Trinkwasserbrunnen am Russenweg in Zürich. Foto: Onbike / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Foto: Onbike / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)
PFAS im Schweizer Trinkwasser: Grenzwerte, Messwerte und ob ein Wasserfilter nötig ist
Welche PFAS-Grenzwerte in der Schweiz gelten, was die Kantonschemiker gemessen haben, wann der EU-Wert kommt und ob ein Wasserfilter etwas bringt.

Trinkwasserbrunnen am Russenweg in Zürich. Foto: Onbike / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Foto: Onbike / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)
Kurz gesagt: In der Schweiz gelten für PFAS im Trinkwasser drei Höchstwerte: 0,3 Mikrogramm pro Liter für PFOS und PFHxS, 0,5 Mikrogramm für PFOA. Die EU begrenzt die Summe von 20 PFAS auf 0,1 Mikrogramm. Bei einer Messkampagne der Kantonschemiker 2023 waren in 54 Prozent von 564 Proben keine PFAS nachweisbar. Keine Probe überschritt die Schweizer Werte, fünf den EU-Wert. Wann die Schweiz nachzieht, ist offen. Einen Wasserfilter braucht es in den meisten Gemeinden nicht. Wer es genau wissen will, fragt den Wasserversorger: Er muss mindestens einmal im Jahr über die Qualität informieren.
In den USA verkaufen Start-ups Wasserfilter für 449 Dollar, weil fast die Hälfte des Hahnenwassers PFAS enthält. Die Geschichte dazu steht in unserem Beitrag zum Geschäft mit dem Wasserfilter. Hier die wichtigsten Antworten für die Schweiz.
Was sind PFAS?
PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, eine Gruppe von mehr als 15 000 künstlichen Stoffen. Sie weisen Wasser, Fett und Schmutz ab und stecken etwa in Löschschaum, Outdoor-Kleidung, beschichteten Pfannen und Verpackungen. In der Umwelt bauen sie sich kaum ab, deshalb heissen sie Ewigkeitschemikalien. Ins Grundwasser gelangen sie vor allem dort, wo sie früher eingesetzt wurden, etwa auf Übungsplätzen der Feuerwehr.
Welche PFAS-Grenzwerte gelten in der Schweiz?
| Stoff | Schweiz (TBDV) | EU (Trinkwasserrichtlinie) |
|---|---|---|
| PFOS | 0,3 µg/l | Summe von 20 PFAS: 0,1 µg/l, seit 12. Januar 2026 überwacht |
| PFHxS | 0,3 µg/l | |
| PFOA | 0,5 µg/l | |
| PFOS, PFOA, PFHxS und PFNA zusammen | kein Wert | 0,02 µg/l ab 2028 |
Die Schweizer Werte stehen in Anhang 2 der Trinkwasserverordnung TBDV. Die Angaben zur EU stammen aus einer Übersicht von Infosperber.
Wie viel PFAS ist im Schweizer Trinkwasser?
Wenig, aber nicht nichts. Der Verband der Kantonschemiker hat 2023 schweizweit 564 Proben untersucht. In 306 Proben, also 54 Prozent, fanden sich keine PFAS. Keine Probe lag über den Schweizer Höchstwerten. Fünf Proben, 0,9 Prozent, lagen über dem EU-Wert, so die Kantonschemiker. Das Abbauprodukt Trifluoracetat (TFA), das ebenfalls zu den PFAS zählt, fand sich laut BLV in 99 Prozent der Proben.

Im Grundwasser, aus dem mehr als 80 Prozent des Trinkwassers stammen, fand das Bundesamt für Umwelt PFAS an knapp der Hälfte von rund 550 Messstellen. In Siedlungsgebieten waren es mehr als 90 Prozent der Stellen, über 0,1 Mikrogramm pro Liter lagen rund 2 Prozent, zeigt die Grundwasserbeobachtung NAQUA mit Daten von 2021.
Wann übernimmt die Schweiz den EU-Grenzwert?
Das ist offen. Das BLV wollte den Wert von 0,1 Mikrogramm für 20 PFAS auf den 1. Januar 2026 einführen. Im Dezember 2025 bestätigte es gegenüber SRF, dass die Werte vorerst nicht angepasst werden. Grund ist eine Motion aus dem Ständerat, die eigene Schweizer Grenzwerte und Hilfe für belastete Landwirtschaftsbetriebe verlangt. Laut SRF könnte am Ende auch ein strengerer Wert als jener der EU stehen.
Braucht man in der Schweiz einen Wasserfilter?
In den allermeisten Gemeinden nicht. Die Schweizer Höchstwerte wurden 2023 in keiner Probe überschritten, und laut dem Branchenverband SVGW halten die meisten Versorger auch den EU-Wert schon ein. Filterkannen können zudem selbst zum Problem werden: Die deutsche Stiftung Warentest fand nach einer simulierten Ferienpause in allen getesteten Kannen Bakterien, schreibt sie in ihrem Test. Wer in der Nähe einer bekannten Belastung wohnt, fragt beim Versorger nach den Messwerten.
Wo finde ich die Wasserqualität meiner Gemeinde?
Beim Wasserversorger. Wer Trinkwasser abgibt, muss die Abnehmer laut Artikel 5 der TBDV «mindestens einmal jährlich umfassend über die Qualität des Trinkwassers» informieren. Viele Gemeinden veröffentlichen die Werte auf ihrer Website. Für Firmen mit eigener Hausinstallation gilt die Pflicht nicht, für ihren Versorger schon.
Wie die Schweizer Ernährung organisiert ist und wer sie kontrolliert, zeigt unsere Machtkarte. Welchen Einfluss die Landwirtschaft im Ständerat hat, steht in diesem Beitrag.
Häufige Fragen
Ist Schweizer Hahnenwasser trinkbar?
Ja. Bei der schweizweiten Messkampagne 2023 überschritt keine von 564 Proben die geltenden PFAS-Höchstwerte. Trinkwasser muss nach Artikel 3 TBDV so beschaffen sein, dass es keine Gesundheitsgefährdung darstellt.
Was kostet ein Liter Hahnenwasser in der Schweiz?
Je nach Gemeinde einen Bruchteil eines Rappens. Der Bezirk Küssnacht am Rigi nennt 0,11 Rappen pro Liter.
Was ist TFA?
Trifluoracetat, ein sehr kleines und sehr beständiges Abbauprodukt, das zu den PFAS gehört. Das BLV fand es in 99 Prozent der Trinkwasserproben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit prüft derzeit das Risiko.
Entfernt ein Aktivkohlefilter PFAS?
Aktivkohle kann PFAS binden, die Wirkung hängt aber vom Filter und vom Wechselrhythmus ab. Wasserversorger setzen Aktivkohle bei belasteten Fassungen ein, laut SVGW ist das teuer und energieintensiv.
Quellen
- Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV), SR 817.022.11, Art. 3, Art. 5, Anhang 2 fedlex.admin.ch
- Verband der Kantonschemiker der Schweiz, PFAS in Trinkwasser, 12. Oktober 2023; BLV, PFAS kantonschemiker.ch · blv.admin.ch
- Bundesamt für Umwelt, PFAS im Grundwasser, 27. Oktober 2025 bafu.admin.ch
- SRF, 12. Dezember 2025; Aqua & Gas, 15. Dezember 2025; Infosperber, 8. Februar 2026 srf.ch · aquaetgas.ch · infosperber.ch
- Stiftung Warentest, Wasserfilter im Test, 22. Juni 2022; Bezirk Küssnacht, Umwelttipp Trinkwasser, September 2025 test.de · kuessnacht.ch
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