Apfelbaum im Thurgau bei Berg TG. Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)
Exosomen im Gesicht: Die Kosmetik verkauft Zellbotschaften, und ein Thurgauer Apfel war zuerst da
Zürcher Kliniken verlangen bis 800 Franken für ein Facial mit Exosomen. Alle Studien dazu umfassen 171 Patienten. Und ein Thurgauer Apfel war zuerst da.

Apfelbaum im Thurgau bei Berg TG. Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)
Kurz gesagt: Die Schönheitsbranche hat ein neues Zauberwort: Exosomen. Das sind winzige Bläschen, mit denen Zellen einander Botschaften schicken. Kliniken in Zürich verlangen für eine Exosomen-Behandlung 370 bis 800 Franken pro Sitzung. Die Wirkung ist erst in kleinen Studien belegt, und Exosomen aus menschlichen Zellen sind in Kosmetika in der EU und damit auch in der Schweiz verboten. Ein Schweizer Hersteller war früh dabei: Mibelle Biochemistry aus Buchs AG gewinnt seine Wirkstoffe aus Pflanzenzellen, zuerst aus einem Thurgauer Apfel, jetzt aus der Goji-Beere.
Im Thurgau stand ein alter Apfelbaum, der Uttwiler Spätlauber. Seine Früchte blieben monatelang frisch, ohne zu schrumpeln. 2008 machte eine Firma aus Buchs AG daraus ein Kosmetik-Geschäft. Mibelle Biochemistry züchtete Stammzellen des Apfels im Labor und verkaufte den Extrakt als Wirkstoff gegen Hautalterung, berichtete Cosmetics Design. Der Apfel ging um die Welt.
Was steckt hinter dem Exosomen-Trend?
Die nächste Stufe derselben Idee. Exosomen sind Bläschen von 20 bis 200 Nanometern, mit denen Zellen Eiweisse und Erbinformation austauschen, erklärt der Fachdienst ChemLinked. Beim Exosomen-Facial sticht eine Kosmetikerin oder Ärztin mit feinen Nadeln in die Haut und trägt ein Serum mit diesen Bläschen auf. Die Haut soll dadurch mehr Kollagen bilden.
Das Suchinteresse ist explodiert. Laut Exploding Topics stieg es für «exosome skincare» in fünf Jahren um mehr als das Zwanzigfache. Inzwischen stuft der Dienst den Trend als abflachend ein. Der Dienst nennt Seren von Medicube für 20 Dollar und von Plated Skin Science für 258 Dollar. Mibelle brachte im Dezember 2024 «PhytoCellTec Exosomes» auf den Markt, gewonnen aus Zellkulturen der Goji-Beere, meldet Personal Care Magazine.
Wirkt das, und ist es erlaubt?
Die Beweislage ist dünn. Eine systematische Übersicht fand acht Studien mit zusammen 171 Patienten, meist ohne Kontrollgruppe und mit höchstens sechs Monaten Nachbeobachtung, berichtet Dermatology Times. Die Autoren fordern grössere, saubere Studien. Die US-Arzneibehörde warnt seit 2019, es gebe keine zugelassenen Exosomen-Produkte, so die FDA.

In der EU dürfen Kosmetika keine Zellen, Gewebe oder Produkte menschlichen Ursprungs enthalten. Die Schweiz übernimmt die EU-Liste verbotener Stoffe für Kosmetika, schreibt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Exosomen aus Pflanzen sind deshalb der Weg, den Hersteller wie Mibelle gehen.
Dazu kommt der Markt. Der Schweizer Kosmetikmarkt tritt an Ort, rund 2,05 Milliarden Franken im Jahr, zeigen die Zahlen des Branchenverbands SKW. Gesichtspflege ist mit 363 Millionen Franken das grösste Segment. Wachstum findet in den Nischen statt, die neue Wirkstoffe versprechen.
Was heisst das für Schweizer Firmen?
Unsere Einschätzung: Der Trend belohnt Firmen, die Wissenschaft und Regeln ernst nehmen. Mibelle hat aus einem Apfel einen Exportschlager gemacht, weil die Firma Zellkulturen im Labor beherrscht. Die Migros hat die Mibelle-Gruppe 2025 an den spanischen Konzern Persán verkauft, meldet die Migros. Kliniken und Kosmetikstudios dagegen gehen ein Risiko ein, wenn sie nicht offenlegen, woher ihre Exosomen stammen. Von den Zürcher Anbietern, die Leitgrad geprüft hat, nennen nur einige die Quelle. Ein zweiter Trend aus Korea steht schon bereit: PDRN, gereinigte DNA aus Lachs, als Hautbooster.
Wie die Nobelpreisträger der Optogenetik Zellen mit Licht steuern, steht in unserem Beitrag zum Medizin-Nobelpreis. Wie die Migros und andere Genossenschaften organisiert sind, zeigt diese Machtkarte. Wie Pharma mit Schönheit verdient, zeigt unsere Meldung zur Abnehmspritze.
Häufige Fragen
Was sind Exosomen?
Exosomen sind Bläschen von 20 bis 200 Nanometern, mit denen Zellen Eiweisse, Fette und Erbinformation an andere Zellen schicken. In der Kosmetik sollen sie die Hauterneuerung anregen.
Sind Exosomen in Kosmetika in der Schweiz erlaubt?
Exosomen aus menschlichen Zellen nicht: Die EU verbietet Stoffe menschlichen Ursprungs in Kosmetika, und die Schweiz übernimmt diese Liste. Exosomen aus Pflanzen sind erlaubt.
Wer ist Mibelle Biochemistry?
Ein Hersteller von Kosmetik-Wirkstoffen aus Buchs AG. Bekannt wurde er 2008 mit Stammzellen des Thurgauer Apfels Uttwiler Spätlauber. Die Migros hat die Mibelle-Gruppe 2025 an den spanischen Konzern Persán verkauft.
Quellen
- Cosmetics Design, 29. Februar 2008; Personal Care Magazine, 3. Dezember 2024 cosmeticsdesign.com · personalcaremagazine.com
- ChemLinked, Global regulations on exosomes in cosmetic products, 7. April 2025; BLV, Geregelte Stoffe in kosmetischen Mitteln chemlinked.com · blv.admin.ch
- Dermatology Times, 29. April 2026; FDA, Public Safety Alert, 9. Dezember 2019 dermatologytimes.com · fda.gov
- SKW, Zahlen und Fakten Kosmetik; Migros, Verkauf der Mibelle Group; Exploding Topics, Newsletter 6. Oktober 2026 skw-cds.ch · migros.ch
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