Ein IBM Quantum System Two bei der Forschungsstiftung Ikerbasque im Baskenland, Oktober 2025. Ein solches System soll auch am CSCS in Lugano stehen. Foto: Irekia / Baskische Regierung / Wikimedia Commons, CC BY 4.0, zugeschnitten
Der frühere CSCS-Chef baut in Steckborn die Brücke zum Quantencomputer
Qambria aus dem Thurgau holt 2 Millionen Franken und 850 000 Franken von Innosuisse. Gründer Dominik Ulmer baut die Steuerschicht, die Quantenchips in Supercomputer einbindet, und verkauft sie als Lizenz.

Ein IBM Quantum System Two bei der Forschungsstiftung Ikerbasque im Baskenland, Oktober 2025. Ein solches System soll auch am CSCS in Lugano stehen. Foto: Irekia / Baskische Regierung / Wikimedia Commons, CC BY 4.0, zugeschnitten
Dominik Ulmer hat jahrelang den stärksten Rechner der Schweiz verantwortet. Er war General Manager des Nationalen Hochleistungsrechenzentrums CSCS in Lugano, davor arbeitete er für die Supercomputer-Hersteller Cray und HPE. 2025 gründete er in Steckborn am Untersee eine eigene Firma. Sie heisst Qambria und will ein Problem lösen, das in Lugano bald ganz praktisch wird.
Am CSCS soll der erste Quantencomputer von IBM in der Schweiz stehen, ein IBM Quantum System Two. Das haben IBM, Lockheed Martin und die ETH Zürich am 10. September angekündigt, finanziert über ein Gegengeschäft mit dem Rüstungsamt Armasuisse. Ein Quantenrechner neben einem Supercomputer ist aber noch kein System. Dazwischen fehlt ein Stück, und genau das will Qambria bauen.
Das Wichtigste in Kürze
Qambria aus Steckborn TG hat eine Pre-Seed-Runde über 2 Millionen Franken abgeschlossen. Angeführt hat sie Syntropy, dabei sind Qbeat Ventures, Kensho VC, BC Growth Equity und QAI Ventures. Dazu kommt ein Beitrag von Innosuisse über 850 000 Franken. Die Firma entwickelt die klassische Steuerschicht, die einen Quantenprozessor als Beschleuniger in einen normalen Hochleistungsrechner einbindet, unabhängig vom Hersteller. Sie baut keine Hardware, sondern verkauft Lizenzen. Gründer ist der frühere CSCS-Chef Dominik Ulmer.
Die Idee dahinter ist nüchtern. Quantencomputer werden herkömmliche Rechner nicht ersetzen, sondern ergänzen, wie heute Grafikchips bei der KI. Damit das klappt, muss jemand den Quantenprozessor mit Aufgaben versorgen, ihm Daten zuführen und seine Fehler in Echtzeit korrigieren. Heute werde das laut Startupticker mit Allzweckteilen improvisiert, die Verzögerung, Kosten und Komplexität bringen.
Zwischen Supercomputer und Quantenchip sitzt ein Engpass.
Wie ein Quantenprozessor in einen Hochleistungsrechner eingebunden wird, und an welcher Stelle Qambria ansetzt.

Die Grafik zeigt, warum Qambria keinen eigenen Quantenchip braucht. Die Firma setzt dort an, wo sich zwei Welten treffen. Oben rechnet der Supercomputer, unten arbeitet ein Quantenprozessor, ob mit supraleitenden Schaltungen, Ionen oder Atomen. Dazwischen muss in weniger als einer Mikrosekunde entschieden werden, wie ein Fehler zu korrigieren ist. Das nennt der Quantum Computing Report als Kern der Technik.
Das Geschäftsmodell passt dazu. Qambria verkauft Lizenzen an Hersteller und Rechenzentren. «Ein kapitaleffizienter Weg», schreibt der Lead-Investor Syntropy. Für ein Startup mit 2 Millionen Franken Startkapital ist das die realistische Wahl, denn eigene Hardware bindet Kapital über Jahre.
Für Schweizer Unternehmer ist der Fall ein Muster. Die grossen Plattformen kommen aus den USA, von IBM, Google oder Nvidia. Die Schweiz gewinnt dort, wo sie die Nahtstellen besetzt: bei Präzisionsteilen, Kühlung oder Steuerung. Wie die Lausanner Firma Corintis dasselbe bei der Chipkühlung versucht, haben wir beschrieben.
Der Bund zahlt, die Hardware boomt
Qambria startet in einem günstigen Moment. Mit der Swiss Quantum Initiative stellt der Bund für 2025 bis 2028 bis zu 82,1 Millionen Franken bereit, verteilt auf Nationalfonds, Innosuisse und Akademien. Im ersten Halbjahr 2026 flossen laut dem Swiss Venture Capital Report 324 Millionen Franken in Schweizer Hardware-Startups, so viel wie nie in einem Halbjahr.
Die Schweiz hat im Quantengeschäft aber auch schon verkauft. Die Genfer ID Quantique, ein Pionier der Quantenverschlüsselung, gehört seit Mai 2025 mehrheitlich dem US-Konzern IonQ. Warum Schweizer Wachstumsfirmen ihr Kapital oft im Ausland holen müssen, zeigt unsere Analyse zum Wachstumskapital.
Dass Quantenrechner nicht nur Chancen bringen, zeigt die Finanzbranche. Sie muss ihre Verschlüsselung umstellen, bevor die Maschinen stark genug sind, sie zu knacken. Wie Banken und Finma damit umgehen, steht in unserem Text zur Post-Quanten-Kryptografie. Und warum die Schweiz bei der Rechenleistung ohnehin knapp dran ist, zeigt der Beitrag über den einzigen KI-Supercomputer des Landes, der ebenfalls in Lugano steht.
Methode
Die Angaben zur Finanzierungsrunde stammen aus der Mitteilung der Firma, wiedergegeben von Startupticker. Der Quantum Computing Report nennt 2,4 Millionen Dollar, das entspricht den 2 Millionen Franken. Er gibt Zürich als Sitz an und nennt Jens Krüger als Mitgründer und Technikchef; Startupticker nennt Steckborn TG. Ein Zitat von Dominik Ulmer liegt öffentlich nicht vor.
Quellen
- Startupticker, «CHF2 million to integrate quantum processors in high-performance computers», 25. September 2026 startupticker.ch
- Quantum Computing Report, 25. September 2026 quantumcomputingreport.com
- IBM, Swiss Quantum Innovation Hub at ETH Zurich, 10. September 2026 newsroom.ibm.com
- SBFI, Swiss Quantum Initiative sbfi.admin.ch
- Startupticker, Swiss Venture Capital Report H1 2026, 14. Juli 2026 startupticker.ch
- IonQ, Abschluss der Übernahme von ID Quantique, 6. Mai 2025 ionq.com
Mehr zu diesen Themen
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Teilen
Weiterlesen
Das Morgen-Briefing
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren



