Guy Parmelin, hier 2017 als Verteidigungsminister. Seit 2019 führt er das Wirtschaftsdepartement. Foto: MBurch / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Parmelin geht. Erstmals könnte ein Sozialdemokrat das Wirtschaftsdepartement führen
Guy Parmelin tritt Ende 2026 zurück. Frei wird das Wirtschaftsdepartement mit Seco und 4,8 Milliarden Franken Forschungsgeld. Beat Jans könnte wechseln.

Guy Parmelin, hier 2017 als Verteidigungsminister. Seit 2019 führt er das Wirtschaftsdepartement. Foto: MBurch / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Kurz gesagt: Bundesrat Guy Parmelin tritt per 31. Dezember 2026 zurück. Die Ersatzwahl ist am 9. Dezember. Den Sitz dürfte die SVP behalten, das Wirtschaftsdepartement aber ist frei. Beat Jans könnte vom Justizdepartement ins WBF wechseln. Dann führte erstmals ein Sozialdemokrat das Wirtschaftsministerium. Wer es übernimmt, erbt sechs Ämter mit 2300 Angestellten, ein Seco ohne Direktorin und keine KI-Strategie.
«Keiner ist unersetzlich.» Mit diesem Satz hat Guy Parmelin am Freitag seinen Rücktritt angekündigt, berichtet Bluewin. Nach elf Jahren im Bundesrat geht er Ende Dezember. Die Gesundheit spiele keine Rolle. Er wolle in unsicheren Zeiten Platz für neue Kräfte machen.
Parmelin führte zuerst das Verteidigungsdepartement, seit 2019 das Wirtschaftsdepartement WBF. 2021 und 2026 war er Bundespräsident. Für die Wirtschaft ist weniger wichtig, wer seinen Sitz erbt. Wichtig ist, wer sein Departement erbt.
Wer übernimmt das Wirtschaftsdepartement?
Das entscheidet nicht das Parlament, sondern der Bundesrat selbst, nach der Wahl. Die SVP hat ihren Fahrplan schon festgelegt. Die Kantonalparteien melden bis 23. Oktober, die Fraktion nominiert am 20. November, gewählt wird am 9. Dezember. Die Partei verlangt laut ihrer Mitteilung, dass ihr Kandidat auch das Justiz- oder das Verteidigungsdepartement führen könnte.
Genau dort sitzt heute Beat Jans. Dass der Sozialdemokrat ins WBF wechselt, hält der Politologe Mark Balsiger für «sehr realistisch», sagt er gegenüber 20 Minuten. Es wäre ein Novum. Seit 1987 lag das Wirtschaftsdepartement immer bei FDP, CVP oder SVP.
| Vorsteher Wirtschaftsdepartement | Partei | Amtszeit |
|---|---|---|
| Jean-Pascal Delamuraz | FDP | 1987 bis 1998 |
| Pascal Couchepin | FDP | 1998 bis 2002 |
| Joseph Deiss | CVP | 2003 bis 2006 |
| Doris Leuthard | CVP | 2006 bis 2010 |
| Johann Schneider-Ammann | FDP | 2010 bis 2018 |
| Guy Parmelin | SVP | 2019 bis 2026 |
Für den SVP-Sitz nennt SRF unter anderen Natalie Rickli, Esther Friedli, Céline Amaudruz, Franz Grüter und Thomas Aeschi.
Was erbt die Nachfolge?
Ein grosses Haus mit offenen Baustellen. Das WBF hat sechs Ämter mit 2300 Angestellten, zählt SRF. Allein das Seco beschäftigt rund 900 Menschen. Seine Direktorin Helene Budliger Artieda geht per Ende März 2027, meldete das Seco im September. Die neue Spitze des Departements wählt also gleich auch die neue Spitze der wichtigsten Wirtschaftsbehörde.
Dazu kommt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Es verteilt rund 4,8 Milliarden Franken im Jahr, an ETH, Fachhochschulen und Forschung. Eine nationale KI-Strategie habe die Schweiz verpasst, hält SRF fest. Beim Wohnungsbau arbeitet das zuständige Bundesamt mit weniger als 50 Vollzeitstellen. Und die Zölle mit den USA bleiben ein Dauerthema.
Was hat Parmelin erreicht?
Seine Bilanz hängt an einem Sommer. Im August 2025 belegten die USA Schweizer Waren mit 39 Prozent Zoll. Im November senkte ein Abkommen den Satz auf 15 Prozent, heute gelten meist 12,5 Prozent, so die SRF-Bilanz. Dazu kommen Freihandelsabkommen mit Indien und Indonesien, ein unterzeichnetes Abkommen mit dem Mercosur und ein erneuertes mit China. In der Agrarpolitik brachte er dagegen nur eine abgespeckte Reform durch.
Wie stark die Wirtschaftspolitik derzeit an grossen Namen hängt, zeigt unsere Titelgeschichte Was, wenn die UBS geht?. Warum die befürchtete Verlagerung der Industrie wegen der Zölle bisher ausblieb, steht in diesem Beitrag. Und wie wenig die Schweiz in der KI-Politik mitredet, zeigt der KI-Gipfel in Genf.
Was bedeutet der Wechsel für KMU?
Unsere Einschätzung: Der Wirtschaftsminister verhandelt Zölle und Freihandel, er setzt den Ton in der Fachkräfte- und Arbeitsmarktpolitik, und er verteilt das Forschungsgeld. Ein Departementswechsel nach links würde andere Prioritäten setzen, etwa beim Wohnungsbau oder beim Arbeitnehmerschutz. Wer exportiert oder auf Fachkräfte angewiesen ist, sollte die Verteilung der Departemente im Dezember genauer verfolgen als die Wahl selbst.
Häufige Fragen
Wann wird Guy Parmelins Nachfolge gewählt?
Die Bundesversammlung wählt am 9. Dezember 2026. Parmelin tritt per 31. Dezember 2026 zurück. Welches Departement die neue Person übernimmt, entscheidet danach der Bundesrat.
Hat je ein SP-Bundesrat das Wirtschaftsdepartement geführt?
Nein. Ein Wechsel von Beat Jans ins WBF wäre ein Novum. Seit 1987 lag das Departement bei FDP, CVP und zuletzt bei der SVP.
Was gehört zum WBF?
Sechs Ämter mit rund 2300 Angestellten, darunter das Seco mit rund 900 Mitarbeitenden, das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation mit rund 4,8 Milliarden Franken Budget sowie die Bundesämter für Landwirtschaft und für Wohnungswesen.
Quellen
- Bluewin, Rücktritt Parmelin, 2. Oktober 2026 bluewin.ch
- SVP Schweiz, Medienmitteilung, 2. Oktober 2026 svp.ch
- SRF, Was auf die Nachfolge wartet, 3. Oktober 2026; Bilanz, 2. Oktober 2026; mögliche Kandidierende, 2. Oktober 2026 Nachfolge · Bilanz · Kandidierende
- 20 Minuten, Analyse Mark Balsiger, 2. Oktober 2026 20min.ch
- Seco, Rücktritt der Direktorin, 16. September 2026 seco.admin.ch
Mehr zu diesen Themen
- 3. Oktober 2026Vontobel, Cembra, Burckhardt: Zürich verliert im Wochentakt
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Teilen
Weiterlesen
Das Morgen-Briefing
Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren



