Challenger · 2 min ·

Roboter könnten 74 Prozent der Handarbeit. Rentabel sind 0,3 Prozent

Ein neuer Index von Anthropic trennt, was Roboter technisch können und was sich rechnet. Die Lücke erklärt, warum die Schweiz Roboter baut, aber wenige einsetzt.

Können ja, lohnen nein. Technisch machbar sind 74 Prozent der körperlichen Aufgaben und 34 Prozent der Arbeitsstunden in den USA, wirtschaftlich lohnen sich heute 0,3 Prozent der Aufgaben.
Aktualisiert am 5. Oktober 2026

Kurz gesagt: Roboter könnten technisch 74 Prozent der körperlichen Aufgaben in der US-Wirtschaft übernehmen. Wirtschaftlich lohnt sich das heute aber nur bei 0,3 Prozent aller Aufgaben. Das zeigt ein neuer Index von Anthropic. Sinken die Kosten wie bisher um 3 Prozent im Jahr, dauert es 40 Jahre, bis Roboter 10 Prozent der Arbeit günstiger erledigen als Menschen. Für die Schweiz erklärt diese Kostenschwelle mehr als jede Technikskepsis.

Nachtrag vom 5. Oktober 2026: Die Schweiz kann Robotik

Neue Zahlen bestätigen die Stärke der Schweizer Robotik. Raiffeisen zählt in ihrem Wirtschaftsmonitor mindestens 217 Firmen im Robotik-Ökosystem, davon 109 Kernfirmen. Fast die Hälfte der Kernfirmen ist seit 2020 entstanden, 61 sind Spin-offs von Hochschulen, 31 davon von der ETH und 16 von der EPFL. Pro Million Einwohner wurden seit 2020 3,8 Robotik-Startups mit Risikokapital finanziert, deutlich mehr als in den USA, Grossbritannien oder Deutschland. Die Arbeitsplätze liegen aber noch bei den Grösseren: Startups beschäftigen rund 300 Vollzeitstellen, Scale-ups rund 2000. Mit Zulieferern und Integratoren kommt die Branche auf rund 7000 Vollzeitstellen. Mehr dazu im Dossier Robotik.

Was können Roboter, und was rechnet sich? Diese zwei Fragen trennt ein neuer Bericht des KI-Unternehmens Anthropic. Sein Robot Exposure Index bewertet die Aufgaben von rund 900 Berufen aus der US-Datenbank O*NET. Das Ergebnis: Technisch könnten Roboter 74 Prozent der körperlichen Aufgaben erledigen. Das entspricht 34 Prozent aller Arbeitsstunden in den USA.

Wirtschaftlich sieht es anders aus. Günstiger als ein Mensch ist der Roboter heute nur bei 0,3 Prozent der Aufgaben. Fallen die Preise wie bisher um 3 Prozent pro Jahr, dauert es 40 Jahre, bis es 10 Prozent sind. Die grössten Hürden sind die Kosten und das Greifen, also die Fingerfertigkeit.

Können ja, lohnen nein. Technisch machbar sind 74 Prozent der körperlichen Aufgaben und 34 Prozent der Arbeitsstunden in den USA, wirtschaftlich lohnen sich heute 0,3 Prozent der Aufgaben.
Quelle: Anthropic, Robot Exposure Index. Grafik: Leitgrad

Die Grafik zeigt die Lücke zwischen Können und Lohnen. Der lange Balken steht für das, was Roboter technisch schaffen. Der winzige Strich daneben für das, was sich heute rechnet.

Für die Schweiz ist das ein Schlüssel. Hier arbeiten 294 Industrieroboter pro 10 000 Beschäftigte, das reicht nur für Rang 10. Gleichzeitig bauen 109 Schweizer Firmen selbst Roboter (SRF). Die Firmen trauen der Technik also. Der Einsatz scheitert an der Rechnung.

Die Rechnung von Anthropic beruht auf amerikanischen Kosten. Wo Arbeit teurer ist, kippt sie früher zugunsten des Roboters. Das ist unsere Einschätzung, keine Zahl aus der Studie. Wie schnell Technik billiger werden kann, zeigt die KI selbst: Sie wird jedes Jahr 13-mal billiger. Bei Robotern sind es bisher 3 Prozent.

Wer in der Schweiz Roboter baut, steht im Zürcher Robotik-Cluster. Alle Zahlen sammelt das Dossier Robotik.

Häufige Fragen

Wie viel Arbeit können Roboter übernehmen?

Technisch 74 Prozent der körperlichen Aufgaben in der US-Wirtschaft, laut dem Robot Exposure Index von Anthropic. Wirtschaftlich lohnt es sich heute nur bei 0,3 Prozent der Aufgaben.

Wie viele Roboter arbeiten in der Schweizer Industrie?

294 Industrieroboter pro 10 000 Beschäftigte in der Industrie, Rang 10 weltweit (IFR, Daten 2024).

Mehr zu diesen Themen

Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren

Teilen

Korrekturen und Ergänzungen: Wir arbeiten mit öffentlichen Quellen und Unternehmensangaben. Wer einen Fehler findet oder eine Zahl aktualisieren kann, schreibt an redaktion@leitgrad.ch. Korrekturen kennzeichnen wir im Artikel. Unsere Regeln: Redaktionsstatut.

Weiterlesen

Das Morgen-Briefing

Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren