Ölpalmen bis zum Horizont: Plantage und Ölmühle Baturong des Konzerns IOI in Sabah, Malaysia. Foto: CEphoto, Uwe Aranas / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Macht · 4 min ·

Palmöl-Referendum: Der Malaysia-Deal kommt vors Volk. Gestritten wird um ein Prozent des Handels

85 000 Unterschriften gegen das Freihandelsabkommen mit Malaysia. Für 99,9 Prozent der Schweizer Industrieexporte fielen die Zölle. Palmöl macht weniger als ein Prozent der Importe aus.

Ölpalmenplantage und Ölmühle Baturong des Konzerns IOI im malaysischen Bundesstaat Sabah

Ölpalmen bis zum Horizont: Plantage und Ölmühle Baturong des Konzerns IOI in Sabah, Malaysia. Foto: CEphoto, Uwe Aranas / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Kurz gesagt: Gegen das Freihandelsabkommen der Efta mit Malaysia sind 85 000 Unterschriften eingereicht worden, nötig sind 50 000. Bestätigt die Bundeskanzlei das Referendum, stimmt die Schweiz voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 ab. Das Abkommen streicht die Zölle für 99,9 Prozent der Schweizer Industrieexporte nach Malaysia. Gestritten wird über Palmöl, das weniger als ein Prozent der Importe aus Malaysia ausmacht. Das ähnliche Abkommen mit Indonesien kam 2021 mit 51,6 Prozent Ja durch.

Zum zweiten Mal in fünf Jahren kommt ein Handelsvertrag vors Volk, und zum zweiten Mal geht es um Palmöl. Am Montag hat eine Allianz aus SP, Grünen sowie Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen 85 000 Unterschriften gegen das Freihandelsabkommen mit Malaysia eingereicht, berichtet SRF. Nötig sind 50 000 gültige. Die Frist läuft am 8. Oktober ab.

Worüber stimmt die Schweiz ab?

Über das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen der Efta mit Malaysia. Zur Efta gehören neben der Schweiz Norwegen, Island und Liechtenstein. Verhandelt wurde seit 2012. Unterschrieben hat Bundesrat Guy Parmelin am 23. Juni 2025 im norwegischen Tromsø, jener Wirtschaftsminister, dessen Rücktritt wir gestern gemeldet haben. Der Ständerat stimmte mit 32 zu 6 Stimmen zu, der Nationalrat mit 116 zu 59, zeigt die Übersicht von Economiesuisse.

Die Gegner stören sich an den tieferen Zöllen für Palmöl. Der Anbau treibe die Rodung von Regenwald voran, vertreibe Menschen von ihrem Land und verletze Arbeitsrechte, argumentiert die Allianz. Malaysia ist nach Indonesien der zweitgrösste Palmölproduzent der Welt.

Was bringt das Abkommen Schweizer Firmen?

Malaysia streicht die Zölle für 99,9 Prozent der heutigen Schweizer Industrieexporte, sofort oder nach fünf bis zehn Jahren. Am meisten gewinnen Maschinen, Chemie, Pharma, Uhren, Edelmetalle und Präzisionsinstrumente. Rund 170 Schweizer Firmen sind in Malaysia tätig, ihre Töchter beschäftigen dort über 27 000 Menschen. Das Land zählt gut 34 Millionen Einwohner.

Wichtiger als die Zölle ist der Rückstand. Malaysia hat längst Abkommen mit China, Japan, Indien, der Türkei und den übrigen Asean-Staaten. Deren Firmen liefern heute günstiger als Schweizer Konkurrenten. Die EU verhandelt noch. Solange Brüssel nicht abschliesst, hätte die Schweiz einen Vorsprung vor Anbietern aus Deutschland und Italien.

Warenhandel Schweiz und Malaysia 2025: Exporte 834 Millionen, Importe 583 Millionen, davon Palmöl unter 6 Millionen Franken
Quelle: Economiesuisse, Warenhandel 2025 ohne Gold. Grafik: Leitgrad

Die Grafik zeigt das Missverhältnis. 2025 lieferte die Schweiz Waren für 834 Millionen Franken nach Malaysia, Gold und andere Edelmetalle nicht eingerechnet. In die Gegenrichtung flossen 583 Millionen, vor allem Maschinen und Elektronik. Palmöl macht davon wertmässig weniger als ein Prozent aus, also weniger als sechs Millionen Franken.

Auch die Zugeständnisse sind klein. Die Schweiz öffnet ihren Markt für Palmöl nicht. Sie gewährt fünf Kontingente von zusammen 10 000 Tonnen, die in fünf Jahren auf 12 500 Tonnen wachsen. Innerhalb dieser Mengen sinkt der Zoll um 20 bis 40 Prozent. Ganz weg fällt er nie. Begünstigt wird nur Palmöl, das nachweislich nachhaltig produziert wurde und sich bis zur Plantage zurückverfolgen lässt. Dafür muss es in Tanks zu 22 Tonnen geliefert werden. Den malaysischen Standard MSPO anerkennt die Schweiz nicht automatisch.

Für Indonesien gelten dieselben Kontingente. Seit jenes Abkommen Ende 2021 in Kraft trat, blieben die Palmölimporte von dort tief, schreibt Economiesuisse, die das Malaysia-Abkommen unterstützt. Schweizer Rapsöl hat Palmöl in den letzten 15 Jahren ohnehin zurückgedrängt.

Wie knapp könnte es werden?

Sehr knapp. Am 7. März 2021 nahm das Volk das Abkommen mit Indonesien mit 51,65 Prozent Ja an, zeigt Swissvotes. Auch damals drehte sich der Abstimmungskampf fast nur um Palmöl. Nur sechs Kantone sagten Nein, doch das Volksmehr hing an gut drei Prozentpunkten.

Diesmal fällt die Abstimmung in eine Zeit, in der Schweizer Exporteure spüren, was fehlender Marktzugang kostet. Seit Juli darf die Schweiz rund ein Drittel weniger Stahl zollfrei in die EU liefern, wie unser Beitrag zu Swiss Steel zeigt. Gleichzeitig ringt das Parlament um das Mercosur-Abkommen. Damit die Bauern zustimmen, legte der Ständerat 517 Millionen Franken dazu.

Für KMU mit Asiengeschäft ist die Rechnung einfach. Wer heute nach Malaysia liefert, zahlt Zölle, die Konkurrenten aus Japan oder China nicht zahlen. Ein Ja würde diesen Nachteil beseitigen, ein Nein ihn verlängern. Alle Entwicklungen zu Zöllen und Handelsabkommen sammelt unser Dossier Schweizer Firmen und Geopolitik.

Häufige Fragen

Wann stimmt die Schweiz über das Freihandelsabkommen mit Malaysia ab?

Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027. Zuerst muss die Bundeskanzlei bestätigen, dass mindestens 50 000 gültige Unterschriften vorliegen. Eingereicht wurden 85 000.

Wird Palmöl aus Malaysia zollfrei?

Nein. Die Zölle sinken nur innerhalb von Kontingenten von 10 000 bis 12 500 Tonnen, und nur um 20 bis 40 Prozent. Voraussetzung sind ein Nachhaltigkeitsnachweis und die Rückverfolgbarkeit bis zum Produzenten.

Welche Branchen profitieren vom Abkommen?

Vor allem Maschinen, Chemie, Pharma, Uhren, Elektronik und Präzisionsinstrumente. Für 99,9 Prozent der Schweizer Industrieexporte fallen die malaysischen Zölle weg.

Quellen

  1. SRF, Referendum gegen Malaysia-Deal eingereicht, 5. Oktober 2026 srf.ch
  2. Economiesuisse, Freihandelsabkommen mit Malaysia, 24. September 2026 economiesuisse.ch
  3. Swissvotes, Abstimmung Nr. 640, Freihandelsabkommen mit Indonesien, 7. März 2021 swissvotes.ch

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