Montage einer Steckdose. Foto: Santeri Viinamäki / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Vom Büro ins Elektrohandwerk? Was der Wechsel in der Schweiz bringt
KI bedroht Bürojobs, Elektriker sind gesucht. Was die Lehre bringt, was man verdient und wie Erwachsene umsteigen.

Montage einer Steckdose. Foto: Santeri Viinamäki / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Kurz gesagt: Weil KI Bürojobs bedroht, denken immer mehr Angestellte über einen Wechsel ins Handwerk nach. In der Schweiz ist das Elektrohandwerk dafür eines der besten Ziele: Elektrikerinnen und Elektriker stehen im Fachkräftemangel-Index auf Rang 4, die Branche ist seit 2020 um über 5000 Beschäftigte gewachsen. Der Mindestlohn nach der Lehre liegt bei 4500 Franken. Wer umsteigen will, braucht einen Plan und meist zwei bis vier Jahre.
«So you think you could be an electrician?» Mit dieser Frage richtet sich der Bauunternehmer Jesse Smith im Asterisk Magazine an Softwareentwickler, die um ihren Job fürchten. Seine Antwort ist nüchtern: Das Handwerk sei körperlich hart, gefährlich und nicht automatisch gut bezahlt. Auch dort werde KI vieles vereinfachen.
Die Frage stellt sich auch hier. Nur fällt die Antwort für die Schweiz anders aus.
Wie gross ist der Mangel an Elektrikern in der Schweiz?
Gross. Im Fachkräftemangel-Index 2025 von Adecco und der Universität Zürich stehen Elektrikerinnen und Elektroniker auf Rang 4 von 32 Berufsgruppen, meldet die Adecco Group. Nur vier Gruppen gelten überhaupt noch als Mangelberufe. ICT-Techniker fielen dagegen um sechs Ränge zurück. Der Bericht schreibt dazu, KI-exponiertere Jobs zeigten weniger Inserate und mehr Arbeitslose.
Bei Berufen, die stark von KI betroffen sind, stieg die Zahl der Stellensuchenden bis zu 30 Prozent stärker als bei wenig betroffenen, hat die KOF der ETH berechnet. Die Arbeitslosigkeit bei Softwareentwicklern hat sich fast verdreifacht. Baufachkräfte und Handwerker gehören zu den wenig betroffenen Gruppen.
Bei den Stelleninseraten zeigt sich dasselbe Bild. 2025 sanken die Inserate für Informatiker mit Hochschulabschluss um 18 Prozent, jene für Fachkräfte in Bau und Ausbau stiegen um 2 Prozent, so der Adecco Job Index. KI erkläre allerdings höchstens ein Fünftel dieses Rückgangs.

Die Grafik zeigt, wie die Branche wächst. 2024 arbeiteten 56 540 Menschen im Elektro- und Telekommunikationsgewerbe, 2020 waren es 50 751, zählt der Verband EIT.swiss. Das sind über 5000 Stellen mehr in vier Jahren.
Den Nachwuchs bildet die Branche selbst aus. Rund 10 000 Lernende sind in Ausbildung, jedes Jahr schliessen etwa 2500 ab. Frauen sind kaum darunter: Von 3500 neuen Lernenden 2025 waren 112 Frauen.
Was verdient ein Elektroinstallateur in der Schweiz?
Nach der Lehre mindestens 4500 Franken im Monat, nach einem Jahr 5000 Franken. Das legt die Lohnvereinbarung 2026 des Gesamtarbeitsvertrags fest. Für Montage-Elektriker gelten 4300 und 4700 Franken. Mit Weiterbildung zum Projektleiter oder zum eidgenössisch diplomierten Elektroinstallateur steigt der Lohn deutlich, und viele machen sich selbständig.
| Mindestlohn 2026 pro Monat | Nach Abschluss | Nach einem Jahr |
|---|---|---|
| Elektroinstallateur EFZ | 4500 Franken | 5000 Franken |
| Montage-Elektriker EFZ | 4300 Franken | 4700 Franken |
Die Nachfrage hat handfeste Gründe. 2025 kamen in der Schweiz 37 257 neue Solaranlagen dazu, berichtet das PV Magazine. Jedes vierte Gebäude heizt mit einer Wärmepumpe. Und fast jedes vierte neue Auto fährt elektrisch. Alles das muss jemand anschliessen.
Wie wechselt man als Erwachsener ins Elektrohandwerk?
Es gibt mehrere Wege. Wer schon einen verwandten Beruf gelernt hat, etwa Montage-Elektriker oder Telematiker, kann die Lehre zum Elektroinstallateur in zwei Jahren machen. Wer fünf Jahre Berufserfahrung hat, kann über die sogenannte direkte Zulassung zur Abschlussprüfung, ohne klassische Lehre, erklärt das BIZ Bern. Rund 10 700 Erwachsene ab 25 schlossen 2020 eine Berufslehre ab.
Unsere Einschätzung: Der Wechsel lohnt sich vor allem für Menschen, die gern mit den Händen arbeiten und sich später selbständig machen wollen. Wer nur vor der KI flieht, unterschätzt den Beruf, wie Jesse Smith zu Recht warnt. Wie KI den Berufseinstieg im Büro verändert, steht in diesem Beitrag. Wo die Schweiz wirklich Fachkräfte sucht, zeigt unsere Analyse. Und warum Code billig wird, beschreibt der Beitrag zu Senior-Entwicklern.
Häufige Fragen
Ist Elektriker ein Mangelberuf in der Schweiz?
Ja. Im Fachkräftemangel-Index 2025 von Adecco und der Universität Zürich stehen Elektrikerinnen und Elektroniker auf Rang 4 von 32 Berufsgruppen.
Wie viel verdient ein Elektroinstallateur EFZ?
Der Mindestlohn 2026 liegt bei 4500 Franken pro Monat direkt nach der Lehre und bei 5000 Franken nach einem Jahr. Viele verdienen mehr, besonders mit Weiterbildung.
Kann man als Quereinsteiger Elektriker werden?
Ja. Mit einem verwandten Abschluss dauert die Lehre zwei Jahre. Mit fünf Jahren Berufserfahrung ist die direkte Zulassung zur Abschlussprüfung möglich.
Quellen
- Asterisk Magazine, Jesse Smith, September 2026 asteriskmag.com
- Adecco Group und Universität Zürich, Fachkräftemangel-Index, 27. November 2025; Adecco Job Index Q4 2025, 29. Januar 2026 Index · Job Index
- EIT.swiss, Elektrobranche in Zahlen; PLK Elektro, Lohnvereinbarung 2026 eit.swiss · plk-elektro.ch
- KOF ETH via Netzwoche, 22. Juli 2026 netzwoche.ch
- PV Magazine, Solarzubau 2025, 10. Juli 2026; BIZ Bern, direkte Zulassung pv-magazine.de · biz.bkd.be.ch
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