Elf Jahre sind Firmen im Median alt, wenn sie an die Börse gehen. Revolut will Kunden schon vorher einsteigen lassen. Quelle: Revolut via finews.ch, 26.10.2026. Illustration: Leitgrad
Revolut öffnet Kleinanlegern die Firmen vor dem Börsengang. Ob das in der Schweiz geht, ist offen.
Ab 2027 sollen berechtigte Revolut-Kunden in Tech-Firmen investieren können, bevor diese an die Börse gehen. Was über Revolut Ventures bekannt ist, was solche Fonds kosten und warum die Schweiz ein Sonderfall ist.

Elf Jahre sind Firmen im Median alt, wenn sie an die Börse gehen. Revolut will Kunden schon vorher einsteigen lassen. Quelle: Revolut via finews.ch, 26.10.2026. Illustration: Leitgrad
Kurz gesagt: Revolut baut eine Plattform, über die berechtigte Kunden ab 2027 in Tech-Firmen investieren können, bevor diese an die Börse gehen. Revolut Ventures soll als europäischer ELTIF-Fonds aufgesetzt werden, verwaltet von der Carne Group. Wer mitmachen darf, wie viel man mindestens einsetzen muss und was es kostet, hat Revolut noch nicht gesagt. Offen ist auch, ob das Angebot in die Schweiz kommt. Hier nutzen über 1,3 Millionen Menschen Revolut, eine Schweizer Banklizenz hat die Firma erst beantragt.
Wer an Anthropic beteiligt sein will, kann im November Aktien kaufen, wenn der Börsengang nach Plan läuft. Die frühen Finanzierungsrunden sind dann längst vorbei. Von dieser Phase profitierten bisher vor allem Risikokapitalgeber, Fonds und Mitarbeitende.
Revolut will das ändern. Die Neobank plant mit Revolut Ventures eine Plattform, über die ihre Kunden schon vor dem Börsengang einsteigen können. Das geht aus einem internen Memo hervor, über das das «Handelsblatt» am Montag berichtet hat. Starten soll das Angebot 2027.

Was Revolut plant
Revolut Ventures soll eine von Revolut verwaltete Plattform in der App sein. Berechtigte Kunden sollen dort Positionen in privaten Firmen aufbauen können, neben ihrem bestehenden Portfolio. Im Fokus stehen Tech-Firmen, die die Gründungsphase hinter sich haben und auf einen möglichen Börsengang zugehen. Als Beispiele nennt Revolut Anthropic und OpenAI. Dass diese Firmen tatsächlich im Angebot sein werden, ist damit nicht gesagt.
Aufgesetzt wird das Ganze laut finews.ch als ELTIF, ein europäischer Fondstyp für langfristige Anlagen. Fondsverwalter ist die Carne Group, die Verwaltung übernimmt Alter Domus, die Wertpapiere verwahrt die US-Bank BNY. Rolandas Juteika, der bei Revolut das Anlagegeschäft im Europäischen Wirtschaftsraum leitet, will damit eine der letzten Schranken in der Vermögensverwaltung abbauen.
Vieles ist noch offen: wer als berechtigt gilt, der Mindestbetrag, die Gebühren und die Länder. Revolut selbst warnt, solche Anlagen seien deutlich weniger liquide als börsengehandelte Aktien und bergen ein erhebliches Risiko des Kapitalverlusts.

Warum gerade jetzt
Firmen bleiben länger privat. Beim Börsengang waren sie 2014 im Median 6,9 Jahre alt, 2025 waren es 11 Jahre, rechnet Revolut vor. Die Zahl der börsenkotierten US-Firmen sank laut Revolut von rund 7000 im Jahr 2000 auf rund 3900 im Jahr 2025. Wer erst an der Börse einsteigt, kommt also deutlich später dazu als noch vor zehn Jahren.
Revolut ist mit der Idee nicht allein. OpenAI hat im März erstmals Privatanleger zugelassen, sie brachten laut The Next Web 3 Milliarden Dollar in die jüngste Runde. In Deutschland bietet Trade Republic Fonds von EQT und Apollo an, Scalable vertreibt einen Private-Equity-ELTIF von Blackrock.
Was es bei Revolut schon gibt
Seit Juli können Revolut-Kunden in 21 europäischen Ländern in Fonds für nicht kotierte Anlagen investieren, ab einem Euro. Die Fonds stammen von Apollo, Ares, Hamilton Lane und Partners Group aus Baar. Ein Schweizer Name ist also schon dabei.
Billig ist das nicht. Die laufenden Kosten solcher Fonds liegen laut Trending Topics bei rund 2,0 bis 2,8 Prozent pro Jahr. Ein passiver ETF kostet etwa 0,10 bis 0,50 Prozent. Dazu kommt die Liquidität: Zurückgeben kann man Anteile meist nur einmal pro Quartal, und pro Fenster sind oft nur 2 bis 5 Prozent des Fondsvermögens zugelassen. In Krisen kann der Fonds Rücknahmen ganz aussetzen.

Was das für die Schweiz heisst
In der Schweiz nutzen laut finews.ch über 1,3 Millionen Menschen Revolut. Eine eigene Schweizer Banklizenz hat die Firma im September bei der FINMA beantragt, in den nächsten fünf Jahren will sie über 150 Millionen Franken investieren.
Für Fonds wie Revolut Ventures gelten in der Schweiz eigene Regeln. Ein ausländischer Fonds muss von der FINMA genehmigt werden, bevor er Privatanlegern angeboten wird, die nicht als qualifiziert gelten. Für qualifizierte Anleger braucht es keine Genehmigung. Ob Revolut den Weg in die Schweiz geht, hat die Firma nicht gesagt.

Was Unternehmer daraus mitnehmen
Der Markt vor der Börse öffnet sich. Was bisher Pensionskassen und Family Offices vorbehalten war, landet in den Apps von Privatanlegern. Mitarbeitende und Kunden werden danach fragen.
Kosten und Ausstieg zuerst lesen. Wer solche Fonds in Erwägung zieht, sollte die Gebühren, die Rücknahmefenster und die Regeln für Krisen kennen, bevor er kauft.
Für Scale-ups wächst ein neuer Geldtopf. Fonds wie Revolut Ventures sammeln Geld vieler Kleinanleger und investieren es gebündelt in Firmen vor dem Börsengang. Für Scale-ups, die eine späte Finanzierungsrunde planen, entsteht damit eine neue Gruppe möglicher Investoren.
Zum Mitnehmen
- Start 2027, Details offen. Wer mitmachen darf, was es kostet und in welchen Ländern, hat Revolut noch nicht gesagt.
- Firmen bleiben länger privat. Das Medianalter beim Börsengang stieg laut Revolut von 6,9 auf 11 Jahre.
- Die Schweiz ist ein Sonderfall. Ein ausländischer Fonds braucht für Privatanleger eine FINMA-Genehmigung, Revolut hat sich zur Schweiz nicht geäussert.
Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Transparenz: Leitgrad setzt in der Redaktion unter anderem Claude von Anthropic ein.
Häufige Fragen
Was ist Revolut Ventures?
Eine geplante Plattform in der Revolut-App, über die berechtigte Kunden in private Tech-Firmen vor dem Börsengang investieren können. Aufgesetzt wird sie als europäischer ELTIF-Fonds, Fondsverwalter ist die Carne Group.
Ab wann gibt es Revolut Ventures?
Revolut plant den Start für 2027. Ein genaues Datum gibt es noch nicht.
Können Schweizer Revolut-Kunden in Revolut Ventures investieren?
Das ist offen. Revolut hat sich nicht zur Schweiz geäussert. Ausländische Fonds brauchen in der Schweiz eine FINMA-Genehmigung, bevor sie nicht qualifizierten Anlegern angeboten werden dürfen.
Was kosten Private-Markets-Fonds bei Revolut?
Für Revolut Ventures sind die Gebühren noch nicht bekannt. Bei den bestehenden Private-Markets-Fonds liegen die laufenden Kosten laut Trending Topics bei rund 2,0 bis 2,8 Prozent pro Jahr, Revolut selbst erhebt nach eigenen Angaben keine zusätzlichen Gebühren.
Quellen
- Stefan Waldvogel, finews.ch, «Revolut startet eigenen Venture-Fonds», 26. Oktober 2026 finews.ch
- Cristian Dina, The Next Web, «Revolut will let app users invest in private tech companies from 2027», 26. Oktober 2026 thenextweb.com
- Jakob Steinschaden, Trending Topics, «Auch Revolut steigt ins Geschäft mit Private Markets ein», 27. Juli 2026 trendingtopics.eu
- FINMA, «Ausländische kollektive Kapitalanlagen» finma.ch
- Fund Momentum, «Revolut Ventures Explained: Retail Access to Pre-IPO Tech», Oktober 2026 fundmomentum.vc
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Teilen
Das Morgen-Briefing
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren