Revolut will eine eigene Banklizenz. Yuh und Neon haben keine
Revolut hat bei der Finma eine Schweizer Banklizenz beantragt und 150 Millionen Franken zugesagt. Die interessantere Zahl ist, dass heute keine der drei grossen Neobanken eine eigene besitzt.

Revolut hat am Mittwoch bei der Finma eine Schweizer Banklizenz beantragt und 150 Millionen Franken über fünf Jahre zugesagt. Die Zahl, die dabei herumgereicht wird, sind 1,3 Millionen Schweizer Kunden, mehr als Yuh und Neon zusammen. Die interessantere Zahl ist eine andere: Keine dieser drei Neobanken besitzt heute eine eigene Schweizer Banklizenz.
Das Wichtigste in Kürze
Revolut teilte am 16. September mit, eine lokale Banklizenz beantragt zu haben, und will über fünf Jahre 150 Millionen Franken in den Schweizer Markt stecken. Die Firma nennt über 1,3 Millionen Schweizer und über 80 Millionen Kunden weltweit. Yuh (über 400 000 Nutzer) arbeitet unter der Bewilligung der Swissquote Bank, Neon (über 250 000) unter jener der Hypothekarbank Lenzburg. Am selben Tag startete Helvo ein Finanzbetriebssystem für KMU ab 39 Franken im Monat, ebenfalls über die Hypothekarbank Lenzburg. Eine eigene Lizenz will von den vier nur Revolut.
1,3 Millionen Kunden. Null eigene Banklizenzen.
Kundenzahlen nach Angaben der Anbieter, ohne einheitlichen Stichtag, und die Bank, unter deren Bewilligung sie heute arbeiten.

Was Revolut beantragt hat
Die Mitteilung ist auf den 16. September datiert, nicht auf den 17., wie es verschiedentlich hiess. Beantragt ist ausdrücklich eine local banking licence: keine Fintech-Bewilligung nach Artikel 1b des Bankengesetzes und keine Zweigniederlassung, sondern die vollwertige Lizenz.
Die Finma selbst hat sich dazu nicht geäussert, jedenfalls findet sich keine Mitteilung. Alles, was in der Berichterstattung als «die Finma prüft» erscheint, ist eine Formulierung der Medien, nicht ein Zitat der Behörde. Wie lange ein solches Verfahren dauert, sagt die Finma öffentlich nicht.
Was die Lizenz brächte, benennt Revolut selbst: Schweizer IBAN, Lohnkonten, eBill, Händlerzahlungen und den Zugang zur Einlagensicherung. Zwei Dinge, die in der Berichterstattung als gesetzt erscheinen, sind es nicht: Säule 3a und Twint nennt Revolut ausdrücklich als «in Prüfung», nicht als beschlossen.
Warum der Kundenvergleich hinkt
1,3 Millionen gegen 400 000 gegen 250 000: Die Zahlen stehen so bei Revolut, Yuh und Neon. Nur: Keiner der drei nennt einen Stichtag, und keiner sagt, ob es aktive Nutzer oder eröffnete Konten sind. Revolut zählt konzernweit Konten. Ob die Schweizer Zahl dasselbe misst wie die von Neon, weiss man nicht.
Der Zuwachs von 240 000 Kunden im Jahr 2025, der in der Berichterstattung auftaucht, steht nicht in Revoluts Mitteilung. Er stammt von SRF; woher SRF ihn hat, bleibt offen.
Der strukturelle Unterschied ist eindeutiger als die Kundenzahl. Yuh hat keine eigene Banklizenz; die Bankdienstleistungen laufen über die Swissquote Bank. Nebenbei: Yuh gehört nicht mehr Swissquote und PostFinance gemeinsam. Swissquote hat den Anteil der PostFinance im Juli 2025 übernommen. Neon hat ebenfalls keine eigene Lizenz; die Kundengelder liegen bei der Hypothekarbank Lenzburg.
Dieselbe Partnerbank, zwei Zielgruppen
Am selben Tag, an dem Revolut den Antrag publik machte, ging ein Schweizer Anbieter anderer Art live: Helvo, ein «Financial OS» für kleine Firmen: Geschäftskonto in Franken und Euro, Zahlungen, Rechnungen, Buchhaltung, Lohnabrechnung, ab 39 Franken im Monat, erster Monat gratis. Ziel sind 500 Schweizer Firmen bis Ende Jahr.
Gründer und Geschäftsführer ist Julien Barbotin-Larrieu. Er formuliert das Problem so: «Most small businesses don’t have a shortage of financial data. The problem is that it sits in different places.» Finanziert ist Helvo mit 6,2 Millionen Franken seit der Gründung: 4 Millionen vom Gründer selbst, 1 Million von einer nicht genannten Investmentfirma, 1,2 Millionen von Angels und Umfeld. Eine Series A1 über 6 Millionen läuft, 4,2 Millionen sind zugesagt.
Auch Helvo hat keine eigene Lizenz. Partnerbank ist die Hypothekarbank Lenzburg, dieselbe wie bei Neon. Ein Institut aus dem Aargau mit rund 200 Mitarbeitenden hält damit die Bewilligung, unter der zwei der sichtbarsten Schweizer Fintechs arbeiten.
Was daraus folgt
Für Firmenkunden ist die Frage nicht, wer die meisten Kunden hat, sondern wer im Ernstfall haftet und wessen Einlagensicherung greift. Bei Yuh, Neon und Helvo ist das die Partnerbank, bis 100 000 Franken über esisuisse. Bei Revolut heute die litauische Tochter unter EU-Recht; mit Schweizer Lizenz wäre es die Schweizer Einheit.
Und für die Partnerbanken ist der Antrag eine Ankündigung. Wer heute die Lizenz stellt, unter der andere ihre Produkte verkaufen, bekommt mit Revolut einen Wettbewerber, der diese Zwischenstufe überspringt.
Methode
Die Grafik stellt Kundenzahlen nebeneinander, die nicht dasselbe messen. Alle drei stammen von den Anbietern selbst, keiner nennt einen Stichtag, und keiner sagt, ob aktive Nutzer oder eröffnete Konten gezählt werden. Wir zeigen sie trotzdem, weil die Grössenordnung in der Debatte steht, und weisen die Einschränkung hier und in der Bildunterschrift aus. Die Lizenzangaben sind der belastbare Teil: Yuh und Neon nennen ihre Partnerbanken auf den eigenen Websites. Das Antragsdatum ist der 16. September, nicht der 17.; alle drei geprüften Quellen datieren so. Der Zuwachs von 240 000 Kunden 2025 steht nur bei SRF, nicht in Revoluts Mitteilung. Säule 3a und Twint sind von Revolut als Prüfung bezeichnet, nicht als Zusage. Die Höhe der Einlagensicherung nennt Revolut nicht; die 100 000 Franken sind der Schweizer Standard, kein Wert aus der Mitteilung. Dass Swissquote den PostFinance-Anteil an Yuh übernommen hat, steht auf Yuhs eigener Website; eine Medienmitteilung der beiden Banken dazu konnten wir nicht abrufen. Eine Stellungnahme der Finma liegt nicht vor.
Quellen
- Revolut, Mitteilung «Revolut applies for Swiss banking licence and commits CHF 150 million investment» vom 16. September 2026 revolut.com
- SRF vom 16. September 2026 zum Antrag und zum Kundenzuwachs 2025 srf.ch
- moneyland.ch, Einschätzung zur Schweizer Bankenlizenz von Revolut, 16. September 2026 moneyland.ch
- yuh.com und neon-free.ch, Angaben zu Nutzerzahlen und Partnerbanken, abgerufen am 18. September 2026 yuh.com · neon-free.ch
- startupticker.ch vom 16. September 2026 zum Start von Helvo, mit Angaben zu Preis, Zielen, Finanzierung und Partnerbank startupticker.ch
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