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China · 5 min ·

354 000 Roboter in einem Jahr: China kauft nicht Maschinen, sondern Erfahrung

China hat 2025 rund 354 000 Industrieroboter installiert, 59 Prozent aller neuen Roboter der Welt. Merag Shahzad reist seit 2010 nach Shenzhen und erklärt, warum die Zahl mehr über Lerntempo als über Maschinen erzählt, und was Schweizer Chefs daraus mitnehmen.

Roboterhund auf einer Strasse in Huaqiangbei, Shenzhen

Foto: BAIEDEIN iwm Twoiammx / Wikimedia Commons, CC0

Kurz gesagt: China hat 2025 rund 354 000 neue Industrieroboter installiert, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Das sind 59 Prozent aller neuen Industrieroboter der Welt, meldet der Branchenverband IFR. Die Zahl erzählt weniger von Maschinen als von Lerntempo: Jede neue Anlage liefert Erfahrung, und China sammelt davon mehr als der Rest der Welt zusammen. Für Schweizer Firmen ist das kein Grund zur Angst, sondern eine Einladung, genauer hinzuschauen.

Seit 2010 reise ich regelmässig nach China, meistens nach Shenzhen. Und jedes Mal finde ich eine andere Gesellschaft vor. 2015 war das Land ein anderes als 2010. 2019 ein anderes als 2015. Und 2026 ist es wieder eine andere Welt als 2019. Es ändern sich nicht nur die Technik und die Gebäude. Es ändern sich die Gewohnheiten, die Sprache in den Büros, die Art, wie Leute über Arbeit reden.

Ich spreche Mandarin. Ich höre deshalb, was die Menschen sagen, und nicht, was ein Übersetzer daraus macht. Was ich höre, ist selten Angst vor der Zukunft. Es ist Neugier auf die nächste Version.

Wie schnell automatisiert China?

Schneller als jedes andere Land. 354 000 Industrieroboter gingen 2025 in China in Betrieb, ein Plus von 20 Prozent, zeigt der Bericht World Robotics 2026 der International Federation of Robotics. Weltweit waren es gut 600 000. Fast drei von fünf neuen Robotern stehen damit in China.

Der Rest der Welt bewegt sich langsamer. Die USA installierten rund 38 400 Roboter, Japan 36 219, 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Deutschland kam auf 24 842, ein Minus von 8 Prozent. In der EU sanken die Installationen um 11 Prozent, berichtet The Next Web.

Grafik: Von 100 neuen Industrierobotern der Welt gingen 2025 59 nach China und 4 nach Deutschland
Quelle: IFR, World Robotics 2026. Grafik: Leitgrad

Die Grafik zeigt das Verhältnis: 59 von 100 neuen Robotern gingen nach China, 4 nach Deutschland. Bemerkenswert ist, wer sie baut. 195 000 der Roboter in China stammen von chinesischen Herstellern, das sind 55 Prozent des Heimmarkts. Ausländische Anbieter wuchsen 2025 allerdings noch stärker, um 27 Prozent.

Warum ist die Zahl spannender als die Roboter?

Weil ein Roboter nicht fertig ist, wenn er geliefert wird. Erst im Betrieb zeigt sich, welcher Greifer fehlt, welche Daten die Steuerung braucht und wo ein Mensch die Arbeit besser macht. Jede Anlage ist ein Versuch. Wer 354 000 Versuche im Jahr macht, lernt schneller als einer, der 25 000 macht.

Diesen Vorsprung kann niemand kaufen. Er entsteht in den Hallen, Stunde um Stunde. Und er zeigt sich bis ins Stadtbild.

Wie hat sich Shenzhen verändert?

Die Zahlen erklären, warum ich die Stadt bei jedem Besuch neu kennenlerne:

  • 2010 lebten in Shenzhen 10,4 Millionen Menschen. Die U-Bahn hatte rund 64 Kilometer.
  • 2017 fuhren alle 16 359 Stadtbusse elektrisch, meldete Yale Environment 360. Anfang 2019 waren 99 Prozent der Taxis elektrisch.
  • 2019 war das U-Bahn-Netz über 300 Kilometer lang.
  • 2025 zählte die Stadt 18,25 Millionen Einwohner und 622 Kilometer U-Bahn. Lieferdrohnen flogen über eine Million Einsätze, berichtet Xinhua.
  • 2026 fahren Robotaxis ohne Fahrer im Stadtverkehr. Der Anbieter Pony.ai erreichte in Shenzhen im Februar erstmals kostendeckende Fahrten pro Fahrzeug, steht in seinem Bericht an die US-Börsenaufsicht.

Die Wirtschaftsleistung der Stadt hat sich in diesen fünfzehn Jahren vervierfacht, von 951 Milliarden auf 3873 Milliarden Yuan, so die Angaben des Stadtportals. Umgerechnet sind das rund 557 Milliarden Dollar, in einer einzigen Stadt.

Wo steht die Schweiz?

Gut, aber nicht vorne. Auf 10 000 Industriebeschäftigte kommen in der Schweiz 294 Roboter, Rang 10 weltweit, zeigt die IFR-Rangliste vom April. Südkorea hat 1220, Deutschland 449. China kommt nur noch auf 166. Das liegt an neuen, deutlich höheren Beschäftigtenzahlen aus Peking, nicht an weniger Robotern. Ein Jahr zuvor wies die IFR für China noch 470 aus.

Gleichzeitig verkauft die Schweiz ihren bekanntesten Roboterbauer. ABB gibt die Robotiksparte für 5,4 Milliarden Dollar an den japanischen Konzern Softbank ab. Der Abschluss war laut ABB für das zweite Halbjahr 2026 geplant.

Die Schweizer Firmen in China spüren das Tempo. 87 Prozent nennen schärferen Wettbewerb als wichtigste Veränderung, ergab die Umfrage der Universität St. Gallen. Trotzdem wollen 42 Prozent mehr investieren. Und der Zugang wird leichter: Mit dem modernisierten Freihandelsabkommen sollen 99,8 Prozent der Schweizer Exporte zollfrei nach China gehen, bisher ist es rund die Hälfte. Die Verhandlungen schloss das SECO im August ab.

Was können Schweizer Chefs mitnehmen?

  • Lerntempo messen, nicht Maschinen zählen. Wie oft probiert Ihre Firma etwas Neues aus? Und wie schnell wissen Sie, ob es funktioniert?
  • Klein automatisieren, aber oft. Ein Roboter an einer Station, die jeden Tag dasselbe tut, lehrt mehr als ein Grossprojekt in drei Jahren.
  • Selbst hinfahren. Nicht an eine Messe, sondern in eine Fabrik. Wer China nur aus Berichten kennt, sieht ein Land, das es so nicht mehr gibt.

Meine Einschätzung: China ist nicht unheimlich, China ist schnell. Das ist ein Unterschied. Schnelligkeit lässt sich lernen. Die Schweiz hat dafür gute Voraussetzungen: Präzision, Fachkräfte, kurze Wege zwischen Hochschule und Werkhalle. Was ihr manchmal fehlt, ist der Mut, früh und unfertig anzufangen. Genau den bringe ich von jeder Reise mit nach Hause.

Wie die Schweizer Robotik aufgestellt ist, zeigt unser Dossier Robotik. Warum Zürich zum Zentrum der physischen KI wird, steht in diesem Beitrag. Wie Roboter mit Bewegungsdaten von Menschen lernen, erklärt unsere Meldung zu Tesla Optimus. Und was Freihandelsabkommen im Alltag bewirken, zeigt der Fall Malaysia.

Häufige Fragen

Wie viele Industrieroboter hat China 2025 installiert?

Rund 354 000, ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2024. Das sind 59 Prozent aller weltweit neu installierten Industrieroboter, so der IFR-Bericht World Robotics 2026 vom 24. September 2026.

Wie hoch ist die Roboterdichte in der Schweiz?

294 Industrieroboter pro 10 000 Beschäftigte in der Industrie, Datenjahr 2024. Damit liegt die Schweiz weltweit auf Rang 10, hinter Südkorea, Singapur, Deutschland und Japan.

Was ändert das neue Freihandelsabkommen mit China?

Nach dem Abschluss der Verhandlungen im August 2026 sollen 99,8 Prozent der heutigen Schweizer Exporte zollfrei nach China gehen. Das SECO schätzt die Zollersparnis auf 244 Millionen Franken pro Jahr. Unterzeichnet und genehmigt ist das Abkommen noch nicht.

Quellen

  1. International Federation of Robotics, World Robotics 2026, Pressemitteilungen China und Welt, 24. September 2026 China · Welt
  2. The Next Web, China installs 59% of new factory robots as EU installations fall 11%, 24. September 2026 thenextweb.com
  3. IFR, Roboterdichte, Pressemeldung 8. April 2026 ifr.org
  4. Shenzhen: Eye Shenzhen, Wirtschaftsdaten 2025, 2. Februar 2026; Yale Environment 360, 3. Januar 2018; Xinhua via Newsgd, 14. Juni 2026; Pony AI, Form 6-K, März 2026 BIP · Busse · Drohnen · Robotaxis
  5. Einwohner und U-Bahn: Jiemian, 2026; Eye Shenzhen, 9. Dezember 2019 und 10. Dezember 2025; Wikipedia, Shenzhen Metro jiemian.com · eyeshenzhen.com · wikipedia.org
  6. ABB, Verkauf Robotics an Softbank, 8. Oktober 2025; Quartalsbericht Q2 2026, 16. Juli 2026 Verkauf · Q2
  7. Universität St. Gallen, Swiss Business in China Survey, 3. Februar 2026; SECO, Freihandelsabkommen Schweiz-China, 20. August 2026 unisg.ch · seco.admin.ch
Merag Shahzad

China · Die Kolumne

Merag Shahzad ist Gründer und Herausgeber von Leitgrad und führt die Zürcher GEO-Agentur meit. In der Kolumne «2 Rappen» schreibt er über Sichtbarkeit, Macht und Diskretion in der Schweizer Wirtschaft. Zum Profil

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Merag Shahzad ist Gründer und Herausgeber von Leitgrad und führt die Zürcher GEO-Agentur meit. In der Kolumne «2 Rappen» schreibt er über Sichtbarkeit, Macht und Diskretion in der Schweizer Wirtschaft. Zum Profil

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