organischen Wachstum von 0 bis 2 Prozent.

Es ist die zweite Korrektur in diesem Jahr. Zum Jahresstart hatte Lindt noch 6 bis 8 Prozent angepeilt und das Ziel im März gesenkt. Die Partizipationsscheine fielen am Dienstag im Vormittagshandel um 6,9 Prozent auf 7960 Franken, erstmals seit 2021 unter 8000 Franken.

Das Wichtigste in Kürze

Lindt senkt die Prognose für 2026 von 4 bis 6 auf 0 bis 2 Prozent organisches Wachstum. Gründe sind preissensible Kunden und eine Hitzewelle, vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich. 2025 hatte Lindt die Preise um 19 Prozent erhöht, die Menge sank um 6,6 Prozent. Ab Januar plant Lindt breitere Preissenkungen. Das Ziel für die Marge bleibt.

Lindt nennt in seiner Mitteilung zwei Gründe. Die Kundschaft reagiere stark auf Preise, das habe in einigen europäischen Märkten zu weniger Bestellungen geführt, besonders im Saisongeschäft. Dazu kam die Hitzewelle. Nordamerika und Asien liefen dagegen robust.

Der Preis der Preiserhöhungen

Die Ursache liegt im Kakao. Er kostete im Dezember 2024 erstmals fast 12 000 Dollar pro Tonne, meldete Bloomberg. Lindt gab das weiter. 2025 stiegen die Preise im Konzern um 19 Prozent, die verkaufte Menge sank um 6,6 Prozent. Der Umsatz wuchs trotzdem um 12,4 Prozent auf 5,92 Milliarden Franken, so der Jahresabschluss. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Menge um weitere 7,5 Prozent.

Jetzt dreht Lindt. Weil sich die Rohstofflage etwas entspannt habe, fasse man ab Januar breitere Preissenkungen ins Auge. In der Schweiz und in Deutschland habe man schon schneller reagiert, sagt Lechner. Das habe sich direkt in höheren Mengen gezeigt.

An der Marge hält Lindt fest: Sie soll 2026 um 20 bis 40 Basispunkte steigen. Ab 2028 gilt wieder das mittelfristige Ziel von 6 bis 8 Prozent Wachstum pro Jahr.

Der Fall zeigt, wie weit Preissetzungsmacht reicht, auch bei einer Premiummarke. Ein ähnliches Muster beschreibt unsere Meldung über Nespresso, die ihre Papierkapsel einstellt. Wie Nestlé gerade mit einer ganz anderen Krise umgeht, steht im Beitrag zur Zwangsverwaltung in Russland. Und wer den Schweizer Lebensmittelmarkt sonst kontrolliert, zeigt unsere Machtkarte zum Schweizer Fleisch.

Quellen

  1. Lindt & Sprüngli, Anpassung der Umsatzprognose 2026, 29. September 2026; Halbjahresergebnis, 21. Juli 2026 lindt-spruengli.com (September) · lindt-spruengli.com (Juli)
  2. SRF, Umsatzziel erneut gekappt, 29. September 2026 srf.ch
  3. Marktpuls, Jahresergebnis 2025, 10. März 2026; Bloomberg, 16. Dezember 2024 marktpuls.ch · bloomberglaw.com

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