Serverraum eines Rechenzentrums. Foto: BalticServers.com / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

US-Trends · 4 min ·

Wer bewacht die KI? Zürich war früh dran, das grosse Geld fliesst jetzt nach Texas

Drei von zehn IT-Chefs wissen nicht, ob ihre KI schon angegriffen wurde. Daraus wird ein Milliardenmarkt. Zürich war früh dran, das grosse Geld fliesst nach Texas.

Serverraum eines Rechenzentrums

Serverraum eines Rechenzentrums. Foto: BalticServers.com / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Kurz gesagt: Firmen bauen KI in ihre Abläufe ein, aber kaum jemand prüft, was in den Modellen steckt. Daraus ist ein neuer Markt geworden: Sicherheit für KI. Das US-Start-up HiddenLayer holte im September 100 Millionen Dollar, sein Umsatz hat sich in einem Jahr mehr als verzehnfacht. Die Schweiz war früh dabei. Lakera aus Zürich gehört seit Oktober 2025 dem israelischen Konzern Check Point. Für KMU zählt eine Zahl: Nur ein Drittel hat Regeln dafür, welche Daten in die KI dürfen.

Ein Mitarbeiter lädt ein Sprachmodell aus dem Internet herunter. Er will Rechnungen schneller sortieren. Das Modell funktioniert. Es öffnet aber beim Laden auch eine Hintertür in das Firmennetz. So ein Fall ist keine Erfindung. Die Sicherheitsfirma JFrog fand auf der Plattform Hugging Face rund 100 Modelle mit schädlichem Code, darunter eines, das Angreifern direkten Zugriff auf den Rechner gab, berichtete Dark Reading.

Warum wird KI-Sicherheit gerade zum Geschäft?

Weil die Lücke wächst. Hugging Face und Protect AI haben 4,47 Millionen Modellversionen geprüft und in 51 700 Modellen verdächtige Befunde gefunden, zeigt der Bericht der Plattform. Ein Angreifer braucht auch nicht viel. Schon 250 präparierte Dokumente in den Trainingsdaten reichen, um einem Sprachmodell eine versteckte Hintertür einzubauen, egal wie gross es ist. Das fanden Anthropic, das britische AI Security Institute und das Alan Turing Institute, so die Studie.

HiddenLayer aus Austin verkauft den Schutz dagegen. Die Software durchsucht Modelle nach Schadcode, bevor eine Firma sie einsetzt, und überwacht sie danach. Im September sammelte das Start-up 100 Millionen Dollar ein, angeführt von Delta-v Capital, mit Morgan Stanley und Microsofts Fonds M12, meldet HiddenLayer. Als Nächstes will die Firma nach Europa. Das Analysehaus Dell’Oro schätzt den Markt für KI-Sicherheit bis 2030 auf 8 Milliarden Dollar, berichtet Developing Telecoms.

Grafik: Drei von zehn IT-Chefs wissen nicht, ob ihre KI schon angegriffen wurde
Quelle: HiddenLayer, AI Threat Landscape Report 2026. Grafik: Leitgrad

Die Grafik zeigt, warum Käufer zahlen. HiddenLayer hat 250 IT- und Sicherheitschefs befragt. 76 Prozent rechnen mit Schatten-KI, also mit Werkzeugen, die Mitarbeiter ohne Erlaubnis nutzen. 53 Prozent geben zu, Vorfälle nicht gemeldet zu haben. Und 31 Prozent wissen nicht, ob ihre KI schon angegriffen wurde, so der Bericht 2026. Die Zahlen stammen vom Anbieter selbst, der Schutz verkauft. Sie zeigen trotzdem, wo die Unsicherheit liegt.

Welche Rolle spielt die Schweiz?

Zürich war früher dran als Texas. Lakera wurde 2021 gegründet, von David Haber, Matthias Kraft und Mateo Rojas-Carulla. Bekannt wurde das Start-up mit einem Spiel: Bei «Gandalf» versuchen Nutzer, einem Chatbot ein Passwort zu entlocken. Hunderttausende Angriffe aus dem Spiel dienten Lakera als Trainingsmaterial. Im September 2025 kündigte Check Point die Übernahme an, Zürich wird das globale Kompetenzzentrum des Konzerns für KI-Sicherheit, schreibt Check Point. Den Preis nannte der Konzern nicht. Die israelische Zeitung Globes schätzte ihn auf rund 300 Millionen Dollar.

Unsere Einschätzung: Das ist das bekannte Schweizer Muster. Die Forschung entsteht hier, das Wachstumskapital kommt von aussen. Die Arbeitsplätze bleiben vorerst in Zürich. Die Entscheidungen fallen in Tel Aviv.

Was heisst das für Schweizer KMU?

Die meisten KMU kaufen keine KI-Sicherheitssoftware. Sie brauchen zuerst Regeln. 74 Prozent der Schweizer KMU nutzen oder testen KI, zeigt die KMU-Arbeitsmarktstudie von AXA. Nur 34 Prozent hatten 2025 festgelegt, welche Daten Mitarbeitende in KI-Werkzeuge eingeben dürfen, bei Firmen unter zehn Personen waren es 23 Prozent, meldet das KMU-Portal des Bundes. Drei Schritte reichen für den Anfang: eine Liste der erlaubten Werkzeuge, eine klare Regel für Kundendaten und eine Person, die zuständig ist.

Wie die Schweiz in der Cyberabwehr dasteht, zeigt unsere Titelgeschichte zu Cyberangriffen. Wie ein KI-Agent den Weg ins Internet fand, steht in diesem Beitrag. Welche Regeln für KI in der Schweiz und der EU gelten, sammelt das Dossier KI-Regulierung.

Häufige Fragen

Was macht HiddenLayer?

HiddenLayer aus Austin, Texas, verkauft Sicherheitssoftware für KI. Sie prüft Modelle vor dem Einsatz auf Schadcode und schützt laufende Systeme vor Angriffen wie Data Poisoning oder Prompt Injection. Im September 2026 holte die Firma 100 Millionen Dollar.

Wem gehört Lakera?

Das Zürcher Start-up Lakera gehört seit Oktober 2025 dem Sicherheitskonzern Check Point. Zürich ist dessen Kompetenzzentrum für KI-Sicherheit.

Können KI-Modelle Schadsoftware enthalten?

Ja. Manche Dateiformate führen beim Laden Code aus. Sicherheitsforscher fanden auf Hugging Face Modelle, die Angreifern Zugriff auf den Rechner gaben.

Quellen

  1. HiddenLayer, Series B, 2. September 2026; AI Threat Landscape Report 2026, 18. März 2026 Finanzierung · Bericht
  2. Dark Reading, 29. Februar 2024; Hugging Face und Protect AI, 14. April 2025 darkreading.com · huggingface.co
  3. Anthropic, A small number of samples can poison LLMs of any size, 9. Oktober 2025 anthropic.com
  4. Check Point, 16. September 2025; Globes, 16. September 2025 checkpoint.com · globes.co.il
  5. AXA, KMU-Arbeitsmarktstudie, 15. September 2026; KMU-Portal des Bundes, 5. November 2025; Dell’Oro via Developing Telecoms, 6. Mai 2026 axa.ch · kmu.admin.ch · developingtelecoms.com

Mehr zu diesen Themen

Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren

Teilen

Korrekturen und Ergänzungen: Wir arbeiten mit öffentlichen Quellen und Unternehmensangaben. Wer einen Fehler findet oder eine Zahl aktualisieren kann, schreibt an redaktion@leitgrad.ch. Korrekturen kennzeichnen wir im Artikel. Unsere Regeln: Redaktionsstatut.

Weiterlesen

Das Morgen-Briefing

Sie lesen Leitgrad öfter? Bei Google als bevorzugte Quelle markieren