Kursaal und Grand Casino in Baden AG. Foto: Badener / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0Foto: Badener / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Lizenz)

US-Trends · 5 min ·

Die Schweiz sperrt 3567 Casino-Seiten. Ein VPN reicht, um sie zu umgehen

Krypto-Casinos wachsen weltweit um 84 Prozent. Die Schweiz baut ihre Sperrliste aus, kassiert für die AHV und räumt ein: Ganz dicht wird der Zaun nie.

Kursaal und Grand Casino in Baden

Kursaal und Grand Casino in Baden AG. Foto: Badener / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0Foto: Badener / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Lizenz)

Kurz gesagt: Krypto-Casinos sind eines der am schnellsten wachsenden Geschäfte im Netz. Laut dem Analysehaus SCCG flossen bei den beobachteten Anbietern bis etwa Mai 2026 44,7 Milliarden Dollar an Einzahlungen, 84 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Schweiz dürfen Casinospiele online nur 10 der 21 konzessionierten Spielbanken anbieten. Alle anderen Seiten lässt die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) sperren, Ende August waren es 3567 Domains, darunter stake.com. Die Sperre lässt sich mit einem VPN umgehen. Wer bei einem Offshore-Casino spielt, macht sich nicht strafbar, muss Gewinne aber voll versteuern. Bei Schweizer Online-Casinos sind sie bis 1 071 000 Franken steuerfrei.

2019 standen 39 Adressen auf der Liste. Heute sind es 3567. Die Schweiz hat einen Zaun um ihren Glücksspielmarkt gebaut, und er wird jedes Quartal länger. Die Frage ist, wie viel er noch zurückhält.

Was ist ein Krypto-Casino?

Eine Glücksspielseite, auf der man mit Bitcoin, Ether oder an den Dollar gebundenen Kryptowährungen einzahlt und spielt. Die meisten Anbieter sitzen in Curaçao oder anderen Orten mit lockerer Aufsicht. Viele verlangen keinen Ausweis, und die Auszahlungen kommen schneller als bei regulierten Casinos. Der grösste Anbieter ist Stake. Laut seinen Geschäftsbedingungen betreibt ihn die Firma Medium Rare N.V. mit einer Lizenz aus Curaçao.

Wie gross der Markt ist, weiss niemand genau. Das Analysehaus SCCG stützt sich auf die Blockchain-Daten von 23 Casinos, die der Dienst Tanzanite verfolgt: Bis etwa Mai 2026 flossen dort 44,7 Milliarden Dollar an Einzahlungen, 84 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, schreibt SCCG. Das sind Einzahlungen, nicht Umsatz. Ein grosser Teil fliesst als Gewinn an die Spieler zurück.

Wer darf in der Schweiz online Casinospiele anbieten?

Nur eine Schweizer Spielbank mit Konzession, die der Bundesrat ausdrücklich um das Online-Spiel erweitert hat. So steht es in Artikel 5 und 9 des Geldspielgesetzes, das seit 2019 gilt. Von den 21 Spielbanken haben zehn diese Erweiterung, meldet die ESBK. Krypto-Casinos sind nicht darunter. Gewinne dürfen Schweizer Spielbanken nur auf ein Zahlungskonto auf den Namen des Spielers überweisen, schreibt die Geldspielverordnung in Artikel 50 vor. Ein anonymes Wallet scheidet damit aus.

Alle anderen Angebote lässt die ESBK seit Juli 2019 sperren. Artikel 86 verpflichtet die Internetanbieter, die Seiten auf den Sperrlisten zu blockieren. stake.com steht seit dem 15. Juni 2021 auf der Liste der ESBK.

Grafik: Die Sperrliste der ESBK wuchs von 39 Domains im Juli 2019 auf 3567 im August 2026
Quelle: ESBK. Grafik: Leitgrad

Die Liste wächst immer schneller. 2025 kamen 580 Domains dazu, fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr, meldete das Justizdepartement im Juni. Die ESBK führte im selben Jahr 28 Hausdurchsuchungen durch und hatte Ende Jahr 209 Strafuntersuchungen offen.

Wirken die Netzsperren?

Nur teilweise, und das sagt der Bundesrat selbst. «Schon bei der Ausarbeitung der Botschaft zum Geldspielgesetz war klar, dass eine hundertprozentige Wirksamkeit nicht gewährleistet werden kann», antwortete er im März 2026 auf eine Frage aus dem Nationalrat. Die Sperre ist eine DNS-Sperre. Wer ein VPN oder einen anderen DNS-Server nutzt, kommt trotzdem auf die Seite. «Das Erstellen einer illegalen Online-Casinoseite ist wesentlich einfacher, als diese sperren zu lassen», sagte Thomas Fritschi von der ESBK zu SRF.

Wie gross der Schwarzmarkt ist, ist umstritten. Eine Studie von KPMG im Auftrag des Casino-Verbands schätzt den Anteil illegaler Online-Casinos auf rund 40 Prozent, eine Gegenstudie im Auftrag der kantonalen Fachdirektoren auf 15,6 Prozent. Der Bundesrat schrieb, die KPMG-Studie könne den illegalen Markt «nur bedingt zuverlässig darstellen», so seine Stellungnahme vom Februar 2025.

Was verdient die Schweiz an ihrem Zaun?

Die AHV. Die Schweizer Spielbanken erzielten 2025 einen Bruttospielertrag von 878 Millionen Franken, online 313,6 Millionen. An die AHV und IV flossen 353 Millionen Franken Spielbankenabgabe. Jeder Franken, der in ein Krypto-Casino in Curaçao geht, fehlt in dieser Rechnung. Der Casino-Verband beziffert den Ausfall für die AHV auf rund 75 Millionen Franken im Jahr, gestützt auf die umstrittene KPMG-Studie.

Für die Spieler ist die Rechnung einfach, aber vielen unbekannt. Strafbar macht sich nur, wer ohne Konzession anbietet, nicht wer spielt. Die ESBK warnt aber, man spiele dort «auf eigene Gefahr»: kein Spielerschutz, keine Garantie auf Auszahlung. Und Gewinne aus nicht bewilligten Spielen sind voll steuerpflichtig, während Gewinne bei Schweizer Online-Casinos bis 1 071 000 Franken steuerfrei bleiben. So steht es im Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, Artikel 24.

Was geht das ein KMU an?

Mehr, als man denkt. Werbung für in der Schweiz nicht bewilligte Geldspiele ist verboten, Artikel 74 des Geldspielgesetzes. Wer es vorsätzlich trotzdem tut, riskiert eine Busse bis 500 000 Franken. Das trifft nicht nur Casinos. Die Kanzlei Steiger Legal berichtet von Strafverfahren gegen Websitebetreiber, die gekaufte Links oder bezahlte Artikel für Offshore-Casinos veröffentlicht hatten. Solche Anfragen kommen oft als harmlose SEO-Kooperation daher.

Der zweite Punkt betrifft die Belegschaft. 4,3 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren spielen risikoreich oder pathologisch, rund 296 900 Menschen, zeigt eine Studie im Auftrag von ESBK und Gespa mit Daten von 2022. Bei Spielern internationaler Online-Anbieter war der Anteil weit höher, die Zahl der Befragten allerdings klein.

Unsere Einschätzung: Die Schweiz hat den Zaun gebaut, bevor Krypto-Casinos gross wurden, und das war richtig. Aber ein Zaun aus DNS-Einträgen hält nur die Ehrlichen ab. Der Bericht des Bundesrats zur Wirkung des Geldspielgesetzes soll in der ersten Hälfte 2027 kommen. Er wird zeigen, ob die Schweiz beim Sperren bleibt oder das legale Angebot attraktiver macht. Warum Prognosemärkte und andere US-Ideen am Geldspielgesetz scheitern, haben wir in diesem Beitrag beschrieben. Wie die USA beim Kryptogesetz festhängen, steht hier. Und wie Zug Gesetze für digitale Vermögenswerte schreibt, lesen Sie in diesem Stück.

Häufige Fragen

Ist Stake in der Schweiz erlaubt?

Nein. Stake hat keine Schweizer Konzession, stake.com steht seit dem 15. Juni 2021 auf der Sperrliste der ESBK.

Wie viele legale Online-Casinos gibt es in der Schweiz?

Zehn. Alle gehören zu einer der 21 konzessionierten Spielbanken (ESBK, Oktober 2026).

Wie viele Seiten sperrt die Schweiz?

Auf der Sperrliste der ESBK standen am 25. August 2026 3567 Domains. Dazu kommen die Domains auf der Liste der interkantonalen Behörde Gespa für Lotterien und Sportwetten.

Quellen

  1. SCCG Research, The Border Toll, Juli 2026 sccgmanagement.com
  2. Bundesgesetz über Geldspiele (BGS), SR 935.51, Art. 5, 9, 74, 86, 130, 131; Geldspielverordnung (VGS), Art. 50 BGS · VGS
  3. ESBK, Schweizer Casinolandschaft, 2. Oktober 2026; Entwicklung der Zugangssperren; Fragen und Antworten esbk.admin.ch · Grafik · FAQ
  4. EJPD, Tätigkeitsbericht ESBK 2025, 19. Juni 2026 ejpd.admin.ch
  5. Bundesrat, Antwort auf Frage 26.7013, 9. März 2026; Stellungnahme zu Interpellation 24.4377, 19. Februar 2025 26.7013 · 24.4377
  6. SRF, 1. Juli 2025; Steiger Legal, 3. Januar 2025 srf.ch · steigerlegal.ch
  7. Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer (DBG), SR 642.11, Art. 24 lit. i und ibis fedlex.admin.ch
  8. ISGF, Glücksspielverhalten in der Schweiz 2022, im Auftrag von ESBK und Gespa, Oktober 2024 esbk.admin.ch

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