Der Campus Biotech in Genf, hier der Innovationspark. Foto: Benoît Prieur / Wikimedia Commons, CC0
Neuralink trainiert Hirnimplantate wie ein Sprachmodell. Lausanne und Genf sind näher dran, als man denkt
Neuralink hat seine Decoder mit 50 000 Stunden Hirndaten vortrainiert. In der Schweiz arbeiten ONWARD und das Wyss Center an Implantaten.

Der Campus Biotech in Genf, hier der Innovationspark. Foto: Benoît Prieur / Wikimedia Commons, CC0
Kurz gesagt: Neuralink hat seine Hirnimplantate mit über 50 000 Stunden Hirndaten vortrainiert. Die Decoder blieben dadurch wochenlang ohne Neukalibrierung brauchbar, ein Teilnehmer erreichte einen Rekord bei der Cursorsteuerung. Die Schweiz spielt in dieser Liga mit: ONWARD Medical aus dem EPFL-Umfeld hat sieben Menschen ein Hirn-Rückenmark-Implantat eingesetzt, ABILITY aus Genf testet ein drahtloses Implantat bei ALS.
Wer ein Hirnimplantat von Neuralink trägt, musste bisher fast täglich nachjustieren. Rund zehn Minuten am Tag dauerte die Kalibrierung, berichtet Interesting Engineering. Jetzt will die Firma von Elon Musk das Problem mit einem Trick aus der KI gelöst haben.
Was hat Neuralink gezeigt?
Ein Basismodell für das Gehirn. Neuralink hat seine Decoder mit über 50 000 Stunden unbeschrifteter Hirndaten aus den klinischen Studien vortrainiert, schreibt die Firma in ihrem technischen Bericht vom 1. Oktober. So lernen Sprachmodelle aus Texten, bevor sie eine Aufgabe bekommen. Die Decoder blieben danach wochenlang stabil, ohne neue Kalibrierung.
Ein Teilnehmer steuerte einen Cursor mit 11,32 Bit pro Sekunde, ein Rekord. Bei einigen Teilnehmenden sank die Kalibrierzeit von rund 55 auf rund 10 Minuten pro Woche, berichtet Tesla North. Begutachtet von Fachleuten sind die Ergebnisse nicht. Neuralink veröffentlichte sie als Firmenbericht.
Implantiert hat Neuralink im Januar 21 Menschen, meldete Reuters. Investoren bewerteten die Firma im Juni 2025 mit 9 Milliarden Dollar, schreibt TechCrunch.
Wo steht die Schweiz bei Hirnimplantaten?
Erstaunlich weit vorne, nur leiser. ONWARD Medical entstand aus der Forschung von Grégoire Courtine an der EPFL und der Neurochirurgin Jocelyne Bloch am CHUV. 2023 lief ein gelähmter Mann dank zweier Hirnimplantate und eines Rückenmark-Stimulators wieder, berichtete die EPFL. Inzwischen haben sieben Studienteilnehmende das Implantat ARC-BCI erhalten, operiert am CHUV in Lausanne.
ONWARD sitzt heute in Eindhoven, forscht aber in der Schweiz. Im ersten Halbjahr 2026 setzte die Firma 4,2 Millionen Euro um und verlor operativ 23,3 Millionen, heisst es im Halbjahresbericht vom September. Sie holte 40,6 Millionen Euro neues Kapital, 25 Millionen davon von EQT Life Sciences.
In Genf arbeitet das Wyss Center, gegründet 2014 von Hansjörg Wyss. Sein Spin-off ABILITY Neurotech darf ein drahtloses Implantat in einer Studie mit ALS-Patienten in Utrecht testen, meldete das Wyss Center im Juni.
Was heisst das für Schweizer Firmen?
Unsere Einschätzung: Neuralink verschiebt den Wettbewerb von der Hardware zu den Daten. Wer mehr Stunden Hirnaktivität sammelt, baut bessere Modelle. Hier sind die Schweizer Teams mit wenigen Teilnehmenden im Nachteil. Ihr Vorsprung liegt in der Klinik: In Lausanne arbeiten Neurochirurgie, Rückenmarkforschung und Medtech seit Jahren zusammen. Die Analysten von Morgan Stanley sehen allein in den USA einen adressierbaren Markt von rund 400 Milliarden Dollar, berichtete MassDevice.
Wie stark die Schweizer Medtech gerade unter Druck steht, zeigt unser Beitrag zur Medtech-Prognose. Dass Zürich eher Roboterkörper als Chatbots baut, steht in diesem Vergleich. Und warum Roboter vieles könnten, aber wenig rentiert, zeigt unsere Auswertung.
Häufige Fragen
Was hat Neuralink im Oktober 2026 veröffentlicht?
Einen technischen Bericht: Die Decoder der Hirnimplantate wurden mit über 50 000 Stunden unbeschrifteter Hirndaten vortrainiert. Sie blieben dadurch wochenlang ohne Neukalibrierung stabil. Fachlich begutachtet ist der Bericht nicht.
Gibt es Hirnimplantate aus der Schweiz?
Ja. ONWARD Medical, entstanden aus EPFL und CHUV, testet das Hirn-Rückenmark-Implantat ARC-BCI mit sieben Teilnehmenden. ABILITY Neurotech aus Genf testet ein drahtloses Implantat bei ALS.
Wie viele Menschen haben ein Neuralink-Implantat?
Im Januar 2026 meldete Neuralink 21 Teilnehmende weltweit. Neuere offizielle Zahlen liegen nicht vor.
Quellen
- Neuralink, Pretraining on 50,000 Hours of Unlabeled Brain Data, 1. Oktober 2026 neuralink.com
- Tesla North und Interesting Engineering, 2. Oktober 2026 teslanorth.com · interestingengineering.com
- EPFL, Digital Bridge, 24. Mai 2023 epfl.ch
- Wyss Center, ABILITY Neurotech, 1. Juni 2026 wysscenter.ch
- Reuters via Yahoo, 28. Januar 2026; TechCrunch, 2. Juni 2025; MassDevice, 11. Oktober 2024 Reuters · TechCrunch · MassDevice
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