Briefing · 5 min ·

Nein, Grindr hat Hyrox nicht gekauft. Verkauft hat eine Firma aus Zug

Auf Instagram kursiert, die Dating-App Grindr habe die Fitness-Rennserie Hyrox übernommen. Das stimmt nicht. Gekauft hat ein Konsortium um L Catterton, verkauft hat die Zuger Infront Sports & Media, die mehrheitlich der chinesischen Wanda Group gehört.

Richtigstellung · 13. September 2026

Auf Instagram kursiert seit Tagen die Meldung, die Dating-App Grindr habe die Fitness-Rennserie Hyrox gekauft. Sie ist falsch. Richtig ist eine Geschichte, die für die Schweiz interessanter wäre: Verkäuferin ist eine Firma aus Zug.

Das Wichtigste in Kürze

Falsch: Grindr hat Hyrox gekauft. Richtig: Ein Konsortium unter Führung der US-Beteiligungsgesellschaft L Catterton hat am 8. September gemeinsam mit den beiden Hyrox-Gründern und der Investmentfirma WndrCo die Mehrheitsbeteiligung von Infront Sports & Media an Hyrox übernommen. Infront hat seinen Hauptsitz in Zug und gehört mehrheitlich der chinesischen Wanda Group. Mit Grindr hat die Transaktion nichts zu tun, und keine der beteiligten Firmen ist an Grindr beteiligt.

Nein, Grindr hat Hyrox nicht gekauft. Verkauft hat eine Firma aus Zug.

Ein Instagram-Beitrag mit über 30 000 Likes behauptet, die Dating-App habe die Fitness-Rennserie übernommen. Die Eigentümerkette führt anders.

Leitgrad-Grafik: Zwei Felder gegenübergestellt. Links die Behauptung «Grindr» aus dem Netz, rechts in Rot «Zug» für Infront Sports & Media als tatsächliche Verkäuferin.
SportsPro zur Transaktionsmitteilung, 8. September 2026; Global Banking & Finance Review, 9. September 2026; Infront zum Abschluss

Was falsch ist

Der Ausgangspunkt ist ein Beitrag eines Instagram-Kontos mit über 30’000 Likes, überschrieben mit «BREAKING: Grindr acquired the fitness racing brand». Die Behauptung verbreitete sich weiter, weil sie eine naheliegende Pointe hat und weil niemand nachschaut.

Sie ist unzutreffend. Grindr Inc. ist an der New Yorker Börse kotiert und hat die Fitnessserie nicht gekauft. Das Unternehmen kommt in keiner der Transaktionsmitteilungen vor.

Auch die Variante, die inzwischen kursiert (dieselbe Beteiligungsgesellschaft habe zuerst Grindr und nun Hyrox gekauft), ist nicht belegt. Bei Grindr gab es zwar einen Übernahmeversuch: Die Grossaktionäre Raymond Zage und James Lu wollten das Unternehmen von der Börse nehmen und boten dafür rund 3,46 Milliarden Dollar. Das Angebot wurde im November 2025 zurückgezogen, die Verhandlungen endeten. Weder L Catterton noch WndrCo waren daran beteiligt.

Was stimmt

Am 8. September 2026 wurde bekannt gegeben, dass ein Konsortium unter Führung von L Catterton die Mehrheitsbeteiligung von Infront Sports & Media an Hyrox übernimmt. Zum Konsortium gehören die beiden Mitgründer Christian Toetzke und Moritz Fürste (Fürste ist zweifacher Olympiasieger im Hockey) sowie WndrCo, die Investmentfirma von Jeffrey Katzenberg und Sujay Jaswa.

Fürste zur Transaktion: «This acquisition marks a pivotal next step in the rapid evolution.» Infront-Chef Philippe Blatter nennt sie «the right next step».

Zum Preis: Die Mitteilung nennt keinen. Mehrere Medien berichten von rund 600 Millionen Euro. Bestätigt ist diese Zahl nicht. Wir führen sie deshalb als Medienangabe und nicht als Fakt.

Die Grössenordnung des Objekts ist dagegen belegt: In der Saison 2025/26 zählte Hyrox nach eigenen Angaben über 1,4 Millionen Teilnehmende und mehr als 1,5 Millionen Zuschauende.

Der Schweizer Teil, den niemand erzählt

Hier wird es für Leserinnen und Leser in der Schweiz relevant. Die Verkäuferin, Infront Sports & Media AG, hat ihren Hauptsitz in Zug. Geführt wird sie von Philippe Blatter als President & CEO.

Infront gehört seit 2015 mehrheitlich der chinesischen Wanda Group. Diese Eigentumsfrage stand zuletzt selbst zur Disposition: Am 6. Februar 2026 teilten Wanda und Infront mit, ein strategischer Überprüfungsprozess sei abgeschlossen. Wanda bleibt Mehrheitseigentümerin. Blatter damals: «This decision provides clarity and continuity for our clients, partners and employees.»

Die Kette liest sich also so: Ein chinesischer Konzern besitzt eine Zuger Sportrechtefirma, die ihre Mehrheit am weltweit am schnellsten wachsenden Breitensport-Format an eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft verkauft, hinter der unter anderem Kapital aus dem Umfeld des französischen Luxuskonzerns LVMH steht.

Kein einziger Schritt dieser Kette hat in einer Schweizer Schlagzeile gestanden. Die Falschmeldung über Grindr dagegen schon.

Warum das mehr ist als eine Korrektur

Zug ist für Sportrechte das, was Zug für Rohstoffe ist: ein Standort, an dem Verfügungsgewalt über globale Vermögenswerte sitzt, ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt. Infront vermarktet unter anderem Rechte im Winter- und Sommersport und ist damit einer der grossen Player der Branche, gesteuert aus einem Kanton mit gut 130’000 Einwohnern.

Wenn eine solche Firma eine Mehrheit an einem Format verkauft, das in einer Saison 1,4 Millionen Menschen bewegt, ist das eine Schweizer Wirtschaftsnachricht. Sie wurde hier nur nicht als solche behandelt.

Der Befund

Die falsche Meldung war schneller als die richtige, weil sie besser klang. Das ist der Normalfall und kein Skandal.

Bemerkenswert ist etwas anderes: Die wahre Geschichte enthält einen chinesischen Eigentümer, einen Zuger Hauptsitz, einen Blatter und einen amerikanischen Finanzinvestor. Sie wäre die bessere Schlagzeile gewesen. Sie hatte nur niemanden, der sie erzählt.

Wir korrigieren Falschmeldungen, die den Schweizer Wirtschaftsraum betreffen. Ist Ihnen eine begegnet? Kontakt zur Redaktion.

Zur Methode: Sämtliche Aussagen sind öffentlich dokumentiert und unten verlinkt. Leitgrad hat sie zusammengetragen, geprüft und eingeordnet; niemand wurde für diese Meldung befragt. Der kolportierte Transaktionswert von rund 600 Millionen Euro ist eine Medienangabe und wurde von den Beteiligten nicht bestätigt. Zum Hauptsitz von Hyrox selbst machen wir keine Angabe, weil sie sich aus den vorliegenden Mitteilungen nicht zweifelsfrei ergibt.

Quellen (abgerufen am 12. September 2026)

  1. SportsPro, Consortium led by L Catterton in partnership with HYROX founders acquires Infront’s majority stake in HYROX (8. September 2026)
  2. Global Banking & Finance Review, Hyrox founders reclaim majority stake in fitness-racing group (9. September 2026)
  3. Infront, Wanda Group and Infront announce conclusion of strategic review process (6. Februar 2026)
  4. Infront, Wanda Group completes acquisition of Infront Sports & Media AG
  5. Forbes, Grindr majority shareholders led by billionaire Raymond Zage withdraw buyout bid (26. November 2025)

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