Futterautomat mit Chip-Erkennung für Katzen. Foto: Giraldillo / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Foto: Giraldillo / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)
Der Futterautomat filmt die Katze. Der Vertrag für die Videos gilt nach chinesischem Recht
Petlibro verkauft Futterautomaten mit KI-Kamera auch in der Schweiz. Wer verdient am Tier-Boom, wo landen die Daten und was das Tierschutzrecht verlangt.

Futterautomat mit Chip-Erkennung für Katzen. Foto: Giraldillo / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Foto: Giraldillo / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)
Kurz gesagt: Petlibro ist einer der Gewinner des Booms bei smarter Tiertechnik. Die Marke verkauft Futterautomaten mit KI-Kamera, die bis zu zehn Katzen auseinanderhalten, und ist auch in der Schweiz im Handel. Sie tritt als kalifornische Firma auf, ihr Vertrag für die Cloud-Videos läuft aber über eine Gesellschaft in Shenzhen nach chinesischem Recht. In der Schweiz leben rund 1,52 Millionen Katzen und 515 000 Hunde. Das Geld verdienen bisher andere: Nestlé mit Tierfutter, Versicherer mit einem Markt, in dem erst 2,5 Prozent der Katzen versichert sind, und ein ETH-Start-up aus Freienbach mit einer Katzenklappe, die Beute erkennt. Ein Automat ersetzt übrigens nicht, was das Tierschutzrecht verlangt: täglichen Kontakt.
Die Katze frisst um sieben. Um halb acht weiss die Besitzerin im Büro, wie viel Gramm, wie lange und ob der Kater von nebenan wieder am Napf war. Was nach Spielerei klingt, ist ein Milliardenmarkt. Und eine Datenfrage.
Was verkauft Petlibro?
Futterautomaten, Trinkbrunnen und Kameras für Haustiere. Die neue Serie Granary 2 kostet in den USA zwischen 129.99 und 249.99 Dollar. Das Modell Vision erkennt mit einer KI-Kamera bis zu zehn Katzen und protokolliert, wer wie viel frisst, berichtet Techcrunch. Für Gesundheitsauswertungen und Videoaufnahmen verkauft Petlibro Abos ab 59.99 und 119.99 Dollar im Jahr. In der Schweiz führt etwa Media Markt einen einfachen Petlibro-Automaten.
Nach eigenen Angaben hat Petlibro über drei Millionen Futterautomaten und Trinkbrunnen verkauft und hält bei smarten Futterautomaten auf Amazon über 35 Prozent Marktanteil, so eine Mitteilung der Firma von 2025. Der US-Markt für smarte Futterautomaten soll bis 2030 auf 940 Millionen Dollar wachsen, schätzt das Marktforschungsinstitut Grand View Research.
Wo landen die Videos aus der Küche?
Bei einer Firma in Shenzhen, zumindest vertraglich. Petlibro nennt sich in seinen Mitteilungen Petlibro, Inc. aus San Jose, Kalifornien. Wer aber den Cloud-Speicher für Videos bucht, schliesst den Vertrag mit der Shenzhen Libro Technology Co., Ltd. ab, und es gilt das Recht der Volksrepublik China, steht im Servicevertrag. Wo die Daten physisch gespeichert sind, nennt Petlibro dort nicht.
Für Schweizer Kunden ist das mehr als ein Detail. China steht nicht auf der Liste der Staaten, deren Datenschutz der Bundesrat als angemessen anerkennt, zeigt die Übersicht des Bundesamts für Justiz. Und wer eine Kamera in der Wohnung laufen lässt, filmt nicht nur die Katze. Wer Menschen erkennbar aufnimmt, bearbeitet Personendaten, schreibt der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte. Die Tiersitterin oder die Reinigungskraft müssen davon wissen.
Wer verdient am Schweizer Tier-Boom?
In der Schweiz leben rund 1,52 Millionen Katzen und 515 000 Hunde, zusammen mit Kleintieren und Vögeln mehr als drei Millionen Heimtiere. 39 Prozent der Haushalte halten ein Tier, zeigt die Erhebung 2025 des Verbands für Heimtiernahrung.
Der grösste Gewinner sitzt in Vevey. Nestlé setzte 2025 mit Tiernahrung 18,4 Milliarden Franken um, rund ein Fünftel des Konzernumsatzes, so der Jahresabschluss. Die Fachhandelskette Fressnapf wuchs in der Schweiz 2025 um gut 4 Prozent auf 141 Millionen Franken Umsatz, meldet Fressnapf.
Der grösste offene Markt liegt bei den Versicherungen. Nur 17 Prozent der Hunde und 2,5 Prozent der Katzen in der Schweiz sind versichert, in Schweden 91 und 56 Prozent, sagte der Chef des Tierversicherers Epona im Interview mit Swissquote.

Das Zürcher Start-up Calingo versichert inzwischen über 12 000 Hunde und Katzen. Seit Dezember 2025 bietet die Allianz Suisse gemeinsam mit Calingo eine Tierversicherung an, berichten Conda und die Allianz Suisse.
Gibt es eine Schweizer Antwort auf Petlibro?
Im Kleinen. Die Zwillinge Denis und Oliver Widler aus Freienbach haben an der ETH eine Katzenklappe mit KI entwickelt. Sie erkennt, ob die Katze eine Maus oder einen Vogel im Maul trägt, und bleibt dann zu. Die Bilderkennung läuft im Gerät selbst, damit die Daten im Haus bleiben, berichtete die Südostschweiz. Flappie sammelte Ende 2025 per Crowdinvesting rund 685 000 Franken von 154 Investoren und meldete Vorbestellungen über eine Million Franken, so Startupticker.
Darf man die Katze mit einem Automaten allein lassen?
Nicht beliebig lange. Futter und Wasser kann ein Automat liefern, Artikel 4 der Tierschutzverordnung verlangt nur, dass Tiere «regelmässig und ausreichend» versorgt sind. Artikel 80 verlangt aber auch: «Einzeln gehaltene Katzen müssen täglich Umgang mit Menschen oder Sichtkontakt mit Artgenossen haben.» Für Hunde gilt täglicher Kontakt mit Menschen nach Artikel 70. Eine Kamera ersetzt diesen Kontakt nicht.
Unsere Einschätzung: Die Tiertechnik verkauft dasselbe wie das Babyfon, ein gutes Gewissen aus der Ferne. Das Geschäft dahinter sind Abos und Daten. Wer solche Geräte verkauft oder in einer Firma einsetzt, etwa im Tierheim oder in der Tierarztpraxis, sollte die Verträge lesen, bevor die erste Kamera läuft. Warum Nestlé am alternden Hund verdient, steht in unserer Geschichte zu Purina. Ob es bald ein Medikament für ein längeres Hundeleben gibt, lesen Sie hier. Und warum Daten nicht in jedes Land fliessen dürfen, beschreibt unser Beitrag zu KI-Agenten aus den USA.
Häufige Fragen
Ist Petlibro eine chinesische Firma?
Petlibro tritt als Petlibro, Inc. aus San Jose auf. Der Vertrag für den Cloud-Speicher läuft aber über die Shenzhen Libro Technology Co., Ltd. und unterliegt dem Recht der Volksrepublik China.
Wie viele Katzen gibt es in der Schweiz?
Rund 1,52 Millionen, laut der Erhebung 2025 des Verbands für Heimtiernahrung. Hunde sind es 515 000.
Wie viele Haustiere sind in der Schweiz versichert?
Laut Epona rund 17 Prozent der Hunde und 2,5 Prozent der Katzen.
Quellen
- Techcrunch, 6. Oktober 2026; Petlibro, Mitteilung vom 25. Juni 2025; Petlibro, Cloud Storage Service Agreement, 27. Juni 2023 techcrunch.com · prnewswire.com · petlibro.com
- Grand View Research, U.S. Smart Pet Feeder Market, Februar 2025 grandviewresearch.com
- Bundesamt für Justiz, Anerkennung von Staaten; EDÖB, Videoüberwachung durch Private bj.admin.ch · edoeb.admin.ch
- VHN, Heimtierpopulation 2025; Nestlé, Full-Year Results 2025; Fressnapf Schweiz, 28. April 2026 vhn.ch · nestle.com · mynewsdesk.com
- Swissquote, Interview mit Charles Perraudin, 23. Dezember 2024; Conda, Calingo, 18. Juni 2026; Allianz Suisse, 13. Januar 2026 swissquote.com · conda.ch · allianz.ch
- Südostschweiz, 29. April 2023; Startupticker, 24. November 2025 suedostschweiz.ch · startupticker.ch
- Tierschutzverordnung (TSchV), SR 455.1, Art. 4, 70, 80 fedlex.admin.ch
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