So stellt sich Warhound seine Hunde vor. Bild: Warhound

US-Trends · 5 min ·

Amerika klont Kriegshunde. Die Schweizer Armee züchtet sie selbst.

Das US-Start-up Warhound sammelt 200 Millionen Dollar, um Militärhunde zu klonen und ihr Erbgut zu bearbeiten. Hunde und Kunden hat es noch keine. Die Schweizer Armee geht den umgekehrten Weg: eigene Zucht, und der Hund gehört dem Soldaten.

Marketingbild von Warhound: fünf Malinois und Schäferhunde mit Westen und Schutzbrillen vor einer Wüstenlandschaft.

So stellt sich Warhound seine Hunde vor. Bild: Warhound

Aktualisiert am 25. Oktober 2026

Kurz gesagt: Das US-Start-up Warhound hat 200 Millionen Dollar eingesammelt, um Militärhunde zu klonen und ihr Erbgut zu bearbeiten. Die Idee stammt von Ben Lamm, dem Chef von Colossal Biosciences, und Anduril-Gründer Palmer Luckey. Laut TechCrunch ist die Firma 1,2 Milliarden Dollar wert. Hunde hat sie noch keine, Kunden auch nicht. Die ersten Welpen sollen Anfang 2027 geboren werden. Die Schweizer Armee geht den umgekehrten Weg: Sie züchtet selbst, und der Hund gehört dem Soldaten.

Bekommt die Schweiz bald Kriegswölfe? Nein. Und auch Amerika bekommt keine. Ben Lamm machte im April 2025 Schlagzeilen mit den angeblich zurückgeholten Schattenwölfen von Colossal. Tatsächlich waren es Grauwölfe, deren Zellen an rund 20 Stellen in 14 Genen verändert wurden. Bei Warhound geht es um Hunde: Ausgangsmaterial sind Zelllinien von Malinois und Deutschen Schäferhunden, den Rassen, die heute schon in fast jeder Armee Dienst tun.

Collage von Colossal Biosciences mit dem Kopf eines weissen Wolfs.
Die Schattenwölfe von Colossal waren gentechnisch veränderte Grauwölfe. Bild: Colossal Biosciences

Neu ist das Geschäftsmodell. Warhound will Diensthunde liefern wie Material, in planbarer Stückzahl und gleichbleibender Qualität. Ben Lamm spricht laut Fortune von «Canine as a Service»: Der Staat bezieht laufend ausgebildete Hunde, statt sie einzeln einzukaufen. Preise gibt es noch nicht.

So soll der Hund entstehen

Warhound sammelt Zellen von Hunden, die ihre Ausbildung bereits bestanden haben, und lagert sie in einer Biobank. Aus diesen Zellen werden Kopien geklont, durch Viagen, eine Firma, die zu Colossal gehört. Zusätzlich bearbeitet das Team gezielt das Erbgut: Bekannte Erbkrankheiten wie Muskelschwund sollen verschwinden, Gesundheit, Lebensdauer, Tempo, Wendigkeit und Geruchssinn sollen besser werden. Welche weiteren Eigenschaften sich «wissenschaftlich und verantwortungsvoll» verändern lassen, prüfe man noch, sagt Lamm.

Anduril liefert die Ausrüstung: Westen mit Sensoren, die Daten an den Hundeführer schicken, dazu Schutzbrillen und Gehörschutz. Die Technik sitze «on top of the dog, not in the dog», sagt Lamm, also auf dem Hund, nicht in ihm.

Der Hund als Produkt: Biobank, Gene editiert, geklont, Anduril-Ausrüstung.
Grafik: Leitgrad

Geführt wird Warhound von David Spirk, einem ehemaligen Marine und früheren obersten Datenchef des Pentagons. Lamm sitzt im Verwaltungsrat, Colossal ist beteiligt und lizenziert seine Technik. Palmer Luckey hält laut Lamm keine Anteile. Investiert haben unter anderem Sequoia, 8VC, ARK Invest, Franklin Templeton, Lux Capital und In-Q-Tel, der Risikokapitalarm der amerikanischen Geheimdienste.

Warum Amerika das will

Das US-Militär hat über 2200 Hundeteams. Mehr als 80 Prozent seiner Diensthunde kauft es in Europa ein. Weniger als die Hälfte davon gilt nach Kauf und rund drei Jahren Ausbildung als einsatzfähig. Um 100 Hunde ins Feld zu bringen, müssen die USA also rund 200 kaufen und ausbilden, und sie konkurrieren dabei mit anderen Staaten, auch mit China und Russland.

Geklonte Diensthunde gibt es schon. Südkoreas Zoll setzte 2009 sechs geklonte Spürhunde ein, in China wurde ein Polizeihund geklont. Warhound will daraus eine Industrie machen, mit nationalen Zucht- und Ausbildungszentren, finanziert zuerst mit privatem Geld.

Die Schweiz macht es anders

Die Schweizer Armee kauft jedes Jahr 40 bis 50 Hunde, vor allem Schäferhunde. Sie werden als Schutz- oder Rettungshunde ausgebildet, ein Teil zusätzlich als Spürhund für Drogen oder Sprengstoff. Beschafft werden sie über das Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere in Sand-Schönbühl bei Bern.

Ein junger Diensthund der Schweizer Armee schaut an der Leine zu seinem Hundeführer hoch.
Diensthund mit Blick zum Hundeführer. Foto: VBS/DDPS, CC BY-NC-ND

Inzwischen züchtet die Armee auch selbst, unter dem Namen «Von der Schweizer Armee». Vom ersten Wurf eigneten sich alle acht Hunde für eine Karriere als Diensthund, berichtete die Zeitschrift Schweizer Soldat. Der erste Hund aus dieser Zucht heisst Arek.

Den Rest erledigt das Milizprinzip. Der Hundeführer kauft seinen Diensthund in der fünften Woche der Rekrutenschule zum Festpreis von 2000 Franken. Danach ist er selbst für das Training verantwortlich: mindestens 26 Einheiten pro Jahr in einem Verein der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft und mindestens eine Prüfung. Alle Wiederholungskurse leistet er mit seinem Hund.

Die Schweizer Armee züchtet selbst, der Hund gehört dem Soldaten.
Grafik: Leitgrad

Ein Hund, zwei Systeme

Amerika denkt den Diensthund als Produkt, das sich kopieren, verbessern und in Serie liefern lässt. Die Schweiz denkt ihn als Partner eines Milizsoldaten, der ihn besitzt und fit hält. Das eine Modell verspricht Stückzahl und gleiche Qualität. Das andere kostet den Staat wenig, weil ein Teil der Arbeit in der Freizeit der Hundeführer stattfindet.

Das amerikanische Modell liesse sich hierzulande auch nicht kopieren. Das Gentechnikgesetz erlaubt gentechnisch veränderte Wirbeltiere nur für Forschung, Therapie und Diagnostik. Ein editierter Diensthund gehört nicht dazu. Und Tiere ausserhalb eines wissenschaftlich begründeten Tierversuchs zu klonen, sei in der Schweiz ausgeschlossen, sagte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen 2021 dem Blick.

Ein Hund, zwei Systeme: USA gegen Schweiz im Vergleich.
Grafik: Leitgrad

Zum Mitnehmen

  1. Das Geld kommt vor dem Produkt. 200 Millionen Dollar und eine Bewertung von 1,2 Milliarden, ohne einen einzigen Hund und ohne Kunden. Im Verteidigungsmarkt zahlen Investoren derzeit für den Zugang zum Staat als Abnehmer.
  2. «As a Service» erreicht die Biologie. Aus dem Einzelkauf soll ein laufender Liefervertrag werden. Das Muster kennt man aus Software, jetzt wird es auf Lebewesen übertragen.
  3. Für die Schweiz bleibt es ein Exportthema. Wer hier Biotech für Tiere aufbaut, darf Wirbeltiere nur für Forschung und Medizin gentechnisch verändern. Der Markt für Produkte wie dieses liegt im Ausland.

Häufige Fragen

Sind die Warhound-Hunde Wölfe?

Nein. Warhound arbeitet mit Zellen von Malinois und Deutschen Schäferhunden. Die Schattenwölfe von Colossal aus dem Jahr 2025 waren gentechnisch veränderte Grauwölfe.

Wann gibt es die ersten Hunde?

Die ersten Welpen sollen laut TechCrunch Anfang 2027 geboren werden. Bis die ersten ausgebildeten Hunde geliefert werden, rechnet Ben Lamm mit rund zwei Jahren.

Was kostet ein Armeehund den Hundeführer?

Milizhundeführer kaufen ihren Diensthund in der fünften Woche der Rekrutenschule zum Festpreis von 2000 Franken. Wer bereits einen geeigneten Hund hat, kann nach einer Prüfung auch mit dem eigenen Hund einrücken.

Quellen

  1. TechCrunch, «Warhound raises $200M to engineer war dogs and arm them with Anduril gear», 22. Oktober 2026 techcrunch.com
  2. Fortune, «Palmer Luckey teams with dire wolf billionaire Ben Lamm to launch $200 million Warhound», 22. Oktober 2026 fortune.com
  3. Schweizer Armee, Veterinärdienst: Armeehunde vtg.admin.ch
  4. Schweizer Armee, Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere, Stand 9. März 2026 vtg.admin.ch
  5. Schweizer Soldat, «Mensch und Tier: Gemeinsam im Dienst», Oktober 2022 schweizer-soldat.ch (PDF)
  6. Bundesgesetz über die Gentechnik im Ausserhumanbereich (GTG), Art. 8 und 9, Stand 1. August 2026 fedlex.admin.ch
  7. Blick, «Genfer Firma will Haustiere klonen», 27. Mai 2021 blick.ch

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