Das Microsoft-Gebäude an der Seestrasse in Zürich. Foto: Ank Kumar / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

US-Trends · 3 min ·

Microsoft verkauft 30 Millionen Copilot-Lizenzen. Das beste KI-Modell braucht es dafür nicht

Microsoft gewinnt das KI-Geschäft mit Firmen über die Arbeitsumgebung, nicht über das Modell. Was das für Schweizer KMU heisst.

Microsoft-Schriftzug an einem Bürogebäude in Zürich

Das Microsoft-Gebäude an der Seestrasse in Zürich. Foto: Ank Kumar / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Kurz gesagt: Microsoft hat über 30 Millionen bezahlte Lizenzen für Microsoft 365 Copilot verkauft, zehn Millionen mehr als im Quartal davor. Die These, die gerade unter Technologen kursiert: Microsoft muss das beste KI-Modell gar nicht haben. Es reicht, die Arbeitsumgebung zu besitzen, in der die Modelle arbeiten. Für Schweizer KMU ist das relevant: 74 Prozent nutzen KI bereits, aber nur jedes vierte Team sieht in der Führung eine klare Linie.

OpenAI, Anthropic und Google liefern sich ein Rennen um das klügste Modell. Microsoft schaut zu und verkauft. Über 30 Millionen bezahlte Plätze für Microsoft 365 Copilot meldete der Konzern Ende Juli, nach 20 Millionen im Quartal davor, so die Quartalszahlen. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 90 Milliarden Dollar.

Warum könnte Microsoft das KI-Rennen gewinnen, ohne das beste Modell zu haben?

Weil Firmen sich nicht für ein Modell entscheiden, sondern für eine Umgebung. So argumentiert der Technologe Simon Green in einem Essay. Microsoft könne «the enterprise harness» gewinnen, während die Labore darum kämpfen, die Intelligenz zu liefern, schreibt er auf seinem Blog. Gemeint ist das Geschirr um das Modell: Oberfläche, Zugriffsrechte, Firmendaten, Kontrolle. Die Modelle darunter lassen sich austauschen.

Green bringt es auf einen Satz: Er wolle sich auf eine Umgebung festlegen und das Modell weiter frei wählen. Genau das verkauft Microsoft. Copilot kostet Grossfirmen 30 Dollar pro Person und Monat. Für KMU gibt es Copilot Business für 18 Dollar, zeigt die Preisseite.

Wie weit sind Schweizer KMU mit KI?

Weiter, als viele denken, aber selten mit Plan. 74 Prozent der Schweizer KMU nutzen KI, 35 Prozent fest im Alltag und 39 Prozent im Test, zeigt die KMU-Arbeitsmarktstudie von AXA vom September. Im Marketing setzen dagegen nur 21 Prozent KI-Werkzeuge ein, meldet die Studie KMU Digital Pulse 2026 der Hochschule Luzern.

Schweizer KMU und KI 2026: 35 Prozent fest im Alltag, 39 Prozent im Test, 26 Prozent keine Nutzung
Quelle: AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2026. Grafik: Leitgrad

Die Grafik zeigt: Drei von vier KMU arbeiten mit KI, aber nur gut ein Drittel hat sie fest in den Alltag eingebaut. Der Rest testet. Dazu passt ein zweiter Befund. Nur 24 Prozent der Befragten sehen ihre Führung bei der KI-Strategie klar auf einer Linie, ergab der Work Trend Index 2026 von Microsoft für die Schweiz, berichtet Windows Forum.

Microsoft selbst baut seine Präsenz aus. Im Juni 2025 kündigte der Konzern an, 400 Millionen Dollar in seine Rechenzentren in Zürich und Genf zu investieren, berichtete SRF. Daten können damit in der Schweiz bleiben, ein Argument für Banken, Spitäler und Behörden.

Was heisst das für Schweizer Chefs?

Unsere Einschätzung: Die wichtigere Entscheidung ist nicht das Modell, sondern die Umgebung. Wer Copilot einführt, legt fest, wo Firmendaten liegen, wer worauf zugreift und wie Ergebnisse geprüft werden. Das gehört in die Geschäftsleitung, nicht in die IT-Abteilung allein. Wer heute ohne Plan testet, bekommt morgen einen Wildwuchs an Werkzeugen.

Wie Meta mit dem Agenten Muse einen anderen Weg geht, steht in diesem Beitrag. Warum Google Websites für KI-Antworten bezahlt, zeigt unsere Meldung. Welche Regeln für Schweizer Firmen gelten, sammelt das Dossier KI-Regulierung.

Häufige Fragen

Was kostet Microsoft 365 Copilot für KMU?

Copilot Business kostet 18 Dollar pro Person und Monat bei jährlicher Zahlung. Grossfirmen zahlen für Microsoft 365 Copilot 30 Dollar. Preise in Franken weist Microsoft je nach Vertrag separat aus.

Wie viele Schweizer KMU nutzen KI?

Laut der KMU-Arbeitsmarktstudie von AXA vom September 2026 nutzen 74 Prozent der Schweizer KMU KI, 35 Prozent fest integriert und 39 Prozent im Test.

Hat Microsoft Rechenzentren in der Schweiz?

Ja, in der Region Zürich und in Genf, seit 2019. Im Juni 2025 kündigte Microsoft an, 400 Millionen Dollar in den Ausbau zu investieren.

Quellen

  1. Microsoft, Quartalszahlen Q4 FY26, 29. Juli 2026; Preisseite Copilot Business, abgerufen 5. Oktober 2026 Zahlen · Preise
  2. Simon Green, Could this finally be Microsoft’s moment?, 2. Oktober 2026 sjg.io
  3. AXA, KMU-Arbeitsmarktstudie, 15. September 2026; HSLU und localsearch, KMU Digital Pulse 2026, 29. September 2026 axa.ch · handelsverband.swiss
  4. Microsoft Work Trend Index 2026 Schweiz via Windows Forum, 1. Oktober 2026; SRF, 2. Juni 2025 windowsforum.com · srf.ch

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