Illustration: Leitgrad. Quelle: Bund, Medienmitteilung vom 20.10.2026.
7 Milliarden für die Bundes-Cloud. Wo Schweizer Anbieter eine Chance haben
Der Bund hat die Swiss Government Cloud ausgeschrieben, die grösste öffentliche Beschaffung der Schweiz. Fünf Anbieter in drei Losen, nur eines ohne Schweiz-Pflicht. Was die Lose für Schweizer IT-Firmen bedeuten.

Illustration: Leitgrad. Quelle: Bund, Medienmitteilung vom 20.10.2026.
Kurz gesagt: Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation hat am 20. Oktober 2026 die Swiss Government Cloud ausgeschrieben, für bis zu 7 Milliarden Franken über 14 Jahre. Es ist die grösste öffentliche Beschaffung der Schweiz. Gesucht sind fünf Anbieter in drei Losen: zwei für eine globale Public Cloud ohne Schweiz-Pflicht, zwei für eine Public Cloud mit Daten ausschliesslich in der Schweiz und einer für eine Private Cloud in den Rechenzentren des Bundes. Jeder Anbieter kann nur ein Los gewinnen. Die Präqualifikation dauert 60 Tage, der Zuschlag ist für Spätsommer 2027 geplant.
Bis zu 7 Milliarden Franken. Seit dem 20. Oktober liegt die Ausschreibung «WTO 25002 609 Swiss Government Cloud» auf der Beschaffungsplattform simap, teilt der Bund mit. Die heutige Cloud-Infrastruktur der Bundesverwaltung stosse an ihre Grenzen, heisst es dort. Die neue soll die Grundlage für die nächsten 14 Jahre bilden.
Die Summe ist ein Höchstwert. Bezahlt wird nur, was die Verwaltung tatsächlich nutzt. Auch Kantone und Gemeinden können die Cloud beziehen, müssen aber nicht, berichtet 20 Minuten.
Drei Lose, fünf Anbieter
- Los 1, «Global Reach»: Public Cloud, bis 2 Milliarden Franken, zwei Anbieter. Eine Pflicht, die Daten in der Schweiz zu halten, nennt der Bund nicht. Gedacht ist es für weniger heikle Daten, etwa Wetterdaten.
- Los 2, «Enhanced Data Governance»: Public Cloud, bis 2 Milliarden Franken, zwei Anbieter. Daten werden ausschliesslich in der Schweiz gespeichert und bearbeitet, eingesetzt werden Open-Source-Lösungen.
- Los 3, «On-Premise»: Private Cloud, bis 3 Milliarden Franken, ein Anbieter. Die Daten bleiben in Rechenzentren des Bundes, etwa Steuer- und Finanzdaten.
Jeder Zuschlag gilt sieben Jahre, danach öffnet der Bund den Markt neu. Wer ein Los gewinnt, kann kein zweites gewinnen. Die Präqualifikation läuft 60 Tage ab Publikation. Ohne Beschwerden mit aufschiebender Wirkung sollen die Verträge im Spätsommer 2027 unterschrieben werden, die ersten Abrufe folgen im Spätherbst 2027.

Wo Schweizer Firmen eine Chance haben
Für Google, Amazon und Microsoft ist vor allem Los 1 offen. Schweizer Anbieter haben ihre realistische Chance in Los 2, wo die Daten im Land bleiben müssen, und in der Private Cloud von Los 3. So schätzt es Matthias Stürmer ein, der an der Universität Bern die Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit leitet, im Gespräch mit SRF. Einen Schweizer Konzern in der Grösse von Google gebe es nicht, wohl aber viele KMU. Er hofft auf ein Schweizer Konsortium.
Die Digitale Gesellschaft sieht das skeptischer. Die Umsatzschwelle von 500 Millionen pro Jahr für die Lose 1 und 3 könnten nur aussereuropäische Firmen erfüllen, schreibt sie in einer Stellungnahme. Sie kritisiert zudem, dass Konsortien ausgeschlossen seien, und fordert Open Source auch für Los 3. Ob und in welchen Losen Konsortien zugelassen sind, beurteilen Stürmer und die Digitale Gesellschaft also unterschiedlich. Massgebend sind die Unterlagen auf simap.
Stürmer hält die Summe für vertretbar, auch wegen des Wachstums durch künstliche Intelligenz. Er warnt aber: Selbst weniger heikle Daten bei grossen US-Firmen schaffen eine Abhängigkeit, die rasch zu einem Machtmittel werden könne.
Was bisher geschah
Das Parlament hatte im Dezember 2024 für das Programm Swiss Government Cloud einen Verpflichtungskredit von 246,9 Millionen Franken bewilligt. Die Eidgenössische Finanzkontrolle hielt fest, die Tendenz gehe in Richtung einer stärkeren Nutzung der Public Cloud. Leitgrad hat das am 16. Oktober eingeordnet. Die 7 Milliarden der Ausschreibung sind der Höchstwert für die Leistungen, die Verwaltung und Gemeinwesen in 14 Jahren beziehen können.
Zum Mitnehmen: Was die Ausschreibung für Schweizer IT-KMU heisst
- Frist im Blick. Die Präqualifikation läuft 60 Tage ab dem 20. Oktober 2026, also bis gegen Mitte Dezember. Die verbindliche Frist steht auf simap.
- Los 2 ist die Chance für Schweizer Anbieter. Daten nur in der Schweiz, Open Source gesetzt. Wer hier Rechenzentrum, Betrieb oder Software liefert, sollte jetzt mit möglichen Hauptanbietern reden.
- Konsortium klären. Ob Bietergemeinschaften zugelassen sind, ist umstritten. Die Teilnahmebedingungen auf simap genau lesen, bevor Partner gesucht werden.
- Als Unterlieferant mitdenken. Auch wer kein Los gewinnt, kann bei einem der fünf Zuschlagsempfänger Migration, Betrieb oder Beratung übernehmen.
Häufige Fragen
Was ist die Swiss Government Cloud?
Die künftige Cloud-Infrastruktur der Bundesverwaltung, die auch Kantone und Gemeinden nutzen können. Das BIT hat sie am 20. Oktober 2026 für bis zu 7 Milliarden Franken über 14 Jahre ausgeschrieben, in drei Losen mit insgesamt fünf Anbietern.
Müssen die Daten in der Schweiz bleiben?
Nur in den Losen 2 und 3. In Los 2 werden die Daten ausschliesslich in der Schweiz gespeichert und bearbeitet, in Los 3 in Rechenzentren des Bundes. Für Los 1 nennt der Bund keine Schweiz-Pflicht, es ist für weniger heikle Daten gedacht.
Wann fällt der Entscheid?
Die Präqualifikation dauert 60 Tage. Zuschläge und Vertragsunterzeichnungen sind für Spätsommer 2027 geplant, die ersten Abrufe für Spätherbst 2027, sofern keine Beschwerden mit aufschiebender Wirkung eingehen.
Quellen
- Bund, «Swiss Government Cloud: Ausschreibung gestartet», 20. Oktober 2026 admin.ch
- SRF, «Wer ergattert den grössten IT-Deal in der Geschichte des Bundes?», 21. Oktober 2026 srf.ch
- Digitale Gesellschaft, «Daten und Geld des Bundes drohen wieder an die US-Hyperscaler zu gehen», 20. Oktober 2026 digitale-gesellschaft.ch
- 20 Minuten, «Für bis zu 7 Milliarden: Bund holt sensible Cloud-Daten zurück», 20. Oktober 2026 20min.ch
- simap, Beschaffungsplattform des Bundes, Ausschreibung WTO 25002 609 simap.ch
- Leitgrad, «445 Millionen für Server im eigenen Haus. Der Bund tendiert zur Public Cloud», 16. Oktober 2026 leitgrad.ch
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