Grafiker bei der Arbeit am Computer. Foto: Ngwedi Mokgoro / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Ein Entwickler baut Adobe mit KI nach. Für KMU zählt zuerst die Kündigungsklausel
Sieben Adobe-Programme, mit KI nachgebaut und gratis. Ein Ersatz sind sie noch nicht. Der Fall lenkt aber den Blick auf den Vertrag: Wer in der Schweiz ein Teams-Abo vorzeitig kündigt, zahlt die Hälfte des Restwerts.

Grafiker bei der Arbeit am Computer. Foto: Ngwedi Mokgoro / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Kurz gesagt: Der US-Entwickler Brandon Thomas hat mit dem KI-Modell Claude Opus 5.5 sieben kostenlose Programme veröffentlicht, die Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, After Effects, InDesign und Acrobat Pro nachbilden. Sie sind nach seinen eigenen Worten in einem sehr frühen Stadium. Für Schweizer KMU ist das noch kein Grund zu wechseln. Es ist aber ein guter Anlass, den eigenen Adobe-Vertrag zu lesen. Wer ein Jahresabo für Teams nach 14 Tagen kündigt, zahlt die Hälfte des restlichen Vertragswerts. Und anders als in den USA verlängert sich das Abo in der Schweiz nach dem ersten Jahr um ein ganzes weiteres Jahr.
«Software is over», schreibt Brandon Thomas. Die Software sei am Ende. Der Satz ist gross, die Programme dahinter sind noch klein. Die Frage, die er auslöst, ist trotzdem berechtigt: Was zahlt eine Firma eigentlich für ihre Programme, und wie kommt sie wieder heraus?
Was hat Artcraft gebaut?
Thomas betreibt die Firma Artcraft, die bisher Zugang zu KI-Modellen für Bilder und Videos verkauft. Am vergangenen Wochenende stellte er sieben Programme vor, die Adobe-Produkte nachbilden: Photocraft für Photoshop, Vectorcraft für Illustrator, Filmcraft für Premiere, Lightcraft für Lightroom, Effectcraft für After Effects, Designcraft für InDesign und Printcraft für Acrobat Pro. Geschrieben sind sie in der Programmiersprache Rust, gebaut mit dem KI-Modell Claude Opus 5.5 von Anthropic, berichtet Techspot mit Verweis auf Ars Technica.
Die Versprechen sind kühn. Auf Reddit kündigte Thomas «100 Prozent» Gleichstand mit Adobe innerhalb eines Monats an. Auf Hacker News relativierte er: 99 Prozent werde eine Weile dauern, eher Monate als Jahre. Nutzer meldeten Fehler bei Grundfunktionen. Techspot weist zudem auf mögliche rechtliche Folgen hin, falls die Kopien den Originalen zu nahe kommen.
Warum stand Adobe in den USA vor Gericht?
Wegen der Kündigung. Die US-Regierung klagte im Juni 2024, Adobe habe die Gebühr für eine vorzeitige Kündigung versteckt und das Kündigen erschwert. Im März 2026 einigten sich die Parteien auf 150 Millionen Dollar, je zur Hälfte als Busse und als Gratisleistungen für Kunden, meldet das Justizministerium. Adobe muss die Gebühr künftig klar offenlegen und das Kündigen einfach machen. Ein Fehlverhalten räumt Adobe nicht ein.
Was steht im Schweizer Adobe-Vertrag?
Creative Cloud Pro für Teams kostet auf der Schweizer Adobe-Website 94 Franken pro Lizenz und Monat, ohne Mehrwertsteuer. Das ist ein Jahresabo mit monatlicher Zahlung. Die Vertrags- und Kündigungsbedingungen sind deutlich:
- Wer innerhalb von 14 Tagen kündigt, erhält alle Zahlungen zurück.
- Wer später kündigt, zahlt eine einmalige Gebühr von 50 Prozent des restlichen Vertragswerts.
- Kunden in den USA mit automatischer Verlängerung laufen nach dem ersten Jahr Monat für Monat weiter. Für alle anderen Kunden verlängert sich das Abo um ein weiteres Jahr.
Was das in Franken heisst, zeigt ein Beispiel. Ein Grafikbüro mit fünf Lizenzen kündigt nach vier Monaten:

Bezahlt hat das Büro bis dahin 1880 Franken. Für die acht offenen Monate stehen noch 3760 Franken aus. Die Hälfte davon, 1880 Franken, wird als Gebühr fällig. Alle Beträge ohne Mehrwertsteuer.
Ersetzt KI-Software bald die teuren Abos?
Nicht so schnell. Eine Oberfläche nachzubauen ist das eine. Für ein KMU zählt, ob die Dateien der Kunden sauber öffnen, ob die Druckerei die PDF-Dateien annimmt und ob jemand hilft, wenn kurz vor der Abgabe etwas nicht läuft. Diese Arbeit macht kein KI-Modell über ein Wochenende.
Quelloffene Software ist in der Schweiz trotzdem längst kein Nischenthema mehr. Seit dem 1. Januar 2024 muss der Bund den Quellcode von Software offenlegen, die er für seine Aufgaben entwickelt oder entwickeln lässt. Alle dürfen sie nutzen, weiterentwickeln und weitergeben, ohne Lizenzgebühr. So steht es in Artikel 9 des Gesetzes über den Einsatz elektronischer Mittel (EMBAG), mit Ausnahmen für Rechte Dritter und Sicherheitsgründe.
Was sollte ein KMU jetzt prüfen?
- Vertragsart. Monatsabo, Jahresabo mit monatlicher Zahlung oder Vorauszahlung? Davon hängt ab, was eine Kündigung kostet.
- Verlängerungsdatum. Im Kalender eintragen, mit Vorlauf. Die Gebühr richtet sich nach dem restlichen Vertragswert. Je näher eine Kündigung am Ende der Laufzeit liegt, desto kleiner fällt sie aus.
- Lizenzen zählen. Wer nutzt welche Lizenz wirklich? Eine Lizenz, die niemand braucht, kostet 1128 Franken im Jahr.
- Alternativen an einem Projekt testen. Parallel und ohne Zeitdruck, bevor die nächste Verlängerung kommt.
Unsere Einschätzung: Der Satz «Software is over» ist Werbung. Richtig daran ist, dass Code billiger wird. Was das für Entwickler heisst, haben wir hier beschrieben. Für Firmen verschiebt sich die Macht der Anbieter vom Programm zur Vertragsklausel. Wie Microsoft Firmenkunden über die Arbeitsumgebung bindet, steht in diesem Beitrag. Wie ein KI-Agent einen teuren Software-Eintritt umging, lesen Sie hier.
Häufige Fragen
Was kostet es, ein Adobe-Abo für Teams in der Schweiz vorzeitig zu kündigen?
Beim Jahresabo mit monatlicher Zahlung ist die Kündigung innerhalb von 14 Tagen kostenlos. Danach verlangt Adobe eine einmalige Gebühr von 50 Prozent des restlichen Vertragswerts.
Verlängert sich ein Adobe-Jahresabo in der Schweiz automatisch?
Ja. Laut den Bedingungen verlängert sich das Abo für Kunden ausserhalb der USA nach dem ersten Jahr um ein weiteres Jahr, bis es gekündigt wird.
Sind die Artcraft-Programme ein Ersatz für Adobe?
Noch nicht. Der Entwickler selbst bezeichnet sie als sehr frühe Version. Nutzer meldeten Fehler bei Grundfunktionen. Für den produktiven Einsatz in einer Firma fehlen Erfahrungswerte.
Quellen
- Techspot, «Software is over»: Developer uses AI to build free Adobe clones, 8. Oktober 2026 techspot.com
- US-Justizministerium, Adobe Agrees to $150 Million Settlement, März 2026 justice.gov
- Adobe Schweiz, Creative Cloud für Teams, abgerufen am 8. Oktober 2026 adobe.com
- Adobe Schweiz, Vertrags- und Kündigungsbedingungen für Adobe-Abos, abgerufen am 8. Oktober 2026 adobe.com
- Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben (EMBAG), SR 172.019, Art. 9 fedlex.admin.ch
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