Bruce-Boye · 4 min ·

Disziplin: der Endgegner

Die Basics für ein besseres Leben kennt jeder. Was fehlt, ist selten ein Lifehack. Es ist die Disziplin, sie jeden Tag zu tun.

Fünf Bonbons, eines rot. Text: Vier brauchst du nicht.

In einem Videospiel ist der Endgegner die letzte Figur, die du besiegen musst, um das ganze Spiel zu gewinnen. Im echten Leben ist dein Endgegner keine äussere Kraft, sondern eine innere Herausforderung: die Disziplin.

Sie ist das, was man meistern muss, um das Spiel des Lebens zu gewinnen. Die Formel für ein gutes Leben lautet: Tu die Basics. Mit Disziplin. Jeden Tag.

Was sind die Basics?

Im Internet kursieren Hunderte Lifehacks für ein besseres Leben. Die Basics sind die Dinge, für die du kein Internet brauchst, weil du sie im Inneren ohnehin weisst. Es sind die Grundlagen, die ein besseres Leben garantieren, wenn man sie tut. Ein paar Beispiele:

  • Du willst bessere Beziehungen? Gib Liebe, und du bekommst mehr Liebe zurück.
  • Du willst eine starke Familie? Priorisiere die Familie.
  • Du willst besser kommunizieren? Rede mehr. Am besten öffentlich.
  • Du willst Inhalte im Internet erstellen? Produziere mehr, als du konsumierst.
  • Du willst deine Finanzen in den Griff bekommen? Leg dir eine Kontostruktur an.
  • Du willst zufriedener sein? Übe Dankbarkeit und Selbstverantwortung.
  • Du willst mehr Selbstbewusstsein? Mach schwierige Sachen. Oft.
  • Du willst klarer denken können? Schreib mehr.
  • Du willst mehr Sinn im Leben? Übernimm mehr Verantwortung.
  • Du willst das Vertrauen anderer gewinnen? Steh zu deinem Wort. Immer.
  • Du willst im Leben vorankommen? Tu, was nötig ist, egal wie du dich fühlst.
  • Du willst mehr emotionale Intelligenz? Stell Fragen und hör zu, bevor du sprichst.
  • Du weisst nicht, wo du anfangen sollst? Räum dein Zimmer auf.

Der beste Energydrink ist Wasser, die beste Fokusdroge sind acht Stunden Schlaf, und der beste Stimmungsaufheller ist ein Training von 45 Minuten.

Obwohl du die Basics kennst, suchst du trotzdem nach schnellen Hacks, um die nötige Disziplin zu umgehen. Würdest du die Zeit stattdessen nutzen, um die Basics mit Disziplin zu tun, bräuchtest du keine Hacks. Du würdest deinen Alltag mit Tun verbringen statt mit Suchen.

Die stillen Helfer der Disziplinlosigkeit

Auf dem Weg zu mehr Disziplin lauern im Schatten die stillen Helfer der Disziplinlosigkeit: schlechte Gewohnheiten, die uns angreifen, ohne dass wir es merken. Sie kommen leise in unser Leben, im süssen Tarnmantel, und zerstören es dann unbemerkt von innen.

Es ist der Alkohol, der wie ein falscher Freund mit Entspannung und Geselligkeit lockt, während er genau diese Fähigkeiten in dir zerstört.

Es sind die Zigaretten, die mit einer Pause vom Stress locken, während sie deine Gesundheit untergraben und dich süchtig machen.

Es sind die Drogen, die mit Euphorie locken, während sie dich in die Abhängigkeit zwingen.

Es sind die Pornos, die mit schneller Befriedigung locken, während sie dich in eine Welt der Illusion werfen und deine Beziehungen zu anderen Menschen verzerren.

Es ist Social Media, das mit Verbundenheit und Information lockt, während es dich in einen Strudel aus Vergleich und Ablenkung zieht.

Was sie versprechen. Und was drin ist.

Die stillen Helfer der Disziplinlosigkeit, aussen die Verpackung, rechts der Inhalt.

Vier eingewickelte Bonbons. Auf der Verpackung steht, womit die Gewohnheit lockt: Entspannung und Geselligkeit, Pause vom Stress, Euphorie, Verbundenheit und Information. Daneben der Inhalt: Alkohol zerstört genau das, Zigaretten bringen Sucht und Gesundheitsschäden, Drogen Abhängigkeit, Social Media Vergleich und Ablenkung.
Gegenüberstellung nach dem Text des Autors, keine Messung. Grafik: Leitgrad.

Diese Helfer des Endgegners sind Meister der Tarnung. Wie Sirenen nutzen sie unsere Sehnsüchte und Schwächen, um uns zu umgarnen, während sie uns vom Kurs abbringen und unsere Stärke untergraben.

Ironischerweise braucht es meist nicht viel Disziplin, um mit einer Gewohnheit aufzuhören. Man muss es ja bloss lassen. Nichts tun.

Fällt dir das trotzdem schwer, ist das ein Zeichen von Sucht. Dann hilft es, die Dinge nicht einfach zu lassen, sondern sie zu ersetzen. Ersetze Pornos durch Sport: Immer wenn du Pornos schauen willst, machst du 100 Liegestütze. Danach willst du sie garantiert nicht mehr schauen. Oder ersetze Social Media durch echte Begegnungen: Statt zu scrollen, rufst du einen Freund an.

Und wer merkt, dass es allein nicht geht, holt sich Hilfe, etwa über die Beratungsstellen, die Sucht Schweiz auflistet. Auch das ist Disziplin.

Disziplin ist das Einzige, was du brauchst

Zum Schluss ein paar Dinge, die oft als Voraussetzung genannt werden, aber überhaupt nicht nötig sind: eine feste Morgenroutine, der richtige Zeitpunkt, gute Laune, Motivation.

Vier Dinge brauchst du nicht. Eines schon.

Ein gelber Notizzettel mit der Überschrift «Was du brauchst». Rot durchgestrichen: eine feste Morgenroutine, den richtigen Zeitpunkt, gute Laune, Motivation. Rot eingekreist: Disziplin.
Grafik: Leitgrad, nach dem Text des Autors.

Du brauchst das alles nicht. Die Basics kanntest du schon immer. Das Einzige, was du wirklich brauchst, ist Disziplin.

Wenn du jetzt denkst: «Das Leben ist zu kurz für so viel Disziplin», dann ist meine Antwort: Das Leben ist das Längste, was du hast. Mit Disziplin nutzt du es.

Dieser Text erschien zuerst im November 2023 in Florian Bruce-Boyes Newsletter «Proaktiv Letter». Für Leitgrad leicht überarbeitet.

Florian Bruce-Boye

Bruce-Boye · Die Kolumne

Florian Bruce-Boye Physiker, Spiegel-Bestsellerautor, Host von «Der Bitcoin Podcast» und Co-Founder von Schwarzberg. Kolumnist bei Leitgrad. Zum Profil

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