Bruce-Boye · 3 min ·

Wie man das Denken lernt

Der Kopf denkt alleine. Er muss nur in die richtige Richtung gelenkt werden, mit den Fragen, die man sich selbst stellt. Ein Beispiel mit Grönland.

Wann hast du das letzte Mal tief über ein Thema nachgedacht und neue Erkenntnisse aus deinem eigenen Denken gewonnen? Nicht aus einem Artikel, nicht aus einer Antwort, die dir jemand gegeben hat. Aus deinem Kopf.

Wer sucht, übernimmt ein fremdes Ergebnis. Wer fragt, denkt selbst.

Zwei Wege, sich ein Thema anzueignen, an dem Beispiel, das im Januar in den Nachrichten war. Links das, was die meisten tun. Rechts das, was Denken ist.

Leitgrad-Grafik: Eine Suchanfrage gegen sechs eigene Fragen zum Thema Grönland.
Grafik: Leitgrad, nach dem Beispiel des Autors.

Der Kopf denkt alleine

Der Schlüssel im Denken liegt nicht im Akt des Denkens. Der Schlüssel liegt in den Fragen, die man sich selbst stellt.

Das Denken kann dein Kopf alleine. Er muss bloss in die richtige Richtung gelenkt werden. Und das macht man, indem man sich selbst die richtigen Fragen stellt.

Das ist auch der Grund, weshalb viele der besten Ideen im Dialog mit anderen Leuten entstanden sind. Nicht, weil andere Leute dich zum Denken animieren, sondern weil andere Leute dir Fragen stellen und du dadurch erst richtig ins Denken kommst.

Genauso funktioniert eine Suchmaschine, genauso funktioniert eine KI. Das Denken ist der «einfache» Teil. Die richtige Frage zu stellen, ist die Kunst. Dein Kopf ist in organischer Form das, was die Suchmaschine oder die KI in digitaler Form nachbildet.

Was man damit gewinnt

Wer lernt, die richtigen Fragen zu stellen, wird auf jeder Kommunikationsebene besser:

  • Du kannst dadurch besser denken.
  • Du kannst dadurch besser zuhören. Zuhören ist Fragen stellen und warten.
  • Du kannst dadurch Gespräche besser lenken.
  • Du kannst dadurch besser mit KI und Suchmaschinen umgehen.

Und selbst wenn du im eigenen Denkprozess nicht auf die Lösung kommst, ermöglichen Fragen eine deutlich präzisere Recherche.

Ein Beispiel: Grönland

Im Januar war die mögliche amerikanische Übernahme Grönlands in den Nachrichten. Hätte ich dich zwei Wochen zuvor gefragt, was du zu diesem Thema denkst, du hättest wahrscheinlich kaum eine Antwort gehabt.

Üblicherweise fängt man dann direkt an zu recherchieren: «Warum will Trump Grönland haben?» Damit verlagerst du den Denkprozess aber komplett auf andere.

Wenn du selbst denken wolltest, könntest du trotz mangelndem Wissen einfache Fragen stellen:

  • Hat Grönland Rohstoffe?
  • Welchen Handelsvorteil sehen die USA in Grönland?
  • Wie kam es dazu, dass Grönland zu Dänemark gehört?
  • Wie passt dieses Thema in die klassische Verhandlungstaktik von Trump?
  • Welchen militärischen Vorteil könnten die USA in Grönland sehen?
  • Welche anderen Mächte haben Interesse an Grönland?

All diese Fragen kann jeder sofort stellen, und sie benötigen kein Hintergrundwissen. Das ist der Denkprozess. Er liegt nicht in der Antwort auf diese Fragen, sondern in der Formulierung der Fragen selbst. Auch wenn du auf keine dieser Fragen eine Antwort im Kopf hast, hast du bereits über das Thema nachgedacht.

Zwei Optionen

Jetzt hast du zwei Möglichkeiten. Erstens: Du suchst Antworten auf all diese Fragen und machst dir dann komplett unabhängig dein eigenes Bild. Zweitens: Du suchst nach «Warum will Trump Grönland haben?» und prüfst, ob all deine Punkte angesprochen wurden. Falls nicht, fehlen vermutlich noch Informationen für einen guten Überblick.

Diese Methode lässt sich auf jedes beliebige Thema übertragen. Auf eine Übernahme, auf eine Abstimmung, auf die Frage, ob ein Geschäftsmodell trägt.

So funktioniert Denken.

Florian Bruce-Boye

Bruce-Boye · Die Kolumne

Florian Bruce-Boye ist Physiker, Spiegel-Bestsellerautor («Goldene Zukunft», 2024) und Gründer von Der Bitcoin Podcast. Als Co-Founder und Managing Director von Schwarzberg in Frankfurt begleitet er vermögende Privatpersonen und Unternehmen bei der eigenständigen Verwahrung ihrer Bitcoin. Bei Leitgrad schreibt er regelmässig über Denken, Musse und Souveränität, im Kopf wie im Vermögen. Zum Profil

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Florian Bruce-Boye Physiker, Spiegel-Bestsellerautor, Host von «Der Bitcoin Podcast» und Co-Founder von Schwarzberg. Kolumnist bei Leitgrad. Zum Profil

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