Migros-Markt in Weinfelden TG. Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten

Briefing · 4 min ·

Migros will zehn Genossenschaften zu einer machen. Entscheiden müssen 2,3 Millionen Mitglieder.

Mario Irminger will die Regionalgenossenschaften, die Supermarkt AG und den Genossenschafts-Bund zu einer Einheitsgenossenschaft verschmelzen. Möglich seien 300 bis 400 Millionen Franken Einsparungen. Die Hürde ist hoch: In jeder Genossenschaft braucht es zwei Drittel Ja.

Migros-Markt im Zentrum von Weinfelden, moderne Fassade mit orangem Migros-Schriftzug, davor Sonnenschirme.

Migros-Markt in Weinfelden TG. Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten

Kurz gesagt: Migros-Chef Mario Irminger will die zehn Regionalgenossenschaften, die Migros Supermarkt AG und den Migros-Genossenschafts-Bund zu einer einzigen Genossenschaft verschmelzen. Das berichtet die SonntagsZeitung. Möglich seien Einsparungen von 300 bis 400 Millionen Franken, rund 3000 Stellen könnten wegfallen, vor allem in der Verwaltung. Vorstellen wollen Irminger und Präsidentin Ursula Nold den Plan Anfang Woche. Bestätigt hat die Migros nichts. Und das letzte Wort haben die rund 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter.

Seit 1941 ist die Migros ein Bund aus regionalen Genossenschaften. Gründer Gottlieb Duttweiler gab den Regionen bewusst viel Macht und der Zentrale wenig. Dieses Modell will Mario Irminger nun ablösen. Laut SonntagsZeitung sollen die zehn Regionalgenossenschaften, die Migros Supermarkt AG und der Migros-Genossenschafts-Bund in einer Einheitsgenossenschaft aufgehen. Die Doppelstruktur aus nationaler und regionaler Führung fiele weg.

Das Supermarktgeschäft würde danach in sechs Regionen statt zehn Genossenschaften geführt. Die heutigen Grenzen sollen berücksichtigt werden, aber nicht mehr verbindlich sein. Die Logistik würde auf grössere zentrale Plattformen und kleinere regionale Drehscheiben ausgerichtet.

Was der Umbau bringen soll

Die SonntagsZeitung beziffert das Sparpotenzial auf 300 bis 400 Millionen Franken. Ehemalige Kader schätzen, dass die heutige Struktur jedes Jahr rund 300 Millionen Franken mehr kostet. Wegfallen könnten rund 3000 Stellen, vor allem im Backoffice. Die Filialen wären deutlich weniger betroffen. Heute arbeiten 39’341 Menschen für die Regionalgenossenschaften und die Supermarkt AG.

Der Schritt wäre die Fortsetzung eines Kurses, den die Migros seit 2023 fährt. Seit Januar 2024 bündelt die Migros Supermarkt AG das Supermarktgeschäft zentral, mit Marketing und einem grossen Teil des Einkaufs. Im Februar 2024 kündigte die Migros den Abbau von bis zu 1500 Stellen an und den Verkauf mehrerer Geschäfte, darunter Melectronics und Hotelplan. Hotelplan ist seit Ende August 2025 verkauft. Einige Regionalgenossenschaften schreiben laut SonntagsZeitung Verluste.

Die Hürde heisst Urabstimmung

Ein Chef kann Genossenschaften nicht einfach zusammenlegen. Jede Regionalgenossenschaft muss ihre Mitglieder befragen, und laut den bisherigen Berichten braucht es jeweils eine Zweidrittelmehrheit. Ein ähnlicher Anlauf scheiterte vor rund 30 Jahren am Widerstand der grossen Genossenschaften.

Wie hoch die Hürde ist, zeigte der Juni 2022. Damals stimmten alle zehn Genossenschaften über den Verkauf von Alkohol ab. Für die Statutenänderung waren zwei Drittel Ja nötig. Keine einzige Genossenschaft erreichte sie, in Zürich sagten 80 Prozent Nein. Mitgemacht hatten 29 Prozent der Mitglieder, rund 630’000 Personen.

Im September berichtete die NZZ am Sonntag, die Migros prüfe auch Wege ohne Urabstimmung. Offiziell hält sich die Migros zurück. Eine Sprecherin nannte Berichte über eine Fusion Mitte Oktober «wilde Spekulationen» und verwies auf die Vision 2035, die eine effizientere und einfachere Organisation vorsieht. Entschieden sei nichts.

Was das für Lieferanten und Partner heisst

Für Firmen, die mit der Migros arbeiten, ist die Struktur nicht nur eine Frage der Folklore. Heute liegt der regionale Einkauf bei den Regionalgenossenschaften, das nationale Sortiment bei der Supermarkt AG. Wer regional liefert, hat seine Ansprechpartner in Zürich, Luzern oder St. Gallen. In einer Einheitsgenossenschaft mit sechs Regionen dürften Zuständigkeiten, Konditionen und Ansprechpersonen neu verteilt werden.

Wie genau, ist offen. Klar ist nur die Richtung: weniger Ebenen, mehr Zentrale. Das Modell kennt die Schweiz von Coop: Dort gingen 2001 alle 14 Regionalgenossenschaften mit Coop Schweiz in einer einzigen Genossenschaft auf.

Zum Mitnehmen

  1. Abwarten, aber vorbereitet. Noch ist nichts beschlossen. Wer an eine Regionalgenossenschaft liefert, sollte jetzt festhalten, welche Verträge, Konditionen und Kontakte an der regionalen Struktur hängen.
  2. Die Urabstimmung im Blick behalten. Ohne Zweidrittelmehrheit in jeder Genossenschaft kommt der Umbau so nicht. 2022 hat keine Genossenschaft diese Hürde geschafft.
  3. Mit mehr Zentrale rechnen. Ob mit oder ohne Fusion: Seit 2024 wandert bei der Migros Einkauf und Marketing nach Zürich. Lieferanten sollten ihre Beziehung zur Supermarkt AG pflegen, nicht nur zur Region.

Häufige Fragen

Wer entscheidet über die Fusion der Migros-Genossenschaften?

Am Ende die Mitglieder. Laut den bisherigen Berichten muss jede der zehn Regionalgenossenschaften eine Urabstimmung durchführen, und jeweils zwei Drittel müssen zustimmen. Die Migros hat rund 2,3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter.

Wie viele Stellen sind betroffen?

Laut SonntagsZeitung könnten rund 3000 Stellen wegfallen, vor allem in der Verwaltung. Die Migros hat das nicht bestätigt. Für die Regionalgenossenschaften und die Supermarkt AG arbeiten heute 39’341 Personen.

Wann wird der Plan vorgestellt?

Laut SonntagsZeitung wollen Mario Irminger und Ursula Nold ihn Anfang dieser Woche präsentieren.

Quellen

  1. Tages-Anzeiger / SonntagsZeitung, «Jetzt kommt der grosse Migros-Umbau: Irminger will zehn Genossenschaften zusammenlegen», 25. Oktober 2026 tagesanzeiger.ch
  2. watson, «Migros vor Mega-Umbau: Zehn Genossenschaften sollen fusionieren», 25. Oktober 2026 watson.ch
  3. Keystone-SDA via Nau.ch, «Migros will alle ihre Genossenschaften zusammenlegen» (nach NZZ am Sonntag), 20. September 2026 nau.ch
  4. 20 Minuten, «Migros-Revolution? Regionalgenossenschaften könnten zu einer einzigen fusioniert werden», 20. September 2026 20min.ch
  5. cash.ch (Blick), «‹Wilde Spekulationen›: Kommt es bei der Migros zum grossen Umbruch?», 18. Oktober 2026 cash.ch
  6. Moneycab, «Die Migros bleibt alkoholfrei», 16. Juni 2022 moneycab.com
  7. Horizont, «Umstrukturierung: Migros regelt Führung der neuen Supermarkt AG», 2. Juli 2023 horizont.net
  8. Netzwoche, «Migros will Melectronics verkaufen und baut 1500 Stellen ab», 2. Februar 2024 netzwoche.ch
  9. Migros-Gruppe, «Über die Migros 2025», Geschäftsbericht report.migros.ch (PDF)
  10. Migros, «Migros is shaping its future by adopting Vision 2035» corporate.migros.ch
  11. Wikipedia, «Coop (Schweiz)», Abschnitt Geschichte, abgerufen am 25. Oktober 2026 wikipedia.org

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