Städtische Wohnsiedlung Werdwies, Zürich-Altstetten. Foto: Juliet Haller, Baugeschichtliches Archiv Zürich / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Karriere, Wissen · 7 min ·

Wohnungswesen Schweiz 2026: Was die Wohnungsnot für Arbeitgeber und Kader heisst

In Zug ist eine von 500 Wohnungen frei. Für Arbeitgeber wird das zum Rekrutierungsproblem. Sechs Hebel, mit denen Firmen und Kader gegensteuern.

Städtische Wohnsiedlung Werdwies in Zürich-Altstetten

Städtische Wohnsiedlung Werdwies, Zürich-Altstetten. Foto: Juliet Haller, Baugeschichtliches Archiv Zürich / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Kurz gesagt: Das Wohnungswesen umfasst alles, was die Versorgung mit Wohnraum regelt: Mietrecht, Wohnbauförderung, Bodenpolitik, Bau und Vermietung. In der Schweiz ist es angespannt wie seit Jahren nicht. Am 1. Juni 2026 standen nur 0,93 Prozent der Wohnungen leer, weniger als 1 Prozent und so wenige wie seit Jahren nicht. Das Angebot an Mietwohnungen unter 1500 Franken ist seit 2020 um 39 Prozent geschrumpft, sagt der Mieterverband. Für Arbeitgeber wird die Wohnungsnot zum Rekrutierungsproblem: In der Firmenbefragung der Stadt Zürich erhielt die Wohnsituation die schlechteste Note seit 2008, eine 2,4 von 6.

Von 500 Wohnungen im Kanton Zug ist eine frei. Wer dort eine Stelle antritt, sucht also nicht nur einen Job, sondern auch eine Wohnung, und die Auswahl ist klein. Der Wohnungsmarkt ist deshalb längst ein Thema für Geschäftsleitungen: Er entscheidet mit darüber, wen eine Firma einstellen kann.

Was ist das Wohnungswesen?

Das Wohnungswesen bezeichnet die Gesamtheit der Regeln, Behörden und Akteure, die bestimmen, wie Wohnraum gebaut, verteilt und bezahlt wird. In der Schweiz gehören dazu vor allem:

  • Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO). Es fördert den gemeinnützigen Wohnungsbau, publiziert den hypothekarischen Referenzzinssatz und koordiniert den Aktionsplan Wohnungsknappheit mit über 30 Massnahmen.
  • Das Mietrecht im Obligationenrecht. Es regelt Kündigung, Mietzinserhöhung und Anfechtung.
  • Kantone und Gemeinden. Sie bestimmen über Zonenpläne, Baubewilligungen und eigene Wohnbauprogramme.
  • Eigentümer. Private, Pensionskassen, Versicherungen, Immobilienfonds und gemeinnützige Bauträger wie Genossenschaften.

Die Schweiz ist ein Land der Mieter. 64 Prozent der Haushalte wohnen zur Miete, so viele wie in keinem anderen Land Europas, schreibt der Blick mit Bezug auf den Mieterverband.

Wie knapp sind Wohnungen in der Schweiz 2026?

Knapper als 1 Prozent. Die Leerwohnungsziffer sank am Stichtag 1. Juni 2026 auf 0,93 Prozent, nach 1,00 Prozent im Vorjahr. Es ist der sechste Rückgang in Folge. Insgesamt standen 45 493 Wohnungen leer, davon 34 690 Mietwohnungen, meldet der Bund.

Kennzahl Wert Quelle
Leerwohnungsziffer Schweiz (1.6.2026) 0,93 % BFS
Leere Mietwohnungen 34 690 (minus 6,7 %) BFS
Tiefster Leerstand Zug 0,20 %, Genf 0,31 % BFS
Hypothekarischer Referenzzinssatz 1,25 % (seit September 2025) BWO
Mietpreisindex 2005 bis 2025 plus 32,1 % BFS via Mieterverband
Angebot unter 1500 Fr. Monatsmiete minus 39 % seit 2020 Mieterverband
Mietbelastung bei bis 4000 Fr. Bruttoeinkommen 37,8 % des Budgets Mieterverband
Grafik: Im Kanton Zug ist eine von 500 Wohnungen frei
Quelle: Bundesamt für Statistik, Leerwohnungszählung 2026. Grafik: Leitgrad

Die Grafik zeigt Zug, den engsten Markt des Landes. Am knappsten sind Wohnungen dort, wo die Arbeitsplätze sind. Im Jura dagegen stehen 3,35 Prozent der Wohnungen leer, mehr als dreimal so viele wie im Landesschnitt. Wer Fachkräfte in Zug, Genf, Zürich oder Basel braucht, sucht ihnen faktisch auch eine Wohnung.

Warum steigen die Mieten trotz tiefem Referenzzins?

Weil zwei Märkte nebeneinander laufen. Bestehende Mieten hängen am Referenzzinssatz, und der liegt mit 1,25 Prozent auf einem historischen Tief, berichtet Plattform J. Bei jedem Mieterwechsel und bei jedem Neubau wird der Preis aber neu gesetzt. Gebaut wird laut Mieterverband vor allem im oberen Preissegment, und günstige Altbauten verschwinden beim Ersatzneubau.

Über die Ursache streiten die Verbände. Der Mieterverband verweist auf die Eigentümer: Anlagefirmen besitzen heute 44,4 Prozent der Mietwohnungen, im Jahr 2000 waren es 28,7 Prozent, schreibt Watson. Der Hauseigentümerverband sieht den Grund in der Knappheit selbst: Es werde zu wenig gebaut für das Bevölkerungswachstum, so SRF. Beides kann gleichzeitig stimmen.

Was bedeutet die Wohnungsnot für Arbeitgeber?

Sie verteuert und verlangsamt die Rekrutierung, vor allem für KMU. In der Firmenbefragung 2025 der Stadt Zürich mit 1499 Unternehmen fiel die Note für die Wohnsituation von 3,0 auf 2,4 und ist damit der schlechteste Standortfaktor, meldet die Stadt Zürich. Grosse Firmen wie Google, On oder ABB federn das mit Relocation-Diensten, hohen Löhnen und Homeoffice ab. Kleinere Betriebe können das nicht, berichtet Swissinfo. Ihre Leute pendeln von immer weiter her.

Das hat Grenzen. 75 Prozent der Befragten lehnen einen längeren Arbeitsweg ab, selbst wenn die Miete dafür günstiger wäre, zeigt eine Umfrage von Comparis. Als Schmerzgrenze gelten 30 Minuten, berichtet der Blick. Gleichzeitig steigen die Löhne 2026 laut erster Schätzung des Bundesamts für Statistik nominal nur um 0,4 Prozent, meldet Cash. Die Miete frisst damit vor allem in tieferen Lohnklassen jeden Lohnfortschritt. Das spüren Pflege, Gastronomie, Detailhandel und Handwerk zuerst.

Was können Arbeitgeber und Kader konkret tun?

Unsere Einschätzung: Wohnen gehört heute in die Personalplanung, nicht nur ins Privatleben der Angestellten. Sechs Hebel, vom günstigsten zum aufwendigsten:

  1. Die Wohnungsfrage früh stellen. Schon im Bewerbungsgespräch klären, ob jemand umziehen muss, und den Starttermin danach richten.
  2. Homeoffice und Arbeitszeiten nutzen. Wer zwei Tage zu Hause arbeitet, akzeptiert einen längeren Weg an den anderen drei.
  3. Bei der Suche helfen. Eine Relocation-Firma, ein Netzwerk aus Vermietern oder eine befristete möblierte Wohnung für die ersten drei Monate.
  4. Die Mietkaution übernehmen oder verbürgen. Drei Monatsmieten Depot sind für junge Fachkräfte oft die grösste Hürde.
  5. Mit Genossenschaften oder der Gemeinde reden. Wer als grösserer Arbeitgeber am Ort auftritt, kann über Wohnungskontingente für Personal verhandeln, etwa bei Neubauprojekten.
  6. Eigene Personalwohnungen. In Hotellerie und Spitälern verbreitet, für Industrie-KMU mit Land eine Option. Steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Folgen vorher mit der Treuhand klären.

Für Kader auf Stellensuche heisst das umgekehrt: Wohnungshilfe, Kautionsübernahme oder ein Homeoffice-Tag sind verhandelbar und oft mehr wert als 2000 Franken mehr Jahreslohn.

Was steht politisch an?

Am 23. Juni 2026 hat der Mieterverband die Mietpreis-Initiative mit über 140 000 Unterschriften eingereicht. Sie verlangt, dass Mieten automatisch und regelmässig überprüft und zu hohe Mieten gesenkt werden, berichtet SRF. Laut Initiativkomitee zahlen Mieter jährlich rund 10 Milliarden Franken zu viel. Der Hauseigentümerverband lehnt die Initiative ab. Der Bund setzt mit dem Aktionsplan auf schnellere Bewilligungen, dichteres Bauen und mehr preisgünstigen Wohnraum.

Wie viel man in Zürich verdienen muss, um gut zu leben, rechnet unser Lohnvergleich vor. Ob Zürich in einer Immobilienblase steckt, zeigt diese Analyse. Was Geschäftsführer in der Schweiz verdienen, steht in unserem Lohnüberblick. Wie Firmen Fachkräfte über einen Quereinstieg gewinnen, zeigt der Beitrag zum Elektrohandwerk.

Häufige Fragen

Was ist das Wohnungswesen?

Das Wohnungswesen umfasst alle Institutionen, Gesetze und Akteure, die Bau, Verteilung und Finanzierung von Wohnraum regeln. In der Schweiz sind das vor allem das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO), das Mietrecht im Obligationenrecht, Kantone und Gemeinden sowie private, institutionelle und gemeinnützige Eigentümer.

Was macht das Bundesamt für Wohnungswesen?

Das BWO fördert den gemeinnützigen Wohnungsbau, veröffentlicht vierteljährlich den hypothekarischen Referenzzinssatz für Mietverträge und koordiniert den Aktionsplan Wohnungsknappheit des Bundes.

Wie hoch ist die Leerwohnungsziffer 2026?

0,93 Prozent am Stichtag 1. Juni 2026, nach 1,00 Prozent im Vorjahr. Es ist der sechste Rückgang in Folge. Am tiefsten ist sie in Zug (0,20 Prozent) und Genf (0,31 Prozent), am höchsten im Jura (3,35 Prozent).

Wie hoch ist der Referenzzinssatz aktuell?

1,25 Prozent, unverändert seit September 2025. Das BWO hat ihn am 1. September 2026 bestätigt.

Wie viel des Einkommens geben Schweizer für die Miete aus?

Haushalte mit bis zu 4000 Franken Bruttoeinkommen geben laut Mieterverband rund 38 Prozent ihres Budgets fürs Wohnen aus. Laut den Initianten der Mietpreis-Initiative zahlen rund 40 Prozent der Mieter mehr als einen Drittel ihres Einkommens für die Miete.

Was ist die Mietpreis-Initiative?

Eine Volksinitiative des Mieterverbands, eingereicht am 23. Juni 2026 mit über 140 000 Unterschriften. Sie verlangt eine automatische, regelmässige Kontrolle der Mieten und die Senkung zu hoher Mieten. Abgestimmt wird frühestens 2027.

Dürfen Arbeitgeber ihren Angestellten eine Wohnung vermieten?

Ja. Personalwohnungen sind in Hotellerie, Spitälern und Landwirtschaft verbreitet. Es gilt das normale Mietrecht. Wird die Wohnung günstiger als üblich vermietet, sollten Steuern und Sozialversicherungen mit einer Treuhand geklärt werden.

Quellen

  1. Bund (WBF/BFS), Leerwohnungszählung 2026, 10. September 2026 wbf.admin.ch
  2. Blick, Günstige Wohnungen verschwinden, Mieterverband schlägt Alarm, 5. Oktober 2026; Watson, 5. Oktober 2026 blick.ch · watson.ch
  3. BWO, Aktionsplan Wohnungsknappheit; Plattform J zum Referenzzinssatz, 1. September 2026 bwo.admin.ch · plattformj.ch
  4. Stadt Zürich, Firmenbefragung 2025, Januar 2026; Swissinfo, 2. März 2026 stadt-zuerich.ch · swissinfo.ch
  5. Comparis via Blick, 16. Februar 2026; BFS-Lohnschätzung via Cash; SRF zur Mietpreis-Initiative, 23. Juni 2026 blick.ch · cash.ch · srf.ch

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