Symbolbild: Serverraum am CERN in Genf. Foto: Florian Hirzinger / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, zugeschnitten

Briefing · 4 min ·

Cyon schaltete über 100 000 Websites ab. Hostpoint patchte in 90 Minuten

Nach den kritischen PHP-Lücken nahm Cyon in der Nacht über 100 000 Websites vom Netz. Hostpoint spielte das Update in eineinhalb Stunden ein. Was KMU jetzt prüfen sollten.

Serverschränke mit verkabelten Servern in einem Rechenzentrum

Symbolbild: Serverraum am CERN in Genf. Foto: Florian Hirzinger / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, zugeschnitten

Kurz gesagt: Nach den kritischen PHP-Lücken vom 21. Oktober 2026, inzwischen «php2shell» genannt, hat der Basler Hoster Cyon in der Nacht alle Webhostings und Server abgeschaltet, über 100 000 Kundenwebsites. Hostpoint, mit über 340 000 Websites der grössere Anbieter, spielte das Update laut eigenen Angaben bis 17:30 Uhr ein, eineinhalb Stunden nach der Veröffentlichung. Auch die Universität Genf und der Kanton Basel-Stadt nahmen Websites vom Netz. Das Bundesamt für Cybersicherheit kennt bisher keine Angriffe in der Schweiz und rät, betroffene Systeme unverzüglich zu aktualisieren.

Um 16 Uhr veröffentlichte das PHP-Projekt am Mittwoch die Korrekturen. Um 17:30 Uhr waren sie bei Hostpoint auf den Servern, berichtet Blick. Angriffe oder Auffälligkeiten stellte der Hoster nach eigenen Angaben keine fest.

Cyon in Basel ging den anderen Weg. Der Hoster schaltete alle Webhostings und Server ab, über 100 000 Websites von Kundinnen und Kunden. «Es gab keine Server, die sicher gewesen wären», sagte Salome Burkardt, Leiterin Marketing und Kommunikation, gegenüber Blick. Laut Blick folgte Cyon damit einer Empfehlung europäischer Cybersicherheitsbehörden. Die Mitarbeitenden arbeiteten in Schichten, manche bis nach vier Uhr früh. Seit den frühen Morgenstunden ist alles wieder online, Hinweise auf ein Eindringen gibt es laut Cyon keine.

Zwei Hoster, zwei Entscheide, beide gut begründet. Für die Kunden fühlte sich der Mittwochabend trotzdem sehr verschieden an.

Was eine Nacht offline kostet

Bei Cyon-Kunden liefen während der Abschaltung keine Shops, keine Kontaktformulare, keine Zahlungsbestätigungen und keine geplanten Newsletter. Cyon rät Shopbetreibern, die Bestellungen aus dieser Zeit zu prüfen. Die Abwägung des Hosters ist trotzdem nachvollziehbar: «Ein gehackter Shop verliert Kundendaten, Reputation und Vertrauen», so Cyon.

Abgeschaltet haben auch andere. Die Universität Genf war am Mittwochabend nicht erreichbar, der Kanton Basel-Stadt fuhr seine Websites vorsorglich herunter, das Tessin deaktivierte einzelne Online-Dienste, meldete Nau. Die Feuerwehr-Plattform Lodur nahm ihre Server vom Netz. Jobs.ch war laut 20 Minuten zeitweise nicht erreichbar.

Warum die Behörden so deutlich werden

Die amerikanische NSA empfahl am 21. Oktober allen Organisationen mit PHP, sich auf das Update vorzubereiten. Wer es nicht sofort einspielen kann, solle das System vom Netz nehmen, bis es abgesichert ist, heisst es in der Mitteilung der NSA. Volker Dusch von der PHP Foundation nannte es laut 20 Minuten das gravierendste Sicherheitsproblem von PHP seit mehr als zehn Jahren.

Gefunden haben die Lücken unabhängig voneinander zwei Sicherheitsfirmen, Calif und Wiz, beide mit Hilfe von KI-Modellen, unter anderem von Google und OpenAI. Der Schweizer Sicherheitsexperte Marc Ruef von der Scip AG erwartet deshalb eine Welle von Angriffen. Angreifer könnten die Korrekturen mit KI auswerten, sagte er gegenüber Blick. Websites, die niemand pflegt, dürften in wenigen Tagen übernommen sein.

Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) kennt bisher keine Angriffe in der Schweiz, die sich den Lücken zuordnen lassen, schliesst unentdeckte Fälle aber nicht aus. Es rät, betroffene Systeme unverzüglich zu aktualisieren, und erinnert an Geräte, an die kaum jemand denkt: Anwendungen und Geräte, in denen PHP als Baustein steckt, etwa Netzwerkspeicher.

Zum Mitnehmen: Was KMU jetzt tun

  1. Beim Hoster nachfragen. Wann wurde das Update eingespielt, auf allen Websites und Shops? Die Antwort schriftlich ablegen. Sicher sind PHP 8.5.12, 8.4.27, 8.3.36 und 8.2.35 oder neuer.
  2. Bestellungen und Anfragen vom 21. und 22. Oktober prüfen. War die Website offline, sind Bestellungen, Formulare oder Zahlungsbestätigungen womöglich nicht angekommen.
  3. Nicht nur an die Website denken. Netzwerkspeicher, Intranet, Buchungs- oder Kassensysteme können PHP enthalten. Den Lieferanten fragen.
  4. Den Notfall vorher klären. Wer entscheidet beim nächsten Mal, ob die Website vom Netz geht? Wer informiert Kunden? Ein Absatz im Notfallplan reicht.

Häufige Fragen

Was ist php2shell?

So heissen die zwei kritischen Lücken in PHP, die das PHP-Projekt am 21. Oktober 2026 geschlossen hat (CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619). Über sie können Angreifer ohne Passwort eigenen Code auf einem Webserver ausführen. Betroffen ist fast jede WordPress-Website, die noch nicht aktualisiert ist.

Muss ich als Kundin oder Kunde von Cyon oder Hostpoint etwas tun?

Für die Lücke selbst nicht, sagen beide Hoster laut Blick. Cyon-Kunden mit Shop sollten aber die Bestellungen aus der Zeit der Abschaltung prüfen. Wer einen eigenen Server oder eine Agentur hat, muss das Update selbst einspielen oder einspielen lassen.

Gab es in der Schweiz schon Angriffe?

Dem BACS sind bisher keine bekannt, die sich den Lücken zuordnen lassen. Es schliesst unentdeckte Fälle aber nicht aus und kann noch keine Entwarnung geben.

Ob die eigene Website eine veraltete PHP-Version verrät, zeigt ein kostenloser Schnelltest: meit.ch/php-check. Offenlegung: Die Agentur Meit gehört wie Leitgrad Merag Shahzad.

Hintergrund zu den Lücken und den sicheren Versionen: Zwei Lücken, 9,2 von 10 Punkten: Was KMU mit WordPress-Website heute tun müssen.

Quellen

  1. Blick, «Cyon schaltet 100’000 Websites wegen PHP-Lücken ab», 22. Oktober 2026 blick.ch
  2. Blick, «PHP2Shell: Experte erwartet jetzt eine KI-Angriffswelle», 22. Oktober 2026 blick.ch
  3. Nau, «Sicherheitslücken: Mehrere Schweizer Websites offline», 21. Oktober 2026 nau.ch
  4. 20 Minuten, «Gefährliche PHP-Sicherheitslücke: Warum erste Behörden und Unis ihre Webseiten abschalten», 21. Oktober 2026 20min.ch
  5. National Security Agency, «NSA Advisory: PHP Updates», 21. Oktober 2026 nsa.gov

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