Die Schweiz unterschreibt in China. Die eigentliche Chance steht nicht im Abkommen.
Am 30. Oktober haben die Schweiz und China das optimierte Freihandelsabkommen unterzeichnet: 99,8 Prozent der Exporte sollen zollfrei werden, bei Uhren waren es bisher 1 Prozent. Merag Shahzad zeigt, warum die grössere Chance in Pekings Fünfjahresplan und im Markt vor Ort liegt, und was KMU jetzt vorbereiten.

Kurz gesagt: Die Schweiz und China haben am 20. August 2026 die Verhandlungen über ein optimiertes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Unter dem Abkommen von 2014 gehen erst 53,6 Prozent der Schweizer Exporte zollfrei nach China, bei Uhren 1 Prozent, bei Pharma 29,1 Prozent. Neu sollen es ab Inkrafttreten 77,5 Prozent sein und nach höchstens zehn Jahren 99,8 Prozent, mit rund 244 Millionen Franken zusätzlichem Sparpotenzial im Jahr. Unterzeichnet wurde es am 30. Oktober 2026 in Peking, im Beisein von Bundespräsident Guy Parmelin und Staatspräsident Xi Jinping. Nun braucht das Parlament mindestens ein Jahr. China ist nach der EU und den USA der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz; Schweizer Firmen beschäftigen dort rund 170 000 Menschen.
Am 20. August sassen in Bern zwei Minister an einem Tisch. Bundespräsident Guy Parmelin und Chinas Handelsminister Wang Wentao gaben bekannt, dass die Verhandlungen über ein besseres Freihandelsabkommen abgeschlossen sind, nach fünf Runden in knapp zwei Jahren, meldete das WBF.
Darin steckt eine Zahl, die man sich merken sollte: 99,8.
So viele Prozent der heutigen Schweizer Exporte nach China sollen künftig zollfrei über die Grenze gehen. Heute sind es 53,6 Prozent, schreibt das SECO in seinem Factsheet. Zwölf Jahre nach dem ersten Abkommen, mit dem die Schweiz zu den ersten Ländern Europas mit Freihandel mit China gehörte, stand die Tür also erst halb offen.
«Die grösste Herausforderung der Verhandlungen bestand darin, beim Marktzugang für Schweizer Waren substanzielle zusätzliche Verbesserungen zu erzielen. Die Ausgangslage war anspruchsvoll, da die Schweiz ihre Importe aus China bereits im bestehenden Freihandelsabkommen weitgehend liberalisiert hatte und der Spielraum für zusätzliche Zugeständnisse entsprechend begrenzt war. Umso erfreulicher ist, dass über alle wichtigen Schweizer Exportsektoren hinweg deutliche Verbesserungen erreicht werden konnten.»
Botschafter Roger Gschwend, Leiter Welthandel und Chefunterhändler, SECO
Wie halb, zeigt ein Blick auf die einzelnen Branchen. Von den Uhren ging 1 Prozent zollfrei nach China. Von der Pharma 29,1 Prozent, von der Chemie 50,4, von den Maschinen 74,7, von den Präzisionsinstrumenten 85,9 Prozent. Im neuen Abkommen steht bei allen fünf dieselbe Zahl: 100 Prozent, nach Übergangsfristen von höchstens zehn Jahren. Ab dem ersten Tag sollen 77,5 Prozent der Exporte zollfrei sein.

Bei den Uhren kommt die Erleichterung in einer schwierigen Zeit. FH-Präsident Yves Bugmann spricht von einer anhaltenden Krise im chinesischen Markt, im Juli 2026 lagen die Uhrenexporte nach China 18,5 Prozent unter dem Vorjahr, berichtete frontaliereticino.ch. Das Abkommen nennt er eine gute Nachricht.
«Der Rückgang der Uhrenexporte ist vor allem auf konjunkturelle Gründe zurückzuführen. Die hartnäckige Immobilienkrise in China dämpft das Konsumverhalten, die chinesischen Konsumenten halten sich mit Ausgaben noch zurück. Das modernisierte Freihandelsabkommen wird die bereits reduzierten Zölle auf Schweizer Uhren nun gänzlich beseitigen. Wir hoffen, dass es den parlamentarischen Prozess übersteht und möglichst bald in Kraft treten wird, so dass es einen Beitrag zum Anziehen der Exporte nach China leisten kann.»
Yves Bugmann, Präsident Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH
Neu sind auch Regeln, die kein Zollsatz zeigt: volle Eigentümerschaft an Tochterfirmen in mehreren Dienstleistungsbranchen, ein Kapitel zum digitalen Handel, Wettbewerbsregeln auch für Staatsunternehmen. Und, zum ersten Mal in einem Freihandelsabkommen Chinas, ein Verweis auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, so das SECO.
«Als kleines, exportorientiertes Land ist die Schweiz auf den bestmöglichen Zugang zu den internationalen Märkten angewiesen. Deshalb muss sie ihre Beziehungen zur EU als wichtigstem Handelspartner festigen und gleichzeitig in den USA, China sowie weiteren Wachstumsmärkten präsent bleiben. Diversifizierung ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Ein Entweder-oder kann sich die Schweiz nicht leisten.»
Rudolf Minsch, Chefökonom economiesuisse
Wie gross ist China für die Schweiz wirklich?
Gemessen an den Exporten: kleiner, als viele denken. 2025 lieferte die Schweiz ohne Gold Waren für rund 15,2 Milliarden Franken nach China und bezog für rund 18,3 Milliarden Franken von dort, schreibt das SECO. Das sind gut 5 Prozent aller Schweizer Exporte. Ohne Gold hat die Schweiz mit China ein Handelsdefizit von rund 3 Milliarden Franken. Erst mit dem Gold dreht die Bilanz ins Plus, zeigt der Jahresbericht des BAZG.
Das letzte Jahr war kein gutes. Die Exporte nach China fielen 2025 um 6,1 Prozent, auf den tiefsten Stand seit 2020. Die Uhrenexporte sanken um 12,1 Prozent, China rutschte hinter Japan auf Rang drei der Uhrenmärkte. Der US-Zollschock hat Schweizer Waren nicht nach Osten umgeleitet. Die Exporte in die USA stiegen im selben Jahr um 3,9 Prozent.
Die wichtigere Zahl steht aber nicht in der Aussenhandelsstatistik. Sie steht bei der Nationalbank. Schweizer Firmen betreiben in China 800 Tochtergesellschaften mit rund 170 000 Beschäftigten, mehr als in Frankreich oder Grossbritannien. Und sie setzen dort 46 Milliarden Franken um, zeigt der Bericht der SNB zu den Direktinvestitionen. Das ist dreimal so viel, wie die Schweiz 2025 ohne Gold nach China exportierte.

Für die grossen Schweizer Firmen ist China also weniger ein Ziel für Container als ein Ort, an dem sie selbst produzieren und verkaufen. Für die KMU, die vor allem von der Schweiz aus liefern, zählt dagegen jeder Prozentpunkt Zoll. Für sie zählt das neue Abkommen am meisten.
«Für ein Schweizer KMU bedeutet das optimierte Freihandelsabkommen vor allem tiefere Markteintritts- und Vertriebskosten. Bisher war rund die Hälfte der Waren aus der Schweiz zollbefreit, bei Inkrafttreten werden es 77 Prozent sein, mit dem Ziel von 99 Prozent. Modernisierte Ursprungsregeln und neue Bestimmungen zu Dienstleistungen und digitalem Handel schaffen zusätzliche Flexibilität. China wird für KMU damit einfacher, aber nicht weniger anspruchsvoll: Entscheidend bleiben lokale Präsenz, Partnerschaften und ein klares Verständnis der Kundenbedürfnisse vor Ort.»
Robert M. Wiest, Präsident der Swiss-Chinese Chamber of Commerce
Was Peking bis 2030 vorhat
Gut fünf Monate vor dem Abschluss in Bern hatte der Nationale Volkskongress in Peking den 15. Fünfjahresplan gebilligt, am 12. März 2026, meldete Xinhua. 62 Kapitel, rund 80 000 Schriftzeichen. Das häufigste Schlüsselwort ist die künstliche Intelligenz, zählt das Berliner China-Institut MERICS.
Für Schweizer Firmen stecken zwei Botschaften darin, und sie ziehen in entgegengesetzte Richtungen.
Die erste: China will mehr importieren, und zwar «dringend benötigte fortschrittliche Technik und Ausrüstung», hochwertige Agrarprodukte und produktionsnahe Dienstleistungen, so Kapitel 22 des Plans. Ausländische Firmen sollen gleich behandelt werden wie inländische, Regionalsitze und Forschungszentren sind ausdrücklich erwünscht. Telekom, Bildung, Gesundheit und Biotechnologie sollen sich schrittweise öffnen, auch mit Pilotprojekten für Spitäler in ausländischem Alleinbesitz.
Die zweite: Genau dort, wo China heute einkauft, will es aufholen. Mit «ausserordentlichen Massnahmen», auf Chinesisch 超常规措施, chāochángguī cuòshī, sollen bis 2030 Durchbrüche gelingen, bei Halbleitern, bei Werkzeugmaschinen und bei Hochpräzisionsinstrumenten. In einem eigenen Programm will China auch Implantate für Herz und Knochen selbst entwickeln. Das sind Schweizer Kernbranchen.

Wer daraus Angst liest, liest falsch. Wer daraus Bequemlichkeit liest, auch. Der Plan beschreibt ein Fenster. Es steht heute offen, weil China die Spitzentechnik noch braucht. Wie lange, entscheidet die Geschwindigkeit, mit der chinesische Hersteller nachziehen. Wie schnell sie sind, habe ich am Beispiel der Industrieroboter und der Händler von Yiwu beschrieben.
«China ist für die Schweizer Tech-Industrie nicht nur ein Markt, sondern auch ein Seismograf für die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Wir werden China nicht mit chinesischen Rezepten schlagen, sondern indem wir unsere Stärken bei Qualität und Innovationskraft mit mehr Tempo, Kundennähe und Serviceorientierung verbinden. Die Modernisierung des Freihandelsabkommens ist wichtig, weil sie Zollnachteile vor allem bei Hochtechnologieprodukten beseitigt.»
Martin Hirzel, Präsident Swissmem
Dazu kommt ein Markt, der in keinem Fenster verschwindet: das Alter. Ende 2025 lebten in China 323 Millionen Menschen, die 60 Jahre oder älter waren, meldet das Statistikamt. Das sind rund 35-mal so viele Menschen, wie in der Schweiz leben. Der Plan will die «Silberwirtschaft», 银发经济, yínfà jīngjì, fördern, einen höheren Anteil an Pflegebetten in Altersheimen und mehr Pflegefachkräfte: von 4,3 auf 5,1 je 1000 Einwohner bis 2030.

Wer dort schon gewinnt
Die Gewinner der letzten Jahre haben eines gemeinsam: Sie verkaufen etwas, das China selbst noch nicht in derselben Qualität baut, oder sie bauen es gleich vor Ort.
Die Zulieferer der Halbleiter- und Elektronikindustrie leben gut mit China. Bei VAT in Haag stammten 2025 rund 32 Prozent des Umsatzes aus China, das Geschäft mit chinesischen Direktkunden wuchs um 24 Prozent, zeigt der Geschäftsbericht. Bei Inficon in Bad Ragaz waren es 28,3 Prozent, bei LEM in Meyrin 35,7 Prozent im Geschäftsjahr 2025/26, wenn auch bei sinkendem Umsatz in China.
Schweizer Marken wachsen, wo chinesische Kunden Qualität suchen und bezahlen. Der Laufschuhhersteller On steigerte den Umsatz in Asien-Pazifik im ersten Halbjahr 2026 währungsbereinigt um 58,1 Prozent, getrieben vor allem von starkem Wachstum in China und Japan, steht im Bericht an die US-Börsenaufsicht. Bei der Outdoor-Marke Mammut aus Seon vereinbarte im Juli ein chinesischer Investor, CPE Yuanfeng, gleich die ganze Firma zu kaufen. Der Sitz soll im Aargau bleiben, berichtete cash.ch. Austausch funktioniert in beide Richtungen.

Andere produzieren dort, wo ihre Kunden sind. Der Medtech-Hersteller Ypsomed baute in Changzhou für rund 150 Millionen Franken ein Werk für bis zu 100 Millionen Injektionssysteme im Jahr, in 14 Monaten, berichtete BioSpectrum Asia. Belimo aus Hinwil, Hersteller von Antrieben und Ventilen für Gebäudetechnik, wuchs in Asien-Pazifik 2025 in Lokalwährung um 28,9 Prozent, getragen von Rechenzentren.
Es gibt auch die andere Seite. Schindler gründete 1980 das erste industrielle Joint Venture eines ausländischen Unternehmens in der Volksrepublik, erinnerte Bundesrat Ignazio Cassis in einer Rede. Heute bremst die Baukrise in China das Neuanlagengeschäft, auch bei Sika und Geberit. Und bei den Uhren fällt der Zoll ausgerechnet in einer Zeit schwacher Nachfrage.
Und es gibt die echten KMU. Die DERAP AG aus Heimberg bei Thun, ein Anlagenbauer mit zwölf Mitarbeitenden, machte um 2020 rund 60 Prozent ihres Auslandsumsatzes in China. Geschäftsführer Peter Keller reiste dafür rund vierzigmal nach Fernost, erzählte er im KMU-Leitfaden China der FHNW. Beim Nanotech-Spezialisten Nanosurf aus Liestal stieg China von 1 Prozent des Umsatzes 2009 auf rund 15 Prozent im Jahr 2021.
Leicht ist es nicht. In der Umfrage unter Schweizer Firmen in China, dem Swiss Business in China Survey der Universität St. Gallen, nannten 87 Prozent den harten Wettbewerb als grösste Herausforderung. Und doch wollen 42 Prozent mehr investieren, sieben Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Das Vertrauen in den Markt liegt bei 7,24 von 10 Punkten. Wer in China bleibt, bleibt nicht aus Gewohnheit.

«Der chinesische Markt ist in den meisten Sektoren der wettbewerbsintensivste der Welt. Wer dort mithalten will, muss kontinuierlich investieren, sonst droht er den Anschluss zu verlieren. Kein Unternehmen kann global wettbewerbsfähig bleiben, wenn es nicht auf dem chinesischen Markt wettbewerbsfähig und Teil des chinesischen Ökosystems in seinem Sektor ist. Das erklärt, warum so viele Schweizer Unternehmen weiterhin in China investieren.»
Prof. Dr. Tomas Casas i Klett, Universität St. Gallen
Wo noch kaum Schweizer stehen
Die Liste der Gewinner ist lang. Die Liste der Lücken ist interessanter.
Das Alter. 323 Millionen Menschen über 60, ein Plan, der Pflege und Silberwirtschaft fördert. In der Analyse von Switzerland Global Enterprise zur Silver Economy vom Juli 2026 tauchen als Zielmärkte Singapur, Japan, Deutschland, die USA und die Golfstaaten auf, China nicht, so die S-GE-Analyse. Für Anbieter von Hilfsmitteln, Reha, Pflegekonzepten und Komponenten wächst hier ein Markt mit 323 Millionen möglichen Kunden.
Die Ausbildung. Der Plan will mehr «大国工匠», dàguó gōngjiàng, Meisterhandwerker für eine grosse Nation, und mehr Pflegefachkräfte. Kaum ein Land bildet Fachkräfte so aus wie die Schweiz mit ihrer Berufslehre. Bildung soll sich laut Plan für ausländische Anbieter öffnen.

Die Nischen der Maschinenindustrie. Die letzten 5 Prozent der bisher nicht zollbefreiten Zolllinien machen 14 Prozent der Exporte der Tech-Industrie nach China aus, rechnet Swissmem. Gerade die Spezialisten, die bisher an diesen Zöllen hängen blieben, gewinnen am meisten.
Die Gäste. 2025 zählten Schweizer Hotels 792 566 Logiernächte chinesischer Gäste, 43,1 Prozent weniger als 2019, zeigt die Statistik des BFS. Mehr als zwei Fünftel des Geschäfts von damals fehlen noch.
Der Genuss. Die Schokoladenexporte nach China haben sich in zehn Jahren auf über 3000 Tonnen im Jahr mehr als verdreifacht, zeigt die Evaluation der HSG. Für Käse und Röstkaffee fällt der Zoll im neuen Abkommen nach einer Frist von zehn Jahren.
Das Fenster, das der Fünfjahresplan beschreibt, und das Abkommen, das in Bern abgeschlossen wurde, gehen gleichzeitig auf. Das kommt nicht oft vor.
Was jetzt noch fehlt: das Parlament, vielleicht das Volk

Unterzeichnet heisst noch nicht in Kraft. Am 30. Oktober 2026 traf Bundespräsident Guy Parmelin Staatspräsident Xi Jinping, im Anschluss unterzeichneten beide Länder das Abkommen, meldete der Bundesrat. Danach muss das Parlament zustimmen, das Verfahren dauert laut SECO mindestens ein Jahr, berichtete das Handelsblatt. Gegen den Beschluss kann das Referendum ergriffen werden, mit 50 000 Unterschriften in 100 Tagen. Die Grünen haben angekündigt, es zu tun, falls verbindliche Regeln zum Schutz der Menschenrechte fehlen. Die SP will den Vertrag genau prüfen.
Für Exporteure steckt in den Details eine gute Nachricht. Künftig sollen unter bestimmten Bedingungen auch Bearbeitungsschritte in Drittstaaten wie Deutschland möglich sein, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf das SECO. Zudem müssen die Waren nicht mehr direkt zwischen der Schweiz und China transportiert werden. Die genauen Ursprungsregeln stehen im Abkommenstext, den der Bund veröffentlicht. Swissmem warnt, jede Verzögerung verschaffe chinesischen Mitbewerbern Zeit, eine Ablehnung wäre für die Branche ein schwerer Rückschlag.

«Auch mit der geplanten Lockerung bei den Drittstaatenanteilen gilt: Zollvergünstigungen beim Import in China gibt es nur, wenn das fertige Produkt nach den Ursprungsregeln des Abkommens als Schweizer Ursprungsware gilt. Unternehmen sollten deshalb für jedes Exportprodukt prüfen, ob die Vormaterialien aus Drittstaaten in der Schweiz ausreichend bearbeitet wurden, und dies sauber belegen können. Welche Erleichterungen konkret gelten, zeigt sich erst, wenn der Abkommenstext nach der Unterzeichnung veröffentlicht ist. Bis zum Inkrafttreten bleiben die heutigen Regeln massgebend.»
Simeon Probst, Partner, Leiter Zölle und internationaler Handel bei PwC Schweiz
«Wir wissen aus vielen Jahren Forschung: Je einfacher die Nutzung eines Abkommens für Unternehmen, desto höher die Nutzungsrate. Je höher die potenziellen Einsparungen, desto grösser der Anreiz. Und wer ein Abkommen einmal erfolgreich genutzt hat, wird es routinemässig wieder tun.»
Prof. Dr. Patrick Ziltener, Universität Zürich
Zum Mitnehmen: Das neue China-Abkommen in fünf Schritten nutzen
- Zolltarif prüfen. Unter welcher Zolltarifnummer läuft Ihr Produkt, wie viel Zoll erhebt China heute, und wie schnell fällt er? Die Sektoren und Fristen stehen im Factsheet des SECO.
- Den Ursprung nachweisen. Den Nullzoll gibt es nur mit Ursprungsnachweis. 2022 nutzten Schweizer Exporteure die Vorteile des alten Abkommens erst für 71 Prozent der berechtigten Lieferungen, zeigt die Evaluation der Universität St. Gallen. Für den Rest wurde der normale Zoll fällig. Wer Teile aus Deutschland oder anderen Drittstaaten verbaut, sollte die neuen Ursprungsregeln genau lesen, sobald der Abkommenstext vorliegt.
- Den Zeitplan kennen. Das Abkommen ist seit dem 30. Oktober 2026 unterzeichnet, nun folgt die Genehmigung im Parlament, die mindestens ein Jahr dauert. Die Zölle fallen ab Inkrafttreten schrittweise, spätestens nach zehn Jahren.
- Die richtigen Türen nutzen. Der Swiss Business Hub China von Switzerland Global Enterprise berät vor Ort. Die Schweizerisch-Chinesische Handelskammer in Zürich führt am 18. November 2026 ein Webinar zum Abkommen durch. Swiss Centers in Shanghai, Changzhou und Tianjin bieten KMU einen Landeplatz.
- Hinfahren. Schweizer reisen derzeit bis zu 30 Tage ohne Visum nach China. Die Regel gilt bis Ende 2026.
Häufige Fragen
Was ändert das neue Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China?
Der Anteil der Schweizer Exporte, die zollfrei nach China gehen, steigt von 53,6 Prozent auf 77,5 Prozent ab Inkrafttreten und auf 99,8 Prozent nach Übergangsfristen von höchstens zehn Jahren. Uhren, Pharma, Chemie, Maschinen und Präzisionsinstrumente werden vollständig zollfrei. Dazu kommen Regeln zu Dienstleistungen, Investitionen, digitalem Handel und Wettbewerb.
Ab wann gilt das optimierte Freihandelsabkommen mit China?
Die Verhandlungen wurden am 20. August 2026 abgeschlossen. Unterzeichnet wurde es am 30. Oktober 2026, nun muss das Parlament es genehmigen, was laut SECO mindestens ein Jahr dauert. Wird das Referendum ergriffen, entscheidet das Volk. Ein Datum für das Inkrafttreten steht noch nicht fest.
Welche Schweizer Branchen profitieren am meisten?
Am meisten die Uhrenindustrie, bei der bisher nur 1 Prozent der Exporte zollfrei war, dazu Pharma (29,1 Prozent) und der Maschinenbau. Das SECO beziffert das zusätzliche Sparpotenzial auf rund 244 Millionen Franken im Jahr, vor allem bei Uhren, Maschinen und Pharma.
Was ändert sich bei den Ursprungsregeln?
Laut SECO dürfen künftig unter bestimmten Bedingungen auch Bearbeitungsschritte in Drittstaaten stattfinden, etwa in Deutschland, und die Ware muss nicht mehr direkt zwischen der Schweiz und China transportiert werden. Die Details stehen im Abkommenstext, den der Bund veröffentlicht.
Quellen
- Bundesrat, «Die Schweiz und China stärken ihre Zusammenarbeit im Handel und in der Wissenschaft», 30. Oktober 2026 admin.ch
- Bundesrat, Medienmitteilung zur Reise von Bundespräsident Parmelin nach China, 26. Oktober 2026 admin.ch
- WBF, Medienmitteilung zum Abschluss der Verhandlungen, 20. August 2026 wbf.admin.ch
- SECO, Factsheet zur Optimierung des FHA Schweiz-China, August 2026 seco.admin.ch
- Handelsblatt, «China: Zollvorteil unter Vorbehalt», 28. September 2026 handelsblatt.com
- nume.ch, «Freihandelsabkommen Schweiz-China: Was jetzt bekannt ist», 23. August 2026 nume.ch
- frontaliereticino.ch, Uhrenexporte und FH, 25. August 2026 frontaliereticino.ch
- BAZG, Jahresbericht Schweizer Aussenhandel 2025, Juli 2026 bazg.admin.ch
- SNB, Direktinvestitionen 2024, 12. Dezember 2025 snb.ch
- Xinhua, Billigung und Volltext des 15. Fünfjahresplans, 13. März 2026 gov.cn · Volltext
- MERICS, «Deciphering the 15th Five-Year Plan», 19. März 2026 merics.org
- Nationales Statistikamt Chinas, Bevölkerungsdaten 2025, 19. Januar 2026 stats.gov.cn
- Universität St. Gallen, Swiss Business in China Survey 2025, 3. Februar 2026; Evaluation zehn Jahre FHA, 13. Oktober 2023 unisg.ch · unisg.ch
- Swissmem, «Modernisiertes Freihandelsabkommen mit China», 2. September 2026 swissmem.ch
- Geschäfts- und Halbjahresberichte: VAT Group 2025, On Holding Q2 2026 vatgroup.com · sec.gov
- cash.ch/AWP, Mammut erhält neuen Besitzer aus China, 30. Juli 2026; BioSpectrum Asia, Ypsomed eröffnet Werk in China, 3. Juli 2025 cash.ch · biospectrumasia.com
- Bundesrat Ignazio Cassis, Rede vom 24. April 2025 admin.ch
- FHNW China Centre, KMU-Leitfaden China, 2022 PDF
- Switzerland Global Enterprise, Silver Economy und Life Sciences, 23. Juli 2026 s-ge.com
- BFS, Beherbergungsstatistik 2025, 25. Februar 2026 PDF
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