Das Bundesgericht in Lausanne.Foto: Gzzz / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)
68 000 Franken weniger Bonus. Was das CS-Urteil für Kader in KMU heisst
Das Bundesgericht erlaubt dem Bund, den obersten CS-Kadern die Boni zu streichen. Für Kader in KMU gilt das Bankengesetz nicht, sondern das OR. Wann ein Bonus geschuldet ist, wann er freiwillig bleibt, und ein Check für die eigene Bonusklausel.

Das Bundesgericht in Lausanne.Foto: Gzzz / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)
Kurz gesagt: Der Bund durfte den rund 1000 obersten Kaderleuten der Credit Suisse die ausstehenden Boni kürzen oder streichen. Das hat das Bundesgericht entschieden, publiziert am 15. Oktober 2026. Im Schnitt verlieren die Betroffenen 68 000 Franken. Das Urteil stützt sich auf das Bankengesetz und gilt nur für systemrelevante Banken mit Staatshilfe. Für Kader in KMU entscheidet das Obligationenrecht, ob ein Bonus geschuldet ist: Lohn ist er, wenn er fest vereinbart oder berechenbar ist. Ab rund dem Fünffachen des Medianlohns bleibt er freiwillig.
Drei Jahre und ein halbes nach dem Ende der Credit Suisse fällt in Lausanne das letzte Wort zu ihren Boni. Das Bundesgericht heisst die Beschwerden von Bund und UBS gut und hebt den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts auf (Urteile 2C_322/2025 und 2C_323/2025), meldet SRF. Das Geld, um das es geht, war vertraglich zugesagt, aber noch nicht ausbezahlt.
Was hat das Bundesgericht entschieden?
Dass Artikel 10a des Bankengesetzes genügt. Er erlaubt dem Bundesrat bei einer systemrelevanten Bank mit Staatshilfe nicht nur, Boni aufzuschieben, sondern auch, sie zu streichen. Die Massnahme sei präventiv und nicht repressiv, ein persönliches Verschulden müsse niemand nachweisen. Sie sei verhältnismässig und zumutbar. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im März 2025 noch eine «besonders klare gesetzliche Grundlage» vermisst.
Betroffen sind laut SRF rund 1000 Personen auf den obersten drei Führungsebenen. Die Geschäftsleitung verliert die ausstehenden Boni ganz, die zweite Ebene zur Hälfte, die dritte zu einem Viertel. Die Kürzung beträgt im Schnitt 68 000 Franken, bei einer Barvergütung von durchschnittlich rund 1,4 Millionen Franken im letzten Jahr, schreibt cash.ch. Der Bundesrat hatte die Summe 2023 auf 50 bis 60 Millionen Franken geschätzt. Wie viel die Schweiz eine Grossbank kosten kann, rechnet unser Beitrag «Was, wenn die UBS geht?» vor.

Gilt das auch für Kader in KMU?
Nein. Das Bankengesetz trifft nur systemrelevante Banken, die der Staat stützt. Für alle anderen regelt Artikel 322d des Obligationenrechts den Bonus. Er unterscheidet zwei Dinge: Lohn, der geschuldet ist, und Gratifikation, eine freiwillige Sondervergütung. Ein Anspruch auf eine Gratifikation besteht nur, wenn sie verabredet ist.
Das Bundesgericht hat daraus über die Jahre klare Regeln gemacht:
- Berechenbar heisst geschuldet. Hängt der Bonus an einer festen Formel, etwa einem Anteil am Gewinn, ist er Lohn. Hat der Arbeitgeber Ermessen, ist er Gratifikation.
- Drei Jahre ohne Vorbehalt. Wer dreimal in Folge vorbehaltlos einen Bonus erhalten hat, hat in der Regel Anspruch darauf. Ein Vorbehalt, der nie angewendet wird, kann zur leeren Floskel werden.
- Der Bonus muss die Nebensache bleiben. Ist er im Verhältnis zum Fixlohn zu gross, gilt er mindestens teilweise als Lohn. In einem Fall reichten schon 40 000 Franken Bonus auf 100 000 Franken Fixlohn (4A_216/2013).
- Sehr hohe Löhne sind die Ausnahme. Erreicht der Jahreslohn das Fünffache des Schweizer Medianlohns, bleibt jeder Bonus Gratifikation (BGE 141 III 407). Bei einem Medianlohn von 7024 Franken pro Monat (BFS, 2024) sind das grob 420 000 Franken im Jahr.
Für die meisten Kader in KMU gilt also das Gegenteil des CS-Falls: Wer seine Bonusklausel kennt, hat oft mehr Anspruch, als er glaubt. Was Geschäftsführer in der Schweiz verdienen, steht in unserem Lohnvergleich.
Zum Mitnehmen: Der Bonusklausel-Check
- Steht im Vertrag eine Formel (Ziel, Prozentsatz, Bemessungsgrösse) oder nur «nach Ermessen»?
- Wie oft kam der Bonus bisher, und stand bei jeder Zahlung ein schriftlicher Vorbehalt?
- Wie gross ist der Bonus im Verhältnis zum Fixlohn?
- Liegt der gesamte Jahreslohn über dem Fünffachen des Medianlohns?
- Was gilt bei Kündigung: anteilig, ganz oder gar nicht?
Was kommt als Nächstes?
Der Bundesrat will weiter gehen. Er schlägt ein Verantwortlichkeitsregime für Bankmanager vor, mit dem sich auch bereits ausbezahlte Boni zurückfordern liessen. Die Vorlage ist in der Vernehmlassung. Wie hart in Bern um die Regeln für die UBS gerungen wird, zeigt unser Bericht zum Eigenkapital.
Häufige Fragen
Muss der Arbeitgeber einen Bonus in der Schweiz bezahlen?
Wenn er fest vereinbart oder nach einer Formel berechenbar ist, ja, dann ist er Lohn. Eine freiwillige Gratifikation ist nur geschuldet, wenn sie verabredet ist oder drei Jahre in Folge ohne Vorbehalt bezahlt wurde.
Ab welchem Lohn ist ein Bonus immer freiwillig?
Ab dem Fünffachen des Schweizer Medianlohns, so das Bundesgericht. Das sind grob 420 000 Franken im Jahr.
Bekommen die CS-Kader ihr Geld zurück?
Nein. Mit dem Urteil des Bundesgerichts ist die Kürzung rechtskräftig.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Quellen
- SRF, 15. Oktober 2026; cash.ch (AWP), 15. Oktober 2026 srf.ch · cash.ch
- Bundesgericht, Urteile 2C_322/2025 und 2C_323/2025 vom 16. September 2026
- Obligationenrecht Art. 322d; BGE 141 III 407; Walder Wyss, Bonus: Entwicklung der Rechtsprechung, November 2025 fedlex.admin.ch · walderwyss.com
- Bundesamt für Statistik, Lohnstrukturerhebung 2024 admin.ch
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